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Aulus Postumius Tubertus

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Aulus Postumius Tubertus war ein der Patrizierfamilie der Postumier entstammender Militärführer der frühen Römischen Republik. Er amtierte 432 oder 431 v. Chr. als Diktator.

Aulus Postumius Tubertus ist der einzig bekannte Träger des Cognomens Tubertus nach dem kurz nach der Ausrufung der Römischen Republik amtierenden Konsul Publius Postumius Tubertus, dessen Enkel oder Urenkel er möglicherweise war. Laut dem römischen Geschichtsschreiber Titus Livius[1] soll er 434 v. Chr. der Magister equitum des Diktators Mamercus Aemilius gewesen sein. Wahrscheinlich ist diese zweite Diktatur des Mamercus jedoch unhistorisch und Postumius Tubertus nur deshalb als sein Reiterführer eingeführt worden, weil er sonst bald darauf seine eigene Diktatur ohne Bekleidung eines Oberamts innegehabt hätte, was nur selten geschah.[2]

Laut dem griechisch-sizilischen Historiker Diodor übte Postumius Tubertus seine Diktatur 432 v. Chr. aus, als drei Konsulartribunen die Oberbeamten der Römischen Republik waren.[3] Livius gibt jedoch an, dass die Ernennung eines Diktators durch einen Konsulartribunen erst 426 v. Chr. erlaubt wurde,[4] und datiert die Diktatur des Postumius Tubertus in das Jahr 431 v. Chr., in dem Titus Quinctius Pennus Cincinnatus und Gaius Iulius Mento als Konsuln amtierten.[5] Gemäß der livianischen Darstellung habe große Zwietracht zwischen den Konsuln geherrscht, sodass gegen ihren Willen ein Senatsbeschluss zur Ernennung eines Diktators erfolgt sei. Der Senat habe erst mit Hilfe der Volkstribunen die Durchführung seines Beschlusses erzwingen können. Die Konsuln hätten sich dann aber nicht auf die Bestellung des Diktators einigen können, sodass aufgrund eines Losentscheids dem Quinctier das Ernennungsrecht zufiel, der seinem Schwiegervater Postumius Tubertus das Amt des Diktators übertrug. Entsprechend der Uneinigkeit der Konsuln sei dann der Konsul Quinctius mit seinem Schwiegervater in den Krieg gezogen, während der Konsul Iulius Mento und sein Geschlechtsgenosse Lucius Iulius, der zum Magister equitum des Diktators bestellt worden war, die Verantwortung für den Schutz Roms übernommen hätten.[6]

Diodor gibt hingegen an, dass Postumius Tubertus und sein Reiterführer in den Kampf gegen die revoltierenden Aequer gezogen seien, ihr Gebiet geplündert und sie in einer Schlacht geschlagen hätten, woraufhin sich die Aequer ergäben hätten.[7] Livius nennt als die von den Römern bekriegten Feinde Aequer und Volsker sowie als römische Heerführer den Konsul Quinctius und den Diktator Postumius Tubertus. Er stimmt mit Diodor darin überein, dass die Römer siegreich waren und allein der Diktator einen Triumph habe feiern dürfen.[8] Ovid datiert den Triumph des Postumius Tubertus auf den 17. Juni.[9] Die Einzelheiten des ausführlichen Kriegsberichts des Livius,[10] der als Hauptschauplatz der Kämpfe den Berg Algidus angibt, sind unhistorisch. Der römische Sieg und der Triumph des Diktators sind aber wohl als geschichtliche Tatsache anzuerkennen.[11]

Ferner berichten Livius und Diodor zweifelnd, dass der Diktator seinen eigenen Sohn, der unerlaubt seinen Platz in der Schlachtordnung verlassen hatte, wegen dieses Ungehorsams nach dem Kriegsrecht hinrichten ließ, obwohl der Sohn sich als tapfer erwiesen hatte. Auch diese Überlieferung könnte durchaus historisch sein.[12] Tatsächlich scheint mit dem Diktator dessen Familienzweig ausgestorben zu sein, da nach ihm kein späterer Postumier mit demselben Cognomen Tubertus in den Fasten verzeichnet ist.[13]

  1. Livius, Ab urbe condita 4, 23, 6.
  2. Friedrich Münzer: Postumius 63). In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XXII,1, Stuttgart 1953, Sp. 945–948 (hier: Sp. 945).
  3. Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 12, 64, 1.
  4. Livius, Ab urbe condita 4, 31, 4.
  5. Livius, Ab urbe condita 4, 26, 11; ebenso Aulus Gellius, Noctes Atticae 17, 21, 17.
  6. Livius, Ab urbe condita 4, 26, 5 – 27, 2.
  7. Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 12, 64, 1 ff.
  8. Livius, Ab urbe condita 4, 29, 4.
  9. Ovid, Fasti 6, 721–724.
  10. Livius, Ab urbe condita 4, 27, 1 – 29, 8.
  11. Friedrich Münzer: Postumius 63). In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XXII,1, Stuttgart 1953, Sp. 945–948 (hier: Sp. 947).
  12. Christian Müller: Postumius [I 17]. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 10, Metzler, Stuttgart 2001, ISBN 3-476-01480-0, Sp. 225–226 (hier Sp. 226).
  13. Friedrich Münzer: Postumius 63). In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XXII,1, Stuttgart 1953, Sp. 945–948 (hier: Sp. 948).