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Blauhai

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Blauhai

Blauhai (Carcharhinus glaucus)

Systematik
Teilklasse: Haie (Selachii)
Überordnung: Galeomorphii
Ordnung: Grundhaie (Carcharhiniformes)
Familie: Requiemhaie (Carcharhinidae)
Gattung: Carcharhinus
Art: Blauhai
Wissenschaftlicher Name
Carcharhinus glaucus
(Linnaeus, 1758)

Der Blauhai (Carcharhinus glaucus, Synonym: Prionace glauca) gehört innerhalb der Haie (Selachii) zur Familie der Requiemhaie (Carcharhinidae). Seinen Namen verdankt er der auffälligen dunkel- bis leuchtendblauen Färbung der Körperoberseite. Mit einer Körperlänge von meist etwa 2,5 bis 3 Metern und maximal rund 4 Metern gehört er zu den größeren Vertretern seiner Familie, charakteristisch sind sein sehr schlanker Körper und die langen, schmalen Brustflossen.

Der Blauhai ist nahezu weltweit in tropischen, subtropischen und gemäßigten Meeren verbreitet und gehört neben dem Weißspitzen-Hochseehai (Carcharhinus longimanus) und dem Seidenhai (Carcharhinus falciformis) zu den am weitesten verbreiteten Hochseehaien. Die Art hält sich überwiegend im offenen Meer auf und unternimmt weiträumige Wanderungen, bei denen einzelne Tiere mehrere tausend Kilometer zurücklegen können. Er ist ein Jäger und ernährt sich vor allem von Schwarmfischen und Kopffüßern, erbeutet jedoch zahlreiche andere Fische und Wirbellose, zudem frisst er Aas und Abfälle. Die Art ist lebendgebärend und kann mit teilweise mehr als 100 Jungtieren außergewöhnlich große Würfe hervorbringen. Die Junghaie ernähren sich im Uterus des Muttertieres über einen Dottersack, der sich zu einer Dottersack-Plazenta entwickelt.

Der Blauhai gehört zu den weltweit am häufigsten gefangenen und auch verarbeiteten Haiarten, wobei er auch in der EU ein wichtiger Speisefisch ist. Er wird sowohl gezielt befischt als auch in großer Zahl als Beifang vor allem der pelagischen Langleinenfischerei gefangen und wegen seines Fleisches und seiner Flossen kommerziell genutzt. Die International Union for Conservation of Nature (IUCN) stuft ihn weltweit als „potenziell gefährdet“ (Near Threatened) ein, wobei einzelne regionale Populationen stärker bedroht sind als andere. Die Art gilt als für den Menschen potenziell gefährlich und es sind einzelne Angriffe auf Menschen dokumentiert.

Traditionell wurde der Blauhai als einzige rezente Art der Gattung Prionace geführt. Eine molekularphylogenetische Untersuchung von 2023 ordnete ihn dagegen innerhalb der Gattung Carcharhinus ein und führte ihn entsprechend als Carcharhinus glaucus.

Blauhai

Allgemeine Merkmale

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Der Blauhai erreicht eine Körperlänge von maximal etwa 4,00 Metern, kann in Einzelfällen aber auch größer werden. Unbestätigte Berichte sprechen sogar von Tieren mit 4,8 oder sogar 6,5 Metern Körperlänge.[1.1][2] Das maximal bekannte dokumentierte Körpergewicht eines Blauhais lag bei 205,9 kg.[3] Die Rückenfärbung der Tiere sowie die Oberseiten der Flossen sind strahlend dunkelblau und die Seiten sind leuchtend blau. Die weiße Unterseite ist gegenüber den Körperseiten scharf abgesetzt.[1.2][2] Sie besitzen keine Körperzeichnung; die hinteren Flossenränder und die Spitzen des Brustflossen können schwärzlich sein.[4]

Der Körper ist vergleichsweise schlank mit einem schmalen und nur leicht abgeflachten Kopf. Die Schnauze ist in der Draufsicht von unten schmal parabolisch und lang, sie ist nicht spatelförmig geformt.[1.3] Der vordere, präorale Teil der Schnauze ist länger als der Zwischennasenraum und die Maulbreite. Die Augen sind groß und besitzen keine hinteren Kerben, sie werden wie bei vielen anderen Haien von einer Nickhaut geschützt. Die Nasenlöcher sind klein, der Zwischennasenraum ist dabei etwa 2,5- bis 3-mal so groß wie die Nasenlochbreite. Die vorderen Nasenlappen sind sehr kurz und breit dreieckig, nicht röhrenförmig. Die Lippenfurchen sind sehr kurz, wobei die oberen kürzer sind als die unteren und ihre Enden weit hinter die Augen reichen.[1.3] Spritzlöcher fehlen, stattdessen sind papillöse Kiemenreusen an den inneren Kiemenöffnungen vorhanden.[1.3][2] Er hat fünf Kiemenspalten, von denen sich die beiden hinteren oberhalb der Brustflossenbasis befinden.[4]

Blauhai

Die Brustflossen sind lang, sehr schmal und sichelförmig. Sie setzen unterhalb des Zwischenraums zwischen der dritten und vierten Kiemenspalte bis unterhalb der vierten Kiemenspalte an. Ihre Länge vom Ansatz bis zur freien hinteren Spitze beträgt die Hälfte oder weniger ihrer vorderen Kantenlänge. Die Afterflosse ist etwas größer als die zweite Rückenflosse, mit kurzen Graten vor dem Anus und einem tief eingekerbten hinteren Rand.[1.3] Die mehr oder weniger sichelförmige Schwanzflosse ist im Vergleich mit anderen Haien mittelgroß. Ihre Länge beträgt höchstens ein Drittel der gesamten Körperlänge.[5.1] Ihr oberer Lobus ist vergleichsweise lang und schmal, er trägt einen großen Endlappen; der untere Lobus ist klein.[4] Am Schwanzstiel befinden sich niedrige Hautkiele sowie oberseits eine quer verlaufende und sichelförmige obere präkaudale Grube.[1.3]

Ein interdorsaler Kamm auf der Rückenmitte fehlt. Im Vergleich zu anderen Vertretern der Requiemhaie ist die erste Rückenflosse deutlich weiter nach hinten verlagert. Ihr vorderer Ansatz liegt deutlich hinter den hinteren Spitzen der Brustflossen, ihre mittlere Basis liegt wesentlich näher an den Beckenflossen als an den Brustflossen, und die freie hintere Spitze liegt leicht vor den Ansatzstellen der Beckenflossen. Die zweite Rückenflosse ist deutlich kleiner als die erste, ihre Höhe beträgt etwa die Hälfte von deren Höhe oder weniger. Ihr Ansatz liegt etwas hinter dem Ansatz der Afterflosse.[1.3]

Die Körperproportionen verändern sich während des Wachstums deutlich. Untersuchungen an Blauhaien aus der Adria zeigten, dass sich Junghaie insbesondere in der Ausbildung von Kopfregion, Körperdurchmesser sowie der Brust- und Schwanzflossen von subadulten und adulten Tieren unterscheiden. Die Brustflossen wachsen positiv allometrisch und werden gleichzeitig länger und höher. Zudem nimmt die unterschiedliche Größe des oberen und unteren Lappens der Schwanzflosse (Heterocercie) mit zunehmender Körpergröße ab, da sich vor allem der untere Schwanzflossenlappen relativ stärker vergrößert. Auch die erste Rückenflosse wird im Verhältnis zur Körpergröße höher. Deutliche Unterschiede der Körperproportionen zwischen den Geschlechtern wurden dagegen nicht festgestellt.[6]

Kiefer und Zähne

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Charakteristisch ist die Bezahnung des Blauhais. Im Oberkiefer besitzen die Tiere meist einen zentralen Zahn und dann auf jeder Seite bis zu 14 weitere Zahnreihen, im Unterkiefer einen bis vier zentrale Zähne und 13 bis 17 Zahnreihen.[1.3] Die dreieckigen Zähne des Oberkiefers sind dabei charakteristisch gesägt und besitzen konkav gebogene Schneidekanten mit dreieckigen, gekrümmten, aufrecht bis schräg stehenden, gezackten Höckern, die Zahnbasen überlappen einander. Im Unterkiefer stehen ebenfalls dreieckige, fast symmetrische, Zähne. Sie sind kleiner als die Zähne des Oberkiefers und die Sägung ist deutlich feiner.[1.3]

Genetische Merkmale

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Der Blauhai besitzt einen diploiden Chromosomensatz von 2n=86 Chromosomen. Der Karyotyp umfasst 30 meta- bis submetazentrische und 56 subtelo- bis akrozentrische Chromosomen, die fundamentale Armzahl (FN) beträgt 116. Eine ältere Angabe von 2n=78 gilt aufgrund unvollständiger Chromosomenpräparate als wahrscheinlich fehlerhaft.[7] Ein modernes chromosomenbasiertes Referenzgenom umfasst entsprechend 43 Chromosomen des haploiden Satzes.[8] Der zelluläre DNA-Gehalt wurde mit 8,6 pg pro Zelle bestimmt.[7]

Das vollständige mitochondriale Genom des Blauhais wurde erstmals 2013 sequenziert und veröffentlicht. Es umfasst 16.705 Basenpaare mit 13 proteincodierenden Genen, 22 tRNA- und zwei rRNA-Genen sowie einer Kontrollregion und entspricht in seiner Genanordnung weitgehend dem für Wirbeltiere typischen mitochondrialen Genom. Die Sequenz ist unter der Zugangsnummer KF356249 in GenBank hinterlegt.[9] Eine Besonderheit ist die tRNA-Ser2, der der Dihydrouridin-Arm fehlt und die daher nicht die dafür typische Kleeblattstruktur ausbildet.[9]

Verbreitung und Lebensraum

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Verbreitungsgebiet des Blauhais

Der Blauhai bewohnt meist küstenfernere oder ozeanische Gewässer abseits des Küstenschelfs. Er hält sich überwiegend in oberflächennahen bis etwa 350 Meter tiefen Wasserschichten auf, kann bei vertikalen Wanderungen jedoch Tiefen von über 1000 Metern erreichen.[10][3] Er kommt als Kosmopolit in allen tropischen bis gemäßigten Meeresgebieten vor, dabei stellt er die wahrscheinlich am weitesten verbreitete Art aller Knorpelfische dar.[1.4][2]

Sehr häufig ist er dabei im Nordatlantik von der Südküste Großbritanniens bis zum Senegal sowie um die Azoren, die Kanarischen Inseln, die Kapverden und Madeira. Außerdem besiedelt er das Mittelmeer und kommt als Sommergast auch in der Nordsee sowie dem Skagerrak und den Gewässern vor Norwegen vor. Im Nordwestatlantik trifft man ihn vor allem weitab der Küste Floridas und der Antillen an; hier ist er Sommergast im Golf von Maine, vor Neufundland und Nova Scotia. Im Südatlantik kommt der Hai als Hochseeart vor Südafrika und vor der südamerikanischen Küste (Argentinien, Brasilien, Uruguay) regelmäßig vor. Auch im Indischen Ozean ist er eine Hochseeart, die vor allem zwischen dem 35. und 13. südlichen Breitengrad angetroffen wird; in Küstennähe ist er hier selten. Im Pazifischen Ozean ist er in allen warmtemperierten Meeresgebieten und am häufigsten zwischen 20° und 50° nördlicher Breite anzutreffen.[1.5]

Genomweite Untersuchungen aus dem Jahr 2023 zeigen, dass die Populationen des Blauhais trotz seiner ausgeprägten Wanderfähigkeit genetisch nicht vollständig durchmischt sind. Auf der Basis von mehreren zehntausend Markern aus Proben aus dem gesamten Verbreitungsgebiet wurden zwei größere genetische Gruppen ausgemacht, eine nördliche Gruppe aus dem Nordatlantik und dem Mittelmeer sowie eine südliche Gruppe aus dem Indischen Ozean und dem südwestlichen Pazifik. Tiere aus Gewässern vor der Küste Südafrikas könnten eine Übergangszone zwischen diesen beiden Gruppen darstellen.[11] Innerhalb der nördlichen Gruppe wurde zudem eine schwächere Differenzierung zwischen Tieren aus dem Mittelmeer und dem Nordatlantik festgestellt.[11]

Nahansicht eines Blauhais, Faial, Azoren

Obwohl es sich bei dem Blauhai um eine Hochseeart handelt, kann er vor allem nachts und oft in Gebieten mit einem schmalen Kontinentalschelf oder vor ozeanischen Inseln in Küstennähe vorkommen. In gemäßigten Gewässern wagen sich Blauhaie gelegentlich bis an den Rand von Seetangwäldern oder so weit ins Küstengebiet hinein, dass sie in Reusen gefangen werden. Der Blauhai kommt oft in großen Ansammlungen vor, jedoch nicht in eng organisierten Schwärmen, und hält sich in gemäßigten Gewässern häufig direkt an der Oberfläche oder knapp darunter auf.[1.5] Die Tiere bevorzugen offensichtlich Wassertemperaturen im Oberflächenbereich zwischen 7 und 16 °C, seltener Temperaturen bis 21 °C oder mehr. Im tropischen Bereich findet man die Tiere entsprechend in tieferen und damit kühleren Wasserschichten, wodurch sie seltener gesichtet werden. Im tropischen Indischen Ozean tritt die größte Dichte an Blauhaien entsprechend in Tiefen von 80 bis 220 Metern bei Temperaturen von etwa 12 °C bis 25 °C auf.[1.5]

Der Blauhai wird oft dabei beobachtet, wie er langsam unter der Oberfläche gleitet, wobei seine erste Rückenflosse sowie der hintere Teil der Schwanzflosse aus dem Wasser ragen und die großen Brustflossen ausgebreitet sind. Wenn er gestört wird, am Haken hängt oder Beute angreift, ist er zu schnellen Geschwindigkeitsschüben fähig und kann auch teilweise aus dem Wasser springen. Oft umkreist er ein Beutetier, bevor er sich zum Angriff darauf stürzt.[1.5] In satellitentelemetrischen Untersuchungen im Nordostatlantik konnte gezeigt werden, dass Blauhaie neben weiträumigen Wanderungen auch längere Zeit in besonders nahrungsreichen Auftriebsgebieten verweilen, ihre Raumnutzung war dabei mit erhöhter Primärproduktion durch vermehrtes Algenwachstum und mit hoher Chlorophyll-a-Konzentration korreliert.[10] Die Tiere nutzen zudem einen sehr großen vertikalen Lebensraum. In einer Untersuchung wurden Tauchgänge von der Oberfläche bis in 1160 Meter Tiefe dokumentiert, dabei reichte die Wassertemperatur von 27,2 °C an der Wasseroberfläche bis 7,2 °C in der Tiefsee. Die Tiere zeigten dabei unterschiedliche tageszeitliche Vertikalwanderungen, die vermutlich mit der Beuteverfügbarkeit und den jeweiligen hydrographischen Bedingungen zusammenhängen.[10] Die Form- und Größenveränderungen während der Individualentwicklung der Haie werden als Anpassung an unterschiedliche funktionelle Anforderungen gedeutet. Jungtiere dürften stärker von hoher Manövrierfähigkeit profitieren, während die Körper- und Flossenform größerer Tiere eher auf energieeffizientes Dauerschwimmen und ausgedehnte horizontale und vertikale Wanderungen ausgerichtet ist.[6]

In Teilen seines Verbreitungsgebietes kommt es zu saisonalen Wanderungen in Gebiete, die sich im Sommer aufwärmen. Diese erfolgen teilweise aufgrund der Züge von Fischschwärmen wie denen der Heringe, Makrelen oder Thunfische, vor allem im nördlichen Atlantik und im nördlichen Pazifik. Im Nordatlantik haben Markierungen und Wiederfänge von Individuen eine regelmäßige transatlantische Wanderroute im Uhrzeigersinn im Einklang mit dem dortigen Strömungssystem aufgezeigt. Vor den USA markierte Haie wurden vor Spanien, in der Straße von Gibraltar und im äquatorialen nordzentralen Atlantik wiedergefunden, während auf den Kanarischen Inseln markierte Haie vor Kuba auftauchten. Offenbar lassen sich die Haie vom Golfstrom nach Europa treiben, folgen verschiedenen Strömungen entlang der europäischen und afrikanischen Küsten und lassen sich von der Nordäquatorialströmung zurück in den Atlantik in den karibischen Raum treiben.[1.6] Ein 2008 am Kap der Guten Hoffnung markiertes juveniles Männchen wurde nach 512 Tagen vor Uruguay wiedergefangen, zwischen Markierungs- und Wiederfangort lagen rund 5990 Kilometer. Dies war der erste durch Markierung und Wiederfang dokumentierte Nachweis einer Durchquerung des Südatlantiks durch einen Blauhai, die Markierungsdaten deuten darauf hin, dass die Tiere dabei unter anderem den Benguelastrom für Wanderungen in nordwestlicher Richtung nutzen.[12] Eine der weitesten durch Markierung und Wiederfang dokumentierten Wanderungen eines Blauhais führte von Neuseeland ostwärts durch den Südpazifik. Das Tier wurde nach 624 Tagen westlich von Chile wiedergefangen, die Mindestdistanz zwischen Markierungs- und Wiederfangort betrug 4630 Seemeilen bzw. rund 8575 Kilometer.[13]

Der Blauhai frisst als großer Hochseehai fast alles, was er erbeuten kann. Den Hauptteil seiner Nahrung stellen dabei Fische jeder Größe dar, überwiegend jedoch vergleichsweise kleine Schwarmfische wie Heringe, Makrelen und Sardinen. Er jagt zudem Thunfische, Kabeljau und zahlreiche weitere Fischarten, außerdem gehören auch Kopffüßer und auch kleinere Haiarten wie Dornhaie zu seinen Beutetieren.[1.7] Unter den erbeuteten Fischen finden sich aufgrund der überwiegend pelagischen Lebensweise des Blauhais naturgemäß vor allem epi- und mesopelagische Arten.[14]

Tintenfische stellen regional ebenfalls eine sehr wichtige Beute dieser Haie dar. Einige Arten dieser Kopffüßer bilden riesige Laichschwärme, die von Blauhaien begleitet werden und manche Haie schwimmen wie grasende Pflanzenfresser durch die Schwärme und nehmen langsam große Mengen an Tintenfischen zu sich, wobei sie ihren Kopf und Schwanz in weiten Bögen schwingen und die Tintenfische mit den Mundwinkeln einfangen. Neu angekommene und hungrige Haie stürzen sich rasant durch dichte Tintenfischschwärme und verschlingen große Mengen.[1.7] Neben Tintenfischen werden auch Vampirtintenfische und pelagische Kraken ebenso wie Meerschnecken und verschiedene Krebse von Blauhaien gefressen.[1.7]

Die Zusammensetzung der Nahrung variiert allerdings regional sowie mit Alter, Größe und Geschlecht der Tiere. Vergleichende Untersuchungen aus dem Atlantik ergaben beispielsweise, dass bei Blauhaien des Südatlantiks Fische stärker in der Nahrung dominierten, während im Nordatlantik neben Fischen auch Kopffüßer einen großen Anteil ausmachten.[15] Wenn ein Walkadaver verfügbar ist, versammeln sich diese Haie mit anderen in großer Zahl und können an dessen Speck fressen, Walspeck und -fleisch wurden bereits in den Mägen von Blauhaien nachgewiesen.[1.7] Untersuchungen im südöstlichen Pazifik bestätigen ebenfalls, dass Blauhaie neben lebender Beute auch Aas als Nahrungsquelle nutzen. In den Mägen untersuchter Tiere wurden neben Fischen vergleichsweise häufig Überreste von Großen Tümmlern (Tursiops truncatus) gefunden, darunter Flossen und Schwanzteile sowie Reste von Jungtieren. Die Autoren der Untersuchung vermuten, dass insbesondere tote oder kurz nach der Geburt verendete Delfinjunge eine energiereiche Nahrungsquelle darstellen.[16] Zudem wurden bei diesen Untersuchungen Unterschiede in der Nahrungszusammensetzung verschiedener Größenklassen festgestellt. Kleinere Blauhaie nutzten hier häufiger Delfinaas, während bei den mittelgroßen und großen Haien vor allem lebende Schwarmfische wie Makrelenartige und Thunfische von Bedeutung waren.[16]

Aas und von Schiffen ins Meer geworfene Fischereireste frisst er ebenso wie unverdaulichen Müll, den man regelmäßig in seinem Magen finden kann. Von Hochseefischern und Walfängern wird er neben anderen Arten als Schädling betrachtet, da er sowohl in Netzen als auch in Fangleinen gefangene Tiere attackiert.[17][1.7]

Fortpflanzung und Entwicklung

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Männlicher Blauhai; zwischen den Bauchflossen sind deutlich die Begattungsorgane, Klaspern, zu erkennen.

Blauhaie sind wie die meisten Vertreter der Requiemhaie vivipar.[1.7] Der Paarung geht ein Vorspiel voraus, bei dem die Männchen die Weibchen beißen und mit den Zähnen festhalten. Obwohl bislang keine Paarungen beobachtet wurden, wird dies aufgrund der bei den Weibchen bis zu dreimal dickeren Haut sowie aufgrund von Bissspuren bei den Weibchen vermutet.[1.7]

Die Tragezeit beträgt dabei zwischen neun und zwölf Monate.[1.1] Die Junghaie werden im Uterus der Mutter zunächst aus dem Dottersack versorgt und dieser bildet später eine Dottersack-Plazenta, über die sie mit dem Muttertier verbunden sind.[18][2] Die Weibchen gebären zwischen vier und 135 Jungtiere, wobei die Anzahl stark variieren kann und eine Abhängigkeit zum Alter und der Größe der Mutter angenommen wird.[1.1] Die Fruchtbarkeit nimmt offensichtlich mit der Körpergröße der Weibchen zu. Bei einem vor Südafrika untersuchten trächtigen Weibchen wurden 43 Embryonen festgestellt, ein weiteres Weibchen wies nach einer offenbar kurz zuvor erfolgten Geburt 55 Uterusnarben auf.[19] Die Jungtiere sind bei der Geburt etwa 35 bis 44 Zentimeter lang.[1.1]

Paarung, Geburt und Aufwuchs der Jungtiere finden regional in unterschiedlichen Meeresgebieten statt und sind teilweise mit ausgedehnten Wanderungen verbunden. Im Nordpazifik findet die Paarung vor allem im Frühsommer zwischen etwa 20 und 30° N statt. Die trächtigen Weibchen wandern anschließend nach Norden und bringen ihre Jungen im folgenden Frühsommer in gemäßigten Gewässern zwischen etwa 35 und 45° N zur Welt.[20][21] Ein gut belegtes Geburts- und Jungtiergebiet befindet sich außerdem vor Südafrika. Dort wurden sehr junge Tiere mit offenen Nabelnarben, Weibchen mit postpartalen Narben sowie zahlreiche kleine Juvenile in Übergangsbereichen zwischen Benguelastrom und Agulhasstrom nachgewiesen.[12] Zudem wies ein dort im südlichen Frühjahr gefangenes großes Weibchen insgesamt 55 Uterusnarben auf, die auf eine kurz zuvor erfolgte Geburt schließen ließen.[19] Im südwestlichen Atlantik befinden sich weitere Geburtsgebiete in den kalten und nahrungsreichen Gewässern vor Südbrasilien und Uruguay, die wahrscheinlich zugleich als Aufwuchsgebiete dienen.[22] Für den westlichen Nordatlantik beschrieb Pratt saisonale Paarungsgebiete im Bereich des nordamerikanischen Kontinentalschelfs, die von fortpflanzungsreifen Weibchen im späten Frühjahr und Sommer aufgesucht werden[23] und im südwestlichen äquatorialen Atlantik wurden Ovulation und Befruchtung bei Weibchen vor allem zwischen Dezember und Juli festgestellt.[24] Auch im Mittelmeer findet Fortpflanzung statt, der Schwerpunkt hier befindet sich in der Adria.[4]

Jungtier vor Galizien, Spanien

Die Männchen erreichen ihre Geschlechtsreife bei einer Körperlänge zwischen 182 und 281 cm und werden mindestens 311 cm groß.[1.1] Im Gegensatz zu einigen anderen Carcharhiniden ist das Wachstum der Kopulationsorgane bei Männchen offenbar ein langwieriger und allmählicher Prozess, der mindestens ein Jahr dauern kann, wodurch sich der Zustand der Kopulationsorgane nur schwer zur Bestimmung der Geschlechtsreife von Männchen heranziehen lässt.[1.1] Weibchen sind im Jugendstadium 173 bis 220 cm groß und werden dann geschlechtsreif, das entspricht einem Alter von vier bis fünf Jahren; Im Erwachsenenalter können sie mindestens 323 cm lang werden.[1.1] Sie durchlaufen in ihrem vierten und fünften Lebensjahr eine verlängerte Reifephase, in der sie geschlechtsreif werden und sich mit Männchen paaren. Im folgenden Frühjahr findet die Befruchtung statt, und die Jungtiere kommen im Frühjahr bis zum frühen Sommer ihres siebten Lebensjahres zur Welt. Einige Weibchen können ein Jahr früher geschlechtsreif werden als die Mehrheit oder sich in ihrer Fortpflanzung von dieser abkoppeln, indem sie ihre Jungen außerhalb der üblichen Saison zur Welt bringen.[1.1]

Die ermittelten Wachstumsparameter der Tiere unterscheiden sich regional in einzelnen Untersuchungsgebieten zum Teil erheblich. In einer vergleichenden Auswertung verschiedener Studien lagen die ermittelten asymptotischen Körperlängen zwischen 243,3 und 402 Zentimeter, wobei für Populationen des Atlantiks im Mittel größere Werte als für den Pazifik und den Indischen Ozean ermittelt wurden. Ein Teil dieser Unterschiede wird dabei auf die unterschiedliche Größen- und Alterszusammensetzung der untersuchten Stichproben zurückgeführt.[15] Das bekannte Höchstalter der Haie liegt bei etwa 20 Jahren.[1.1][2] Allerdings unterscheiden sich auch die Schätzungen für das Höchstalter der Tiere regional und zwischen den verwendeten Bestimmungsmethoden. Während verschiedene Untersuchungen im Atlantik Höchstalter von etwa 12 bis 16 Jahren ergaben, wurden für Tiere aus dem Pazifik bis zu 20 beziehungsweise 22 Jahre und für den Indischen Ozean bis zu 25 Jahre als maximales Lebensalter ermittelt.[15]

Fressfeinde und Parasiten

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Zu den natürlichen Fressfeinden des Blauhais gehören größere Haie wie der Weiße Hai (Carcharodon carcharias) und der Kurzflossen-Mako (Isurus oxyrinchus). Junge Blauhaie werden auch vom Kalifornischen Seelöwen (Zalophus californianus) erbeutet.[3] Vor Südafrika wurde mehrfach beobachtet, wie Südafrikanische Seebären (Arctocephalus pusillus pusillus) freischwimmende Blauhaie von etwa 1,1 bis 1,4 Metern Länge verfolgten, töteten und anschließend ausschließlich deren Eingeweide fraßen. Die Autoren werteten dies als bislang selten dokumentierte Intragildenprädation zwischen zwei marinen Spitzenprädatoren.[25] Für den Nördlichen See-Elefanten (Mirounga angustirostris) liegt eine direkte Beobachtung der Nahrungsaufnahme an einem Blauhai vor.[26] Auch Schwertwale (Orcinus orca) erbeuten Blauhaie. Für den nordöstlichen Atlantik wurde die Prädation auf einen Blauhai direkt dokumentiert.[27]

Beim Blauhai ist eine Vielzahl von Parasiten nachgewiesen, deren Zusammensetzung regional variiert. Besonders häufig sind parasitische Ruderfußkrebse (Copepoda) und Bandwürmer (Cestoda). In einer Untersuchung von 159 Blauhaien aus dem Nordostatlantik wurden Pandarus satyrus, Kroeyerina elongata, Echthrogaleus coleoptratus, Kroyeria lineata und Phyllothereus cornutus nachgewiesen. Die Arten besiedeln unterschiedliche Körperregionen, so kamen Kroyeria lineata und Phyllothereus cornutus an den Kiemen und Echthrogaleus coleoptratus auf der Haut vor.[28] Kroeyerina elongata lebt dagegen in den Riechorganen des Blauhais. Bei einer Untersuchung waren 94 % der untersuchten Riechorgane befallen, bei einem einzelnen Hai wurden bis zu 409 Exemplare festgestellt.[29] Die einzelnen Parasiten unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Wirtsspezifität. Pandarus satyrus ist ein kosmopolitisch verbreiteter Ektoparasit und nicht auf den Blauhai als Wirt beschränkt. Bei einer Untersuchung von Blauhaien vor der Pazifikküste Costa Ricas wurden insgesamt 80 Exemplare dieser Art gefunden, jeweils 8 bis 30 Tiere auf der Oberseite der Brustflossen befallener Haie.[30] Auch Echthrogaleus coleoptratus besitzt ein breites Wirtsspektrum und ist von zahlreichen Haiarten bekannt.[31]

Neben Ektoparasiten sind auch Endoparasiten bekannt. Henderson und Mitarbeiter wiesen die Bandwürmer Prosobothrium armigerum, Anthobothrium laciniatum und Platybothrium auriculatum in der Spiralklappe sowie Hepatoxylon trichiuri in der Körperhöhle nach. Larven des Fadenwurms Anisakis simplex wurden in Magen und Spiralklappe gefunden, stammten nach Einschätzung der Autoren jedoch wahrscheinlich aus Beutetieren und parasitierten die Haie nicht selbst.[28] Die Bandwurmfauna des Blauhais zeigt dabei eine höhere Wirtsspezifität als die der Ektoparasiten. Sieben der weltweit nachgewiesenen Kerntaxa aus den Phyllobothriidea, Onchoproteocephalidea und Tetraphyllidea waren ausschließlich vom Blauhai bekannt. Unterschiede zwischen den untersuchten Regionen betrafen vor allem Häufigkeit und Diversität der einzelnen Arten, ohne dass sich ein eindeutiges geographisches Muster erkennen ließ.[32][33] Eine der spezifischen Bandwurmarten des Blauhais ist Pelichnibothrium speciosum, bei dem adulte Tiere auf den Blauhai als Endwirt spezialisiert zu sein. Als Zwischen- oder paratenischer Wirt kommt unter anderem der pelagische Langnasen-Lanzenfisch (Alepisaurus ferox) in Frage, in dem zahlreiche Entwicklungsstadien des Bandwurms gefunden wurden. Eine Übertragung auf den Blauhai durch den Verzehr infizierter Fische wird vermutet, ist jedoch nicht experimentell nachgewiesen.[34]

Klassische Taxonomie

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Die wissenschaftliche Erstbeschreibung des Blauhais erfolgte 1758 durch Carl von Linné unter der Bezeichnung Squalus glaucus, der ihn damit der Gattung Squalus zuordnete.[36][1.8] Der Blauhai war allerdings bereits lange vor der Einführung der binären Nomenklatur bekannt. Guillaume Rondelet beschrieb ihn 1554 in seinen Libri de piscibus marinis als Galeus glaucus,[37] diese Bezeichnung wurde später unter anderem von Conrad Gessner, Ulisse Aldrovandi, Francis Willughby und John Ray übernommen. Peter Artedi fasste diese älteren Beschreibungen 1738 unter der Bezeichnung Squalus fossula triangulari in extremo dorso, foraminibus nullis ad oculos zusammen und führte als englischen Namen bereits „The Blew Shark“ an.[38] Carl von Linné stützte seine Erstbeschreibung als Squalus glaucus von 1758 auf eine Reihe dieser vorlinnéischen Quellen.[36]

1849 führte der dänische Zoologe Theodore Edward Cantor in seinem Catalogue of Malayan Fishes die Gattung Prionace ein, mit dem Blauhai als einziger Art.[39][1.9] Die nomenklatorische Stellung der Gattung war allerdings lange umstritten, da der Blauhai bereits 1816 von Blainville unter den Arten seiner Gattung Carcharhinus aufgeführt wurde. Später wurde Squalus glaucus als mögliche Typusart dieser Gattung interpretiert, wodurch der ältere Gattungsname Carcharhinus den Namen Prionace Cantor, 1849 für den Blauhai hätte verdrängen können.[40] Diese Interpretation war jedoch nomenklatorisch umstritten und zur Stabilisierung der etablierten Namen setzte die International Commission on Zoological Nomenclature 1965 mit der „Opinion 723“ die Gattungsbezeichnung Prionace fest und nahm sie in die Official List of Generic Names in Zoology auf, Squalus glaucus Linnaeus, 1758 wurde als Typusart der Gattung festgeschrieben.[41]

Der Gattungsname Prionace wurde von den griechischen Wörtern prion für „Säge“ und akis für „Punkt“ abgeleitet. Der Artname glauca stammt vom lateinischen glaucus für „blau“ oder „blaugrün“. Als Synonyme tauchten seit der Beschreibung die Namen Squalus caeruleus Blainville, 1826, Thalassinius rondelettii Moreau, 1881, Carcharias pugae Perez Canto, 1886, Carcharias gracilis Philippi, 1887 und Prionace mackiei Phillips, 1934 auf.[1.10]

Phylogenetische Systematik

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Bereits in den frühen 1990er Jahren stellten molekulare Untersuchungen die Eigenständigkeit der Gattung Prionace in Frage. Gavin Naylor untersuchte Proteinvariation an 17 Genloci bei 37 Arten der Carcharhiniformes und identifizierte Carcharhinus als paraphyletische Gattung, wenn er Prionace glauca mit betrachtete.[42] Die genaue Position des Blauhais blieb dabei jedoch unsicher, da er sich in den verschiedenen Analysen zur Auswertung zuerst mit Carcharhinus obscurus, C. galapagensis und C. longimanus gruppierte, während eine alternative Distanzanalyse ihn außerhalb von Carcharhinus platzierte. Naylor hielt eine formale taxonomische Neubewertung für verfrüht, verwies jedoch zugleich auf morphologische und fossile Hinweise, die eine abgeleitete Stellung des Blauhais innerhalb von Carcharhinus stützen könnten.[42]

Im Jahr 2008 analysierte die türkische Biologin Mine Dosay-Akbulut die ribosomalen ITS1- und ITS2-Regionen verschiedener Requiemhaie und ordnete den Blauhai in ihren phylogenetischen Analysen innerhalb der Gattung Carcharhinus ein. Die genetischen Distanzen zwischen dem Blauhai und mehreren Carcharhinus-Arten lagen dabei in einer ähnlichen Größenordnung wie die Unterschiede innerhalb der Gattung selbst und der Blauhai gruppierte sich unter anderem mit dem Großnasenhai (Carcharhinus altimus) und dem Seidenhai (Carcharhinus falciformis). Die Autorin wertete dies als Hinweis darauf, dass Prionace möglicherweise keine eigenständige Gattung darstellt, hielt die systematische Stellung aufgrund abweichender Einzelanalysen und der Fossilüberlieferung jedoch noch nicht für abschließend geklärt.[43]

In aktuellen Studien wird der Seidenhai (Carcharhinus falciformis) als nächster Verwandter des Blauhais diskutiert.

2023 nahm ein Team brasilianischer Wissenschaftler eine molekularphylogenetische Untersuchung der Gattung vor und überführte den Blauhai in die Gattung Carcharhinus, da diese unter Ausschluss des Blauhais und des Dolchnasenhais (Carcharhinus oxyrhynchus) paraphyletisch ist. Beide Arten wurden entsprechend innerhalb der Gattung Carcharhinus platziert, der Blauhai ist darin die Schwesterart des Seidenhais (Carcharhinus falciformis). Die Trennung beider Ahnenlinien wurde auf etwa 16,6 Millionen Jahre vor heute in das Miozän datiert.[35] Der Blauhai wurde dabei einer bereits durch Naylor definierten Klade überwiegend großer Carcharhinus-Arten zugeordnet, deren übrige Vertreter überwiegend einen Interdorsalkamm besitzen, beim Blauhai selbst fehlt dieser jedoch. Zu dieser Gruppe gehören damit neben dem Seidenhai auch der Sandbankhai (Carcharhinus plumbeus), der Großnasenhai (Carcharhinus altimus), der Fleckzahnhai (Carcharhinus sorrah), der Karibische Riffhai (Carcharhinus perezii) und der Schwarzhai (Carcharhinus obscurus).[35] Betrachtet wurde in der Arbeit allerdings nur ein Teil der Carcharhinus-Arten, wodurch kein vollständiges Kladogramm der Gattung verfügbar ist.[35]

Diese Neukombination wird jedoch bislang (Stand 2026) nicht allgemein übernommen und mehrere taxonomische Referenzdatenbanken führen die Art weiterhin als Prionace glauca.

Fossilgeschichte

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Dem Blauhai zugeordnete Zähne aus der Bahía-Inglesa-Formation im Norden Chiles, spätes Miozän

Die Fossilgeschichte des Blauhais ist wie bei den meisten Haien nur lückenhaft bekannt. Sie basiert bei Haien fast immer überwiegend aus isolierten Zähnen. Nicht alle älteren Angaben gelten jedoch als gleichermaßen sicher, da sich die Zähne verschiedener Arten der Requiemhaie teilweise stark ähneln.[44][45] Fossile Zähne, die dem rezenten Blauhai zugeschrieben wurden, sind bereits aus dem Miozän bekannt. Höltke, Maxwell und Rasser (2024) führen Nachweise aus dem Miozän Sri Lankas, dem mittleren Miozän bis Pliozän Nordchiles, möglicherweise dem späten Miozän Belgiens sowie aus dem Pliozän Italiens auf.[45] Als ältester fossiler Nachweis des Blauhais wird dabei ein miozäner Fund aus dem Malu Member auf Sri Lanka angeführt, der 1969 beschrieben wurde.[45] Ein besonders gut dokumentierter Nachweis stammt dabei aus der Mina-Fosforita-Fundstelle der Bahía-Inglesa-Formation im Norden Chiles. Die dort gefundenen Zähne wurden anhand ihrer Morphologie dem rezenten Blauhai zugeordnet und vorläufig in das späte Miozän datiert. Die Funde werden damit als ältester hinreichend dokumentierter fossiler Nachweis der Art auf der Südhalbkugel gewertet.[44] Weitere dem Blauhai zugeschriebene Fossilfunde wurden unter anderem aus dem Miozän und Pliozän Europas sowie aus Nord- und Südamerika gemeldet. Ein weiterer spätmiozäner Nachweis von Prionace glauca stammt beispielsweise aus der Diest-Formation bei Antwerpen in Belgien.[46]

Neben Fossilien, die unmittelbar der rezenten Art zugerechnet werden, wurden in der paläontologischen Literatur mehrere ausgestorbene Arten zeitweise in die nähere Verwandtschaft des Blauhais und insbesondere in die Gattung bzw. Untergattung Prionace gestellt. Dazu gehören Carcharhinus antiquus (Agassiz, 1856), Carcharhinus egertoni (Agassiz, 1843) und Carcharias tenuis Agassiz, 1839, die in älterer Literatur unter anderem als Carcharhinus (Prionace) antiquus, Carcharhinus (Prionace) egertoni und Carcharhinus (Prionace) tenuis geführt wurden.[35]

Die taxonomische Aussagekraft fossiler Haizähne ist allerdings begrenzt. Dies zeigt besonders Carcharhinus egertoni, eine im 19. Jahrhundert von Louis Agassiz beschriebene fossile Art, der im Laufe der Forschung zahlreiche unterschiedlich geformte Zähne zugerechnet wurden. Revisionen fossiler Carcharhinus-Zähne zeigten, dass zumindest ein Teil der früher als C. egertoni bestimmten Funde zu heute noch existierenden Arten wie dem Seidenhai (C. falciformis), dem Bullenhai (C. leucas), dem Weißspitzen-Hochseehai (C. longimanus), dem Schwarzhai (C. obscurus) oder dem Sandbankhai (C. plumbeus) gehört.[47] Auch die Zuordnung der anderen fossilen Formen wurde wiederholt verändert. Carcharhinus antiquus, ursprünglich ebenfalls von Agassiz anhand fossiler Zähne aus Kalifornien beschrieben, wurde zeitweise als Carcharhinus (Prionace) antiquus geführt. Bereits bei der ursprünglichen Zusammenstellung wurden allerdings unterschiedlich gebaute, gezähnte und ungezähnte Zähne derselben Art zugerechnet und spätere Bearbeiter bezweifelten, dass diese tatsächlich von einer einzigen Haiart stammten.[48] Die Art wird heute gewöhnlich als Carcharhinus antiquus geführt.[49] Noch deutlicher ist die Unsicherheit bei Carcharias tenuis. Die von Agassiz 1839 beschriebene Art wurde zeitweise als Carcharhinus (Prionace) tenuis und damit in die vermeintliche fossile Verwandtschaft des Blauhais gestellt. In neueren taxonomischen Zusammenstellungen wird sie dagegen als Carcharias tenuis innerhalb der Sandhaie (Carchariidae) geführt.[50] Ihre frühere Zuordnung zu Prionace kann deshalb nicht als Beleg für eine nahe Verwandtschaft mit dem Blauhai gelten.

Die phylogenetische Neubewertung der rezenten Requiemhaie durch Rodrigues-Filho et al. (2023) berührt auch diese fossilen Taxa. Da ihre molekularen Analysen den Blauhai innerhalb von Carcharhinus einordnen und damit die Anerkennung von Prionace als eigenständige Gattung in Frage stellen, verwiesen die Autoren darauf, dass auch die Prionace zugerechneten fossilen Arten taxonomisch neu bewertet werden müssten.[35]

Menschen und Blauhaie

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Blauhai in einem französischen Supermarkt
Blauhaifleisch zum Verkauf in Malta

Fischerei und Ernährung

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Der Blauhai wird weltweit kommerziell genutzt. Gefangene Tiere werden insbesondere wegen ihres Fleisches und ihrer Flossen angelandet. Das Fleisch wird frisch, gefroren, gesalzen oder getrocknet vermarktet, außerdem werden die Flossen zu Haifischflossensuppe verarbeitet und die Haut wird für Lederprodukte genutzt.[3] Der Blauhai besitzt in zahlreichen Staaten der Europäischen Union offizielle Handelsbezeichnungen, darunter Frankreich, Italien, Malta, Portugal und Spanien.[51] Für die Fischerei der Europäischen Union ist der Blauhai von erheblicher Bedeutung. Zwischen 2019 und 2021 stellte er 56 % der von EU-Schiffen gemeldeten Haifänge, rund 87 % der Blauhaifänge der EU erfolgten in internationalen Gewässern, überwiegend durch Langleinenfischereien.[52] 2023 entfielen in der Europäischen Union sogar rund 64 % der gemeldeten Haifänge auf diese Art, die Fänge der EU-Flotten entsprachen etwa der Hälfte der weltweit gemeldeten Blauhaifänge.[53] Für EU-Schiffe gilt seit 2013 die sogenannte „fins naturally attached“-Regel: Haie müssen mit natürlich am Körper verbliebenen Flossen angelandet werden, das Abtrennen der Flossen an Bord der Schiffe ist verboten. Bei in der EU angelandeten Haien werden Flossen und übrige Körperteile häufig über unterschiedliche Absatzwege vermarktet. Während die Flossen überwiegend für Märkte in Ost- und Südostasien bestimmt sind, werden Fleisch und andere Körperteile auch innerhalb der Europäischen Union konsumiert und teilweise in Drittländer exportiert.[52]

Der Blauhai stellt zudem einen der beliebtesten Fangfische für Hochseeangler dar. Gemeinsam mit anderen Arten wie dem Weißen Hai (Carcharodon carcharias), dem Tigerhai (Galeocerdo cuvier) und dem Kurzflossen-Mako (Isurus oxyrinchus) gehört er zu den sieben größten Arten, die in die Listen der International Game Fish Association (IGFA) aufgenommen wurden und für die regelmäßig Fangrekorde angemeldet werden.[5.2] Obwohl die Tiere dabei häufig wieder freigelassen werden, kann die nachträgliche Sterblichkeit erheblich sein. Untersuchungen ermittelten eine Sterblichkeit nach dem Freilassen von etwa 10 bis 35 %.[17] Darüber hinaus werden Blauhaie vereinzelt im Rahmen von Programmen zum Schutz von Badestränden vor großen Haien gefangen.[17]

Wie bei anderen großen Hochseehaien stellt die aktive Bejagung für den Blauhai allerdings nur eine untergeordnete Gefahr dar. Viel gravierender sind die Verluste, die bei der Schleppnetz- oder Leinenfischerei entstehen.[17] Die von den Haien aufgrund der Nahrungsmengen bevorzugten Regionen überschneiden sich teilweise stark mit Gebieten intensiver pelagischer Langleinenfischerei, wodurch das Fangrisiko noch erhöht wird.[10] Die Haie werden dabei als Beifang industrieller Fischereiflotten gefangen und sterben häufig noch im Netz und an der Leine. Gefangene Tiere werden in der Regel wegen ihres Fleisches und ihrer Flossen verwertet, wenn Vorschriften ihre Anlandung nicht verbieten. Bei portugiesischen pelagischen Langleinenfischereien im Atlantik lag die unmittelbar beim Einholen der Leinen festgestellte Mortalität bei 13,3 %, wobei kleinere Blauhaie eine höhere Sterbewahrscheinlichkeit aufwiesen als größere ausgewachsene Tiere.[17] Die tatsächlichen Fangmengen dürften aufgrund unvollständiger Meldungen höher liegen als die offiziell erfassten Werte.[17]

Bedrohung und Schutz

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Blauhai mit einem Taucher bei den Azoren

Auf der Roten Liste gefährdeter Arten sind die Blauhaie seit 2018 als potenziell gefährdet (near threatened) eingeordnet.[17] Im Rahmen des IUCN-„Green Status of Species“ erhielt der Blauhai im Jahr 2024 zudem einen „Species Recovery Score“ von 43 % und wurde damit als „Largely Depleted“ eingestuft. Ausschlaggebend ist, dass die Art in vier von sechs räumlichen Einheiten ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets als bedroht oder potenziell gefährdet gilt und in den beiden übrigen Einheiten zwar lebensfähige Populationen besitzt, dort aber ihre frühere ökologische Funktion nicht vollständig erfüllt.[17] Die IUCN bewertet den bisherigen Beitrag bestehender Schutzmaßnahmen als gering, die Abhängigkeit der Art von Schutzmaßnahmen als mittel und erwartet bei unveränderten Maßnahmen in den kommenden zehn Jahren insgesamt keine Nettoverbesserung des Erholungszustands. Langfristig wird bei maximalem Schutz ein mittleres Erholungspotenzial angenommen.[17]

2017 wurden Blauhaie in der Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals (CMS) auf die Liste des Appendix II aufgenommen.[17] Seit November 2023 unterliegt der internationale Handel mit dem Blauhai den Bestimmungen des Anhangs II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES), nachdem die Requiemhaie in diesen Anhang aufgenommen wurden. Der Handel ist damit genehmigungspflichtig und soll so kontrolliert werden, dass er den Fortbestand der Art nicht gefährdet.[52]

Der Blauhai gilt als eine der für den Menschen potenziell gefährlichen Haiarten und zählt zu den Arten, für die Angriffe auf Menschen dokumentiert sind. Das International Shark Attack File führt für die Art 13 bestätigte unprovozierte Angriffe, davon vier mit tödlichem Ausgang.[54][5.3] Solche Vorfälle sind jedoch selten. Der Blauhai lebt überwiegend pelagisch in küstenfernen Gewässern, wodurch Begegnungen mit Badenden oder Schwimmern vergleichsweise selten sind. Die Ursachen von Haiangriffen lassen sich im Einzelfall meist nicht sicher bestimmen, als mögliche Ursachen unprovozierter Bisse gelten unter anderem Verwechslung, Erkundungsverhalten und in seltenen Fällen Angriffe auf Menschen als potenzielle Beute.[55]

Leonard Compagno bezeichnete den Blauhai 1984 als „gefährliche Art, von der mehrere Angriffe auf Menschen und Boote dokumentiert sind.“ Nach seiner Darstellung wurden Speerfischer von diesen Haien bedrängt und mussten sie mit Speeren abwehren, um nicht gebissen zu werden. Er beschrieb zudem, dass die Haie aus Neugier manchmal Taucher für eine Viertelstunde lang oder länger umkreisen. Ein sich langsam nähernder Hai dieser Art solle „mit Vorsicht behandelt werden, da er (möglicherweise zum Testen) zubeißen könnte, nachdem er eine Weile um den Taucher herumgeschwommen ist.“[1.7]

Kulturelle Rezeption

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Blauhaie wurden bereits in frühen Unterwasserdokumentationen gezeigt. In dem Dokumentarfilm Die schweigende Welt von Jacques-Yves Cousteau und Louis Malle aus dem Jahr 1956 sind neben anderen Haiarten auch Blauhaie zu sehen, die von einem Walkadaver angelockt werden. Auch der Dokumentarfilm Blaues Wasser, weißer Tod (Blue Water, White Death, 1971), der hauptsächlich der Suche nach dem Weißen Hai gewidmet ist, zeigt vor Südafrika Blauhaie zusammen mit anderen Hochseehaien an einem Pottwalkadaver.

Eine populärkulturell bekannte Darstellung des Blauhais ist das von IKEA vertriebene Stofftier Blåhaj (schwedisch für „Blauhai“). Das einem Blauhai nachempfundene Stofftier entwickelte sich seit Ende der 2010er Jahre zu einem international verbreiteten Internetphänomen und aufgrund der Farbgebung zu einem Symbol der LGBT- und insbesondere Trans-Community.[56][57]

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  50. ↑ Carcharias tenuis Agassiz, 1839. In: Shark-References. Abgerufen am 4. Oktober 2026 (englisch).
  51. ↑ Prionace glauca. In: Commercial designations of fishery and aquaculture products. Europäische Kommission, abgerufen am 3. Oktober 2026.
  52. 1 2 3 Communication from the Commission on the European Citizens’ Initiative (ECI) „Stop Finning – Stop the Trade“. (PDF) Europäische Kommission, 5. Juli 2023, abgerufen am 3. Oktober 2026.
  53. ↑ EUMOFA Monthly Highlights No. 2/2026. In: European Market Observatory for Fisheries and Aquaculture Products. Europäische Kommission, 2026, abgerufen am 3. Oktober 2026.
  54. ↑ Species Implicated in Attacks. In: International Shark Attack File. Florida Museum of Natural History, abgerufen am 3. Oktober 2026.
  55. ↑ ISAF Case Classifications. In: International Shark Attack File. Florida Museum of Natural History, abgerufen am 3. Oktober 2026.
  56. ↑ IKEA BLÅHAJ Shark. In: know your meme. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  57. ↑ Alice Gibbs: How the IKEA shark became a trans icon. In: Newsweek. 23. Oktober 2022, abgerufen am 18. Oktober 2026.
Commons: Blauhai (Prionace glauca) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Position des Blauhais in der Gattung Carcharhinus nach da Silva et al. 2023[35]
 Carcharhinus 



Großer Schwarzspitzenhai (Carcharhinus brevipinna)


   

Schwarznasenhai (Carcharhinus acronotus)


   

Atlantischer Zwerghai (Carcharhinus porosus)


   

Dolchnasenhai (Carcharhinus oxyrhynchus)





   


Bullenhai (Carcharhinus leucas)


   

Graziler Hai (Carcharhinus amblyrhynchoides)


   

Kleiner Schwarzspitzenhai (Carcharhinus limbatus)




   


Fleckzahnhai (Carcharhinus sorrah)


   

Karibischer Riffhai (Carcharhinus perezii)


   

Schwarzhai (Carcharhinus obscurus)




   


Sandbankhai (Carcharhinus plumbeus)


   

Großnasenhai (Carcharhinus altimus)



   

Seidenhai (Carcharhinus falciformis)


   

Blauhai (Carcharhinus glaucus)







   

Hartnasenhai (Carcharhinus macloti)