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Aziza Brahim

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Aziza Brahim während der Vorstellung des Films Wilaya, an dem sie als Schauspielerin und als Komponistin des Soundtracks mitwirkte (2012)

Aziza Brahim arabisch عزيزة ابراهيم (* 9. Juni 1976 in einem sahrauischen Flüchtlingslager nahe Tindūf, Algerien) ist eine sahrauische Sängerin, Songwriterin und Schauspielerin.[1][2] Ihre Musik nutzt vor dem Hintergrund ihrer Erfahrung sahrauischen Exils Folk-Blues und westafrikanische, iberische und mediterrane Einflüsse.[3]

Herkunft und Jugend

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Aziza Brahim wurde am 9. Juni 1976 in einem sahrauischen Flüchtlingslager in der Provinz Tindūf in Westalgerien geboren.[1] Brahims Mutter war ein Jahr zuvor schwanger dorthin geflohen, nachdem marokkanische Truppen Westsahara besetzt hatten.[1][2] Brahims Vater blieb in El Aaiún, starb dort später und lernte seine Tochter aufgrund des Westsahara-Konfliktes nie kennen.[1][2] Brahim wuchs unter den schwierigen Bedingungen des Flüchtlingslagers auf und fand in ihrer Jugend Gefallen an Musik und Schauspielerei, um dem Alltag in dem Lager zu entkommen.[1][2] Als Kind erlebte sie Musik als Schutzraum und als Möglichkeit zum Ausdruck ihrer Erfahrungen von Verlust und Widerstand.[2] Ihre Großmutter Ljadra Mint Mabrouk hatte Einfluss auf sie als Dichterin und führte sie an Poesie und Musik heran.[4][5] Im Alter von elf Jahren erhielt Brahim ein Stipendium für eine schulische Ausbildung in Kuba.[1][2] Sie bewarb sich dort auf eine musikalische Ausbildung, wurde jedoch abgelehnt und kam deshalb 1995 zurück ins Flüchtlingslager in Westalgerien.[1][6]

Leben in Spanien

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Später ließ sich Brahim in Spanien nieder und lebt heute in Barcelona.[2] Sie ist verheiratet und Mutter einer Tochter.[1] Der Kontakt zu den sahrauischen Flüchtlingslagern und zu ihrer Familie dort blieb für sie ein Teil ihrer Identität.[6]

Musikalische Anfänge und Gruppen

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Nach ihrer Rückkehr trat Brahim beim ersten nationalen Gesangswettbewerb im Rahmen des nationalen Kulturfestivals der Demokratischen Arabischen Republik Sahara auf.[1] 1995 gewann sie einen nationalen Gesangswettbewerb der Demokratischen Arabischen Republik Sahara und entwickelte ihre Laufbahn anschließend in Spanien weiter.[7] Anschließend wurde sie Teil der nationalen sahrauischen Musikgruppe, die durch Mauretanien und Algerien tourte.[1] Später tourte sie mit verschiedenen anderen Gruppen, unter anderem Leyoad, durch Mittel- und Südeuropa.[1] 1999 nahm Brahim die ersten Songs gemeinsam mit Touaregmusikern beim sahrauischen Nationalradio auf.[1] 2007 gründete Brahim die Band Gulili Mankoo, bestehend aus Musikern aus Westsahara, Spanien, Kolumbien und Senegal.[1] Der Musikstil der Gruppe zeichnete sich durch einen Mix aus traditioneller westafrikanischer Musik sowie typischem Blues und Rock aus.[1] 2008 nahm die Gruppe die erste EP mit dem Titel Mi Canto auf.[1] Seit 2009 tourte Brahim regelmäßig mit der baskischen Txalaparta-Gruppe Oreka Tx durch Spanien und Frankreich.[1]

Aziza Brahim beim WOMEX-Festival 2015 in Budapest

2011 trat Brahim das erste Mal als Schauspielerin auf.[1] Sie spielte im spanischen Film Wilaya mit, für den sie auch den Soundtrack komponierte und produzierte.[1] Für die Musik zu diesem Film von Pedro Pérez Rosado erhielt sie 2012 beim Festival de Málaga die Biznaga de Plata für die beste Originalmusik.[8] 2012 veröffentlichte Brahim ihre erste LP mit dem Titel Mabruk.[1] Das Album war eine Hommage an Ljadra Mint Mabrouk und vertonte deren Verse mit Brahims eigener Weiterentwicklung sahrauischer Musik.[7] 2014 nahm Brahim ein weiteres Album mit dem Titel Soutak auf, bei dem zahlreiche unterschiedliche Musiker aus Barcelona und Mali mitwirkten.[9] Mit Soutak („deine Stimme“, 2014) erreichte sie internationale Aufmerksamkeit; das Album stand drei Monate an der Spitze der World Music Charts Europe.[10] Auf Soutak kombinierte sie sahrauische Traditionen mit spanisch geprägten Gitarren, Perkussion und Einflüssen anderer Musikkulturen.[10] 2016 brachte sie ein Album mit dem Titel Abbar el Hamada heraus, auf dem sie das Leid der sahrauischen Bevölkerung besingt.[11][6] Abbar el Hamada (2016) griff erneut das Exil der Sahrauis auf und näherte sich zugleich dem elektrischen Desert Blues.[12] Auf Sahari (2019) öffnete sie ihre Musik für neue Klänge und bezog die Erfahrung des Exils auch auf weltweit Vertriebene und Geflüchtete.[5] Die Absage eines für 2019 geplanten Konzerts am Institut du monde arabe in Paris machte die politische Brisanz ihrer öffentlichen Rolle sichtbar.[5] Mawja („Welle“, 2024) wurde in Barcelona mit Guillem Aguilar koproduziert und baut auf Bildern von Radiowellen, Wüstendünen, Migration und Erinnerung auf.[3][2]

  • 2008: Mi Canto
  • 2011: Wilaya
  • 2012: Mabruk
  • 2014: Soutak
  • 2016: Abbar el Hamada
  • 2019: Sahari
  • 2024: Mawja
Commons: Aziza Brahim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 Aziza Brahim (Western Sahara). In: Freemuse. 7. Dezember 2008, archiviert vom Original am 28. November 2016; abgerufen am 9. August 2021 (englisch).
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 Spotlight: Aziza Brahim. In: New Internationalist. 27. Februar 2024, abgerufen am 23. Mai 2026 (englisch).
  3. 1 2 Sélection albums : Arcangelo Corelli, Maurice Ravel, Pierre-François Blanchard, Idles, Real Estate, Dany Dan & Kyo Itachi, Aziza Brahim. In: Le Monde. 23. Februar 2024, abgerufen am 23. Mai 2026 (französisch).
  4. Afro-Blues, Activism and the Bilingual Heart: An Interview with Aziza Brahim. In: Afropean. 18. April 2024, abgerufen am 23. Mai 2026 (englisch).
  5. 1 2 3 Aziza Brahim, au nom des déplacés de force et réfugiés. In: RFI Musique. 27. November 2019, abgerufen am 23. Mai 2026 (französisch).
  6. 1 2 3 Lieder für ein vergessenes Volk. In: Deutschlandfunk Kultur. 3. März 2016, abgerufen am 23. Mai 2026.
  7. 1 2 Palabras musicales que resuenan en el grito de un pueblo. In: El País. 27. September 2012, abgerufen am 23. Mai 2026 (spanisch).
  8. 'Los niños salvajes', de Patricia Ferreira, gana la Biznaga de Oro en Málaga. In: RTVE. 28. April 2012, abgerufen am 23. Mai 2026 (spanisch).
  9. AZIZA BRAHIM. In: Treibhaus.at. 2014, abgerufen am 27. November 2016.
  10. 1 2 معنى أن يكون المرء لاجئا مسلوب الوطن. In: Qantara.de. 5. Oktober 2014, abgerufen am 23. Mai 2026 (arabisch).
  11. Richard Marcus: Die Qual der Entwurzelung. In: Qantara.de. 7. März 2016, abgerufen am 27. November 2016.
  12. Aziza Brahim: Abbar el Harmada review – potent songs of Sahrawi exile. In: The Guardian. 6. März 2016, abgerufen am 23. Mai 2026 (englisch).