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Aviator

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Film
Titel Aviator
Originaltitel The Aviator
Produktionsland Vereinigte Staaten, Deutschland
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2004
Länge 163 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Martin Scorsese
Drehbuch John Logan
Produktion
Musik
Kamera Robert Richardson
Schnitt Thelma Schoonmaker
Besetzung und Synchronisation

Aviator (englisch für ‚Flieger‘) ist eine Filmbiografie über den US-Flugpionier Howard Hughes (1905–1976) unter der Regie von Martin Scorsese. In der Hauptrolle agierte Leonardo DiCaprio, in den weiteren Rollen wurden prominente Schauspieler wie Cate Blanchett besetzt. Der Film erschien 2004 zu guten Kritiken und wurde vielfach ausgezeichnet.

Der Film setzt ein mit einer Szene, in der die Mutter den jungen Hughes wäscht. Sie spricht dabei dem Jungen gegenüber allerhand Warnungen in Bezug auf gesundheitliche Gefahren aus. Diese Szene wird ganz am Ende des Films noch einmal aufgegriffen.

In der nächsten Szene ist Hughes bereits ein junger Mann und realisiert sein erstes großes Filmprojekt, den im Ersten Weltkrieg spielenden Fliegerfilm Hell’s Angels. Für die Aufnahmen hat er zahlreiche Doppeldecker-Flugzeuge beschaffen lassen. Hughes investiert immer wieder große Summen in diese mehrjährige Filmproduktion. Als sich bei Fertigstellung das Publikumsinteresse von den Stummfilmen hin zu den Tonfilmen verschoben hat, dreht er den Film gleich noch einmal als Tonfilm. Bei der glamourösen Premiere ist das Publikum begeistert, der Film wird ein Erfolg.

Er lernt Katharine Hepburn kennen und verliebt sich in den selbstbewussten Filmstar. Die beiden werden ein Paar. Hughes wird den ganzen Film hindurch immer wieder in Begleitung von schönen Hollywood-Frauen gezeigt. Bei allen seinen Affären macht der Umgang mit Katharine Hepburn am ehesten den Eindruck einer normalen Beziehung. Hughes wird von nun an als jemand gezeigt, der sich mit Leidenschaft und Hingabe Fliegerei und Ingenieurskunst verschreibt. Bei seinem Engagement in der Luftfahrtindustrie wird er durch seine Sucht nach Erfolgen und Rekorden getrieben. Er lässt neue Flugzeugtypen entwickeln, und zumeist ist er es selbst, der die Testflüge durchführt. Da seine Konstrukteure erfolgreich arbeiten, kann er nicht nur den Rekord für den schnellsten Flug aufstellen; 1938 gelingt ihm außerdem auch die schnellste Erdumrundung aller Zeiten. Nach einer Notlandung, bei der er sich am Fuß verletzt, wird er noch von Katharine Hepburn gepflegt. Sie preist ihn für den neuen Geschwindigkeitsrekord, den er aufgestellt hat. Auf die Dauer kann sich Katharine Hepburn jedoch nicht mit den Eigenheiten des Fliegers arrangieren; er wiederum wird auch während der gemeinsamen Beziehung immer wieder mit anderen Schönheiten gesehen. Hepburns intellektuelle Familie akzeptiert Hughes nicht und behandelt ihn herablassend. Schließlich verlässt Hepburn ihn, nachdem sie sich in den Schauspielerkollegen Spencer Tracy verliebt hat.

Der Zuschauer wird allmählich an die Besonderheiten von Hughes herangeführt. Es gibt bei ihm ein zwangsneurotisches Verhalten, das sich unter anderem in einem Waschzwang zeigt. Generell hegt Hughes in jeder Umgebung, in der er sich befindet, den Verdacht, dass es Gefahren für seine Gesundheit gibt. Nachdem Katharine Hepburn gegangen ist, sucht er Trost bei anderen Hollywood-Schönheiten. Zu einer langjährigen Begleiterin wird ihm Ava Gardner. Die Beziehung mit ihr wird allerdings niemals so eng wie die mit Katharine Hepburn. Auf die Frage, ob sie ihn heiraten wolle, wird sie später antworten, dass das nicht ginge, weil er zu verrückt sei. Seinen nächsten Flugzeugabsturz überlebt Hughes nur knapp. Mit einem Prototyp des Aufklärungsflugzeugs Hughes XF-11 ist er über Beverly Hills unterwegs, als ein Triebwerk versagt. Er rast mit dem Flugzeug in ein Wohngebiet, zerstört dabei mehrere Häuser und zieht sich schwerste Verletzungen zu.

Die Hughes H-4 Hercules „Spruce Goose“.

Von nun an hat er mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen und es tauchen Konkurrenten auf, die es darauf anlegen, ihm das Leben schwer zu machen. Es ist ihm gelungen, zum Mehrheitsaktionär bei der Fluggesellschaft TWA zu werden. In den darauffolgenden Jahren entwickelt sich TWA gut und steigt bei den Umsatzzahlen auf Platz zwei auf – hinter dem Marktführer Pan Am. Bei Pan Am löst diese Entwicklung Alarm aus. Insbesondere im anlaufenden Geschäft mit Transatlantikflügen möchte man sich von TWA keine Marktanteile abnehmen lassen. Pan-Am-Chef Juan Trippe bringt daher seine guten Beziehungen zur Politik ins Spiel. Er heuert einen Senator an, damit dieser Hughes ein Ultimatum stellt. Hughes soll sein Unternehmen verkaufen. Andernfalls werde er sich vor einem Senatsausschuss dafür rechtfertigen müssen, staatliche Millionengelder für die Entwicklung von Flugzeugen verschwendet zu haben. Hughes weigert sich zu verkaufen und wird tatsächlich vor den Senatsausschuss geladen. Zu diesem Zeitpunkt ist sein Leben bereits sehr durcheinandergeraten; es zeichnen sich die Grundzüge des Einsiedlerlebens ab, in das er sich in den nächsten zwanzig Jahren zurückziehen wird. Für die Verhandlung gelingt es ihm aber, sich noch einmal in Form zu bringen. Er vertritt seine Sache gut, und es gelingt ihm, alle Vorwürfe zu entkräften und den Ausschusssaal erhobenen Hauptes zu verlassen. Das Monopol für Atlantikflüge Pan Ams wird gekippt und TWA darf ebenfalls in dieses Geschäft einsteigen.

Außerdem hat es in den letzten Jahren mit der Hughes H-4 „Spruce Goose“ noch ein wichtiges Flugzeugprojekt gegeben. Von diesem glaubt alle Welt, dass dabei ein fluguntaugliches Gerät entwickelt würde. Es gelingt ihm jedoch, das monströse Flugzeug für einige Zeit in die Luft zu bringen. 1947 führt er im Alter von 42 Jahren einen Testflug selbst erfolgreich durch. Der Film endet damit, dass er eine Vision davon hat, dass die Düsenmaschinen die Luftfahrt beherrschen werden. Er wird von seinem zwanghaften Verhalten, Sätze immer wiederholen zu müssen, übermannt und seine Berater bringen ihn in einen Nebenraum, damit ihn die Öffentlichkeit nicht so sieht.

Entstehung und Veröffentlichung

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Figur Darsteller Deutscher Sprecher[3]
Howard Hughes Leonardo DiCaprio Gerrit Schmidt-Foß
Errol Flynn Jude Law Florian Halm
Katharine Hepburn Cate Blanchett Elisabeth Günther
Ava Gardner Kate Beckinsale Marie Bierstedt
Noah Dietrich John C. Reilly Detlef Bierstedt
Juan Trippe Alec Baldwin K. Dieter Klebsch
Sen. Owen Brewster Alan Alda Bodo Wolf
Dr. Hepburn Kenneth Welsh Ernst Meincke
Professor Fitz Ian Holm Mogens von Gadow
Faith Domergue Kelli Garner Maria Koschny
Glenn „Odie“ Odekirk Matt Ross Viktor Neumann
Jack Frye Danny Huston Leon Boden
Johnny Meyer Adam Scott Daniel Fehlow
Louis B. Mayer Stanley DeSantis Roland Hemmo
Ludlow Odgen Smith,
Hepburns Ex-Mann
J. C. MacKenzie Peter Flechtner
Mrs. Hepburn Frances Conroy Regine Albrecht
Robert Gross Brent Spiner Uwe Karpa
Roland Sweet Willem Dafoe Reiner Schöne
Jean Harlow Gwen Stefani Anna Carlsson
Joseph Breen Edward Herrmann Hans-Werner Bussinger
Spencer Tracy Kevin O’Rourke Tom Vogt

Der Produzent Charles Evans Jr. und der Regisseur Michael Mann begannen 1992 mit der Entwicklung des Projektes und beauftragten erst den Fernsehautor Dean Ollins, dann John Fincher mit der Drehbucharbeit, basierend auf verschiedenen Biographien. Schließlich übergab man 1999 der Neuentdeckung John Logan das gesamte recherchierte Material und verpflichtete als Erfolgsgaranten Leonardo DiCaprio, dessen Produktionsfirma Appian Way Productions das Filmprojekt finanzierte.

Nachdem sich die Geschäftspartner Evans und Mann 2001 im Streit getrennt hatten und Mann Anfang 2002 als Regisseur ausgeschieden war, brachte DiCaprio Martin Scorsese an Bord, den er 2000 bei den Dreharbeiten zu Gangs of New York kennengelernt hatte. Beide planten zu dieser Zeit einen biographischen Film über den makedonischen Prinzen Alexander (das Projekt übernahm schließlich Baz Luhrmann), doch die Fachzeitschrift Variety berichtete schon im Juli 2002 von einer Vorproduktion des Howard-Hughes-Films (allein die Kostüme kosteten 2 Mio. US-Dollar). Im Frühjahr 2003 wurden dann Jude Law, Gwen Stefani, John C. Reilly und Alec Baldwin für den Film verpflichtet. Nach elf Jahren Vorarbeit begannen die Dreharbeiten am 7. Juli 2003 in Toronto und endeten am 17. November 2003 in Los Angeles. Gedreht wurde auch an weiteren Schauplätzen in den USA, Japan sowie Deutschland.

Die Musik zur Untermalung einiger Flugszenen mit Howard Hughes ist eine Orchestrierung der ursprünglich für Orgel geschriebene Toccata und Fuge d-Moll (BWV 565) von Johann Sebastian Bach. Die deutsche Synchronbearbeitung entstand bei der FFS Film- und Fernseh-Synchron, München und Berlin. Das Dialogbuch verfassten Clemens Frohmann und Klaus Bickert, Synchronregie führte Clemens Frohmann.[3]

Der Film wurde am 14. Dezember 2004 in New York uraufgeführt und von Miramax vertrieben. Der deutsche Kinostart war am 20. Januar 2005.[4][5] Gegenüber einem geschätzten Budget von 110 Mio. US-Dollar spielte er an den weltweiten Kinokassen rund 214 Mio. US-Dollar ein, davon 103 Mio. US-Dollar in Nordamerika.[6] Inflationsbereinigt entspricht dies inzwischen Gesamteinnahmen von etwa 355 Mio. US-Dollar. Im deutschen Free-TV war er erstmals am 21. März 2008 auf ProSieben zu sehen.[7][5]

Quelle Bewertung
Rotten Tomatoes (Tomatometer) 86 %[8]
Metacritic (Metascore) 77/100[9]
Prädikat der FBW besonders wertvoll[10]
AllMovie SternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbol[11]
CinemaScore B+[12]

Aviator erhielt ein gutes Presseecho, was sich auch in den Auswertungen US-amerikanischer Aggregatoren widerspiegelt. So erfasst Rotten Tomatoes größtenteils positive Besprechungen und ordnet den Film damit als „Verbrieft Frisch“ ein. Der dortige Kritikerkonsens lobt die Darstellung von DiCaprio sowie die Regie von Scorsese, außerdem den „wunderbaren Sinn für historische Details“[8] Laut Metacritic fallen die Bewertungen im Mittel „Grundsätzlich Wohlwollend“ aus.[9] Es folgen einige repräsentative Pressestimmen:

„Der Regisseur beweist in erster Linie sein Talent bei der detailverliebten Wiedergabe der Epoche, in der Aviator spielt. Die Kostüme und die Musik der dreißiger und vierziger Jahre, das Dekor, wie etwa die Ausstattung der Nachtclubs, werden originalgetreu in ihrem Wandel der Zeit hervorgehoben. Hervorragend auch die Arbeit des Kameramanns Robert Richardson […]. Er versteht es wieder, die Geschichte originell zu bebildern.“

Florian Kerntopf: Critic.de[13]

Aviator ist trotz seiner Lauflänge kaum langatmig, aber ihm fehlt – und das überrascht gerade bei Scorsese ein wenig – über weite Strecken der emotionale, tragende Kern. Das Abenteuer der grillenhaften Hauptfigur wird nicht das des Publikums. Tatsächlich entwickelt Aviator eine bestechend elegante Beiläufigkeit.“

Flemming Schock: Filmspiegel[14]

„Man kann The Aviator nostalgisch, überambitioniert, ja sogar eitel finden: DiCaprios Porträt von seelischer Zerrüttung und genialischem Selbstentwurf jedoch gehört zu den Glanzleistungen eines Kinos, das eine Figur überdeutlich werden und zugleich rätselhaft bleiben lässt. Es ist eine Schwäche des Films, den Waschzwang Hughes an ein Kindheitstrauma zurückzubinden. ‚You're not safe!‘ – du bist nicht sicher, sagt Hughes Mutter immer wieder und wäscht ihren Sohn dabei akribisch. Diese erste Einstellung soll den Kern der Tragödie bilden, und es ist DiCaprios großes Verdienst, den simplen Psychologismus der Szene im Lauf des Films fast ganz vergessen zu machen.“

Daniel Haas: Spiegel Online[15]

„Es muß mehr an dem Geld, an Geist und der Seele des Mannes Howard Hughes gewesen sein, mehr Düsteres, Rassismus und Antisemitismus etwa, Mafiakontakte und Kredite für Richard Nixon. Und es ist ein Jammer, daß dieser Mann Leonardo DiCaprio und Martin Scorsese nicht interessierte oder zu kompliziert erschien. In den fast drei Stunden von The Aviator sollte Howard Hughes wohl für sie schaffen, was Randolph Hearst für Orson Welles in Citizen Kane tat. Scorsese zumal spielt mit Rosebud-Verweisen und drängt die Analogie von der Obsession mit Frauen und Flugzeugen ohne Not bisweilen auf Kalauerniveau.“

Uwe Schmitt: Die Welt[16]

Weiterführende Informationen

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Literatur

  • Michael Althen: Aviator von Martin Scorsese. In: Claudius Seidl (Hrsg.): Michael Althen. Liebling, ich bin im Kino! Texte über Filme, Schauspieler und Schauspielerinnen. Karl Blessing, München 2014, ISBN 978-3-89667-535-4, S. 34–38.
  • Stephan Zöller: Das Thema „Selbstentfremdung“ im Spielfilm. In: Thomas Bohrmann, Werner Veith, Stephan Zöller (Hrsg.): Handbuch Theologie und Populärer Film. Band 1. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2007, ISBN 978-3-506-72963-7, S. 313–326.
  • Dana Poppenberg/Gerhard Poppenberg: Martin Scorsese. Einführung in seine Filme und Filmästhetik. Paderborn 2018. S. 167–179.

Weblinks

Belege

  1. Freigabebescheinigung für Aviator. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Januar 2005 (PDF; Prüf­nummer: 101 166 K).
  2. Alterskennzeichnung für Aviator. Jugendmedien­kommission.
  3. a b Aviator. In: Deutsche Synchronkartei. Abgerufen am 16. Dezember 2007.
  4. Aviator – Releaseinfo in der IMDb, abgerufen am 15. Februar 2021
  5. a b Aviator in der Online-Filmdatenbank; abgerufen am 15. Februar 2021.
  6. Einspielergebnisse bei Box Office Mojo, abgerufen am 1. Februar 2026.
  7. Kino.de (Memento vom 5. März 2018 im Internet Archive), abgerufen am 16. Mai 2023
  8. a b Aviator. In: Rotten Tomatoes. Fandango, abgerufen am 11. Januar 2026 (englisch, aggregiert aus 227 Kritiken).
  9. a b Aviator. In: Metacritic. Abgerufen am 11. Januar 2026 (englisch, aggregiert aus 41 Kritiken).
  10. Jury der FBW
  11. Perry Seibert: Kritik zu Aviator (Memento vom 24. August 2017 im Internet Archive) bei AllMovie (englisch)
  12. Datenbankabfrage bei cinemascore.com
  13. Florian Kerntopf: Filmkritik bei critic.de, abgerufen am 7. September 2014.
  14. Flemming Schock: Filmkritik (Memento vom 13. September 2015 im Internet Archive) bei filmspiegel.de, abgerufen am 16. Mai 2023
  15. Daniel Haas: Hollywoods Himmelsstürmer. In: Spiegel Online. 21. Januar 2005, abgerufen am 1. Februar 2026.http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,337741,00.html
  16. Uwe Schmitt: Himmel und Hölle. In: Die Welt. 27. Dezember 2004, abgerufen am 1. Februar 2026.