Das Dorf Bertkow liegt etwa 3Kilometer östlich von Goldbeck und etwa 14Kilometer nördlich von Stendal im Osten der Altmark.[3]
Der nordöstliche Teil, das frühere Alt Bertkow, ein Doppelstraßendorf mit Kirche, zeigt die Spuren eines alten Rundlingsdorfes und der südwestliche Teil, das frühere Neu Bertkow, ursprünglich ein Straßendorf, sind im Laufe der Zeit zum Dorf Bertkow zusammengewachsen.[4]
Die Gemarkung Bertkow besteht aus den Ortsteilen Bertkow und Plätz. Im Osten fließt der Balsamgraben, der das Gebiet zwischen Uchte und Elbe in Richtung Norden entwässert.[3]
Der Ortsname „bartkow“ 1496[5][6] stammt vermutlich aus dem Polabischen. Das Wort „bartnek“ bedeutet „Imker“. Die Silbe „kowe“ steht für „Wohnung, Hütte“.[4]
Gedenkstein f. d. Stiftshauptmann Hans Erdmann von Bertkow-Gutsherr auf Bertkow. Altarraum Kirche Kloster Stift zum Heiligengrabe (Nordbrandenburg). 2017.
Im Jahre 1225 trat ein Ottonis advocati de Bertigge als Zeuge auf.[7][8] Allgemein wird davon ausgegangen, dass Bertkow im Jahre 1240 im Zusammenhang mit der gleichnamigen Adelsfamilie von Bertkow erstmals Erwähnung fand.[9] Der Historiker Peter P. Rohrlach schreibt, dass das Dorf Bertkow im Jahre 1291 erstmals als villa Bertekowe erwähnt wurde.[10] Eine weitere Nennung des Ortes stammt von 1343 als to bertekowe.[11]
Im Jahre 1437 wurde Alten Bertkow als czu Bertkow In der alden strasse und Neuen Bertkow als czu Bertkow In der nuwen strasse erwähnt. Weitere Nennungen der Orte sind beispielsweise 1450 Nigenbertekow, 1598 Nien Bertkow, 1687 Neuen Bertkow und Alten Bertkow, 1711 Neüen Behrkau. 1804 gab es das adlige Gut und Dorf Alt-Bertkau mit einer Mutterkirche und das Dorf Neu-Bertkau.[12]
In der Dorfchronik heißt es: In alten Schriften spricht man von Alt-Bertkow, einem Rundlingsdorf um die Kirche mit zwei Rittergütern. Das eine Rittergut ist das Gutshaus, oder auch „Schloss zu Bertkow“. Es wurde seit 1996 ständig saniert. Es lässt nicht mehr erkennen, dass es einen großen Brand überstanden hat. Die beiden Rittergüter wurden später zu einem vereint. In alten Schriften um 1225 taucht außerdem der Name Otto von Bertkow auf. Er war das Oberhaupt der Familie von Bertkow, deren Wohnsitz im Ort in mehreren Urkunden zur ostelbischen Geschichte immer wieder bezeugt wurde.[13] Die Familie[14] war um 1565 eine von 65 Adelsgeschlechtern des Hochstifts Halberstadt, die Töchter heirateten fast sämtlich nur in Adelsfamilien der Altmark.[15] Der bekannteste Vertreter der von Bertkow, ihr Wappen waren drei schräggestellte Rosen-manchmal auf einem Balken,[16] wurde der Stiftshauptmann zu Heiligengrabe[17] Hans Erdmann von Bertkow-Bertkow, verstorben mit 64 Jahren 1680; Gegenkstein Klosterkirche Heiligengrabe. Das Adelsgeschlecht blieb bis 1804 im Besitz des Gutes. Nachfolgend soll es nach der Adelsforschung um E. H. Kneschke ausgestorben sein.[18]
Außerdem findet in alten Schriften Neu-Bertkow Erwähnung, ein Straßendorf, wie es damals durchaus gebräuchlich war. Das Gut im Ort wechselte dann mehrfach den Besitzer.
Die Landgemeinde Alt Bertkow wurde zuletzt 1871 genannt. Ab 1895 gab es Bertkow.[19] Die Landgemeinde Neu Bertkow wurde offenbar zwischen 1885 und 1895 mit der Landgemeinde Bertkow vereinigt.[20] Der Gutsbezirk Alt Bertkow wurde am 30. September 1928 mit der Landgemeinde Bertkow vereinigt[21] und anschließend als Wohnplatz aufgeführt. An den privatrechtlichen, Kirchlichen und fiskalischen Eigentum änderte dies nichts, lediglich war das Gut juristisch keine eigenständiger Ort mehr. 1992 feierte der Ort nachträglich das 750-jährige Bestehen. Gleichzeitig wurden die neuen Straßen mit einem großen Fest eingeweiht.
Das frühere Rittergutshaus in Alt Bertkow, wird heute als „Schloss zu Bertkow“ bezeichnet. Die Bezeichnung geht auf die Familie von Bertkow zurück, die das Gut bis 1804 besessen hatte. Mitte[22] des 19. Jahrhunderts, etwa von 1855 bis 1874, erwarb eine Familienlinie des Adelsgeschlechts Digeon von Monteton das Gut und stellte als Rittergutsbesitzer[23] auch den Wahlvorsteher. Käufer war der vormals als Schriftsteller tätige Reserveoffizier Otto Digeon von Monteton (1822–1913), verheiratet mit Landratstochter Armgard geb. von Krosigk-Hohenerxleben (1823–1875). Baron (eigentlich Freiherr) Digeon von Monteton war 1874 noch Amtsvorsteher.[24] Er besaß das Gut neunzehn Jahre und veräußerte es mit Gewinn.[25]
Später kaufte die Familie Rendelmann, Friedrich Rendelmann saß 1889 im Vorstand der Aktien-Zuckerfabrik Goldbeck,[26] und folgend Familie Löwe das Gut. Das Eingangsportal des Hauses trägt die Inschrift „Des Vaters Segen bauet den Kindern Häuser“ und die Jahreszahl 1894. Rechts und links oberhalb der Tür das Wappen des Hauses und der freie Platz für die einstige Uhr. Um 1922 hieß der Gutsbesitzer Berthold Löwe, sein Gut Alt-Bertkow war 164,5 ha groß.[27]
Bereits 1930 gab es im Fachwerkhaus auf dem Ochsenhof einen Kindergarten für die Kinder der Bediensteten des Gutshauses, der 1937/38 in eine neu gebaute Baracke umzog. Die Löwes wurden 1945 enteignet und gingen nach Westdeutschland. Im ehemaligen Gutshaus fanden Flüchtlingsfamilien eine Bleibe, ehe sie im Zuge der Bodenreform Häuser bauten und Land kaufen konnten. 1950 wurde das Gutshaus in „Kulturhaus“ umbenannt. Dort befanden sich ein Kultursaal, ein Kindergarten, später eine Kinderkrippe. Ab 1990 wurde es renoviert, 1993 durch eine Schwelbrand beschädigt und anschließend als Dorfgemeinschaftshaus wieder renoviert und restauriert. 1994 war in Bertkow das „Löwenfest“ gefeiert worden, der 85. Geburtstag von Ulrich Löwe, dem jüngsten Sohn des letzten Gutsbesitzers Berthold Löwe, dessen Familie dem Ort auch heute noch verbunden ist. Seit 2002 trägt das Haus den Namen „Schloss zu Bertkow“.[28]
Peter P. Rohrlach beschreibt die landwirtschaftlichen Verhältnisse nach 1945:[10] Bei der Bodenreform wurden 1945 ermittelt: eine Besitzung über 100 Hektar hatte 162 Hektar, 17 Besitzungen unter 100 Hektar hatten zusammen 342 Hektar, eine Kirchenbesitzung mit 16 Hektar, zwei Gemeindebesitzungen hatten zusammen 0,8 Hektar. Eine Besitzung mit 233 Hektar wurde von der SMAD verwaltet und bewirtschaftet. Enteignet wurde das Rittergut des Besitzers Graf von Westphalen mit 238 Hektar. Davon gingen 41,5 Hektar an den Bodenfonds. Nach Freigabe durch die Rote Armee war es ab 1946 ein Provinzialgut mit 182 Hektar Fläche, 21,9 Hektar waren an die Gemeinde gegangen. 1948 wurde das bisherige Provinzialgut als Landesgut wegen Aufsiedlung an Wischebauern aufgelöst. Das Rittergut in Alt Bertkow des Besitzers Löwe mit 1674 Hektar wurde auch enteignet. 1948 wurden 247 Hektar neu aufgeteilt (31 ha auf 4 Landarbeiter, 199 ha auf 24 Umsiedler, 7 Hektar auf zwei landarme Bauern, 6 Hektar an die VdgB, 4 Hektar an die Gemeinde). Im Gesamtergebnis erhielten aus der Bodenreform 44 Vollsiedler jeder über 5 Hektar, 14 Kleinsiedler jeder unter 5 Hektar. Im Jahre 1954 entstand die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft vom Typ III in Bertkow, die LPG, Typ III „Glückauf“, mit der später andere LPGs vereinigt wurden und aus der die heutige Agrargenossenschaft entstand.
Die Kirchengemeinde Bertkow wurde ab 1961 von Krusemark aus verwaltet und 1993 mit der Kirchengemeinde Plätz zum Kirchspiel Bertkow-Plätz vereinigt. Ab 2007 gehörte die Kirchengemeinde zum Kirchspiel Krusemark-Goldbeck, das 2010 mit Krusemark-Goldbeck unter Klein Schwechten verbunden wurde.[10]
Verwaltungsrechtlich gehört Bertkow zur Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck. Die Bürger aus Bertkow sind seit Juli 2024 durch 3 Mitglieder der Wählergemeinschaft Bertkow im Gemeinderat Goldbeck vertreten.[39]
Die evangelische Dorfkirche Bertkow in Alt Bertkow ist eine steinseitig verputzte Feldsteinkirche aus der ersten Hälfte des 12.Jahrhunderts. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und 1934 wurde sie restauriert.[10]
Auf dem Kirchhof befindet sich Ortsfriedhof.
Das kulturelle Leben in Bertkow wird vorwiegend von den Freiwilligen Feuerwehren, dem Sportverein Bertkower SC, der Jagdgesellschaft und der Seniorengruppe gestaltet. Das „Schloss zu Bertkow“ (ehemaliges Gutshaus) wurde in den vergangenen Jahren aufwendig renoviert.
„Schloss zu Bertkow“ (ehemals Dorfgemeinschaftshaus)
Das Dorf ist landwirtschaftlich geprägt. Im Oktober 1991 wurde die „Agrargenossenschaft – Rinderzucht – Bertkow“ gegründet. Außerdem gibt es einen erfolgreichen Rinderzuchtbetrieb in landwirtschaftlicher Nebenerwerbstätigkeit.
Wilhelm Zahn:Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, Salzwedel 1928, OCLC614308966, S.190–191, Bertkow (Reprint 2018, SelbstVerlag Eugen& Constanze Gliege).
J[ohann] A[ugust] F[riedrich] Hermes: Historisch-geographisch-statistisch-topographisches Handbuch vom Regierungsbezirke Magdeburg. Zweiter, oder topographischer Teil. Hrsg.: J. A. F. Hermes, M[ichael] J[ulius] Weigelt; Selbstverlag und W. Heinrichshofen in Kommission, Magdeburg 1842, S. 364–365, 10. Alt-Bertkow. 11. Neu-Bertkow.
12Ernst Haetge:Der Kreis Osterburg (=Die Kunstdenkmale der Provinz Sachsen. Band4). Hopfer, Burg bei Magdeburg 1938, DNB361451652, S.58–61.
1234Siehe Literatur: Wilhelm Zahn. Heimatkunde der Altmark. Salzwedel 1928, S. 190–191.
↑Es konnte nicht ermittelt werden, welche Urkunde Zahn hier verwendete.
↑Hermann Krabbo:Regesten der Markgrafen von Brandenburg aus askanischem Hause. Hrsg.: Verein für Geschichte der Mark Brandenburg. 1. Lieferung. Duncker & Humblot, Leipzig 1910, S.124, Nr. 581 (Online).
↑Vgl. Vivigenz Joachim Valentin Dubslaff von Eickstedt: Fortsetzung des Familienbuchs des dynastischen Geschlechts der v. Eickstedt. Begründet: Carl August Ludwig v. Eickstedt, Verlag F. Hessenland, Stettin 1887, S. 65. Nr. 154.
↑Besondere Beilage zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger. №. 7, Eigenverlag, Berlin 12. Februar 1876, S. 2.
↑Vgl. u. a. August Walter: Genealogische Geschichte des Geschlechts von Jeetze. Aus urkundlichen Quellen. E. Baensch jun., Magdeburg 1860, S. 75.
↑Siehe: August Henning von Kröcher: Geschichte des Geschlechts von Kröcher. Band 1: (12./15. Jh.). Kgl. Geheime Ober-Hofbuchdruckerei R. (L.) v. Decker, Berlin 1865, S. 112.
↑Werner von Kieckebusch: Chronik des Klosters Heiligengrabe von der Reformation bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. 1. Auflage/Hier: Online-Ressource, In: Studien zur Geschichte, Kunst und Kultur der Zisterzienster. Band 28, Lukas Verlag, Berlin 2008, S. 151.
↑Derselbe: Ernst Heinrich Kneschke: N.a.D.A-Lexicon. Band 1, Friedrich Voigt, Leipzig 1859, S. 377.
↑Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.):Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1928, ZDB-ID3766-7, S.213.
↑Karl Friedrich Rauer (Hrsg.): Alphabetischer Nachweis (Adressbuch) des in den Preussischen Staaten mit Rittergütern angesessenen Adels. Selbstverlag, Berlin 1857, S. 150.
↑Sammlung sämmtlicher Drucksachen des Hauses der Abgeordneten aus der VIII Leg.-Periode I. Session. 1863 - 1864. Band 3: Nr. 90 bis 106, W. Moeser, Berlin 1864, S. 112.
↑Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Magdeburg. Stück 17, Eigenverlag, Ausgegeben, Magdeburg, den 25. April 1874, S. 134.
↑Wilh. Herbertz: Die Deutsche Zuckerindustrie. Wochenblatt für Landwirt(h)schaft, Fabrikation und Handel. 2. Beilage. Jahrgang XIV, №. 21, Verlag Emil Dreyer-Selbstverlag, Berlin, den 24. Mai 1889, S. 554.
↑Oskar Köhler, Gustav Wesche, H. Krahmer: Landwirtschaftliches Güter-Adreßbuch der Provinz Sachsen. 1922. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter und Güter von ungefähr 20 ha herab mit Angabe der Gutseigenschaft, des Grundsteuerertrages, der Gesamtfläche und des Flächeninhalts der einzelnen Kulturen, Hrsg. Mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer zu Halle a. S., In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band V, (Paul Niekammer), 3. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1922, S. 56–57.
↑Judith Kirschner:Gutshaus Löwe - Schloss zu Bertkow (=Das Wissen der Region. Band1). Edition Kulturförderverein Östliche Altmark, Hohenberg-Krusemark 2005, S.94–97.
↑Zweite Verordnung zum Gesetz zur Änderung der Kreis- und Gemeindegrenzen zum 27. April 1950 (GuABl. S. 161). In: Landesregierung Sachsen-Anhalt (Hrsg.): Gesetz- und Amtsblatt des Landes Sachsen-Anhalt. Nr.18, 5.August 1950, ZDB-ID511105-5, S.277 (PDF).
↑Bevölkerung der Gemeinden nach Landkreisen (=Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt [Hrsg.]: Statistische Berichte / A / I / A / II / A / III / 102). ZDB-ID2921504-3 (destatis.de). (Jahr anklicken)
12Doreen Schulze:Erstmals Zuwachs in Arneburg-Goldbeck. In: Volksstimme Stendal. 15.Januar 2016.
↑Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID551010-7, S.124 (genealogy.net [Volltext und Scan]).