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Batik

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Ein Batiktextil aus dem indonesischen Yogyakarta, 2007

Batik ist ein ursprünglich aus Java stammendes Textilfärbeverfahren in Reservetechnik, bei dem Muster und Verzierungen in Handarbeit mit flüssigem Wachs mit einem als Tjanting bezeichneten Werkzeug auf das Gewebe (Baumwolle, Leinen, Seide etc.) aufgezeichnet, und daher bei dem darauf folgenden Färben des Stoffes im Farbbad nicht durchspült werden. Indonesische Batik wurde am 30. September 2009 von der UNESCO auf die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit gesetzt.[1]

Die Technik des Färbens mittels Abbindung wird häufig fälschlicherweise auch Batik genannt, heißt aber Shibori oder Bandhani.

Begriffsgeschichte

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Die genaue Herkunft des Begriffs Batik ist unbekannt. Der javanische Begriff bathik taucht in schriftlichen Quellen erst ab der Mitte des 17. Jahrhunderts auf. Es wird angenommen, dass sich der Begriff vom altjavanischen Kompositum tulis thika ableitet, das ‚Schreiben‘ oder ‚Malen‘ bedeutet. Die erste schriftliche Erwähnung in einem europäischen Schriftstück stellt ein niederländischer Frachtbrief aus dem Jahr 1641 dar. Allerdings ist nicht gesichert, ob hier tatsächlich das Textilfärbeverfahren in Reservetechnik gemeint war, denn bis heute wird der Begriff Batik in Indonesien für jede Art von gemustertem Textil verwendet.[2]

Textil mit Parang rusak-Motiv, 19. Jahrhundert

Eine javanische Legende besagt, dass der Ursprung der Batik auf die Ehefrau von Lembu Amiluhur zurückgeht, einem legendären König des ostjavanischen Königreichs Janggala (1045–1136). Die Königin sei eine Adelige von der Koromandelküste gewesen, die das Weben, Batiken und Färben von den Palastbediensteten gelernt habe.[3] Historisch wird angenommen, dass die Methode, Textilien mittels Wachsreserve zu färben, zu einem unbekannten Zeitpunkt aus China nach Java kam.[2.1]

Auch die Erfindung verschiedener traditioneller Batikmuster wird javanischen Fürsten und Prinzen zugeschriebe. So soll etwa das Parang Rusak-Muster dem legendären Prinzen Panji das Überleben gesichert haben. Allgemein wird seine Erfindung allerdings dem islamischen Sultan Agung von Mataram im frühen 17. Jahrhundert zugeschrieben.[2.2] Erste schriftliche Erwähnungen von traditionellen Batikmustern, die auch heute noch verwendet werden, finden sich in einem sundanesischen Manuskript aus dem Jahr 1518 – allerdings unterscheidet sich das dort beschriebene Färbeverfahren von der heutigen Batiktechnik.[2.3]

Ab dem 16. Jahrhundert war die Vereinigte Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC) auf dem malaiischen Archipel präsent und führte javanische Produkte über die Niederlande in Europa ein. Niederländische Textilfabrikanten wie Jean Baptiste Theodore Prévinaire[4][5] und Pieter Fentener van Vlissingen[6] (heute Vlisco) hatten dadurch spätestens ab den 1850er Jahren Zugriff auf javanische Batiken. Prévinaire wandelte 1852 die Perrotine (eine Textildruckmaschine, die von dem Franzosen Louis-Jerôme Perrot 1835 erfunden worden war) zur Wachsdruckmaschine um und nannte sie La Javanaise. Der Druckvorgang der Perrotine basierte auf der Technik von Holzdruckstempeln, wie sie auch in der manuellen Fertigung verwendet wurden.[7] Die Hersteller kopierten die Muster aus Java und stellten sie nun mithilfe der neuen Maschinen industriell her, um die gemusterten Baumwollstoffe in der Kolonie Niederländisch-Indien zu vermarkten. Dieser Versuch scheiterte, da die Indonesier ihre eigene traditionelle Handarbeit dem Massenprodukt vorzogen.[8][9] Wahrscheinlich über die Belanda Hitam, die zwischen 1831 und 1872 für die Koninklijk Nederlandsch-Indisch Leger in Indonesien gedient hatten, entstand an der westafrikanischen Goldküste ein Absatzmarkt für die niederländischen Batiken, die dort als Afrikanische Waxprints die regionale Textiltradition beeinflussten.[10]

In den Niederlanden begannen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Künstler wie C.A. Lion Cachet, Agathe Wegerif-Gravestein (1867–1944) und Jan Thorn Prikker mit der Batiktechnik zu experimentieren. Über sie lernten wiederum Marius Bauer, Henry van der Velde, Peter Behrens, Josef Hoffmann, Jan Toorop, Karel de Bazel und Frederik van Eeden[11] das Batiken kennen, führten es selber aus und gaben es an ihre Schüler weiter, darunter Erica von Scheel und Elsa Stübchen-Kirchner.[12] In Deutschland wurde das Batiken (damals auch Batick, Battick oder Batek genannt) ab der Weltausstellung 1900 in Paris, auf der erstmals Batiken ausgestellt waren, populär.[13]

Indonesische Batik

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Indonesische Batik zeichnet sich durch eine Vielfalt von traditionell vorgegebenen und oft religiös oder kulturell konnotierten Mustern sowie Farben aus. Traditionell waren Kleider aus Batik-Stoffen oder bestimmte Muster in der streng reglementierten javanischen Gesellschaft der Oberschicht, insbesondere dem Adel vorbehalten. Der Sultan von Yogyakarta etwa gab erst 1940 alle Batik zum Gebrauch für alle Gesellschaftsschichten frei.[14] Auch heute noch sind bestimmte Muster für bestimmte gesellschaftliche Anlässe (z. B. Hochzeit) vorbehalten.

Die Ausbildung junger Menschen in „traditioneller indonesischer Batik-Technik“ wurde 2009 in das Register guter Praxisbeispiele aufgenommen.[15]

Künstler (Auswahl)

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Commons: Batik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Batik – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. Indonesian Batik. UNESCO Intangible Cultural Heritage, 2009, abgerufen am 21. Dezember 2023 (englisch).
  2. Svetlana Libera: Historische un soziokulturelle Aspekte der indonesischen Batikkunst. Die Bedeutung von Farbsymbolik und Musterung, Herstellung und Verwendung in Kerek und Tuban. Dr. Kovac, Hamburg 2018, S. 17–18.
    1. S. 19.
    2. S. 16.
    3. S. 15.
  3. Desy Nurcahyanti, Agus Sachari und Achmad Haldani Destiarmand: Stylation of Women’s Batik Crafters in Mbok Semok Motif as a Visual Idioms of Javanese Cultural Change. In: Proceedings of the 1st International Conference on Interdisciplinary Arts and Humanities (ICONARTIES 2019). SCITEPRESS, 2020, ISBN 978-989-758-450-3, S. 517–525, doi:10.5220/0009447005170525.
  4. W.T. Kroese: The origin of the Wax Block Prints on the Coast of West Africa. Smit, Hengelo 1976, ISBN 90-6289-501-8 (englisch).
  5. Alisa LaGamma: The Essential Art of African Textiles: Design Without End. The Metropolitan Museum of Art, New York 2009 (englisch).
  6. The Founding of Vlisco In: Vlisco. Abgerufen am 25. September 2017 (amerikanisches Englisch). 
  7. What You Always Wanted to Know About Wax Print Fabric (Memento vom 8. August 2013 im Internet Archive) abgerufen am 20. März 2023 (englisch).
  8. W.T. Kroese: The origin of the Wax Block Prints on the Coast of West Africa. Smit, Hengelo 1976, ISBN 90-6289-501-8 (englisch).
  9. Eccentric Yoruba: “African Fabrics”: The History of Dutch Wax Prints. In: Beyond Victoriana. 10. April 2011, abgerufen am 20. März 2023 (englisch).
  10. W.T. Kroese: The origin of the Wax Block Prints on the Coast of West Africa. Smit, Hengelo 1976, ISBN 90-6289-501-8 (englisch).
  11. Chris Wegerif. In: kunstbus.nl. Abgerufen am 30. Oktober 2025 (niederländisch).
  12. Michaela Hansen: Batik, ja, batik: Wiener Werkstätte Batik from the Los Angeles County Museum of Art and Cotsen Textile Traces Collections. In: Textile Society of America Symposium Proceedings. 1. Januar 2016 (unl.edu [abgerufen am 30. Oktober 2025]).
  13. Carl Vesper: Batik. A. Ziemsen, Wittenberg 1922, S. 7–9.
  14. Javanese Clothes (geocities.com) (Memento vom 1. November 2007 im Internet Archive)
  15. Education and training in Indonesian Batik intangible cultural heritage for elementary, junior, senior, vocational school and polytechnic students, in collaboration with the Batik Museum in Pekalongan. UNESCO Intangible Cultural Heritage, 2009, abgerufen am 21. Dezember 2023 (englisch).