Bobby Todd
Bobby Todd (* 22. Juni 1904 in Hinterzarten, Baden; † 7. September 1980 in Turin, Italien; eigentlich Hans Karl Rohrer[1]) war ein deutscher Schauspieler, Regisseur, Schriftsteller und Kabarettist.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Hans Karl Rohrer wurde als Sohn des Arztes Hermann Rohrer (1876–1948) und der Opernsängerin Ida Maria Bergheimer (1874–1943) geboren.[2] Er besuchte ein humanistisches Gymnasium in Nürnberg, wo er das Abitur ablegte.[2] Er studierte an der Universität München zunächst einige Semester Medizin, dann Philosophie und Theaterwissenschaft, wo er Seminare bei Artur Kutscher besuchte, und wandte sich der künstlerischen Betätigung und dem Schauspielberuf zu.[2][3][4] In Wilhelm Koschs Theater-Lexikon wird er als „Zahnmediziner“ bezeichnet,[1] eine Angabe, die jedoch nicht verifiziert werden konnte.
1928 stand er erstmals vor einer Filmkamera, in dem 1929 uraufgeführten Lustspiel Miss Evelyne, die Badefee.[3] 1930 gehörte er zusammen mit Helmut Käutner und Kurd E. Heyne zu den Gründern des aus Anlass eines Faschingsfestes des Theaterwissenschaftlichen Seminars entstandenen Studentenkabaretts „Die Nachrichter“, wo er als Autor, Regisseur, Komponist und Schauspieler hervortrat.[1][2][3][4] Als sein professionelles Kabarett-Debüt gilt Hier irrt Goethe, eine Produktion, die 1932 in den Münchner Kammerspielen gezeigt wurde.[4] Insgesamt war Todd von 1930 bis zur durch die Nationalsozialisten erzwungenen Schließung am 1. Oktober 1935 auch als Mitdirektor beim Kabarett „Die Nachrichter“ tätig.[3][4] Todd war Mitglied der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger.[2] Von den Nationalsozialisten als „nichtarisch“ klassifiziert und als politisch „unberechenbar“ eingestuft,[3] erhielt er 1935 Berufsverbot.[1][2]
Nach übereinstimmenden Angaben des Deutschen Filminstituts, des Filmhistorikers Kay Weniger, des Deutschen Theater-Lexikons und des Biographischen Handbuchs der deutschsprachigen Emigration nach 1933 emigrierte Todd, da er in Deutschland nicht mehr arbeiten konnte, im März 1936 über die neutrale Schweiz nach Italien.[1][2][3][5] Er war zunächst von 1936 bis 1938 Student an der Filmakademie Rom und Assistent am „Centro Sperimentale di Cinematografia“.[2] 1938/39 arbeitete er als Regie- und Produktionsassistent für die Filmgesellschaft „Pandora-Film“ in Zürich.[2] Von 1939 bis 1944 war er als Chauffeur, Regie- und Produktionsassistent für verschiedene Filmgesellschaften tätig, u. a. bei der kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs unter der Regie von Luis Trenker in Italien entstandenen Produktion Im Banne des Monte Miracolo (1943–1945).[2][3][5] Nach der Kapitulation Italiens war Todd, der zeitweise Anführer einer anti-nazistischen Untergrundorganisation gewesen war, von 1944 bis 1946 in Rom unter der Ägide der italienischen Regierung und der Alliierten Kontrollkommission mit konsularischen Aufgaben zur Wahrnehmung der Interessen der in Italien lebenden deutschen Staatsangehörigen betraut.[2]
Nach Deutschland zurückgekehrt, wurde er 1947 Abteilungs-Leiter des Unterhaltungsressorts beim bis 1949 existierenden Radio München, dem früheren Reichssender München.[1][2][3][4] Anschließend arbeitete er wieder als Schauspieler und Kabarettist.[1][2] Bei einer Verfilmung des von ihm selbst mitverfassten Programms für „Die Nachrichter“, der Paradiessatire Der Apfel ist ab (1948; nach der Komödie von Kurd Ε. Heyne), spielte er nach dem Ende des „Dritten Reichs“ eine Hauptrolle und wirkte, gemeinsam mit Helmut Käutner, der auch Regie führte, am Drehbuch mit.[1][6]
Bis Anfang der 1960er Jahre spielte Todd zahlreiche kleinere Rollen in deutschen Filmen. Insbesondere Helmut Käutner besetzte Todd mehrfach in seinen Filmen mit Nebenrollen. Er wirkte auch in mehreren, damals populären Märchenfilmen mit, so in Tischlein deck dich (1956; als Vater und Schneider), Die Heinzelmännchen (1956; als Schneider an der Seite von Nora Minor als Schneiderin) und Rübezahl – Herr der Berge (1957; als Bauer Veit).[7][8][9]
In den 1950er Jahren lebte Todd in München, ab 1962 dann „aus gesundheitlichen Gründen“ bis zu seinem Tod wieder dauerhaft in Italien.[1][2][3][4] Er war mit der Schauspielerin, Tänzerin und Schriftstellerin Monica von Eyb (Pseudonym für Ilse Monica Meyer) verheiratet.[1][2][4]
Filmografie (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1929: Miss Evelyne, die Badefee
- 1932: Kreuzer Emden
- 1941: Vom Schicksal verweht
- 1943/48: Im Banne des Monte Miracolo
- 1948: Der Apfel ist ab
- 1949: Hallo Fräulein!
- 1950: Der Mann, der sich selber sucht
- 1952: Das letzte Rezept
- 1954: Hochzeitsglocken
- 1956: Der Meineidbauer
- 1956: Tischlein deck dich
- 1956: Die Heinzelmännchen
- 1957: Monpti
- 1957: Rübezahl – Herr der Berge
- 1958: Der Schinderhannes
- 1958: Mein Schatz ist aus Tirol
- 1958: Bühne frei für Marika
- 1959: Besuch aus heiterem Himmel
- 1959: Die Wahrheit über Rosemarie
- 1960: Oh, diese Bayern!
- 1960: Das Glas Wasser
- 1960: Brücke des Schicksals
- 1961: Schlagerparade 1961
- 1961: Die toten Augen von London
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Herbert A. Frenzel, Hans Joachim Moser (Hrsg.): Kürschners biographisches Theater-Handbuch. Schauspiel, Oper, Film, Rundfunk. Deutschland, Österreich, Schweiz. De Gruyter, Berlin 1956, DNB 010075518, S. 748–749.
- Wilhelm Kosch (Hrsg.): Deutsches Theater-Lexikon. Band IV. Singer – Tzschoppe. Seite 2609. De Gruyter, Berlin [u. a.] 1993, ISBN 978-3-907820-30-8. (abgerufen über De Gruyter Online).
- Kay Weniger: Zwischen Bühne und Baracke. Lexikon der verfolgten Theater-, Film- und Musikkünstler 1933 bis 1945. Mit einem Geleitwort von Paul Spiegel. Metropol, Berlin 2008, ISBN 978-3-938690-10-9, S. 344.
- Todd, Bobby. In: Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Band 2,2. Saur, München 1983, ISBN 3-598-10089-2, S. 1168.
- K.N.: Todd, Bobby. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch 1980. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. Theater – Film – Funk – Fernsehen. 88. Jg., Hamburg 1980, S. 754 (Rubrik „BIOGRAPHISCHES“).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Bobby Todd bei IMDb
- Bobby-Todd-Archiv im Archiv der Akademie der Künste, Berlin
Einzelbelege
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Wilhelm Kosch (Hrsg.): Deutsches Theater Lexikon. Band IV. Singer - Tzschoppe. Seite 2609. De Gruyter, Berlin [u. a.] 1993, ISBN 978-3-907820-30-8. (abgerufen über De Gruyter Online).
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 Todd, Bobby. In: Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band 2,2. Saur, München 1983, S. 1168.
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Kay Weniger: Zwischen Bühne und Baracke. Lexikon der verfolgten Theater-, Film- und Musikkünstler 1933 bis 1945. Mit einem Geleitwort von Paul Spiegel. Metropol, Berlin 2008, ISBN 978-3-938690-10-9, S. 344.
- 1 2 3 4 5 6 7 Herbert A. Frenzel, Hans Joachim Moser (Hrsg.): Kürschners biographisches Theater-Handbuch. Schauspiel, Oper, Film, Rundfunk. Deutschland, Österreich, Schweiz. De Gruyter, Berlin 1956, DNB 010075518, S. 748–749.
- 1 2 Archivlink ( vom 11. Oktober 2008 im Internet Archive)
- ↑ Der Apfel ist ab bei filmportal.de
- ↑ Tischlein deck dich (BRD 1956). Handlung, Besetzung und Bildergalerie auf Märchenfilm.info, abgerufen am 2. April 2026
- ↑ Die Heinzelmännchen (BRD 1956). Handlung, Besetzung und Bildergalerie auf Märchenfilm.info, abgerufen am 2. April 2026
- ↑ Rübezahl - Der Herr der Berge (BRD 1957). Handlung, Besetzung und Bildergalerie auf Märchenfilm.info, abgerufen am 2. April 2026
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Todd, Bobby |
| ALTERNATIVNAMEN | Rohrer, Hans Karl |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Schauspieler und Kabarettist |
| GEBURTSDATUM | 22. Juni 1904 |
| GEBURTSORT | Hinterzarten |
| STERBEDATUM | 7. September 1980 |
| STERBEORT | Turin |