Barito
| Barito Dusun, Banjar, Banjarmasin, Banjar Besar, Banjer, Dunsun, Bandjer | ||
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Flüsse in Zentralkalimantan, der Barito im Osten. | ||
| Daten | ||
| Lage | Zentralkalimantan und Südkalimantan, Borneo | |
| Flusssystem | Barito | |
| Quelle | Zusammenfluss von Murung und Joloi, Quelle des Murung im Müllergebirge | |
| Mündung | südlich von Banjarmasin in die JavaseeKoordinaten: 3° 30′ 55″ S, 114° 29′ 28″ O 3° 30′ 55″ S, 114° 29′ 28″ O
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| Länge | 880 km (mit Murung 1090 km) | |
| Einzugsgebiet | 62.700 km² | |
Der Barito (auch Dusun oder Banjar,[1] selten Banjarmasin[2] oder Banjar Besar)[3] ist ein Fluss auf Borneo in den indonesischen Provinzen Zentralkalimantan und Südkalimantan. Im unteren Flusslauf wird er auch als Banjar bezeichnet. Mit einer Länge von 880 km,[4] nach anderen Angaben 909 km (1090 km inklusive des Quellflusses Murung), bildet er nach dem Kapuas (1143 km) das zweitlängste Flusssystem auf Borneo und Indonesiens sowie das viertlängste auf einer Insel weltweit. Mit einem mittleren Abfluss von etwa 5000 m³/s[5] ist er außerdem der Fluss mit dem zweitgrößten Abfluss in Indonesien, dem drittgrößten auf einer Insel, einem der 20 größten in Asien und einem der 70 größten weltweit.
Geografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Fluss entspringt im südlichen Müllergebirge (Pegunungan Müller) im Inneren Borneos nahe der Grenze zu Ostkalimantan. Ab dem Ort Muara Joloi, wo sich die Quellflüsse Murung (258 km) und Joloi (170 km) vereinigen, trägt er den Namen Barito. Er fließt zunächst gen Südwesten, macht dann einen Bogen Richtung Südosten und fließt schließlich für den Großteil seiner Länge nach Süden in die Javasee. In seinem Oberlauf fließt der Fluss stark gewunden durch enge Täler und weist stellenweise Stromschnellen und Wasserfälle auf. Im Mittel- und Unterlauf durchfließt er überwiegend flaches, meist sumpfiges Gelände. Die größte Stadt am Mittellauf ist Muara Teweh mit etwa 47.000 Einwohnern, das während der niederländischen Kolonialzeit Hauptstadt des Bezirks Barito war. Im Unterlauf befinden sich zahlreiche Inseln, die größte davon Pulau Kaget mit einer Fläche von 3,2 km², 10 km vor der Mündung. Für etwa 700 km ist der Barito für große Boote schiffbar.[6]
29 km nördlich der Stadt Marabahan teilt sich der Barito in zwei Arme, deren rechter Kapuas Murung genannt wird. Der linke (östliche) Arm vereinigt sich in Marabahan mit dem Negara und durchfließt nahe der Mündung die Stadt Banjarmasin mit 680.000 Einwohnern am östlichen Ufer, das Verwaltungszentrum Südkalamantans und die drittgrößte Stadt Borneos. An der Mündung ist der Barito 3,8 Kilometer breit und damit der breiteste Fluss des Landes. Seine übliche Breite beträgt 250–400 m,[7] im Unterlauf 650–800 m.[8] Im Unterlauf ist der Barito durch zahlreiche Antasan oder Anjir genannte, 20–35 m breite Kanäle mit anderen Flüssen verbunden, die nahezu parallel fließen.[9][10]
Der rechte (westliche) Arm fließt in dem Ort Kuala Kapuas in den 600 km langen Kapuas (auch Kleiner Kapuas, nicht zu verwechseln mit dem Kapuas in Westkalimantan), der 30 km westlich des Barito in die Javasee mündet. Die zwischen beiden Flussarmen liegende Insel heißt Pulau Petak und hat eine Fläche von 2212 km². Weitere 20 km westlich mündet der ähnlich breite, 658 km lange Kahayan ins Meer.
Nördlich von Banjarmasin überspannt die 1993–1997 errichtete Barito-Brücke, die mit 1082 Metern längste Hängebrücke Indonesiens, den Fluss.[11] In Muara Teweh führt die 270 m Hasan-Basra-Brücke über den Fluss, die 1990–1995 erbaut wurde. Die weiteren drei Brücken über den Barito befinden sich bei Marabahan, nördlich von Buntok, und in Puruk Cahu, zwei weitere Brücken überspannen den Murung. An vielen Stellen sorgen Fähren für die Überfahrt. Wichtige Siedlungen am Ufer sind Purukchau, Muaratewe, Pendang und Bunton.
Der mittlere Abfluss des Barito betrug im Zeitraum 2003–2016 etwa 4500 m³/s;[12] im Zeitraum 2008–2015 etwa 5500 m³/s, und im Zeitraum 1970–2000 etwa 4100 m³/s.[13] Bei Banjarmasin betrug der Abfluss 2006–2011 ca. 4500 m³/s; bei Muara Teweh 1971–2000 um die 1800 m³/s.
Sein Einzugsgebiet beträgt etwa 81,675 km², ohne den Kapuas sind es 62,700 km²[14] oder 46.500 km².[15] Wichtige Nebenflüsse des Barito sind der Negara und der Martapura, der im Süden von Banjarmasin in den Barito mündet. Weitere Nebenflüsse sind Lampuya, Babuat, Laung, Lahei, Montallat, Tapen, Ajuh, Karau, Napu und Paminggir (links) sowie Bakanon, Lemu, Muning und Mangkatip (rechts).[16] Insgesamt durchfließen mindestens 183 Flüsse das Einzugsgebiet des Barito.[17]
Politik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Für 28 km (53 km inklusive des rechten Seitenarms) bildet der Barito die Grenze zwischen Zentralkalimantan und Südkalimantan. Drei der 13 Regierungsbezirke der Provinz Zentralkalimantan sind nach dem Barito benannt: Barito Selatan (Südbarito), Barito Timur (Ostbarito) und Barito Utara (Nordbarito), dazu der Bezirk Barito Kuala in Südkalimantan. Der Oberlauf liegt in dem Bezirk Murung Raya. Die Region strebt die Bildung der Provinz Groß-Barito an.
Klima
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Barito fließt durch tropisches Regenwaldklima bei einer Durchschnittstemperatur von 24 °C und einem jährlichen Niederschlag von 2735–3000 mm. Der Wasserspiegel schwankt stark saisonal, den höchsten Stand erreicht er im April und im November, wenn große Uferabschnitte überflutet werden. Regelmäßig kommt es zu Flutkatastrophen, die Siedlungen zerstören und Evakuierungen hervorrufen können.[18] Eine Flut im Januar 2021 forderte mehrere Todesopfer und verursachte Schäden an über 20.000 Häusern.[19]
Wirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Barito ist von erheblicher Bedeutung für den Transport, insbesondere für die Holzflößerei und die an seinen Ufern geförderte Kohle (in unmittelbarer Nähe befinden sich einige der größten Kohlevorkommen Indonesiens). Als eine der wichtigsten Wasserstraßen Kalimantans verbindet er die zentralen Regionen der Insel mit der Südküste. Die rege wirtschaftliche Nutzung begann während der niederländischen Kolonialzeit und ist auf den relativ hohen Entwicklungsstand der Küstengebiete zurückzuführen.
Im Unterlauf wird der Barito ganzjährig genutzt, insbesondere im Stadtgebiet von Banjarmasin verkehren große Fracht- und Passagierschiffe sowie viele kleinere Boote. Im Mittellauf hängt die Schifffahrt von saisonalen Überschwemmungen ab, da in Trockenperioden in vielen Abschnitten behindernde Untiefen und Stromschnellen entstehen, welche die Güterversorgung (insbesondere mit Kohle) unterbrechen können.[20]
Zu den wichtigsten Gütern, die aus dem Landesinneren über den Fluss transportiert werden, gehören neben Holz und Kohle auch Kautschuk, Guttapercha, Rattan, Harz, Wachs, Gold, Pfeffer, Vogelnestprodukte, Webwaren, getrockneter Fisch, Hirschfleisch und Früchte.[21] Von Banjarmasin flussaufwärts werden Waren wie Reis, Zucker, Salz, Mehl, Mais, Kokosöl, Tabak, Gambir, Töpferwaren, Haushaltsgeräte, Kupferdraht und Textilien transportiert.[22]
Die wirtschaftliche Aktivität am Barito hat seit dem späten 20. Jahrhundert zu einer Zunahme an Umweltproblemen wie der erhöhten Belastung durch Industrieabfälle geführt, unter anderem durch bei illegalem Goldabbau verwendetes Quecksilber. Außerdem hat sich der Barito durch intensive Nutzung zur Bewässerung der Ölpalmen- und Kautschukplantagen an seinen Ufern in vielen Bereichen verflacht.[23] Entlang fast der gesamten Länge des Flusses findet ausgedehnte Abholzung statt, die von dem vom indonesischen Forstministerium eingerichteten Barito-Flussmanagementrat (Balai Pengelolaan Daerah Aliran Sungai Barito) koordiniert wird.[24][17]
Eine Besonderheit des Barito sind schwimmende Basare auf Flößen und Pontons, die an verschiedenen Stellen existieren und teilweise große Ausmaße erreichen.[25] Fischerei ist unter der lokalen Bevölkerung weit verbreitet, hat jedoch keine größere wirtschaftliche Bedeutung.[17]
Anthropologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Umgebung des Barito lebt die Volksgruppe der Dayak, deren Sprache Maʼanyan die am nächsten mit dem auf Madagaskar gesprochenen Malagasy verwandte Sprache ist. Menschen aus der Region besiedelten Madagaskar vermutlich in mehreren Wellen vom dritten bis zehnten Jahrhundert. Die Sprachen der Dayak sowie Malagasy gehören daher zu den Barito-Sprachen. Neben den Dayak, darunter insbesondere die Ngaju sowie Murung, Siang, Bawoo und Dusun, leben Volksstämme der Banjaresen am Fluss.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wissenschaftler vermuten, dass die beiden Hauptarme in der Antike noch getrennt waren und keine Verbindung vom Barito zum (Kleinen) Kapuas bestand. Diese bildete sich demnach erst später durch Schlammablagerung im Mündungsbereich.
Im Buch Nagarakretagama aus dem Jahr 1365 wird erwähnt, dass das Gebiet um den Barito vom Reich der Majapahit erobert wurde. Im Banjarmasankrieg des Sultanats Banjarmasin gegen die niederländische Kolonialmacht (1859–1863) war der Oberlauf des Barito, insbesondere Muara Teweh und Puruk Cahu, das Zentrum des Widerstandes.
Galerie
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Die Baritobrücke
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Schlepper auf dem Barito
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Niederländisches Boot auf dem Barito, 1917
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Boot auf dem Barito
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Ein Holzfloß mit Behausung auf dem Barito, 1905–1914
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Boote auf dem Barito
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Lithografie eines Aquarellgemäldes von Anthon van Rappard, das ein großes Floß auf dem Barito zeigt, 1883–1889
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Detaillierte Karte des Barito-Flussbeckens inklusive Nebenflüsse. Rivers Network, Kalimantan - Borneo (unter „Murung“).
- Karte des Barito ab Zusammenfluss von Murung und Joloi, Mapy.com.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ The New American Encyclopaedia: A Popular Dictionary of General Knowledge. Band 2. D. Appleton, 1865, S. 571 (englisch, google.co.id).
- ↑ Sherwood: The Monthly Repository of Theology and General Literature. Band 17. Sherwood, Gilbert, and Piper, 1822, S. 13 (englisch, google.com).
- ↑ Annette Delarbre: Tijdschrift voor Nederlandsch Indië, Band 1. Ter Lands-drukkerij, 1838.
- ↑ Barito in der Große Sowjetischen Enzyklopädie. 3. Auflage, 1969-1978.
- ↑ Barito, Große Russische Enzyklopädie 2004–2017.
- ↑ Iem Brown: The Territories of Indonesia. Aus: Europa Territories of the World. Routledge, 2004. S. 124-125. ISBN 978-1-85743-215-2.
- ↑ Ironis: Pelayaran Sungai Barito Kian Padat – Peta Alur Sungai di Barito Utara Belum Ada. In: Kalamanthana. Abgerufen am 26. November 2025 (indonesisch).
- ↑ Sejarah Sosial Daerah Kalimantan Selatan (Sozialgeschichte der Region Süd-Kalimantan). Ministerium für Bildung und Kultur, Direktion für Geschichte und traditionelle Werte, Nationales Projekt zur Erfassung und Dokumentation historischer Bestände, 1984.
- ↑ Hukum Online: Keputusan Menteri Kehutanan No. SK.511/MENHUT-V/2011. Abgerufen am 26. November 2025.
- ↑ Steven Adriaan Buddingh: Neêrlands-Oost-Indië: Reizen über Java, Madura, Makasser, Saleijer, Bima, Menado usw. M. Wijt, 1861, S. 442 (niederländisch, archive.org): „Banjersche rivier (de Barito)“
- ↑ Barito Bridge, Indonesia Tourism
- ↑ Huang et al.: Riverine carbon fluxes to the South China Sea. Journal of Geophysical Research: Biogeosciences 5 (2017) 122. S. 1239–1259. DOI:10.1002/2016JG003701.
- ↑ D. Suwarno, A. Löhr, C. Kroeze, B. Widianarko: Past and future trends in nutrient export by 19 rivers to the coastal waters of Indonesia. Journal of Integrative Environmental Sciences 1 (2013) 10. S. 55–71. DOI:10.1080/1943815X.2013.772902.
- ↑ Daniel Stapper: Artisanal Gold Mining, Mercury and Sediment in Central Kalimantan, Indonesia. M.Sc. Thesis, University of Victoria, 2011.
- ↑ R. Waspodo, M. Sahana: River water quality modelling in Barito watershed. IOP Conference Series: Earth and Environmental Science 399, ISenREM 2019. DOI:10.1088/1755-1315/399/1/012018.
- ↑ Sungai Barito: Induk Sungai di Kalimantan Selatan dan Tengah. Barito Basin auf Wordpress, 26. Mai 2008.
- ↑ a b c Keadaan Umum Wilayah Kerja BPDAS Barito (Balai Pengelolaan Daerah Aliran Sungai Barito; Barito-Verwaltungsrat), 2014.
- ↑ Fenny Malisa: Banjir Terjang 103 Rumah di Barito Utara. Republika, 25. Februar 2013.
- ↑ Lima Korban Tewas Banjir Kalsel Ditemukan, Puluhan Hilang. CNN Indonesia, 16. Januar 2021.
- ↑ 20 Tongkang Batubara Kandas di Sungai Barito Palangka Raya. Warta Terkini, 30. November 2014 (archiviert)
- ↑ Algemeen Verslag der Residentie Zuider- en Oosterafdeling van Borneo over het jaar 1880. Nationalarchiv der Republik Indonesien, Jakarta.
- ↑ Ministerie van Marine (Afdeling Hydrografie): Zeemansgids voor den Oost-Indischen Archipel. Jilid III, Mouton & Co. (Den Haag 1973).
- ↑ Pendangkalan Sungai Barito Parah. Antara Kalsel, 9. April 2011.
- ↑ Bab I. Pendahuluan ( vom 18. Juni 2012 auf WebCite). Departemen Kehutanan (Indonesisches Forstministerium), 18. Juni 2012 (archiviert)
- ↑ Fran Sandham & Claire Saunders (Hrsg.): The Rough Guide to Indonesia. Zweite Auflage. The Penguin Group, London 2003. ISBN 1-85828-991-2.
