Zum Inhalt springen

Baron Karl

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Baron Karl
Grab von Baron Karl auf dem Evangelischen Friedhof Matzleinsdorf

Baron Karl (* 24. Jänner 1882 in Slanik[1]; † 13. Oktober 1948 in Wien; auch: Baron-Karl bzw. Baronkarl) war ein bekanntes Wiener Original. Er wurde auch der „liebe Augustin von Favoriten“ genannt.[2][3]

Karl Baron, der von allen nur Baron Karl genannt wurde, war ein stadtbekanntes Wiener Original. Besonders in seinem Heimatbezirk Favoriten genoss er großes Ansehen, obwohl er eigentlich ein sogenannter „Sandler“, also ein obdachloser Stadtstreicher war.

Die Nationalsozialisten sperrten ihn ins Arbeitslager, „damit er am Sacklpicken für die Volksgemeinschaft genese“.[4]

Besonders in der Zwischenkriegszeit und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er berühmt. Zahlreiche Anekdoten und Erzählungen über ihn machen es schwer, Tatsächliches von Erfundenem zu unterscheiden. Er soll ein ausgeprägtes soziales Mitgefühl besessen haben.

Der Baron Karl starb durch einen Verkehrsunfall, als er am 13. Oktober 1948 die Favoritenstraße überqueren wollte und dabei von einem Lastwagen überfahren wurde.[5][6] Er wurde am 22. Oktober 1948 auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.[3] Bei seinem Begräbnis waren tausende Menschen anwesend:

„Tausende Favoritner gaben ihm das letzte Geleit, ein Trauerchoral spielte, und Kränze häuften sich auf seinem Grab. Wie hätte es auch anders sein können? War er doch der allen Favoritnern bekannte und beliebte ‚Sou­verän des zehnten Hiebs‘.“

Österreichische Volksstimme vom 23. Oktober 1948[7]

Seit 1995 befindet sich sein Grab auf dem Matzleinsdorfer Evangelischen Friedhof (Gruppe 15, Nr. 238).[8]

Aufgrund der mündlichen Überlieferungen hat der Autor Peter Henisch den Baron Karl zum Helden eines seiner Bücher gemacht. 1995 wurde die Baron-Karl-Gasse in Favoriten nach ihm benannt.

Am 1. September 2021 wurde die „erste Wiener Sandler-Operette“ über Baron Karl im Wiener Metropol uraufgeführt (Regie und Buch: Robert Persché; Musik, Text und Buch: Nino Holm; Idee: Peter Steinbach).[9][10] Vorlage für das Textbuch sind die ihn betreffenden Teile des Buchs von Peter Henisch, daher endet die Operette mit der Beerdigung auf dem Zentralfriedhof.

  • Baronkarl. In: peter-henisch.at. Abgerufen am 27. Oktober 2023.

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Taufbuch Štěkeň, tom. X, fol. 203 (Digitalisat).
  2. Das Begräbnis des Baron-Karl. In: Arbeiter-Zeitung, 20. Oktober 1948, S. 3 (online bei ANNO).
  3. 1 2 Baron-Karls letzter Gang. In: Österreichische Volksstimme. Organ/Zentralorgan der Kommunistischen Partei Österreichs, 20. Oktober 1948, S. 3 (online bei ANNO).
  4. Rudolf Kalmar: Die innere Stimme. In: Neues Österreich, 24. Oktober 1948, S. 4 (online bei ANNO).
  5. Von Tag zu Tag. Aus Favoriten. In: Arbeiter-Zeitung, 14. Oktober 1948, S. 3 (online bei ANNO).
  6. Nur ein Faßltippler. In: Österreichische Volksstimme. Organ/Zentralorgan der Kommunistischen Partei Österreichs, 15. Oktober 1948, S. 3 (online bei ANNO).
  7. O du lieber Augustin…. In: Österreichische Volksstimme. Organ/Zentralorgan der Kommunistischen Partei Österreichs, 23. Oktober 1948, S. 3 (online bei ANNO).
  8. Karl Pufler: Favoritner Original Baron Karl. Putzaktion für ein Ehrengrab. In: meinbezirk.at. 30. Oktober 2020, abgerufen am 14. Mai 2026.
  9. Agnes Preusser: Eine Operette für Wiens berühmtesten Sandler. In: Kurier. 11. August 2021, abgerufen am 18. September 2021.
  10. Karl Pufler: Baron Karl auf der Bühne: Erste "Sandler-Operette" in Favoriten. In: meinbezirk.at. Abgerufen am 18. September 2021.