Apollos
Apollos ist eine Gestalt aus dem Neuen Testament der Bibel. Apollos ist ein griechischer Name (Ἀπολλῶς) und zugleich die Abkürzung für Apollonios.[1]
Apollos als urchristlicher Missionar neben und mit Paulus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Verfasser der Apostelgeschichte charakterisiert Apollos als „redekundigen und in der Schrift bewanderten“ Juden aus Alexandria (Apg 18,24 EU). Er kannte und predigte die christliche Botschaft in Ephesus, war aber in einigen Details schlecht informiert. So kannte er nur die Taufe des Johannes, nicht aber die Taufe auf den Namen Jesu Christi, die über die Sündenvergebung hinaus auch den Empfang des Heiligen Geistes bedeutet. Aquila und Priszilla hörten ihn in der Synagoge, nahmen ihn bei sich auf und gaben ihm genauere Unterweisung (Apg 18,24–26 EU).
Von Ephesus ging er mit einem Empfehlungsschreiben der Gemeinde nach Achaea und setzte in Korinth die Arbeit des Paulus erfolgreich fort (Apg 18,27–28 EU). 1 Kor 1,12 EU lässt allerdings darauf schließen, dass seine Botschaft in einzelnen Punkten von der des Paulus abwich, so dass sich Parteien in der Korinther Gemeinde bildeten.
Im 1. Brief an die Korinther erwähnt Paulus Apollos als Führer einer der Gruppen, in die sich die Gemeinde gespalten hatte – die andere Gruppe hielt zu Paulus (1 Kor 3,4 EU). In 1 Kor 16,12 EU schreibt Paulus, er habe Apollos ermahnt, die Gemeinde in Korinth zu besuchen, was dieser jedoch nicht wollte. In 2 Kor 1,19 EU fehlt sein Name dann in der Aufzählung derer, die die Gottessohnschaft Jesu Christi in Korinth gepredigt hatten.
Jahre später erwähnt der Verfasser des Titusbriefes (die Verfasserschaft des Paulus ist strittig) Apollos noch einmal in Tit 3,13 EU und legt Titus die Sorge für ihn und seinen Reisegefährten Zenas ans Herz. Diese Notiz dient laut dem deutschen Theologen Gerhard Sellin dazu, klarzustellen, dass Apollos’ Stellung klar der des Paulus untergeordnet war.[2]
Apollos als Autor
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Martin Luther vermutete, dass Apollos der Verfasser des Hebräerbriefes gewesen sei.[3] In der Bibelexegese fand diese Hypothese auch im 20. Jahrhundert Befürworter; Albert Vanhoye bezeichnete es als sehr wahrscheinlich, allerdings unbeweisbar, dass Apollos den Hebräerbrief verfasst habe, denn die Charakterisierung des Apollos in der Apostelgeschichte passe gut zu einer solchen Autorschaft: „Jüdischer Ursprung, alexandrische Bildung, Kenntnis der Heiligen Schrift und der Ruf der Beredsamkeit.“[4]
Die Philosophin Simone Pétrement vertritt die These, dass Apollos ein Urheber der Häresie war, gegen die Paulus im 2. Brief an die Korinther anschriebe: Der im ersten Brief noch gelobte Apollos komme im zweiten deshalb nicht mehr vor. Diese Lehre könnte eine frühe, christliche Form der Gnosis gewesen sei. Es sei durchaus möglich, dass der hellenistische Jude Apollos den Grundstein für diese neue Glaubensrichtung legte, die dann später, vor allem durch Satornilus und Basilides, voll entwickelt worden sei.[5]
Gedenktage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Evangelisch: 13. Februar (Lutheran Church – Missouri Synod)
- Römisch-katholisch: 9. Dezember
- Orthodox: 30. März, 4. Januar
- Armenisch: 24. September, 8. Dezember
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Eckhard J. Schnabel: Apollos. In: Encyclopedia of the Bible and Its Reception (EBR). Band 2, De Gruyter, Berlin/Boston 2009, ISBN 978-3-11-018370-2, Sp. 411–414.
- Gerhard Sellin: Apollos. In: Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG). 4. Auflage. Band 1, Mohr-Siebeck, Tübingen 1998, Sp. 610–611.
- Alfons Weiser: Apollos. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Auflage. Band 1. Herder, Freiburg im Breisgau 1993, Sp. 832.
- Matthijs den Dulk: Aquila and Apollos: Acts 18 in Light of Ancient Ethnic Stereotypes. In: Journal of Biblical Literature 139/1 (2020), S. 177–189.
- Donald P. Kee: Paul and Apollos - Colleagues or Rivals? In: Journal for the Study of the New Testament 22 (2000), S. 75–97.
- Wolf-Henning Ollrog: Paulus und seine Mitarbeiter: Untersuchungen zu Theorie und Praxis der frühchristlichen Mission. Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 1979, ISBN 3-7887-0548-5.
- Samuel Vollenweider: Apollos of Alexandria: Portrait of an Unknown. In: Benjamin Schließer (Hrsg.): Alexandria: Hub of the Hellenistic World. Mohr Siebeck, Tübingen 2021, S. 325–344, ISBN 978-3-16-159892-0.
- Michael Wolter: Apollos und die ephesinischen Johannesjünger. In: Zeitschrift für die Neutestamentliche Wissenschaft 78 (1987), S. 49–73.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Art. Apollos, in: Walter Bauer, Griechisch-deutsches Wörterbuch zu den Schriften des Neuen Testaments und der übrigen urchristlichen Literatur, Göttingen 1971, Sp. 189, ISBN 3-11-002073-4; dort weitere Hinweise zur Herkunft des Namens und weitere Literatur zur biblischen Gestalt des Apollos.
- ↑ Gerhard Sellin: Apollos. In: Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG). 4. Auflage. Band 1, Mohr-Siebeck, Tübingen 1998, Sp. 610–611.
- ↑ WA 10 I/1, 143.
- ↑ Albert Vanhoye: Hebräerbrief. In: Theologische Realenzyklopädie (TRE). Band 14, de Gruyter, Berlin / New York 1985, ISBN 3-11-008583-6, S. 497–505.
- ↑ Simone Pétrement: A Separate God. The Christian Origins of Gnosticism. HarperSanFrancisco, San Francisco 1990, ISBN 0-06-066501-7, S. 482–486.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Apollos |
| KURZBESCHREIBUNG | Gestalt aus dem Neuen Testament |
| GEBURTSDATUM | 1. Jahrhundert v. Chr. oder 1. Jahrhundert |
| STERBEDATUM | 1. Jahrhundert oder 2. Jahrhundert |