Zum Inhalt springen

Antonio Chiattone

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Antonio Chiattone, ca. 1904
Denkmal für Kaiserin Elisabeth im Ortsteil Territet, Montreux

Antonio Chiattone (* 18. Mai 1856 in Lugano; † 4. September 1904 ebenda) war ein Schweizer Bildhauer. Er war der ältere Bruder des Bildhauers Giuseppe Chiattone und Onkel des Architekten Mario Chiattone.

Nach dem Besuch der Zeichenschule in Lugano liess sich Chiattone an der Accademia di Belle Arti di Brera in Mailand zum Bildhauer ausbilden. Dort eröffnete er ein Atelier, in dem auch sein Bruder Giuseppe wirkte. Beide erlangten vor allem durch Grabmonumente Bekanntheit. Auf der Schweizerischen Landesausstellung 1883 in Zürich zeigte er die humoristische Skulptur Der Zukunftsmusiker und das ernstere Werk Ruhe (Il riposo), ein «in tiefem Schlaf hingegossener halbwüchsiger Knabe, dessen schmächtige Gliedmaßen fast an die der Gypsgüsse nach den pompejanischen Leichen erinnern».[1] Die Bronzeversion befindet sich heute genauso wie die 1901 ausgeführte Marmorskulptur im MASI in Lugano.[2][3] Auf dem Familiengrab auf dem Friedhof Lugano steht eine postum von seinem Bruder ausgeführte Version davon.

1887 kehrte Chiattone mit seinem Bruder nach Lugano zurück und eröffnete dort ein gemeinsames Atelier. 1888 erreichte er im Wettbewerb für das Mordasini-Denkmal in Locarno hinter Antonio Soldini den zweiten Platz.[4] Sein Entwurf wurde später für das Pioda-Denkmal in derselben Stadt verwendet. Dieses wurde am 19. September 1897 eingeweiht.[5]

Ab 1891 setzte sich Chiattone zusammen mit anderen Künstlern für die Errichtung eines Kunstmuseums in Lugano ein, das Projekt kam jedoch nicht zustande. 1892 machte er die Bekanntschaft von Kaiserin Elisabeth und sicherte sich dadurch mehrere Aufträge des österreichischen Kaiserhauses.[6] Eine allegorische Figur der Melancholie ließ Elisabeth in ihrem Schlafzimmer in der Lainzer Hermesvilla aufstellen, die noch heute dort besichtigt werden kann. Weiters schuf Chiattone auf Korfu ein Denkmal zu Ehren von Erzherzog Rudolf, das 1894 im Park des Schlosses enthüllt wurde[7], und 1902 ein Denkmal in Montreux als Andenken an die ermordete Kaiserin.[8]

1900 nahm Chiattone an der Weltausstellung in Paris teil; zwei Jahre später schuf er für den Nationalratssaal des Bundeshauses in Bern eine Statue von Wilhelm Tell.

Commons: Antonio Chiattone – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Die Kunst an der schweiz. Landesausstellung. In: Der Bund. Band 34, Nr. 174, 26. Juni 1883, S. 1 f. (online).
  2. Il riposo (1880-1905). In: MASILugano. Abgerufen am 24. Mai 2026.
  3. Il riposo (1901). In: MASILugano. Abgerufen am 24. Mai 2026.
  4. Monumenti Mordasini e Pioda. In: Gazzetta Ticinese 6. Oktober 1888, S. 3.
  5. Inaugurazione del monumento a G. B. Pioda. In: Gazzetta Ticinese. 20. September 1897, S. 2.
  6. Michael van Orsouw: Geadelt von der Kaiserin Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 3. März 2025
  7. Stefan Haderer: Im Schatten Homers. Kaiserin Elisabeth in Griechenland. Hrsg.: Stefan Haderer. NeoPubli, Wien 2021, ISBN 978-3-7541-5700-8, S. 100102.
  8. Denkmal in Montreux, Abbildung in «Die Schweiz. Schweizerische illustrierte Zeitschrift» auf e-periodica.ch, doi:10.5169/seals-575561#339.