Balkan Stream

Der Balkan Stream ist eine Erdgaspipeline in Südosteuropa, die als europäische Fortsetzung der zweiten Leitung von TurkStream russisches Erdgas über die Türkei, Bulgarien und Serbien in Richtung Ungarn transportiert.[1] Der Name wird in Bulgarien und Serbien für den Abschnitt der TurkStream-Verlängerung auf dem Balkan verwendet.[2]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Balkan Stream entstand nach dem Scheitern des Projekts South Stream als neue Route für russisches Erdgas nach Südosteuropa. Die zweite Leitung von TurkStream wurde dafür über den europäischen Teil der Türkei an das bulgarische Netz angeschlossen und anschließend durch Bulgarien und Serbien in Richtung Ungarn weitergeführt.[1] In Bulgarien wurde das Projekt offiziell als Erweiterung der Gastransportinfrastruktur von Bulgartransgaz parallel zur nördlichen Hauptgasleitung bis zur bulgarisch-serbischen Grenze geführt.[3]
Die bulgarische Pipeline mit einer Länge von 474 Kilometern wurde Ende 2020 zusammen mit der Kompressorstation Rasovo in Betrieb genommen.[3] Am 1. Januar 2021 wurde der serbische Abschnitt bei Gospođinci offiziell eröffnet; Serbien erhielt damit erstmals Gas über die neue Route aus Bulgarien. Serbiens Präsident Aleksandar Vučić bezeichnete das Projekt bei der Eröffnungsfeier als „entscheidend für die künftige Entwicklung Serbiens.“[4] Gazprom begann am selben Tag mit Lieferungen nach Serbien über TurkStream und die neue Balkanroute.[1]
Im April 2026 meldete Serbien den Fund von Sprengstoff an der Gaspipeline nach Ungarn, welche allerdings nicht beschädigt wurde. Ungarns damaliger Präsident Viktor Orbán beschuldigte die Ukraine der gezielten Sabotage, während die ungarische Opposition eine gezielte False-flag-Operation vermutete.[5]
Geopolitische Bedeutung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Balkan Stream stärkte die Bedeutung der südöstlichen Gasroute für russische Lieferungen nach Europa und verringerte die Bedeutung des ukrainischen Transitkorridors. Das Centre for Eastern Studies stellte 2021 fest, dass TurkStream und seine Balkan-Verlängerung bereits 2020 einen Teil der zuvor über die Ukraine geleiteten Mengen ersetzten.[1] Für Serbien wurde die Leitung zu einer zentralen Importverbindung für russisches Gas und wurde von der serbischen Regierung unterstützt.[2][4]
Auch Bulgarien, lange Zeit ein Verbündeter Russlands, unterstütze den Bau, wobei die bulgarische Regierung die Möglichkeit betonte, über die Leitung künftig auch nicht-russisches Gas zu transportieren.[6] Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 wurde die Route geopolitisch stark umstritten, da sie weiterhin russische Gaslieferungen nach Südosteuropa und Ungarn unter der Umgehung der Ukraine ermöglicht, was russische Interessen begünstigte. 2025 stellte die Ukraine den Transport russischen Gases über ihr Territorium ein, was die Bedeutung von Balkan Stream erhöhte.[7][8]
Technische Daten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die bulgarische Teilstrecke des Balkan Stream ist 474 Kilometer lang und wurde mit Rohren von 1.200 Millimetern Durchmesser gebaut.[9] Nach Angaben von Bulgartransgaz schafft das Projekt eine neue Eingangskapazität aus der Türkei von 54,6 Millionen Kubikmetern pro Tag und eine neue Ausgangskapazität nach Serbien von 38,0 Millionen Kubikmetern pro Tag.[3] Die serbische Teilstrecke ist rund 403 Kilometer lang und verläuft von der bulgarischen Grenze über Serbien in Richtung Ungarn.[4]
| Abschnitt | Betreiber/Eigentümer | Länge | Technische Angaben | Status |
|---|---|---|---|---|
| Bulgarien | Bulgartransgaz | 474 km | DN 1200; Eingang aus der Türkei 54,6 Mio. m³/Tag; Ausgang nach Serbien 38,0 Mio. m³/Tag | Ende 2020 in Betrieb genommen |
| Serbien | Srbijagas | 403 km | Verbindung von der bulgarischen Grenze in Richtung Ungarn | am 1. Januar 2021 eröffnet |
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 Szymon Kardaś: TurkStream on the diversifying south-eastern European gas market. In: Centre for Eastern Studies. 8. April 2021, abgerufen am 26. Mai 2026 (englisch).
- 1 2 New „Balkan Stream“ gas pipeline opened. President of the Republic of Serbia, 1. Januar 2021, abgerufen am 26. Mai 2026 (englisch).
- 1 2 3 Consolidated Annual Activity Report of Bulgartransgaz EAD 2020. (PDF) Bulgartransgaz, 2021, S. 35, abgerufen am 26. Mai 2026 (englisch).
- 1 2 3 Serbian President Opens Key Section Of Russia-Led Balkan Stream Natural Gas Pipeline. In: Radio Free Europe/Radio Liberty. 1. Januar 2021, abgerufen am 26. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Sprengstoff an Balkan-Stream-Pipeline: Ungarn lenkt Verdacht auf Ukraine RND
- ↑ Bulgaria can boost Balkan Stream capacity to ship non-Russian gas. In: Reuters. 6. März 2020, abgerufen am 26. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Hungarian section of new oil pipeline to Serbia to be finished by end-2027, minister says. In: Reuters. 1. September 2025, abgerufen am 26. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Letzte aktive Route für russisches Gas: BalkanStream Thüringen.de
- ↑ Preventive Action Plan for the security of natural gas supply of the Republic of Bulgaria. (PDF) Ministry of Energy of the Republic of Bulgaria, 2021, abgerufen am 26. Mai 2026 (englisch).