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Beiseförth

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Beiseförth
Gemeinde Malsfeld
Koordinaten: 51° 5′ N,  33′ OKoordinaten: 51° 4′ 48″ N,  32′ 54″ O
Höhe: 189 (175–235) m
Fläche: 5,11 km²[1]
Einwohner: 1206 (31. Dez. 2020) HW+NW[2]
Bevölkerungsdichte: 236 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1974
Postleitzahl: 34323
Vorwahl: 05664

Beiseförth ist ein Ortsteil der Gemeinde Malsfeld im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis. Der Ort liegt an der Einmündung der Beise in die Fulda.

Ortskern Beiseförth

Die älteste bekannte Erwähnung von Beiseförth erfolgte im Jahr 1348 unter dem Namen „Beysenvorte“.[1] Die Ortsnamenendung -furth lässt aber auf eine sehr viel frühere Gründung schließen. In seinem Buch mit dem Titel „Ahnen gesucht – Paradies gefunden“ von Ralf Beise[3] erwähnt der Autor Folgendes: „Nach genauer Forschung in letzter Zeit wurde jedoch festgestellt, daß eine Akte aus dem Jahre 1319 Angaben enthält über den örtlichen Zehnten und den von der Rockemühle, den die Herden“[4] (man vermutet, es sollte heißen, Herren) „von Leimbach an die Herren von Falkenberg abtraten“. Weiterhin führt der Autor auf, dass die Endungen -förth, -vorte und -furt auf Orte hinweisen, deren Entstehung in die Zeit bis 800 fällt.

Bis vor etwa 140 Jahren wurde die Fulda in diesem Bereich von Schiffen befahren, die Kassel und Hersfeld miteinander verbanden. 1849 jedoch übernahm die Eisenbahn nach dem Bau der Bebra–Kassel die Transporte von Mensch und Gut.

Der überwiegende Teil der Bevölkerung waren Bauern, die nebenbei auch die Leinweberei betrieben. Der Webstuhl verdrängte diese Tätigkeit jedoch. Nach der Leinweberei verdienten sich die Einwohner ihren Lebensunterhalt mit der Korbflechterei. Die guten Waren aus Beiseförth waren bekannt und gesucht. Im Jahr 1855 gab es laut Angaben von Ralf Beise 718 Einwohner, davon 38 Korbmacher, 6 Händler, aber nur noch einen Leinweber. Vom Wirtschaftszweig der Korbflechter zeugt heute noch das örtliche Korbmachermuseum, das einzige in Hessen. In der Zeit der modernen Industrie zogen die meisten Menschen fort oder arbeiteten in Kassel.

Am 12. September 1951 besuchte der in Sankt Petersburg geborene Ralf Beise das Dorf. Er suchte hier seine Ahnen, stellte dann aber fest, dass der Name des Ortes nichts seinem Nachnamen zu tun hatte. Was er jedoch vorfand und später in einem Buch beschrieb, war für ihn ein „Paradies“. Er sah hier ein Potenzial, das bis dahin niemand gesehen hatte: Beiseförth als Erholungsort. Durch seinen persönlichen Einsatz wurde der Tourismus zu einer wichtigen Einnahmequelle des Ortes. Vor allem Erholungssuchende aus dem Ruhrgebiet und aus Beises damaliger Heimatstadt Bremen verbrachten ihren Urlaub in Beiseförth. Zeitzeugen berichten, dass es in den frühen 1960er Jahren ca. 15 Gaststätten und in fast jedem Haus Gästezimmer gab. Zudem war bzw. ist noch vorhanden: ein Schwimmteich und Campingplatz. Es gab zwei Minigolfplätze und eine Heilquelle (Wildsberg Quelle) etwas außerhalb des Dorfes. Heute zeugt nur noch der einfache Bau davon, dass hier einmal Kurgäste das Wasser nutzten.

Das Konzept bestach vor allem dadurch, dass keine Hotels etc. gebaut wurden, sondern jeder Einwohner daran beteiligt war. Beiseförth hatte sogar ein eigenes Möbelhaus namens „Häde“. In den besten Jahren besuchten ca. 70.000 Menschen jedes Jahr dieses Dorf, so die Angaben von Zeitzeugen. Noch heute sieht man die Spuren dieses kleinen Wirtschaftswunders, vor allem wenn man sich die Dächer der Häuser anschaut, die meist für Gästezimmer ausgebaut wurden. Von den Gaststätten ist heute nur noch eine übrig, der „Goldene Löwe“, der seit 2024 vom 1. FC Beiseförth u. a. mit Angeboten im Dartsport betrieben wird. Eine weitere italienische Gaststätte hatte sich vor einigen Jahrzehnten in der Nähe des Goldenen Löwen einen Namen geschaffen und lebt heute von zahlreichen Stammgästen aus der Region.

Interessante Einblicke in die Geschichte ermöglicht auch der Roman „Tausendjahrfeier“ von Gerhard Ludwig.[5] Dessen Hauptperson, der Friseurmeister Volkwein, stammt aus der Nachbargemeinde Malsfeld (im Roman 'Nilfheim') genannt und rekapituliert anlässlich der 1964 anstehenden Tausendjahrfeier Malsfelds zahlreiche Ereignisse vor allem aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Fulda heißt in diesem Roman ‚Fletze‘ und Beiseförth ‚Spöckenfehn‘. Von besonderem Interesse ist das Erstarken des Nationalsozialismus und das Vertreiben der jüdischen Bevölkerung. Der jüdische Emigrant Julio Rosenblatt hat Beiseförth 2021 besucht[6] und seine Erinnerungen als Graphic Novels in zwei Bänden für die Nachwelt festgehalten.[7][8]

Historisches Gasthaus zum Goldnen Löwen

Hessische Gebietsreform

Zum 1. Januar 1974 wurden im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz die bis dahin selbständige Gemeinde Malsfeld (mit den Ortsteilen Elfershausen und Dagobertshausen), Beiseförth, Mosheim (Landkreis Fritzlar-Homberg), Ostheim und Sipperhausen (Landkreis Fritzlar-Homberg) zur neuen Großgemeinde Malsfeld zusammengeschlossen. Gleichzeitig wechselte Malsfeld in den neu errichteten Schwalm-Eder-Kreis.[9][10] Als Sitz der Gemeindeverwaltung wurde Malsfeld bestimmt. Für alle ehemalig eigenständigen Gemeinden wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[11]

Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Beiseförth 1140 Einwohner. Darunter waren 21 (1,8 %) Ausländer. Nach Lebensalter waren 219 Einwohner unter 18 Jahren, 483 zwischen 18 und 49, 219 zwischen 50 und 64, und 216 älter.[12] Die Einwohner lebten in 501 Haushalten. Davon waren 144 Singlehaushalte, 111 Paare ohne Kinder, 180 Paare mit Kindern, 60 Alleinerziehende, und 6 Wohngemeinschaften. In 90 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 345 Haushaltungen keine Senioren.[12]

Einwohnerentwicklung

Historische Religionszugehörigkeit

Beiseförth: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2020
Jahr  Einwohner
1834
 
652
1840
 
623
1846
 
728
1852
 
727
1858
 
772
1864
 
750
1871
 
732
1875
 
757
1885
 
737
1895
 
693
1905
 
731
1910
 
699
1925
 
766
1939
 
805
1946
 
1.250
1950
 
1.265
1956
 
1.102
1961
 
1.042
1967
 
1.024
1980
 
?
1990
 
?
2000
 
?
2011
 
1.140
2020
 
1.206
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: Zensus 2011[12]; Gemeinde Malsfeld[2]
 1885:700 evangelische (= 94,98 %), drei katholische (= 0,41 %), ein anderes christliche-konfessioneller (= 0,14 %), 33 jüdische (= 4,48 %) Einwohner[1]
 1961:921 evangelische (= 88,93 %), 113 katholische (= 10,84 %) Einwohner[1]
Evangelische Kirche

Die evangelische Kirchengemeinde Beiseförth-Malsfeld ist für das Kirchspiel Malsfeld und Beiseförth zuständig. Die Kirche wurde 1820 im typisch niederhessisch-reformierten Stil gebaut.

Seit dem 16. Jahrhundert lebten auch Juden in Beiseförth (und den umliegenden Gemeinden), deren Zahl im 19. Jahrhundert teilweise auf bis zu 10 % der Bevölkerung anstieg[13]. 1853 wurde eine Synagoge eingeweiht, die noch erhalten ist und seit 1945 als Wohnhaus genutzt wird[14]. Außerhalb der Nachbargemeinde Binsförth findet sich der älteste jüdische Friedhof Nordhessens.[15]

Alte Synagoge Beiseförth

Sehenswürdigkeiten

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Die Fuldaseilbahn
  • Freilichtbühne auf dem Dorfplatz Beiseförth
    Vermutlich im Jahre 1952 erschufen einige Männer in mühevoller Arbeit am Rande des Waldes in Richtung Niederbeisheim, kurz vor dem Ortsausgang und noch vor der Brücke links ab, die „Märchenmühle“, ein kleines Dorf am Bach mit Figuren aus den Märchen der Brüder Grimm. Nachts wird dieses Dorf beleuchtet.[16]
  • Das Beiseförther Korbmachermuseum, das einzige seiner Art in Hessen.
  • Südlich von Beiseförth, auf der Gemarkung von Morschen, befindet sich die Fuldaseilbahn Beiseförth, die erste Fahrradseilbahn Deutschlands, seit 2025 jedoch leider nicht mehr in Betrieb.
  • Am Fuldaradweg R1 zwischen Malsfeld und Beiseförth befindet sich eine Vogelbeobachtungsstation, je nach Jahreszeit z. B. mit Blick auf brütende Störche und ein großes Artenreichtum anderer Vögel im dahinterliegenden Naturschutzgebiet.
  • Die Fläche der früheren Weizenmühle wird heutzutage als Dorfplatz u. a. für den Weihnachtsmarkt genutzt. 2025 wurde dort eine feste Bühne mit Auftrittsmöglichkeiten installiert. Die umliegenden Räumlichkeiten werden von der Kunst- und Kulturmühle für verschiedene Angebote genutzt.[17]
  • Das Dorfgemeinschaftshaus in der Bergstr. 7. wird häufig für private Feierlichkeiten genutzt,

Beiseförth ist Sitz der Dr. Schumacher GmbH, eines 1978 gegründeten, auf die Entwicklung und Produktion von Desinfektions-, Hygiene- und Pflegemitteln und Kosmetikprodukten spezialisierten Chemieunternehmens.

In Beiseförth treffen sich die Kreisstraße 31 und die Landesstraße 3126, jenseits der Fulda verläuft die Bundesstraße 83. Durch den Ort verlaufen der Fulda-Radweg und der Beisetal-Mühlen-Radweg beginnt hier.

Im Osten des Ortes liegt der Bahnhof Malsfeld-Beiseförth an der Bahnstrecke Bebra–Baunatal-Guntershausen. Das zugehörige Empfangsgebäude entstand 1847/48 vermutlich nach einem Entwurf von Julius Eugen Ruhl.[18] Diese wurde allerdings 2017 abgerissen und durch einen Zweckbau ersetzt.

Linie Verlauf Takt
RB5 Kassel Hbf Kassel-Wilhelmshöhe Guxhagen Melsungen Malsfeld Malsfeld-Beiseförth Altmorschen Heinebach Rotenburg an der Fulda Lispenhausen Bebra Ludwigsau-Friedlos Bad Hersfeld Haunetal-Neukirchen Burghaun Hünfeld Fulda
Stand: Fahrplanwechsel Dezember 2021
60 min

Persönlichkeiten

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  • Wilhelm Henkel (1819–1876), Gutsbesitzer und Mitglied der kurhessischen Ständeversammlung
  • Ralf Beise, Autor des unter [3] genannten Buches, auch eine Straße in Beiseförth trägt seinen Namen

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 6 Beiseförth, Schwalm-Eder-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 24. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. 1 2 Ortsteil Beiseförth. In: Webauftritt. Gemeinde Malsfeld, abgerufen im März 2022.
  3. Beise, Ralf (1962): Ahnen gesucht - Paradies gefunden. Ein geschichtlicher Rückblick für den schaffenden Menschen und die Entwicklung eines Sozialwerks. Kassel: Schneider & Weber
  4. Beise (1962), S. 16
  5. Ludwig, Gerhard ([1965]1968): Tausendjahrfeier. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt
  6. Becker, Lars & Giesen, Benjamin (2021): Besuch aus Montevideo: Jüdischer Autor reist nach Beiseförth. Julio M. Rosenblatt kehrt in die Heimat seiner Familie zurück. Gegen Vergessen, für Demokratie : Informationen zur politischen Bildungsarbeit, 109, S. 38–39.
  7. Rosenblatt, Julio & Leite, Verónica (2017): Max und seine Fragen. [Erscheinungsort nicht ermittelbar]: [Verlag nicht ermittelbar]
  8. Rosenblatt, Julio & Claveras, Lara (2022): Max und seine Fragen. Die Flucht
  9. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Fritzlar-Homberg, Melsungen und Ziegenhain (GVBl. II 330-22) vom 28. September 1973. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1973 Nr. 25, S. 356, §§ 13 und 27 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,3 MB]).
  10. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart / Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 405 (Statistische Bibliothek des Bundes und der Länder [PDF; 41,1 MB]).
  11. Ortsvorsteherinnen & Ortsvorsteher. In: Webauftritt. Gemeinde Malsfeld, abgerufen im Oktober 2020.
  12. 1 2 3 Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,0 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 36 und 92, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 27. Oktober 2020.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  13. Synagoge in Beiseförth. Abgerufen am 11. April 2026.
  14. Walter Dippel: Die ehemalige jüdische Gemeinde in Beiseförth. Abgerufen am 12. April 2026.
  15. Dieser jüdische Friedhof ist der älteste in Nordhessen. Abgerufen am 12. April 2026.
  16. Märchenmühle Beiseförth. In: Webauftritt der Gemeinde Malsfeld, abgerufen im Oktober 2020.
  17. Gemeinde Malsfeld: Kunst- und KulturMühle Beiseförth. Abgerufen am 12. April 2026.
  18. Die Bauunterlagen sind im Zweiten Weltkrieg verbrannt: Siegfried Lohr: Planungen und Bauten des Kasseler Baumeisters Julius Eugen Ruhl 1796–1871. Ein Beitrag zur Baugeschichte Kassels und Kurhessens im 19. Jahrhundert. Masch. Diss. Darmstadt [1982], S. 340f.
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