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Astrograf

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6-Zoll-Doppelastrograf von Max Wolf (Heidelberg) um 1890, f = 250 cm, d = 15 cm
Bruce-Teleskop, ein Doppelastrograph der Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl, f = 200 cm, d = 40 cm

Astrografen (auch Astrographen) sind spezielle Teleskope, die für die Astrofotografie eingesetzt werden.

Astrografen haben die Besonderheit, trotz langer Brennweiten große Felder am Himmel zu erfassen und lichtstark abzubilden.

Sie zeichnen sich durch ein optisches Design aus, das es ermöglicht, Schärfe und Bildfeld über das Beobachtungsfeld zu maximieren ohne dass dabei Verzeichnungen oder Koma (Bildverzerrung am Bildrand) auftreten. Sie werden oft für die Fotografie von Deep-Sky-Objekten wie Galaxien, Nebeln und Sternhaufen verwendet, bei denen ein weites und scharfes Bildfeld entscheidend ist.

Für diese Aufgabenstellung sollen ihre Objektive ein besonders großes (z. B. 300 mm × 300 mm), möglichst verzeichnungsfreies und planes Bildfeld liefern. Auch soll der Abbildungsmaßstab über einen großen Spektralbereich konstant bleiben und sich bei nächtlicher Abkühlung nicht zu stark ändern. Mit Linsenobjektiven wurden bereits um 1900 Optiken mit 40 cm Öffnung konstruiert (siehe Bild des Bruce-Doppelastrografen).

Doppelastrografen

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Besonders Doppelastrografen waren ein nützliches Hilfsmittel der praktischen Astronomie. Sie wurden bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts produziert. Dabei werden zwei gleichartige Fototeleskope durch eine parallaktische Montierung präzise den Sternen nachgeführt. Durch unterschiedliche Ausstattung der beiden Astrografen mit Farbfiltern oder mit einem Prisma vor einem der beiden Objektive können zur selben Zeit Vergleichsaufnahmen vom selben Himmelsgebiet, aber mit unterschiedlichen Informationen angefertigt werden.

Man erhält so Fotos derselben astronomischen Beobachtungsobjekte, die sich nur in der Farbe unterscheiden oder ein normales Foto und eines, auf dem die Sterne zu Spektren auseinandergezogen wurden. Es ist auch denkbar, eine der Fotoplatten relativ zum gesamten Instrument zu bewegen. Mit dieser Methode erhält man wieder ein normales Foto einer bestimmten Himmelsgegend, auf dem ein Komet oder Planetoid als Strichspur dargestellt wird und ein zweites, auf dem diese Objekte scharf abgebildet werden und die Sterne als Striche. Seit den Anfängen der Astrofotografie dienen die zweiten Platten auch zur Bestätigung, um nicht Plattenfehler oder Lichtreflexe als neuentdeckte Himmelskörper misszudeuten.

Optische Bauweise

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Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Teleskope als Astrografen verwendet, die den damaligen Foto-Objektiven im Aufbau ähnelten. Diese waren damals dreilinsige symmetrisch aufgebaute Objektive. Zwischen zwei bikonvexen Linsen befand sich eine bikonkave Linse. Für die Fotografie wurde dieses System durch Änderung der hinteren Linse in ein Kittglied aus zwei verschiedenen Gläsern zu dem bekannten Tessar weiterentwickelt. Der Optikrechner August Sonnefeld ging 1932 für große Astrografen-Objektive einen anderen Weg. Er spaltete die Frontlinse in zwei völlig gleiche Bikonvexlinsen auf und erhielt dadurch ein fast ideales optisches System, den Astro-Vierlinser.

Heute werden in der Astrofotografie für die gleichen Aufgaben Schmidt-Kameras und Ritchey-Chrétien-Cassegrain-Teleskope verwendet, die ebenfalls ein sehr großes Bildfeld haben.

  • August Sonnefeld: Die Bedeutung der Vierlinser für die Astro-Optik. In: Zeiss-Nachrichten. Jg. 1, Nr. 2, 1932, ZDB-ID 163574-8, S. 15–20.
Commons: Astrograph – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien