BelTA

BelTA (amtlicher Name im Unternehmensregister: Staatliches unitares Unternehmen Belarussische Telegraphenagentur; belarussisch Беларускае Тэлеграфнае Агенцтва, russisch Белорусское Телеграфное Агентство, nichtamtlich kurz БелТА) ist die staatseigene und größte Nachrichtenagentur in Belarus und eine Propaganda-Ressource.[1][2][3]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Agentur wurde am 23. Dezember 1918, nach der zu Jahresanfang erfolgten deutschen Besetzung des Landes, in der neu entstandenen (nominell) unabhängigen belarussischen Republik gegründet. Bereits damals war sie amtliche Agentur und blieb es durchgehend bis heute. Seit der 1991 erklärten Unabhängigkeit von Belarus von der Sowjetunion ist sie die offizielle Agentur des neuen Staates „Republik Belarus“.[4]
Struktur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Zentrale von BelTA befindet sich in der Hauptstadt Minsk, weitere eigene Büros bzw. eigene Korrespondenten gibt es in allen Bezirken des Inlandes sowie in Moskau (Russland), Kiew (Ukraine), Chișinău (Moldawien), Warschau (Polen), Vilnius (Litauen) und Caracas (Venezuela). Außerdem ist BelTA Belieferungskooperationen mit Agenturen in Russland, der Ukraine, Moldawien, Kasachstan, Armenien und weiteren Mitgliedsländern der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), aber auch in der Volksrepublik China, in Malaysia, Kuba und im Iran eingegangen. Eigenen Angaben zufolge arbeitet BelTA besonders eng mit der russischen Nachrichtenagentur ITAR-TASS zusammen, ist aber formalrechtlich von dieser unabhängig.
Aktivitäten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Tätigkeitsschwerpunkt ist die Herausgabe von täglichen, wöchentlichen und monatlichen Informationsblättern. Beliefert werden damit rund 700 Kunden weltweit, darunter rund 300 Massenmedien, davon wiederum rund 140 in Russland (Stand 2011).
Online verbreitet BelTA täglich etwa 150 bis 200 Meldungen in Echtzeit auf Russisch, Belarussisch, Englisch, Deutsch und Spanisch. Ab 2012 sind auch Nachrichten in arabischer und chinesischer Sprache geplant.[5] Nach eigenen Angaben sind rund 70 % der online verbreiteten Meldungen offizielle Mitteilungen belarussischen Behörden. Seit 2011 ist BelTA auch in sozialen Netzwerken im Internet aktiv.
Über ihre Tätigkeit als Nachrichtenagentur hinaus produziert BelTA verschiedenste offizielle Druckerzeugnisse und betreut die Internetauftritte von Behörden sowie staatlichen Unternehmen und Organisationen technisch wie konzeptionell.
EU-Sanktionen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Dem BelTA-Generaldirektor Dsmitryj Schuk wurde der Beitritt zur Europäischen Union zwischen 2011 und 2016 im Rahmen der EU-Sanktionen gegen Belarus verboten, nachdem die EU nach der Präsidentschaftswahl in Belarus 2010 ein Vorgehen gegen Proteste der Opposition beschrieben hatte.[6] Nach dem Beschluss des EU-Rates über restriktive Maßnahmen gegen Belarus nach den Wahlen 2010 ist Schuk für die „Verbreitung von Staatspropaganda in den Medien [verantwortlich], die die Repressionen gegen die demokratische Opposition und die Zivilgesellschaft vom 19. Dezember 2010 unter Verwendung gefälschter Informationen unterstützt und gerechtfertigt hat“.[7]
Die BelTA-Generaldirektorin Iryna Akulowitsch wurde im Sommer 2024 von EU- und Schweizer Sanktionen betroffen.[8][9]
Behauptungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Unternehmen lieferte fast immer unbestätigte und unzuverlässige „pro Regierung“-Informationen.[10][11]
Sperren im World Wide Web
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 3. April 2026 wurde der YouTube-Kanal der Agentur gesperrt.[12]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Ніна Григорська: Справа TUT.BY: головній редакторці видання загрожує до 7 років в’язниці. Novoe Wremia, 31. Mai 2021, archiviert vom am 3. Oktober 2021; abgerufen am 2. Oktober 2021 (ukrainisch): „Державний пропагандистський ресурс БелТА повідомив...“
- ↑ Станислав Стороженко: Беларусь и Латвия обоюдно выслали всех дипломатов. ЛІГА.net, 24. Mai 2021, archiviert vom am 3. Oktober 2021; abgerufen am 2. Oktober 2021 (russisch): „... передает пропагандистское агентство БелТА.“
- ↑ Matthias Meisner: Wie das Lukaschenko-Regime die CDU vorführte. Der Tagesspiegel, 10. April 2014, abgerufen am 2. Oktober 2021: „Für die belarussischen Propagandamedien erfüllte die Visite in Deutschland mit dem Besuchsprogramm im Bundestag einen ganz anderen Zweck. ... Die Belarussische Telegraphenagentur (Belta) verbreitete eine ganze Reihe von Meldungen zum Besuch der Politiker-Delegation in Deutschland. ...“
- ↑ Über uns, abgerufen am 19. März 2012
- ↑ BelTA erweitert ab 2012 Sprachversionen um Chinesisch und Arabisch ( vom 10. Juli 2012 im Webarchiv archive.today), BelTA, 29. April 2012, abgerufen am 19. März 2012
- ↑ Поўны спіс 208 беларускіх чыноўнікаў, якім забаронены ўезд у ЕС. Nascha Niwa, 11. Oktober 2011 (belarussisch).
- ↑ Beschluss 2012/642/GASP des Rates vom 15. Oktober 2012 über restriktive Maßnahmen gegen Belarus. EUR-Lex, abgerufen am 25. Dezember 2020.
- ↑ Durchführungsbeschluss (GASP) 2024/2116 des Rates vom 26. Juli 2024 zur Durchführung des Beschlusses 2012/642/GASP über restriktive Maßnahmen angesichts der Lage in Belarus und der Beteiligung von Belarus an der Aggression Russlands gegen die Ukraine. EUR-Lex.
- ↑ Verordnung über Massnahmen gegenüber Belarus. Staatssekretariat für Wirtschaft.
- ↑ Belarus president sworn in at unannounced inaugural ceremony. Arkansas Democrat-Gazette, 23. September 2020, abgerufen am 22. Oktober 2020 (englisch).
- ↑ Lukashenka Abruptly Sworn In For New Term As Belarusian President. Big News Network, abgerufen am 22. Oktober 2020 (englisch).
- ↑ YouTube löscht Kanäle der Telegraphenagentur BelTA und der TV-Sender ONT und STV. BelTA, abgerufen am 3. Mai 2026.