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Berengar Raimund II. (Barcelona)

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(Weitergeleitet von Berenguer Ramon II)

Berengar Raimund II., auch spanisch Berenguer Ramón II. el Fratricida ‚Berengar Raimund II. der Brudermörder‘, (* 1053/54; † 1097) war bis zu seinem Tod Graf von Barcelona.

Berengar war ein Sohn des Grafen Raimund Berengar I. und dessen dritter Ehefrau Almodis (1020–1071), Tochter des Grafen Bernard I. von La Marche. Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1076 regierte er die Grafschaft Barcelona nach dem Willen des Verstorbenen zunächst gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Raimund Berengar II. Zwischen den Brüdern kam es, was die gemeinschaftliche Herrschaft betraf, immer wieder zu Streitigkeiten. Dies blieb auch Papst Gregor VII. nicht verborgen, der zu ihrem Vater ein freundschaftliches Verhältnis pflegte. Er richtet am 2. Januar 1079 ein Schreiben an den Bischof Berenguer Guifré von Girona, in dem er diesen aufforderte, gemeinsam mit den Äbten von Thomières, Ripoll und S. Cugat del Vallés zwischen diesen zu vermitteln. Sollte dies nicht gelingen und sie ihren Zwist nicht beilegen, so werde er sie als „membrum diaboli“ aus der Kirche ausschließen. Sollten sie sich hingegen als gehorsam erweisen, stünde er ihnen mit allen Mitteln bei. Als Zeichen ihres guten Willens und des Gehorsams erschienen die Brüder am 20. Juni 1079 gemeinsam vor dem Abt Frotard von Thomières, dem sie eine Schenkung machten.[1] Schließlich teilten sie ihren Besitz untereinander auf.

Als sein Bruder am 5. Dezember 1082 bei einem Jagdausflug umkam, wurde Berengar als alleiniger Regent der Grafschaft anerkannt. Es wurde jedoch die Bedingung aufgestellt, dass er für den Landesteil seines Bruders von seinen Ämtern zurücktreten müsse, sobald sein Neffe das Alter von fünfzehn Jahren erreicht habe und die Regierung selbst führen könne. Gerüchte und Anschuldigungen führten dazu, dass Berengar bezichtigt wurde, er habe seinen Bruder töten lassen, um die Alleinherrschaft zu erlangen.

Um das Jahr 1086 misslang der Versuch, das unter der Schutzherrschaft von Rodrigo Díaz (El Cid) stehende maurische Fürstentum Valencia zu erobern. Auslöser für die Streitigkeiten mit Rodrigo war ein Vorfall bei seinem Aufenthalt in Barcelona 1076/1077, bei dem er die Gastfreundschaft der Brüder verletzt haben soll und einen Verwandten Berenguers verletzte, ohne Genugtuung zu leisten.

Im Frühjahr 1089 unternahm Berengar Raimund einen Feldzug, der sehr erfolgreich verlief und bei dem er Tarragona eroberte. Er ließ den Staudamm restaurieren und die Wege zu den Städten Tortosa und Lérida pflastern. Im Jahr 1090/1091 übertrug er Papst Urban II., „sein ganzes Erbland, besonders die Stadt Tarragona, mit entsprechender Lehnszinsverpflichtung, [… damit …] wurde die Grafschaft Barcelona, in den päpstlichen Lehnsverband einbezogen.“[2]

Als sich der Verdacht erhärtete, dass er an der Ermordung seines Bruders beteiligt war, wurde Berengar Raimund seines Throns enthoben. Er schloss sich Gottfried von Bouillon an, der damals zum Ersten Kreuzzug aufbrach, und zog ins Heilige Land, wo er noch vor der Eroberung Jerusalems etwa 1097 starb. Seine Nachfolge trat sein Neffe Raimund Berengar III. an.[3]

Der ungeklärte Brudermord

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Das Testament des Vaters hatte festgelegt, dass im Falle des Todes eines seiner beiden Söhne demjenigen die alleinige Herrschaft zufallen solle, der übrig sei. Der gewaltsame Tod des Grafen Raimund Berengar löste Betroffenheit aus, zumal zunächst kein Täter überführt werden konnte, sodass Berengar Raimund unangefochten den Grafenthron übernahm. Es gab jedoch schnell den Verdacht, dass er etwas mit dieser Tat zu tun hatte. Seine Schwägerin Mathilde (Mahalta) befand sich zum Zeitpunkt der Ermordung ihres Ehemanns in Rodez, wo sie erst einen Monat zuvor ihren Sohn Raimund Berengar (III.) zur Welt gebracht hatte. Als sie von seinem Tod erfuhr, wandte sie sich am 21. Januar 1083 hilfesuchend an die Raimundiner-Brüder Wilhelm und Albert, die ihr 1.000 Mancusos liehen, damit sie sich und ihre Kinder versorgen konnte. Weitere katalanische Adlige und Barone boten dem Erben des Grafen Raimund Berengar ihre Unterstützung an. Sie schlossen sich zusammen und versprachen, den Mörder des Grafen zu suchen und seinen Tod an allen zu rächen, die daran beteiligt waren. Am 19. Mai 1085 wurde eine Versammlung der Edelleute einberufen, um dem Waisenkind einen Vormund zu geben. Die Vormundschaft wurde Wilhelm Raimund I., Graf von Cerdanya, für einen Zeitraum von zehn Jahren anvertraut und die Witwe und ihr Sohn worden unter seinen Schutz gestellt und in die Obhut seiner Frau gegeben.

Berengar Raimund II. gelang es jedoch, im Juni 1086 die Vormundschaft für seinen Neffen an sich zu bringen und die Vereinbarung, die den Grafen von Cerdanya zu dessen Beschützer bestimmte, aufheben zu lassen. Er erhielt die Vormundschaft für elf Jahre. Seine Schwägerin Mathilde heiratete etwa zu dieser Zeit Aymerich I. von Narbonne, mit dem sie weitere Kinder bekam.

Die getreuen Edelleute, die 1085 die Versammlung abgehalten hatten, zitierten Berengar Raimund 1095 vor das Tribunal von Alfons VI. von León und I. von Kastilien, wo sie ihn der Ermordung seines Bruders beschuldigten. Sie zwangen ihn, seine Ehre zu verteidigen. Dies geschah vermutlich nach den zu dieser Zeit noch üblichen Gepflogenheiten in einem Palenque (Gerichtskampf), einen Zweikampf zur Klärung der Schuldfrage, den er verlor. Er wurde zum Verräter und Brudermörder erklärt und war damit unwürdig, die Grafschaft zu regieren, sodass er seinen Thron räumen musste.[4]

  • Víctor Balaguer: Capítulo XII.–VIII. Berenguer Ramón el Fratricida. In: Historia de Cataluña. Impr. Fundición de M. Tello, Madrid 1885, S. 148–174 (spanisch, Textarchiv – Internet Archive).

Einzelnachweise

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  1. Gregor VII. In: Preussische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Abhandlungen der Preussischen Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische Klasse. Georg Reimer, Berlin 1927, S. 30–40 (Textarchiv – Internet Archive).
  2. Alfons Becker: Schriften der Monumenta Germaniae Historica. Hrsg.: Deutsches Institut fur Erforschung des Mittelalters. Band 18, Teil 1: Papst Urban II. (1088–1099). Anton Hiersemann, Stuttgart 1964, S. 246 (Textarchiv – Internet Archive – Leseprobe).
  3. Manuel Merelo: Leccion XXXV – 2. Cataluña. In: Lecciones elementales de historia de España. Agustín Jubera, Madrid 1873, S. 97–98, und S. 103 (spanisch, Textarchiv – Internet Archive).
  4. Víctor Balaguer: Capítulo XII.–VIII. Berenguer Ramón el Fratricida. In: Historia de Cataluña. Impr. Fundición de M. Tello, Madrid 1885, S. 148–174 (spanisch, Textarchiv – Internet Archive).
VorgängerAmtNachfolger
Raimund Berengar I.Graf von Barcelona
1076–1097
Raimund Berengar III.