Bahianit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem, konnte bisher jedoch nur in Form von abgerollten, bohnenförmigen Kieseln (auch Rollstücke oder Favas) mit polykristalliner oder radialfaseriger Struktur und einer Größe von bis zu 10cm[5] beziehungsweise bis über 100g[7] Gewicht.
In reiner Form ist Bahianit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch durchscheinend weiß sein und durch Fremdbeimengungen eine creme- bis hellbraune, orangebraune bis braune oder violette Farbe annehmen. Seine Mohshärte von 9 entspricht der des Referenz- und Edelsteinminerals Korund.
Erstmals entdeckt wurde Bahianit am Rio das Almas (auch Pico das Almas) bei Paramirim das Crioulas nahe der Gemeinde Érico Cardoso im brasilianischen Bundesstaat Bahia. Analysiert und erstbeschrieben wurde das Mineral von Paul B. Moore und Takaharu Araki (1929–2004[8]), die es nach dem Bundesstaat benannten, in dem sich die Typlokalität des Minerals befindet.
Moore und Araki sandten ihre Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1974 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1974-027[1]), die den Bahianit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Publikation erfolgte 1976 in den Abhandlungen des Fachmagazins Neues Jahrbuch für Mineralogie und nochmals durch Paul B. Moore, Carlos do Prado Barbosa und Richard V. Gaines 1978 im Mineralogical Magazine.
Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Bahianit lautet „Bhi“.[2]
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[11]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Bahianit ebenfalls in die Abteilung „Metall:Sauerstoff=1:2 und vergleichbare“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und der Kristallstruktur, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Aufbau in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen Kationen; Lagen kantenverknüpfter Oktaeder“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 4.DC.05 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Bahianit die System- und Mineralnummer 44.03.07.01. Das entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Antimonate“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Antimonate mit verschiedenen Formeln“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 44.03.07.
Die Kristallstruktur von Bahianit besteht aus Schichten senkrecht zur c-Achse beziehungsweise parallel der Flächen (001) mit kantenteilenden Al(O,OH)6-Oktaedern, die sich mit linearen Trimeren aus kantenteilenden Sb5+O6-Oktaedern abwechseln. Zwei Einheiten sind über gemeinsame Oktaeder-Ecken miteinander verbunden.
Außer am Rio das Almas konnte Bahianit bisher nur noch im nahe gelegenen Claim Morro do Chapéu bei Paramirim das Crioulas nahe der Gemeinde Érico Cardoso, in der Serra do Porco Gordo nahe Brumado und in der Serra da Mangabeira nahe Ibitiara in Bahia gefunden werden (Stand 2024).[12]
Paul B. Moore, T. Araki:Bahianite, Al5Sb5+3O14(O,OH)2. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Abhandlungen. Band126, 1976, S.113–125 (englisch).
Paul B. Moore, Carlos do Prado Barbosa, Richard V. Gaines:Bahianite, Sb3Al5O14(OH)2, a new species. In: Mineralogical Magazine. Band42, 1978, S.179–182 (englisch, rruff.info[PDF; 227kB; abgerufen am 28.Juni 2024]).
Fleischer Michael, G. Y. Chao, Adolf Pabst:New mineral names. In: American Mineralogist. Band64, 1979, S.464–467 (englisch, rruff.info[PDF; 335kB; abgerufen am 28.Juni 2024]).
Bahianite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 28.Juni 2024(englisch).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.213 (englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
12345678
Bahianite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 57kB; abgerufen am 28.Juni 2024]).
1234Bahianite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 28.Juni 2024(englisch).