Bonbaden
Bonbaden Stadt Braunfels | |
|---|---|
| Koordinaten: | 50° 30′ N, 8° 26′ O |
| Höhe: | 170 m ü. NHN |
| Fläche: | 7,15 km²[1] |
| Einwohner: | 1572 (31. Dez. 2022)[1] |
| Bevölkerungsdichte: | 220 Einwohner/km² |
| Eingemeindung: | 31. Dezember 1971 |
| Postleitzahl: | 35619 |
| Vorwahl: | 06442 |
Lage von Bonbaden in Braunfels | |
Bonbaden ist ein Ortsteil der mittelhessischen Stadt Braunfels im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis.
Geographie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Geographische Lage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Bonbaden liegt eingebettet im Solmsbachtal, das in Nord-Süd-Richtung verläuft. Im Ort mündet von Osten der Hainbach, der bei Laufdorf entspringt, in den Solmsbach. Bonbaden gehört zum östlichen Hintertaunus und bildet die westliche Grenze des Wetzlarer Hintertaunus. Umgeben ist das Dorf von mehreren Waldgebieten, nur im Süd- und Nordosten liegen mehrere Felder, die heute landwirtschaftlich genutzt werden. Des Weiteren liegt Bonbaden am nördlichen Rand des Naturparks Taunus. Die nächste große Stadt ist Wetzlar.
Geologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Gegend um Bonbaden befinden sich vor allem Sedimentgesteine wie Grauwacken aus dem Devon und Karbon. Während des Devons bedeckte ein nahe am Äquator gelegenes tropisches Meer den Ort. Durch den aktiven Vulkanismus wird das Gebiet von Diabas- und Erzvorkommen geprägt. Zum Ende des Devon schloss sich das Meer zwischen den Kontinenten Gondwana und Laurussia, woraus beim Zusammenstoß das Variszische Gebirge entstand. Dieses ist Grundlage der heutigen europäischen Mittelgebirge und erstreckte sich auch über das damals noch mit Europa verbundene Nordamerika. Der dadurch vorkommende Schiefer diente häufig als Material für Fassadenverkleidungen und Dächer, was an einigen Häusern in Bonbaden heute noch zu sehen ist. Das Material jüngerer Zeitalter wurde durch die Auffaltung, bei der Entstehung des Gebirges, fast gänzlich abgetragen.
Die wenigen Fossilien, welche sich finden lassen, sich meist maritime, versteinerte Trilobiten. Nach einer Kollision der afrikanischen mit der europäischen Platte in der Erdneuzeit kam es neben der Bildung der Alpen in Mitteleuropa erneut zum Vulkanismus. Aus dieser Zeit stammen basaltische Magmaformationen wie der Burgberg von Braunfels und der Stoppelberg in Wetzlar. Eine weitere Auswirkung ist das Vorkommen von Mineralwässern, beispielsweise in Schwalbach. Aus dem Pleistozän sind Löß und Lößlehm vorhanden.
Quelle:[2]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Historische Namensformen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In erhaltenen Urkunden wurde Bonbaden unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[3]
- Banamaden, in villa (772/3) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3139 = 3687c]
- Banemaden, in villa (772/3) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3139 = 3687c]
- Banamatha, in villa (778) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 2999 = 3697]
- Banamada, in villa (778) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 2999 = 3697]
- Banamada, in loco (779–790) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3063 = 3699a]
- Banamaden, in villa (779–790) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3063 = 3699a]
- Banamaden, in villa (779–790) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3140 = 3706c]
- Banamaden, in (779–790) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3140 = 3706c]
- Banamaden, in villa (790) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3138 = 3710 b]
- Banemaden, in (790) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3138 = 3710 b]
- Bombaden [Karte des Kreises Wetzlar]
Von den Anfängen bis zur Gebietsreform in Hessen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Besiedlung von Bonbaden ist bis in die Latènezeit zurückzuführen, als die Westhänge am Solmsbach als Ackerterrassen genutzt wurden.
Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Bonbaden erfolgte als Banamaden im Jahr 772 und Banamatha 778 im Lorscher Codex. Damit zählt Bonbaden zu den ältesten Siedlungen im Altkreis Wetzlar. Der Ort lag in der nachkarolingischen Zeit an einer bedeutenden Furt der „Strata publica“, die Wetzlar mit Weilburg verband.
Aufgrund der Überbevölkerung im Reich wanderten viele Bürger nach Russland aus. Am 21. Juli 1766 immigrierten auch 17 Bonbadener, 6 Erwachsene und 11 Kinder. Im Jahr 1804 emigrierten 17 weitere Bürger in die USA. 1852 folgten acht Bonbadener, elf Bürger mit Ziel New York, im Jahr 1853 und 1854 nochmals vier Personen.[4]
Bonbaden gehörte zur Grafschaft Solms und kam deshalb zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter preußische Herrschaft, wo es der Amtsbürgermeisterei Braunfels unterstellt wurde. Ab 1841 wurde Bonbaden durch die Amtsbürgermeisterei Schöffengrund verwaltet. Im Jahr 1961 schloss die Gemeinde Bonbaden eine Gemeindepartnerschaft mit Rohrmoos-Untertal (Steiermark).
Seit der Gebietsreform
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten zum 31. Dezember 1971 bis dahin selbstständige Gemeinden Bonbaden, Neukirchen und Tiefenbach sowie die Stadt Braunfels auf freiwilliger Basis zur erweiterten Stadt Braunfels.[5][6] Alle eingegliederten Gemeinden und die Kernstadt wurden Stadtteile. Für alle Stadtteile wurde je ein Ortsbezirke per Hauptsatzung gebildet.[7]
Im August 1981 überflutete ein Sommerhochwasser des Solmsbaches den Ort und richtete schwere Schäden an. Heftige Gewitterniederschläge nach einer langen Trockenperiode hatten den Pegel Bonbaden am 11. August 1981 auf den bisherigen Höchststand von 2,75 Metern klettern lassen.[8][9]
Jüdische Gemeinde
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nachweislich lebten seit dem 17. Jahrhundert jüdische Bewohner in Bonbaden. Im Dorf existierten dennoch keine religiösen Bauwerke, wie ein Friedhof oder eine Synagoge. Die Bonbadener Juden gingen in die Synagoge nach Braunfels und wurden in Burgsolms bestattet. Die jüdischen Kinder besuchten die Grundschule im Ort. Ab 1853 gehörte Bonbaden als Filialgemeinde zur Jüdischen Gemeinde Wetzlar. Um 1900 lag der Bevölkerungsanteil mit 32 jüdischen Bürgern bei 4,9 %. In der Zeit des Nationalsozialismus flüchteten drei Familien in die USA und eine nach Großbritannien. 12 Juden wurden im Sommer 1942 in Richtung Osten deportiert. Der Transport erfolgte am 12. Juni 1942 vom Bahnhof Wetzlar über Frankfurt am Main in die Vernichtungslager Sobibor und Majdanek. Ein jüdischer Bürger kam mit dem zweiten Transport am 28. August 1942 ins Vernichtungslager Treblinka.[10]
Verwaltungsgeschichte im Überblick
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,[Anm. 1] denen Bonbaden angehört(e):[3][11]
- 772/3: Lahngau (in pago Logenouue)
- 778: Wettereiba, Wanendorfer Mark (in pago Wetdereiba in Wizelere marca)
- vor 1806: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Solms-Braunfels, Anteil der Grafschaft Solms, Amt Braunfels
- ab 1806: Herzogtum Nassau,[Anm. 2] Amt Braunfels[Anm. 3]
- ab 1816: Königreich Preußen,[Anm. 4] Provinz Großherzogtum Niederrhein, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Braunfels[12]
- ab 1822: Königreich Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar[Anm. 5]
- ab 1866: Norddeutscher Bund,[Anm. 6] Königreich Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar
- ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar
- ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Freistaat Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar
- ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wetzlar
- ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Kreis Wetzlar
- ab 1945: Amerikanische Besatzungszone,[Anm. 7] Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wetzlar
- ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wetzlar
- ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Wetzlar
- ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Wetzlar, Stadt Braunfels[Anm. 8]
- ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Stadt Braunfels
- ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Lahn-Dill-Kreis, Stadt Braunfels
Bevölkerung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einwohnerentwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Bonbaden: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2021 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1834 | 370 | |||
| 1840 | 448 | |||
| 1846 | 466 | |||
| 1852 | 497 | |||
| 1858 | 531 | |||
| 1864 | 550 | |||
| 1871 | 595 | |||
| 1875 | 611 | |||
| 1885 | 662 | |||
| 1895 | 649 | |||
| 1905 | 695 | |||
| 1910 | 789 | |||
| 1925 | 783 | |||
| 1939 | 800 | |||
| 1946 | 1.057 | |||
| 1950 | 1.212 | |||
| 1956 | 1.327 | |||
| 1961 | 1.364 | |||
| 1967 | 1.534 | |||
| 1970 | 1.559 | |||
| 1980 | ? | |||
| 1990 | ? | |||
| 2000 | ? | |||
| 2011 | 1.467 | |||
| 2021 | 1.539 | |||
| Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: Die Bevölkerung der Gemeinden 1834 bis 1967. Wiesbaden: Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. Weitere Quellen: LAGIS[3]; Gemeinde Braunfels[13]; Zensus 2011[14] | ||||

