Athanasios Angelou
Athanasios Angelou, griechisch Αθανάσιος Αγγέλου, auch Athanassios Angelou (* 2. Oktober 1951) ist ein griechischer Hochschullehrer, Byzantinist, ehemaliger Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität Ioannina und künstlerischer Leiter kultureller Veranstaltungen.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Angelou absolvierte das Athens College im Jahr 1970. Anschließend studierte er Philosophie und Klassische Philologie an der Yale University in den USA, wo er den Bachelor of Arts (BA) cum laude erwarb. In den Jahren 1974–1975 besuchte er philosophische Lehrveranstaltungen an der Université Paris IV – Sorbonne bei Ferdinand Alquié und Yvon Belaval. Nach 1975 wandte er sich den Byzantinischen Studien zu und wurde 1981 an der University of London promoviert. Seine Dissertation entstand unter der Betreuung des britischen Byzantinisten Robert Browning und behandelte die Widerlegung der Elementatio theologica des neuplatonischen Philosophen Proklos durch den Bischof Nikolaos von Methone († 1160/1166), ein philosophisch-theologisches Werk des 12. Jahrhunderts.
In den folgenden acht Jahren seines Aufenthalts in England lehrte er Byzantinische Literatur und Griechische Paläographie am Birkbeck College, am King’s College, am Royal Holloway sowie am Institute of Classical Studies der University of London. 1985 gründete er gemeinsam mit Julian Chrysostomides[1] und Joseph A. Munitiz das Seminar für Byzantinische Literatur am Warburg Institute der University of London, das großes Interesse bei Studierenden und Forschenden fand. 1987 wurde auf Initiative von Jonathan Riley-Smith, Julian Chrysostomides und A. Angelou ein postgraduales Studienprogramm für Byzantinische Studien am Royal Holloway College eingerichtet.
1989 kehrte er nach Griechenland zurück und übernahm eine Stelle als Assistenzprofessor für Byzantinische Philologie an der Universität Ioannina. Seit 1995 ist er dort außerordentlicher Professor. Administrative Aufgaben übte er als Vorsitzender des Fachbereichs Philologie von 2005 bis 2009 sowie als Dekan der Philosophischen Fakultät von 2008 bis 2013 aus.
Forschungstätigkeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seine Forschungsinteressen konzentrieren sich auf die byzantinische Rhetorik und die Geschichte der byzantinischen Literatur der Spätzeit. Im Besonderen beschäftigte er sich mit den Werken der Historiker Niketas Choniates und Johannes VI. Kantakuzenos, wobei er Fragen der Struktur und Komposition ihrer Schriften untersuchte. Darüber hinaus befasste er sich unter anderem mit der Persönlichkeit und dem Denken von Gennadios Scholarios, wobei er den Gebrauch des Begriffs Hellene in dessen Werk sowie die Bedeutung der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 für dessen Denken analysierte.
Kulturelle Tätigkeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Er entwickelte zudem eine umfangreiche Tätigkeit im künstlerischen Bereich. Als Leiter einer Reihe von Veranstaltungen aus den Bereichen Musik, Wort und Bild verfolgt er das Ziel, Byzanz als musikalisches und literarisches Phänomen in Verbindung mit den Traditionen des östlichen Mittelmeerraums sowie als geografischen Raum darzustellen. Er arbeitete mit dem Musikensemble En Chordais aus Thessaloniki und Kyriakos Kalaitzidis, den Schauspielern Dimitris Katalifos, Lydia Koniordou, Karyofyllia Karampeti, Moni Ovadia, Alan Bates, der türkischen Sängerin Melihat Gülses, der libanesischen Sängerin Ghada Shbeir sowie mit Musikern aus der Türkei, dem Libanon, Italien und England zusammen. Aufführungen fanden unter anderem in London, Brüssel, Venedig (in der Markusbasilika), Athen und Plovdiv statt. Ein von ihm gemeinsam mit dem britischen Musiker Guy Protheroe organisiertes Konzert geistlicher Musik 1998 in der St Paul’s Cathedral in London wurde vom damaligen Prince of Wales besucht und in einem Leitartikel der Zeitung The Times kommentiert. Die künstlerischen Veranstaltungen in Venedig wurden von dem griechischen Staatssender ET3 in einer Sondersendung dokumentiert[2], während die Aufführung Akousma Pagkosmion im Athener Konzerthaus 2006 von ET1 übertragen wurde.
Kulturelle Veranstaltungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Byzantine Festival in London (mit Guy Protheroe), St Paul’s Cathedral, Hellenic Centre London, 1998.
- Echoes from the Byzantine East[3], im Zyklus Crossroads, Megaron Mousikis Athen, 2000.
- Memorie di Bisanzio[4][5], Markusbasilika, Palazzo Querini Stampalia und Fondazione Giorgio Cini, Venedig, 2001.
- Voix de Byzance, Palais des Beaux-Arts, Brüssel, 2003.
- Akousma Pagkosmion. Die Stadt und der östliche Mittelmeerraum, Megaron Mousikis Athen, 2006.
Veröffentlichungen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Nicholas of Methone, Refutation of Proclus’ Elements of Theology. A Critical Edition with an Introduction on Nicholas’ Life and Works, Athen/Leiden, Akademie von Athen/E. J. Brill, 1984.
- Manuel Palaiologos, Dialogue with the Empress-Mother on Marriage. Introduction, Text and Translation, Wien, Österreichische Akademie der Wissenschaften, 1991.
- Ο Γεννάδιος Σχολάριος και η Άλωση. In: Evangelos Chrysos (Hrsg.), Η Άλωση της Πόλης. 2. Aufl., Athen, Ekdoseis Akrita 1994.
- ‘Who am I?’ Scholarios’ answers and the Hellenic identity. In: Philhellene. Studies in Honour of Robert Browning, Venedig 1996, S. 1–19.
- Rhetoric and History: The Case of Nicetas Choniates. In: History as Literature in Byzantium, hrsg. von Ruth Macrides, Farnham, Ashgate 2010, S. 289–305.
- Subversion and Duplicity in the Histories of John Kantakouzenos. In: Power and Subversion in Byzantium, hrsg. von Dimiter Angelov, Farnham, Ashgate 2013, S. 263–279.
- Word and Deed: Types of Narrative in Kantakouzenos’s Histories. In: Pour une poétique de Byzance. Hommage à Vassilis Katsaros, hrsg. von S. Efthymiadis, Charis Messis, P. Odorico, I. Polemis, Paris 2015, S. 57–74.
Quellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Who’s Who in the World 2011, 28. Auflage, New Providence, Marquis Who’s Who, 2010, S. 91.
- Who’s Who in Griechenland, 3. Auflage, Schweiz, Hübner Who’s Who, 2008, S. 30.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Lebenslauf von Athanasios Angelou auf der Website der Universität Ioannina
- Vortrag von Athanasios Angelou über Fürst Dimitrie Cantemir in der Onassis-Kulturstiftung
- Angelou, Athanassios. Publikationen in der bibliografischen Datenbank der Regesta Imperii.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ The Hellenic Institute, Royal Holloway, University of London: Obituary for Julian Chrysostomides. 2014, abgerufen am 27. April 2015 (englisch).
- ↑ ΕΤ3: Το Βυζάντιο στην Βενετία. Abgerufen am 27. April 2015 (griechisch).
- ↑ To Vima: Στα Σταυροδρόμια των πολιτισμών. 2000, abgerufen am 27. April 2015 (griechisch).
- ↑ Fondazione Querini Stampalia: Memorie di Bisanzio. 2001, abgerufen am 27. April 2015 (italienisch).
- ↑ ΕΤ1: Αρχονταρίκι – Μνήμες Βυζαντίου. Abgerufen am 27. April 2015 (griechisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Angelou, Athanasios |
| KURZBESCHREIBUNG | griechischer Byzantinist |
| GEBURTSDATUM | 1951 |