2,5 × 1,7 cm große Gruppe von schwarzen Bannisteritkristallen mit braunem Bustamit aus der North Mine, Broken Hill, Yancowinna County, New South Wales, Australien
Bannisterit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt meist prismatische bis blättrige Kristalle und Mineral-Aggregate bis etwa 20 cm Größe von hell- bis dunkelbrauner und schwarzer Farbe bei hellbrauner Strichfarbe. Das Mineral ist durchscheinend und zeigt auf den Oberflächen einen harzähnlichen Glanz.
Erstmals entdeckt wurde Bannisterit 1936 in der „Benallt Mine“ bei Rhiw (Llanfaelrhys) auf der Lleyn-Halbinsel im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und beschrieben durch Foshag, der das Mineral allerdings fälschlich als Ganophyllit identifizierte. Als W. C. Smith 1948 die optischen Eigenschaften des als Ganophyllit aus der „Benallt Mine“ bezeichneten Material mit dem aus der Typlokalität „Harstig Mine“ bei Pajsberg in Schweden desselben Minerals verglich, konnte er aufgrund der strukturellen Unterschiede nachweisen, dass hier zwei Minerale mit dem gleichen Namen belegt worden waren.[7]
Marie Louise Lindberg Smith und Clifford Frondel konnten schließlich 1968 mithilfe von Röntgenbeugungsdiagrammen an Einkristallen die Ergebnisse von W. C. Smith bestätigen und benannten das Material aus der „Benallt Mine“ Bannisterit, zu Ehren des Kurators der Mineralabteilung des British Museum in London Frederick Allen Bannister (1901–1971).[7][6]
Da zur Analyse des Minerals durch M. L. Smith und C. Frondel auch Material aus der „Franklin-Mine“ in New Jersey (USA) verwendet wurde, gilt neben der „Benallt Mine“ auch Franklin als Typlokalität.[7]
Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Bannisterit zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung „Schichtsilikate (Phyllosilikate)“, wo er gemeinsam mit Ganophyllit, Parsettensit und Stilpnomelan sowie den inzwischen diskreditierten Mineralen Ekmanit und Stilpnochloran im Anhang der „Hydrobiotit-Reihe (trioktaedrisch)“ mit der Systemnummer VIII/E.07b und dem Hauptmitglied Hydrobiotit und dem als fraglich geltenden Hydrophlogopit zu finden ist.
Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. VIII/H.17-10. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Schichtsilikate“, wo Bannisterit zusammen mit Armbrusterit, Bariumbannisterit, Eggletonit, Franklinphilit, Ganophyllit, Lennilenapeit, Middendorfit, Parsettensit, Stilpnomelan und Tamait eine eigenständige, aber unbenannte Gruppe bildet.[10]
Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[11]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Bannisterit in die Abteilung der „Schichtsilikate (Phyllosilikate)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Struktur der Schichtenbildung, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Doppelnetze mit 6-gliedrigen Ringen“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 9.EG.75 bildet.
Die Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Bannisterit ebenfalls in die Klasse der „Silikate und Germanate“, dort allerdings in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Schichtsilikate: modulierte Lagen“ ein. Hier ist er zusammen mit Stilpnomelan, Lennilenapeit, Franklinphilit und Middendorfit in der „Stilpnomelangruppe“ mit der System-Nr. 74.01.01 innerhalb der Unterabteilung „Schichtsilikate: modulierte Lagen mit verbundenen Inseln“ zu finden.
Als seltene Mineralbildung konnte Bannisterit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 20 Fundorte dokumentiert sind (Stand 2022). Seine Typlokalitäten, die „Benallt Mine“ bei Rhiw (Llanfaelrhys) und die „Franklin-Mine“ in New Jersey sind dabei die bisher einzigen bekannten bzw. gesicherten Fundorte im Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten von Amerika. Ein weiterer Fundort in der Lagerstätte „Bald Knob“ bei Sparta im Alleghany County des US-amerikanischen Bundesstaates North Carolina gilt bisher als nicht bestätigt.
Marie Lindberg Smith, Clifford Frondel:The related layered minerals ganophyllite, bannisterite, and stilpnomelane. In: Mineralogical Magazine. Band36, Nr.283, 1968, S.893–913 (englisch, rruff.info[PDF; 1,3MB; abgerufen am 8.Oktober 2022]).
Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band54, 1969, S.577 (englisch, rruff.info[PDF; 613kB; abgerufen am 5.Oktober 2022]).
Pete J. Dunn, Peter B. Leavens, Julie A. Norberg, Robert A. Ramik:Bannisterite: new chemical data and empirical formulae. In: American Mineralogist. Band66, 1981, S.1063–1067 (englisch, rruff.info[PDF; 306kB; abgerufen am 8.Oktober 2022]).
Bannisterite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 8.Oktober 2022(englisch).
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.688 (englisch).
123456
Bannisterite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 86kB; abgerufen am 8.Oktober 2022]).
123456Bannisterite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 8.Oktober 2022(englisch).
123Peter J. Heaney, Jeffrey E. Post, Howard T. Evans, Jr.:The Crystal Structure of Bannisterite. In: Clays and Clay Minerals. Band40, Nr.2, 1992, S.129–144, doi:10.1346/CCMN.1992.0400201 (englisch, online verfügbar bei researchgate.net[PDF; 2,0MB; abgerufen am 8.Oktober 2022]).
↑Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.