Archerit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem und entwickelt prismatisch-pyramidale Kristalle bis etwa zwei Millimeter Größe mit einem schwachen glasähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Er findet sich aber auch in Form krustiger Überzüge.
In reiner Form ist Archerit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch durchscheinend weiß bis beigeweiß sein und durch Fremdbeimengungen eine bräunlichgelbe Farbe annehmen. Mit einer Mohshärte von 1 bis 2 gehört Archerit zu den weichen Mineralen, die sich wie die Referenzminerale Talk (Härte 1) und Gips (Härte 2) mit dem Fingernagel ritzen lassen.
Bereits vor der Entdeckung als natürliche Mineralbildung war die Verbindung KH2(PO4) als synthetisches Produkt bekannt, 1925 erstmals von O. Hasse untersucht und 1930 durch J. West als Kalium-Dihydrogenphosphat beschrieben. Die Kristallstruktur wurde von S. B. Hendricks analysiert.[9]
Erstmals entdeckt wurde Archerit in der Petrogale-Höhle (Petrogale Cave) nahe einer Raststätte bei Madura in Westaustralien. Die Erstbeschreibung erfolgte 1977 durch Peter J. Bridge, der das Mineral nach Michael Archer (*1945),[10] dem Kurator für Säugetiere im Queensland Museum, benannte. Dieser hatte die Petrogale-Höhle entdeckt und Proben gesammelt, in denen das neue Mineral entdeckt wurde.[7]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Archerit die System- und Mineralnummer 37.01.04.02. Das entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Phosphatminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie saure Phosphate etc., mit verschiedenen Formeln“ in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 37.01.04, in der auch Biphosphammit eingeordnet ist.
Die idealisierte, theoretische Zusammensetzung von Archerit (KH2(PO4) besteht aus 28,73Gew.-% Kalium(K), 1,48Gew.-% Wasserstoff(H), 22,76Gew.-% Phosphor(P) und 47,03Gew.-% Sauerstoff(O). Da Archerit meist in enger Vergesellschaftung mit Biphosphammit auftritt, ist oft ein geringer Anteil des Kaliums durch Ammonium (NH4) ersetzt (substituiert). Daher wird die Formel für Archerit in verschiedenen Quellen auch mit (K,NH4)H2PO4[13][3] oder (K,NH4)[PO2(OH)2][4] angegeben.
Archerit gehört zu den sehr seltenen Mineralbildungen und wurde bisher nur in wenigen Proben aus weniger als 10 Fundorten entdeckt.[14] In Australien konnte das Mineral außer in der Petrogale-Höhle, nur noch in den nahe gelegenen Höhlen Murra-el-elevyn und Cocklebiddy nahe der gleichnamigen Raststätte im Verwaltungsgebiet Dundas Shire gefunden werden.
Weitere bisher bekannte Fundorte sind die San Salvador-Höhle auf der gleichnamigen Insel am Nordost-Rand der Bahamas, die Arnhem-Höhle in der namibischen Region Khomas, die Hibashi-Höhle in der saudi-arabischen Provinz Mekka (Mintaqah Makkah) und in der Kahf-Kharrat-Najem-Höhle im Emirat Fudschaira (Fujairah) in den Vereinigten Arabischen Emiraten.[15]
J. West:XXVI. a quantitative X-ray analysis of the structure of potassium dihydrogen phosphate (KH2PO4). In: Zeitschrift für Kristallographie. Band74, 1930, S.306–332 (englisch, online verfügbar bei rruff.info[PDF; 11,4MB; abgerufen am 28.April 2019]).
P. J. Bridge:Archerite, (K,NH4)H2PO4, a new mineral from Madura, Western Australia. In: Mineralogical Magazine. Band41, 1977, S.33–35 (englisch, online verfügbar bei rruff.info[PDF; 167kB; abgerufen am 21.April 2019]).
12Yasuhiro Ono, Noboru Yamada, Tomoyuki Hikita:Structure Refinements of the Mixed Crystal K0.78(NH4)0.22H2PO4 in the Temperature Range from 20 K to 250 K. In: Journal of the Physical Society of Japan. Band60, Nr.8, August 1991, S.2673–2677, doi:10.1143/JPSJ.60.2673 (englisch).
123456Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.435 (englisch).
123456Archerite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 25.April 2019(englisch).
1234
Archerite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 434kB; abgerufen am 25.April 2019]).
↑J. West:XXVI. a quantitative X-ray analysis of the structure of potassium dihydrogen phosphate (KH2PO4). In: Zeitschrift für Kristallographie. Band74, 1930, S.306–332 (englisch, online verfügbar bei rruff.info[PDF; 11,4MB; abgerufen am 28.April 2019]).
↑Richard V. Gaines, H. Catherine W. Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason, Abraham Rosenzweig:Dana’s New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, New York u. a. 1997, ISBN 0-471-19310-0, S.698–699.
↑P. J. Bridge:Archerite, (K,NH4)H2PO4, a new mineral from Madura, Western Australia. In: Mineralogical Magazine. Band41, 1977, S.33–35 (englisch, online verfügbar bei rruff.info[PDF; 167kB; abgerufen am 21.April 2019]).
↑Localities for Archerite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 25.April 2019(englisch).