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August Hanning

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August Hanning (* 16. Februar 1946 in Nordwalde) ist ein parteiloser deutscher Beamter im Ruhestand, war von 1998 bis 2005 Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND) und von 2005 bis 2009 Staatssekretär im Bundesministerium des Innern. Am 6. Oktober 2026 wurde er wegen Spionageverdachts festgenommen.

Ausbildung und Beruf

Hanning, Sohn eines Besitzers von zwei Ziegeleien, absolvierte 1966 das Abitur in Osnabrück und studierte Rechtswissenschaft in Freiburg im Breisgau und Münster. 1975 promovierte er über ein umweltschutzrechtliches Thema in Münster. Ab 1976 arbeitete er als Referent in der Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen, ab 1977 war er Referent im Bundesministerium des Innern. Im Jahr 1981 wechselte er ins Bundeskanzleramt nach Bonn, wo er zunächst im Umweltressort tätig war. Von 1986 bis 1990 diente Hanning als Geheimschutzbeauftragter an der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in Ost-Berlin. In dieser Funktion war er auch für den Häftlingsfreikauf zuständig. Im Jahr 1990 wechselte er zurück ins Bundeskanzleramt, wo er enger Mitarbeiter des Beauftragten für die Nachrichtendienste des Bundes, Bernd Schmidbauer, wurde. 1996 wurde er dort zum Abteilungsleiter und Koordinator der Nachrichtendienste des Bundes ernannt.

Am 17. Dezember 1998 wurde August Hanning Nachfolger von Hansjörg Geiger als Präsident des BND. In seine Amtszeit fiel die Entscheidung des BND-Umzugs von Pullach im Isartal nach Berlin. Hanning vertrat die Auffassung, dass sich der Geheimdienst auch örtlich nah bei der Regierung befinden solle; er fasste ihn als Dienstleister der Bundesregierung auf. Für seine Arbeit erntete er einerseits besonderes Lob für die Zusammenarbeit mit anderen Behörden, andererseits wurde ihm BND-intern vorgeworfen, sich zu wenig um Mitarbeiter-Belange zu kümmern. Bayerns Innenminister, Günther Beckstein, bezeichnete ihn als „eine seiner wichtigsten Stützen“.[1]

Nach dem Amtsantritt des Kabinetts Merkel I wechselte Hanning zum 1. Dezember 2005 als Staatssekretär ins von Wolfgang Schäuble geleitete Bundesministerium des Innern und erhielt die Zuständigkeitsbereiche Polizeiangelegenheiten, Angelegenheiten der Bundespolizei, Innere Sicherheit, Migration, Integration, Flüchtlinge, Europäische Harmonisierung, Krisenmanagement und BOS-Funk. Mit Wirkung vom 10. November 2009 wurde er in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Sein Nachfolger wurde Klaus-Dieter Fritsche.

Amtszeit als BND-Präsident

Massenvernichtungswaffen im Irak

Im Dezember 2002 schrieb Hanning dem Leiter der CIA, George Tenet, in einem Brief, dass die Angaben des Informanten Curveball über irakische Massenvernichtungswaffen nicht bestätigt werden konnten, aber plausibel und überzeugend wären.[2] Dennoch präsentierte US-Außenminister Colin Powell diese unsichere Quelle im Februar 2003 dem UN-Sicherheitsrat als Begründung für den Irakkrieg.

Guantanamo und Fall Kurnaz

Im Falle des von 2002 bis 2006 im Gefangenenlager Guantanamo inhaftierten Murat Kurnaz, eines in Deutschland geborenen und aufgewachsenen türkischen Staatsbürgers, soll sich Hanning nach Medienberichten im Jahre 2002 gegen eine Rückkehr Kurnaz’ in die Bundesrepublik ausgesprochen haben, als die US-Amerikaner angeboten haben sollen, Kurnaz freizulassen. Dabei sei selbst der BND Ende 2002 nach einer Vernehmung von Kurnaz durch deutsche Beamte auf Guantanamo zur Überzeugung gekommen, dass Kurnaz völlig unschuldig sei. Indem er sich „für eine Einreisesperre für Deutschland“[3] ausgesprochen hatte, habe Hanning jedoch dafür plädiert, dass die Vereinigten Staaten Kurnaz in die Türkei und nicht nach Deutschland abschieben sollten. Die Vereinigten Staaten hätten daraufhin ihr Angebot zurückgezogen.

Positionen

Im Oktober 2015 meldete Hanning sich mit einem 10-Punkte-Programm zu Wort, in dem er skizzierte, mit welchen Maßnahmen die deutsche Bundesregierung in der „gegenwärtigen Migrationskrise“ operieren solle. Für Hanning war hierbei die Rückgewinnung der Kontrolle über die deutschen Grenzen die wichtigste Maßnahme, neben der „strikten Anwendung des nationalen und supranationalen Rechts“. Daneben forderte er u. a. die „Beschränkung des Familiennachzuges“ sowie eine „Residenzpflicht für Migranten, verbunden mit Leistungskürzungen beziehungsweise dem Ausschluss von Leistungen bei Verletzung der Residenzpflicht“.[4]

Kurz vor seiner Verhaftung sprach sich Hanning im Sommer 2026 für eine Umsetzung der Zeitenwende auch im Geheimdienstbereich aus, warb für mehr Vertrauen in die Auslandsdienste und unterstützte die von der Regierung Merz beschlossene Geheimdienstreform, mit der die Dienste mehr Kompetenzen erhalten sollen.[5]

Mitgliedschaften und Geschäftstätigkeiten

Ab Dezember 2009 war Hanning Mitglied des Aufsichtsrates der Bundesdruckerei.[6] Er betreibt gemeinsam mit seiner Frau die Firma HanningConsult, die 2021 eine Bilanzsumme von rund 2,7 Millionen Euro hatte.[7] Außerdem ist er Russlandchef der britischen Beratungsfirma G3[8], Mitglied der Geschäftsleitung der Sicherheitsfirma System 360 AG und Präsident deren Mutterfirma Pluteos AG[9] sowie Mitglied des Vorstandes des Deutsch-Aserbaidschanischen Forums.[10]

Im Juni 2017 wurde Hanning Mitglied im Aufsichtsrat der lettischen PNB Banka in Riga. Im Oktober 2021 wurde bekannt, dass der Insolvenzverwalter des Kreditinstituts von Hanning und acht weiteren Verantwortlichen insgesamt 32 Millionen Euro Schadensersatz fordert, also im Durchschnitt 3,5 Millionen pro Person.[11] In der Folge wurde gerichtlich angeordnet, zwei Drittel von Hannings Pension zu pfänden.[12] Der Bundesgerichtshof wies Hannings Antrag auf einstweilige Anordnung gegen die Vollstreckung des lettischen Urteils zurück.[13]

Ermittlungsverfahren

Fall Block

Im Jahre 2025 begann die Staatsanwaltschaft Hamburg Ermittlungen gegen Hanning wegen des Verdachtes, ein Team eines von ihm verantworteten Unternehmens habe zwei Kinder von Christina Block von Dänemark nach Deutschland entführen sollen.[14] In diesem Zusammenhang wurden im September 2025 insgesamt acht Wohn- und Geschäftsräume Hannings durchsucht und Beweismaterialien sichergestellt.[15] Aus diesen ergab sich später ein Spionageverdacht.

Spionageverdacht

Am 6. Oktober 2026 ließ der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof durch das Bundeskriminalamt (BKA) einen Haftbefehl gegen Hanning an seinem Wohnort Nordwalde wegen des dringenden Tatverdachts der landesverräterischen Ausspähung (§ 96 Abs. 1 StGB), des Auskundschaftens von Staatsgeheimnissen (§ 96 Abs. 2 StGB), des Versuchs des Landesverrats (§ 94 Abs. 1, § 22 StGB) sowie der geheimdienstlichen Agententätigkeit (§ 99 Abs. 1 Nr. 1 StGB) vollstrecken. Ausgangspunkt waren Funde bei der Durchsuchung bei Hanning im September 2025 im Rahmen der Ermittlungen gegen Christina Block. Hanning soll laut einer Verabredung vom Frühjahr 2010 gegen Entgelt fortlaufend Erkenntnisse des BND von seinem ehemaligen Büroleiter Manfred D., der bis März 2026 beim BND beschäftigt war, erhalten haben, um diese für seine private Beratertätigkeit gewinnbringend zu nutzen. D. wurde an seinem Wohnort Geretsried ebenfalls festgenommen.[16] Bis Juni 2022 soll er annähernd 2000 Dokumente geliefert haben, die vorrangig der Unterrichtung und Vorbereitung der Behördenleitung für die nachrichtendienstliche Lagebesprechung dienten. Eine dreistellige Zahl davon sollen als VS-Vertraulich oder Geheim eingestuft gewesen sein.[17] In mindestens einem Fall nutzte Hanning Verschlusssachen des Geheimhaltungsgrades Geheim, um eine Analyse für einen ausländischen Nachrichtendienst – mutmaßlich den aserbaidschanischen Inlandsgeheimdienst DTX[18] – zu erstellen, wobei unklar ist, ob dieser sie auch erhielt. Hanning stand auch in intensivem Austausch mit einem anderen fremden Dienst, den er mit politischen – zum Teil von D. erhaltenen – Informationen versorgte.[19][20][21][22] Hannings Anwalt gab an, dass Hanning zwar im Besitz vertraulicher Dokumente gewesen sei, die darin enthaltenen Informationen jedoch nicht zum Nachteil der Bundesrepublik Deutschland weitergegeben habe.[23]

Privates

Hanning ist evangelisch, verheiratet und hat drei Töchter. Er lebt in Nordwalde.[24]

Hanning war früher aktiver Schachspieler und gehörte 1963 zu den Gründungsmitgliedern des Schachklubs Königsspringer Nordwalde, für den er in den 1980er Jahren auch in der 2. Schachbundesliga spielte. Später nahm er an den in Berlin ausgerichteten Politiker-Schachturnieren teil (Platz 2 im Jahre 2008).

Auszeichnungen

Siehe auch

Schriften

  • Umweltschutz und überbetriebliche technische Normung (= Recht, Technik, Wirtschaft. Nr. 9). Heymanns, Köln, Berlin, Bonn, München 1976, ISBN 978-3-452-18002-5 (Zugl.: Münster (Westfalen), Univ., Fachbereich 03 – Rechtswiss., Diss., 1974).

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Annette Ramelsberger: Deckname Offenheit. Er fährt in Krisengebiete und versteht sich als Dienstleister für die Regierung. Für seinen neuen Kurs erntet August Hanning Lob, intern gibt es jedoch Einwände. Wie der Chef des Bundesnachrichtendienstes seine Behörde umkrempelt. In: Süddeutsche Zeitung. 6. Oktober 2004, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 13. Dezember 2009; abgerufen am 25. Dezember 2014.
  2. ↑ Bad Information: US Officials Accuse German Intelligence of Pre-Iraq War Failures. Five years ago, US troops marched into Iraq, convinced they would find weapons of mass destruction. One threat seemed particularly palpable -- biological weapons produced in mobile facilities. US officials now say the assumption originated in part from bad intelligence out of Germany. In: spiegel.de. 28. März 2008, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 21. August 2014; abgerufen am 25. Dezember 2014 (englisch).
  3. ↑ Kurnaz wirft Deutschen Folterung vor. Stern, 4. Oktober 2006, abgerufen am 23. April 2020.
  4. ↑ Das Hanning-Papier ist komplett nachzulesen bei Stefan Aust, Claus Christian Malzahn: „Flüchtlingskrise: Sicherheitsexperten entsetzt über deutsche Politik“. In: Die Welt, 25. Oktober 2015.
  5. ↑ „Wir müssen wegkommen von dem Misstrauen gegenüber Nachrichtendiensten“. In: Die Welt, 11. August 2026 (Interview mit August Hanning).
  6. ↑ Mitglieder des Aufsichtsrats. In: Bundesdruckerei.de. Bundesdruckerei, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 27. September 2010; abgerufen am 25. Dezember 2014.
  7. ↑ HanningConsult GmbH, Nordwalde In: northdata.de, abgerufen am 7. Oktober 2026.
  8. ↑ G3, g3.co (ohne Datum).
  9. ↑ Hans-Martin Tillack: Was die zwei Ex-Chefspione mit einer obskuren Firma verbindet. Stern, 12. März 2020, abgerufen am 23. April 2020.
  10. ↑ Über uns: Vorstand. In: da-forum.net. Abgerufen am 4. Mai 2021.
  11. ↑ Ex-BND-Chef August Hanning droht Pfändung. In: welt.de. Abgerufen am 27. Oktober 2021.
  12. ↑ Mona Jaeger: Loyal war er vor allem sich selbst gegenüber. In: FAZ.NET. 7. Oktober 2026, abgerufen am 7. Oktober 2026.
  13. ↑ Sven Becker, Rafael Buschmann, Matthias Gebauer, Nicola Naber, Sara Wess: Der Spion, der es nicht lassen kann. In: Der Spiegel. Nr. 39, 23. September 2023, S. 22–25 (spiegel.de).
  14. ↑ Fall um Block-Kinder: Ex-BND-Chef Hanning soll an fehlgeschlagenem Entführungsversuch beteiligt gewesen sein. In: tagesspiegel.de, 8. November 2025.
  15. ↑ Wie der Block-Pro­zess zur Ver­haf­tung von Ex-BND-Chef Han­ning führte. In: lto.de, 6. Oktober 2026.
  16. ↑ Spektakuläre Festnahme in Geretsried: Geheimdienstmitarbeiter soll brisante Dokumente verkauft haben. In: merkur.de. 6. Oktober 2026, abgerufen am 6. Oktober 2026.
  17. ↑ Florian Flade: Der Fall Hanning: Welche Konsequenzen zieht der BND? In: ojihad.wordpress.com. 9. Oktober 2026, abgerufen am 10. Oktober 2026.
  18. ↑ Frederik Eikmanns: Neue Kritik am geplanten Machtzuwachs. In: Die Tageszeitung, 7. Oktober 2026.
  19. ↑ Festnahmen wegen mutmaßlicher landesverräterischer Ausspähung, Auskundschaften von Staatsgeheimnissen, versuchten Landesverrats und Spionage. In: generalbundesanwalt.de. 6. Oktober 2026, abgerufen am 6. Oktober 2026 (Pressemitteilung).
  20. ↑ Jörg Diehl, Florian Flade, Roman Lehberger: Verdacht auf Spionage: Ermittler nehmen Ex-BND-Chef Hanning fest. In: tagesschau.de. 6. Oktober 2026, abgerufen am 6. Oktober 2026.
  21. ↑ Astrid Geisler, Claas Meyer-Heuer, Sven Röbel, Fidelius Schmid, Wolf Wiedmann-Schmidt und Matthias Gebauer: Ex-BND-Chef August Hanning verhaftet. In: spiegel.de. 6. Oktober 2026, abgerufen am 6. Oktober 2026.
  22. ↑ Sven Röbel, Fidelius Schmidt: Ex-BND-Chef Hanning soll Analyse für Geheimdienst von Aserbaidschan erstellt haben. In: spiegel.de. 6. Oktober 2026, abgerufen am 6. Oktober 2026.
  23. ↑ Ex-BND-Präsident Hanning jetzt in U-Haft – Anwalt gibt Vorwürfe teilweise zu. In: Die Welt. 7. Oktober 2026, abgerufen am 7. Oktober 2026.
  24. ↑ Ex-BND-Chef auf altem Familienanwesen festgenommen. In: wdr.de. 6. Oktober 2026, abgerufen am 6. Oktober 2026.
  25. ↑ Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF-Datei; 6,59 MB), auf parlament.gv.at