Die Antiesen entspringt im südlichen Gemeindegebiet von Eberschwang an der Grenze zu Frankenburg am Hausruck,[4] nördlich von Ampflwang im Hausruckwald an der Nordabdachung des Hausrucks auf etwa 650m Seehöhe oberhalb der Ortschaft Illing. Unmittelbar nach ihrer Quelle bildet sie für einige Hundert Meter die Grenze zum Bezirk Vöcklabruck und fließt anschließend nördlich bis nordwestlicher Richtung, durch das Inn- und Hausruckviertler Hügelland.
Die restlichen zahlreichen Nebenbäche bleiben in ihren Einzugsgebieten weit unter 10km² und strukturieren die typische sanftwellige Hügellandschaft des zentralen Innviertels mit um die 100bis 200Höhenmeter Profil.
Der Name wird um 800 erstmals als ad Antesnam urkundlich erwähnt. Er ist wohl vorrömisch und wird –wie die nahen Mattig, Oichten oder Ibm– auf keltische Wurzeln zurückgeführt.[8][9][10] Möglicherweise liegt die keltische Basis *ando- für 'blind' zugrunde im Sinne von trübes Wasser.[11]
1958 bis 1962 im Zuge des Kraftwerksbaus vorgenommene Veränderungen an den Bachläufen im Bereich der ursprünglichen Mündung der Antiesen.Pumpwerk am „Pumpweiher“ zwischen Gstötten und Andiesen, dahinter die Brücke der Innkreis Autobahn
Die Mündung der Antiesen befand sich ursprünglich etwa zwei Kilometer nordöstlich der heutigen Mündung, und zwar auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde St. Marienkirchen bei Schärding im Bereich zwischen den Ortschaften Gstötten und Andiesen. Die heutige Antiesenmündung entstand im Jahre 1612, als der Fluss innaufwärts einen Mergel-Riegel durchbrach und so seinen Lauf verkürzte.
Den früheren Verlauf des Flussbettes der Antiesen zwischen den Ortschaften Bodenhofen und Andiesen markiert heute ab einem Fischteich in Dietrichshofen der Todtenmannbach. Dieser mündet, nach Regulierung im Zuge des Kraftwerksbaus in den Jahren 1958 bis 1962, heute zwischen Gstötten und Andiesen gemeinsam mit dem Holzleitenbach in den Unteren Inn (!548.3863895513.4205565⊙48.38638888888913.420555555556313).[12] Das Areal, auf dem sich bis 1612 die alte Antiesenmündung befand, wurde im Zuge des erwähnten Kraftwerksbaus als Zufluss der oben genannten Bäche in den Inn adaptiert. Es steht noch heute unter Wasser und wird seit Anfang der 1980er Jahre von einer Brücke der Innkreis Autobahn überspannt. Das Wasser einiger anderer Bäche, die aufgrund mangelnden Gefälles nicht direkt in den Inn eingeleitet werden konnten, wurde in einem zwischen Gstötten und Andiesen neu geschaffenen „Pumpweiher“ zusammengefasst, von wo aus es regelmäßig in den Inn gepumpt wird. Mit der Geschichte der Antiesenmündung und der vorchristlichen Besiedelung in der Gegend befasst sich ein Aufsatz von Theodor Ebner (1876–1946), der 2003 neu veröffentlicht wurde.[13]
Im Antiesenraum finden sich Relikte der Hallstattkultur,[14] dazu im ehemaligen Mündungsbereich zahlreiche römische Siedlungsreste.[15] Im Mittelalter war der Raum der unteren Antiesen weiterhin besiedelt.[16]
Infolge der intensiven menschlichen Nutzung der Antiesen und ihres gesamten Einzugsgebietes ist der Fischbestand des Flusses gegenüber der natürlichen Situation vor allem im Unterlauf verarmt. Der Aufstau des Inns, in den die Antiesen mündet, durch das Kraftwerk Schärding-Neuhaus wirkt sich ebenfalls negativ auf die Fischartengemeinschaft aus. Der ursprüngliche Fließgewässercharakter des Unterlaufes der Antiesen ist aufgrund des Rückstaues aus dem Inn auf mehreren Kilometern Länge verloren gegangen und damit ist auch der natürliche Lebensraum der strömungsliebenden Fischarten verschwunden.[17]
Die Antiesen ist nach der Quelle der Forellenregion zuzuordnen. Ab Ried finden sich auch Fische der Äschenregion, später der Barbenregion. Der Mündungsbereich gehört zur Brachsenregion.
Typische Fische sind Bach- und Regenbogenforelle, Aitel, Barbe, Nase und weitere Weißfische. 2007 konnten im Rahmen der Erstellung des „Wehrkataster der Antiesen und ihrer Zubringer“ in der Antiesen und ihren Zuflüssen 24 Fischarten nachgewiesen werden. Die beiden häufigsten damals festgestellten Arten, Bachforelle und Koppe, traten in fast 90% der untersuchten Probestrecken auf. Sie besiedeln fast die gesamte Antiesen von der Quellregion bis etwa Hübing.[18]
Der Mündungsbereich in den Unteren Inn eines der wichtigsten Naturschutzgebiete Österreichs (Naturschutz- und Europaschutzgebiet, Europareservat, Ramsarschutzgebiet und Important Bird Area), die Antiesen bildet seine Nordgrenze.
Kraftwerk Bruckmühle mit teilweise demontierter Brücke, dahinter die Innkreis Autobahn, 2022
Das Kraftwerk unweit des Ortskerns von Antiesenhofen liegt an der Hackledt-Bezirksstraße an einer Flussschleife der Antiesen, wo das Gewässer zweimal von der Innkreis Autobahn überquert wird. Die heutige Anlage „Bruckmühle Jodlbauer“ geht auf die alte „Schätzmühle“ mit Sägewerk zurück, wobei das Wehr ursprünglich auch eine Fahrbahn auf Pfeilern trug, doch wurde diese Brücke inzwischen bis auf die Pfeiler demontiert. 1993 wurde die Kraftwerksanlage umgebaut und automatisiert,[21] seither wurde auf dem Areal der „Schätzmühle“ unmittelbar neben dem Wasserkraftwerk auch ein Biomasse-Nahwärmekraftwerk errichtet, das ebenfalls von der Betreibergesellschaft „Nahwärme Antiesenhofen“ geführt wird. Durch die Biomasse-Nahwärmeversorgung, dem Wasserkraftwerk Bruckmühle und dem Deponiegas-Bioheizkraftwerk wird die Gemeinde Antiesenhofen zu 70Prozent aus erneuerbarer Energie versorgt.[22]
Die Fallhöhe des Kraftwerks Hinternberg, ebenfalls gelegen unweit des Ortskerns von Antiesenhofen, beträgt 5,8 m. Seit 2005 ist es mit einer Durchströmturbine und seit 1993 mit einem Asynchrongenerator mit einer Wirkleistung von 250 kW ausgestattet, das Regelarbeitsvermögen beträgt 920 MWh/Jahr.[19] 2018 wurde als Organismenwanderhilfe eine Fischaufstiegschnecke eingebaut.[23]
Die Fallhöhe des Kraftwerks Hübing, gelegen zwischen Antiesenhofen und Ort im Innkreis, beträgt 6,85m. Seit seiner grundlegenden Modernisierung 1999 ist es mit zwei Francis-Schachtturbinen mit horizontaler Welle und zwei Asynchrongeneratoren mit einer Wirkleistung von 110kW ausgestattet, das Regelarbeitsvermögen beträgt 1000MWh/Jahr.[20]
Das im Gemeindegebiet von Ort im Innkreis nahe der Kläranlage des „Reinhalteverbandes Mittlere Antiesen“ gelegene Kraftwerk erinnert in Lage und Aussehen an das E-Werk Hinternberg, wurde allerdings erst nach 2015 errichtet und ist aufgrund der wesentlich geringeren Fallhöhe auch wesentlich kleiner dimensioniert.
Das in der Ortschaft Kammer der Gemeinde Ort im Innkreis zwischen der Hausruck-Bundesstraße(B143) und dem Festivalgelände des „Woodstock der Blasmusik“ gelegene Kraftwerk entspricht dem derzeit (2021) neuesten technischen Stand und wird privat betrieben.
Die Anlagen des seinerzeit für die Versorgung des Schlosses St. Martin und seiner Nebengebäude errichteten kleinen „Elektrizitätswerks Graf Arco“ befinden sich in der Ortschaft Hofing der Gemeinde St. Martin im Innkreis. Das regulierte Flussbett der Antiesen ist an der Wehrstufe etwa 10m breit, das Betriebsgebäude des Kraftwerks ist von der Hausruck-Bundesstraße(B143) aus sichtbar.
Das in der Antiesen zwischen der Ortschaft Haging der Gemeinde Utzenaich und der Ortschaft Forchtenau der Gemeinde Aurolzmünster gelegene Wasserkraftwerk wurde 2005 an das bereits bestehende ältere Betonwehr angebaut. Es verfügt über eine Kaplanturbine.[24]
Anton Adlmannseder:Faunistisch-ökologische Untersuchungen im Flußgebiete der Antiesen unter besonderer Berücksichtigung der Trichopteren. Ein Beitrag zur Limnologie der Fließgewässer des Alpenvorlandes. In: Gesellschaft für Landeskunde (Hrsg.): Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. Band110/111 (1965/1966), S.386–421/469–498 (zobodat.at[PDF] I.Teil/II.Teil).
Bewertung des fischökologischen Zustandes der Antiesen und Grundlagen zur Erstellung einer Entscheidungsmatrix für Sanierungsmaßnahmen. In: Amt der Oö. Landesregierung (Hrsg.): Gewässerschutz-Bericht. Band39, 2009, Rieder Bach, S.50f. (land-oberoesterreich.gv.at[PDF]).
Theodor Ebner:Die Antiesenmündung. In: Gesellschaft für Landeskunde (Hrsg.): Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. Band148/I, 2003, S.257–284 (zobodat.at[PDF]).
Clemens Gumpinger, Simonetta Siligato:Wehrkataster der Antiesen und ihrer Zubringer. In: Maria Hofbauer, Amt der Oö. Landesregierung (Hrsg.): Gewässerschutz-Bericht. Band37, November 2007 (land-oberoesterreich.gv.at[PDF; 3,8MB] >Themen >Umwelt >Wasser >Oberflächengewässer).
Stefan Reifeltshammer: Von Regulierung und Renaturierung der mittleren Antiesen, in: Der Bundschuh. Band20, 2017, S.161–168 (online, abgerufen am 10. Juli 2022).
12Der Bach bildet einige hundert Meter die Gemeinde- und Bezirksgrenze zum Bezirk Vöcklabruck
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nach Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umweltschutz und Wasserwirtschaft (Hrsg.):EU Wasserrahmenrichtlinie 2000/60/EG – Österreichischer Bericht über die IST. Bestandsaufnahme. Wien 2000. Daten in: Amt d.OÖ Ldreg. (Hrsg.):Wehrkataster. 2009, Charakterisierung des Untersuchungsgebietes Tab.4: Zusammenfassung der abiotischen Typisierung des Antiesen-Einzugsgebietes nach Vorgaben der WRRL, S.25. und Max H. Fink, Otto Moog, Reinhard Wimmer:Fließgewässer-Naturräume Österreichs. In: Umweltbundesamt (Hrsg.): Monographien. (M-128). Band128. Wien 2000, ISBN 3-85457-558-0, 4.2.2 Innviertler- und Hausruckviertler Hügelland, S.67 (umweltbundesamt.at[PDF; 471kB]).
↑Peter Wiesinger:Die Dialektgeographie Oberösterreichs und ihre Geschichte. In: Stephan Gaisbauer, Hermann Scheuringer (Hrsg.): Linzerschnitten. Beiträge zur 8. Bayerisch-österreichischen Dialektologentagung = 3. Arbeitstagung zu Sprache und Dialekt in Oberösterreich in Linz, September 2001 (=Schriften zur Literatur und Sprache in Oberösterreich. Nr.8). Adalbert-Stifter-Institut des Landes Oberösterreich, Linz 2004, ISBN 3-900424-39-X, S.15–61.
↑Peter Wiesinger:Die Ortsnamen in Österreich. In: Ernst Eichler, Gerold Hilty, Heinrich Löffler, Hugo Steger, Ladislav Zgusta (Hrsg.): An International Handbook of Onomastics/Manuel international d’onomastique/Ein internationales Handbuch zur Onomastik. Nr.167. Walter de Gruyter, Berlin/New York 1996, ISBN 3-11-014879-X, 2. Die Ortsnamen antik-romanischer Herkunft, S.1081–1090.
↑Isolde Hausner, Elisabeth Schuster:A- – B-/P-[Baumgarten, Ober-, Unter-]. In: Kommission für Mundart- und Namenforschung (Hrsg.): Altdeutsches Namenbuch. 1. Lieferung, ISBN 978-3-7001-1617-2, S.1–66 (Online Edition 1.–15. Lieferung, Beiheft 1, ISBN 978-3-7001-3238-7).
↑So das Schwert von der Antiesenmündung von 1960. Josef Kneidinger:Ein Schalenknaufschwert aus dem Inn. In: Oberösterreichischer Musealverein – Gesellschaft für Landeskunde (Hrsg.): Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines (JbOÖMV). Band107. Linz 1962, S.103–106 (zobodat.at[PDF; 433kB]).
↑Marianne Pollak, Wilhelm Rager: „In villa Antesna“ – Zur frühgeschichtlichen Siedlungsentwicklung im nördlichen Innviertel. Fundberichte aus Österreich39, 2000, 357ff.
↑Herbert W. Wurster: Antiesenhofen im frühen und hohen Mittelalter. In: Herbert Bitter (Hrsg.): 900Jahre Antiesenhofen. Ein Heimatbuch. Antiesenhofen 1997, S.10–17.
↑Clemens Gumpinger, Simonetta Siligato:Wehrkataster der Antiesen und ihrer Zubringer. In: Maria Hofbauer, Amt der Oö. Landesregierung (Hrsg.): Gewässerschutz-Bericht. Band37, November 2007, S.16–17 (land-oberoesterreich.gv.at[PDF; 3,8MB] >Themen >Umwelt >Wasser >Oberflächengewässer).
↑Clemens Gumpinger, Simonetta Siligato:Wehrkataster der Antiesen und ihrer Zubringer. In: Maria Hofbauer, Amt der Oö. Landesregierung (Hrsg.): Gewässerschutz-Bericht. Band37, November 2007, S.15 (land-oberoesterreich.gv.at[PDF; 3,8MB] >Themen >Umwelt >Wasser >Oberflächengewässer).