Billy Summers
Billy Summers ist ein Roman des amerikanischen Autors Stephen King aus dem Jahr 2021. Er wurde am 3. August 2021 bei Scribner veröffentlicht, die deutsche Übersetzung erschien am 9. August des gleichen Jahres beim Heyne Verlag. Der Roman behandelt die Geschichte eines ehemaligen Scharfschützen der US-Armee und Auftragsmörders, der der bei seinem letzten Auftrag betrogen wird und sich gegen die Hintermänner wendet. Er misstraut seinen Auftraggebern und bereitet heimlich eine eigene Flucht vor, danach führt er den Anschlag aus und taucht unter. Währenddessen schreibt Billy unter seiner Tarnidentität an einem autobiografischen Roman, in dem er seine Kindheit, seine Kriegserlebnisse und seinen Weg zum Auftragskiller schildert. Er rettet die vergewaltigte Alice Maxwell, gemeinsam fliehen sie und gehen gegen seine Auftraggeber vor.
Der Roman wurde international sehr positiv besprochen. Dabei wurde vor allem dargestellt, dass es sich hierbei nicht um eine für King typische Horrorgeschichte, sondern um einen Kriminalroman im Noir-Stil handelt. Eine Verfilmung befindet sich seit 2023 bei Warner Bros. in Entwicklung.
Inhalt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Roman folgt im Wesentlichen dem Protagonisten Billy Summers, der als Auftragsmörder einen Kriminellen erschießen soll. Er ist zeitlich in die erste Amtszeit des amerikanischen Präsidenten Donald Trump eingeordnet und spielt mehrfach darauf an. Summers ist ein ehemaliger Scharfschütze der US-Armee im Irakkrieg, der vor allem während der Operation Phantom Fury in Falludscha eingesetzt und dort auch verwundet wurde. Nach seiner Militärzeit arbeitet er als Auftragsmörder – allerdings mit einem eigenen moralischen Kodex: Er tötet nur Menschen, die seiner Ansicht nach „schlechte Menschen“ sind. Er gilt als außergewöhnlich präzise und professionell, gibt sich gegenüber seinen Auftraggeber allerdings meist naiv und dumm.
Summers möchte aus dem Geschäft aussteigen und nimmt nur noch einen letzten Auftrag von Nick Majarian an, einem Gangster, für den Billy schon oft gearbeitet hat. Er erhält 500.000 Dollar im Voraus und soll 1,5 Millionen Dollar nach Erledigung erhalten. Sein Ziel ist der Auftragsmörder Joel Allen, der wegen Mordes an einem Mann verhaftet wurde, der ihm bei einem Pokerspiel ein Vermögen abgewonnen hatte. Allen behauptet, über wertvolle Informationen zu verfügen, die die Polizei benötigt, um einen Strafprozessdeal auszuhandeln, und ein namentlich nicht genannter Komplize von Nick wolle ihn am Reden hindern. Zur Durchführung zieht Billy unter falscher Identität in die Kleinstadt Red Bluff im Südosten der USA und gibt sich als Schriftsteller David Lockridge aus, der an einem Roman arbeite. Während er im eigens angemieteten Büro direkten Blick auf das Gerichtsgebäude auf das Ziel wartet, beginnt er tatsächlich, seine Lebensgeschichte niederzuschreiben. In den autobiografischen Passagen erzählt er von seiner schwierigen Kindheit, in der er den Freund seiner Mutter und Mörder seiner Schwester in Notwehr erschoss, seinen Kriegserlebnissen im Irak und seinem Weg zum Auftragsmörder. Dadurch erhält der Leser einen tiefen Einblick in Billys Persönlichkeit und seine inneren Konflikte.
Der Auftrag entwickelt sich anders als geplant. Billy ahnt bereits vor dem Attentat, dass etwas nicht stimmt, und verlässt sich nicht mehr auf die organisierte Flucht seiner Auftraggeber. Nicks Plan sieht vor, dass Billy in einem städtischen Lastwagen flieht, in dem bereits jemand auf ihn wartet, um ihn wegzufahren. Billy vermutet, dass Nick vorhat, ihn nach dem Anschlag zu töten. Stattdessen beginnt Billy, seinen eigenen Plan auszuarbeiten, der unter anderem die Anmietung einer neuen Wohnung im Vorort Midwood unter dem Decknamen Dalton Smith beinhaltet. Die Ermordung von Joel Allen verläuft nach Plan und Billy entkommt auf eigene Faust und verschwindet, indem er sich als einer der Büroangestellten im Gebäude verkleidet. Anschließend versteckt er sich in seiner Wohnung, wo er sich während der Fahndung nach der Schießerei versteckt hält. Als Nick ihm den Rest des versprochenen Geldes nach dem Auftrag nicht auszahlt, wird Billy klar, dass seine Vermutungen richtig waren; bald erfährt er auch, dass ein Kopfgeld von 6 Millionen Dollar auf ihn ausgesetzt ist.
Während Billy versucht, sich unauffällig zu verhalten, sieht er, wie eine junge Frau betäubt und halbtot aus einem Lastwagen auf die Straße geworfen wird. Da er die Polizei nicht auf sich aufmerksam machen will, macht er sich widerwillig auf den Weg, um sie zu retten. Es stellt sich heraus, dass die Frau, die 21-jährige Alice Maxwell, gerade von einer Gruppe Männer brutal vergewaltigt und zurückgelassen worden war. Alice erkennt Billy als den Schützen, möchte aber schließlich bei ihm bleiben, aus Angst, die Männer, die sie vergewaltigt haben, könnten zurückkommen. Unterdessen schreibt Billy weiter an seinem Buch, in dem er seine Erlebnisse beim Militär schildert. Er schreibt über einen Vorfall im Irak, bei dem er und seine Kameraden losgeschickt wurden, um ein großes Haus zu überprüfen, und die meisten von ihnen dort im Einsatz getötet wurden. Einer der Überlebenden, Johnny Capps, vermittelte Billy später seinen ersten Auftrag als Auftragsmörder.
Als Billy beschließt, Midwood zu verlassen, macht er sich zunächst auf den Weg, um Alices Angreifer zur Rede zu stellen. Er verlangt, dass sich zwei von ihnen am Telefon bei ihr entschuldigen, und vergewaltigt anschließend ihren Anführer mit einem Stabmixer. Danach fahren Billy und Alice nach Colorado, um sich mit Bucky Hanson zu treffen, Billys Vermittler und der einzigen Person, der Billy voll und ganz vertraut. Billy dringt in Nicks Anwesen in Las Vegas ein und tötet oder verletzt viele seiner Männer, darunter auch Nicks rechte Hand, Frank Macintosh. Billy gelingt es, Nick das Versprechen abzuringen, ihm das geschuldete Geld zu zahlen und den Leuten zu erzählen, dass Billy tot sei. Nick gesteht Billy außerdem, dass der Auftraggeber für den Anschlag auf Allen (und in der Folge auch für den Anschlag auf Billy) Roger Klerke war, ein wohlhabender Medienmogul, der damit Beweise für Klerkes Pädophilie vertuschen wollte. Billy und Alice ziehen bei Bucky ein, wo sich ihre Beziehung weiterentwickelt. Billy beendet sein Buch und beendet die Handlung bis in die Gegenwart. Unterdessen erfährt er, dass Frank den Angriff überlebt hat, aber unter Krampfanfällen leidet, die durch die von Billy zugefügte Verletzung verursacht wurden. Als es endlich an der Zeit ist, sich um Roger zu kümmern, macht Alice Fotos von sich selbst, auf denen sie als Teenager verkleidet ist, um Klerke zu einem Treffen zu locken. Klerke geht auf den Köder ein, und Alice und Billy tauchen auf seinem Anwesen auf, wo Alice Klerke tötet. Während ihrer Flucht taucht Franks Mutter Marge auf und schießt aus Rache auf Billy. Billy wird verwundet, und als er und Alice in ihr Hotel zurückkehren, sagt er ihr, dass es besser für sie sei, sich nicht in mehr sein Leben einzumischen. Er stirbt in der Hoffnung, Vollzeitautor zu werden und vielleicht sogar für seine früheren Verfehlungen büßen zu können.
Im letzten Kapitel wird dann enthüllt, dass der letzte Teil von Billys Geschichte tatsächlich von Alice geschrieben wurde, als Billy an seinen Verletzungen starb, und dass Alice ihn verfasste, um seine Gedanken wiederzugeben und ein Szenario zu entwerfen, in dem er überlebte.
Hintergrund und Rezeption
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Stephen King schrieb Billy Summers mit dem Wunsch, einen Thriller abseits seiner typischen Horrorgeschichten zu schreiben. Der Roman enthält entsprechend keine übernatürlichen Inhalte und Passagen.
Der Roman stieg in der Woche zum 7. August 2021 auf Platz eins der Bestsellerliste für Belletristik der New York Times ein.[1] In einer sehr positiven Rezension in der Sunday Times schrieb John Dugdale, dass King mit 73 Jahren wieder in Bestform sei. Der Roman sei „diszipliniert und doch abenteuerlustig, gleichermaßen stark in Actionszenen wie in tiefgründiger Psychologie.“[2] Neil McRobert von The Guardian bezeichnete es als Kings „bestes Buch seit Jahren“ und lobte seinen „ganz eigenen, kraftvollen, gesteigerten Realismus“. Er schrieb, dass das „seltsame Gleichgewicht mit der sonnendurchfluteten, trägen ersten Hälfte“ des Buches gelinge, „vor allem weil King so gut darin ist, Charaktere zu zeichnen und uns durch beiläufige Details mit ihnen mitfühlen zu lassen.“[3] Tom Nolan bezeichnete Billy Summers im Wall Street Journal als „ein ambitioniertes, souverän geschriebenes und fesselndes Buch, das viele Gesichter hat: Kriegsroman, platonische Liebesgeschichte, Noir-Krimi, Porträt eines Künstlers, der erst spät zur Reife gelangt. Es bietet zahlreiche Lesefreuden und spricht Verstand, Herz und Nerven gleichermaßen an.“[4] Auch Brian Truitt, Rezensent der USA Today widmete sich dem Buch. Er schrieb „Stephen King ist nicht nur ein unbestrittener Meister des Horrors, sondern auch ein virtuoser Krimiautor“ und habe sich „zuletzt mit der Mr. Mercedes-Trilogie, Der Outsider und Später an Noir- und Krimi-Thrillern versucht, aber sein neues Buch Billy Summers beweist, dass diese Phase kein Zufall ist: Er ist tatsächlich genauso gut in der knallharten Prosa – in diesem Fall die Geschichte eines äußerst effektiven Auftragsmörders, der nach einem letzten Auftrag aussteigen will – wie in den Gruselgeschichten. Hinzu kommen mehrere Coming-of-Age-Geschichten, ein Buch im Buch, ein übergreifendes Rätsel, eine Prise politischer Kommentare, einige Wendungen und eine berührende Seite der Erzählung, die die feine Grenze zwischen bösen Männern und echten Monstern auslotet.“[5]
Auch in Deutschland wurde der Roman überwiegend positiv aufgenommen. So urteilte Hannes Stein in Der Welt dass das Buch beweise, „dass man den Meister des Horrors, als der King gern apostrophiert wird, in einem Atemzug mit Charles Dickens nennen [könne].“ Vor allem bei dem Roman im Roman, der an den Simplicius Simplicissimus von Grimmelshausen erinnere, und „Billy Summers’ Trick, sich dumm zu stellen, obwohl er hochintelligent ist“ könne man „als Kritiker nicht umhin, […] auf den Knien zu liegen.“[6] Er schreibt jedoch auch, die „erste Hälfte von Stephen Kings neuem Roman [sei] gut. Die zweite Hälfte [sei] leider nur gut gemacht.“ Hier nehme der Thriller überhand und vor allem „das letzte Viertel des Romans [könne] wahrscheinlich nur ein Amerikaner würdigen, der den republikanernahen Fernsehsender Fox News sowie den australischen Multimilliardär Rupert Murdoch hasst, dem dieser gehört.“[6] Die Rezensentin Sylvia Staude beschrieb Billy Summers in der Frankfurter Rundschau als „geradlinigen Kriminalroman“, der den titelgebenden und ehemaligen US-Soldaten Billy Summers ins Zentrum des Geschehens stelle. Sie zweifele an der Bösartigkeit des Protagonisten mit dem beinahe niedlichen Namen, denn er töte nur schlechte Menschen, schließe Freundschaften und beweise moralische Souveränität.[7] Fritz Göttler von der Süddeutschen Zeitung bewundere „die manchmal ins Naive hinüberdriftende Präzision Stephen Kings“, mit der er die „Geschichte eines Auftragskillers erzählt, der sich als Schriftsteller tarnt, wirklich ein Buch über sein Leben schreibt und nebenher ein vergewaltigtes Mädchen und die Nachbarsblumen pflegt.“[7]
In seinem Ranking der Stephen-King-Bücher für das Magazin Rolling Stone ordnete der Journalist Sassan Niasseri den Roman Billy Summers auf Rang 16 ein.[8] Dabei lobt er vor allem, dass King mit „Billy Summers“ eine Figur erschaffen habe, „wie es sie im Schaffen des 73-jährigen Schriftstellers schon sehr lange nicht mehr gegeben hat. Komplex, von Selbstzweifeln zerfressen, und doch einem schlichten moralischen Kompass folgend, der sich nicht mehr korrigieren lässt.“[8] Er vergleicht dabei Summers mit Jack Reacher, einer erfolgreichen Romanfigur von Lee Child, der wie Summers „überall ein Fremder bleibt“. Mit Summers habe Stephen King zudem „eine seiner wenigen Figuren kreiert, deren eigenes Tun nicht nur ambivalent erscheint. Es bleibt auch bis zum Ende der Geschichte unklar, wie er selbst zu seinem Anti-Helden steht. Gute Menschen dürfen leben, schlechte Menschen sollen sterben, und sei es durch Selbstjustiz. Ein Vergewaltiger wird von Summers selbst vergewaltigt – eine in Kings Schaffen beispiellose Aktion eines Anti-Helden.“[8] Als Kritik an Kings Billy Summers formuliert Niasseri vor allem dessen Bemühung „weibliche Figuren zu konstruieren, die aus einer existenziellen Krise stärker hervorgehen,“ dann aber nur stark seien „durch die Gnade eines Mannes, der sie aufbaut.“ Zudem arbeite sich King seit Jahrzehnten zu stark ab an republikanischen Präsidenten, hier an Donald Trump und dessen Umfeld.[8]
Verfilmung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Februar 2022 berichtete die Zeitschrift Deadline Hollywood, dass der Roman in eine 10-teilige Fernsehserie umgearbeitet werde, Produzenten seien J. J. Abrams, Edward Zwick, Marshall Herskovitz und King selbst.[9] Im Februar 2023 kauft Warner Bros. Pictures das Projekt und entwickelte es in eine Filmfassung nach dem Drehbuch von Zwick und Herskovitz. Der Film soll von Abrams’ Bad Robot und Leonardo DiCaprio's Appian Way produziert werden.[10]
Ausgaben (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Roman Billy Summers wurde am 3. August 2021 bei Scribner veröffentlicht, die deutsche Übersetzung von Bernhard Kleinschmidt erschien am 9. August des Jahres beim Heyne Verlag, eine Taschenbuchausgabe folgte 2022.
- Stephen King: Billy Summers. Scribner, New York 2021. ISBN 978-1-9821-7361-6.
- Stephen King: Billy Summers.Hodder & Stoughton, London 2021. ISBN 978-1-5293-6572-6.
- Stephen King: Billy Summers. Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt. Heyne, München 2021. ISBN 978-3-453-27359-7.
- Stephen King: Billy Summers. Roman, Taschenbuch. Aus dem Englischen von Bernhard Kleinschmidt. Heyne, München 2022. ISBN 978-3-453-44167-5
Belege
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Combined Print & E-Book Fiction - Best Sellers - Books, The New York Times, abgerufen am 17. Mai 2026.
- ↑ John Dugdale: Billy Summers by Stephen King review — the Shining author is back on top. In: The Sunday Times, 1. August 2021, abgerufen am 5. August 2021.
- ↑ Neil McRobert: Billy Summers by Stephen King review – his best book in years. In: The Guardian, 4. August 2021, abgerufen am 17. Mai 2026
- ↑ Tom Nolan: Mysteries: Stephen King’s ‘Billy Summers’ Review. In: The Wall Street Journal, 13. August 2021, abgerufen am 17. Mai 2026
- ↑ Brian Truitt: Mysteries: Stephen King’s ‘Billy Summers’ Review. In: USA Today, 1. August 2021, abgerufen am 17. Mai 2026
- 1 2 Hannes Stein: Stephen King: Der Mörder als Schriftsteller. In: Die Welt, 9. August 2021, abgerufen am 17. Mai 2026
- 1 2 Stephen King: Billy Summers auf perlentaucher.de, Rezensionsüberblick, abgerufen am 17. Mai 2026.
- 1 2 3 4 Sassan Niasseri: Stephen King: Die besten Bücher – Plätze 20 bis 11 auf rollingstone.de, 22. Januar 2026, abgerufen am 17. Mai 2026.
- ↑ Mike Fleming: Hot Package: JJ Abrams, Stephen King, Ed Zwick & Marshall Herskovitz Team On Limited Series Adaptation Of Bestseller 'Billy Summers'. Deadline Hollywood, 1. Februar 2022, abgerufen am 17. Mai 2026.
- ↑ Mike Fleming, Anthony D'Alessandro: Warner Bros Takes Stephen King Bestseller 'Billy Summers', Bad Robot & Appian Way To Produce, Deadline Hollywood 3. Februar 2023, abgerufen am 17. Mai 2026.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Billy Summers auf kingwiki.de