Anne Boleyn


Anne Boleyn[1] [] (* 1501 oder 1507, wahrscheinlich in Blickling Hall (Norfolk); † 19. Mai 1536 in London) war die zweite der sechs Ehefrauen Heinrichs VIII. und von 1533 bis 1536 Königin von England.
Anne Boleyn wuchs als die Tochter von Thomas Boleyn und seiner Frau Elizabeth Howard in Kent auf. Ab 1513 erhielt sie in den habsburgischen Niederlanden und am französischen Königshof eine elitäre Ausbildung. 1522 kehrte sie nach England zurück und wurde Hofdame am Tudor-Hof. Pläne ihres Vaters, sie zu verheiraten, schlugen ebenso fehl wie ihre Romanze mit Henry Percy, die vom dominierenden Politiker am Hof, Kardinal Thomas Wolsey, unterbunden wurde. Etwa ab Anfang 1526 begann König Heinrich VIII. damit, sie zu umwerben.
Ihre Weigerung, sich dem König als Mätresse hinzugeben, setzte eine Kette von Ereignissen in Gang, als zunächst Heinrich mit aller Macht eine Scheidung von Katharina von Aragon erzwingen wollte, um Anne heiraten zu können. Da Kardinal Wolsey die Scheidung gegen den Willen des Papstes nicht zu Wege brachte, geriet er zur Zielscheibe Anne Boleyns und Heinrich entließ ihn. Als der Papst ihm nach jahrelangen vergeblichen diplomatischen Bemühungen keine Annullierung seiner Ehe mit Katharina von Aragon gewähren wollte, wandte sich König Heinrich VIII. auch von der römisch-katholischen Kirche ab, indem er die anglikanische (englische) Kirche abspaltete, um eine Heirat mit Anne Boleyn zu ermöglichen. Seine Scheidung gegen die päpstliche Dispens leitete den Beginn der englischen Reformation ein. Damit endete der alleinige Einfluss des Papstes auf königliche Ehen und Scheidungen innerhalb der anglikanischen Landeskirche, die seit dem 6. Jahrhundert bestand. Heinrich wurde Oberhaupt der englischen Kirche, die allein über religiöse Fragen entscheiden konnte. Darauf heiratete Heinrich Anne im Januar 1533 und ließ sie in einer prunkvollen zweitägigen Zeremonie zur Queen Consort krönen. Ihr Wahlspruch lautete: „The most happy“.
Anne setzte sich von ihrer servilen Vorgängerin Katharina stark ab und trat als Patronin der Renaissance–Künste und europäischer Einflüsse sowie als Förderin zahlreicher prominent gewordener Theologen hervor. Doch wie auch Katharina gebar sie Heinrich VIII. nicht den erhofften legitimen männlichen Erben. Unter nicht hinreichend geklärten Umständen fiel Anne Anfang 1536 in Ungnade, wurde verhaftet und wegen vorgeblichen Ehebruchs und Hochverrats am 19. Mai 1536 enthauptet.
Ihre 1533 geborene Tochter Elisabeth I. indessen bestieg 1558 den englischen Thron und zählt zu den bedeutendsten und am längsten regierenden Monarchen Englands.
Anne Boleyn wurde später als Märtyrerin der englischen Protestanten gefeiert, vor allem in den Werken von John Foxe. Ihr Aufstieg zur Favoritin Heinrichs und schließlich zur englischen Königin geschah ebenso schnell wie ihr Niedergang. Bis heute ist die bekannteste der sechs Frauen König Heinrichs VIII. von England wegen der ambivalenten historischen und neueren Darstellung eine der umstrittensten und faszinierendsten Frauen an dessen Seite.
Annes Cousine Catherine Howard wurde vier Jahre nach Annes Tod die fünfte Ehefrau Heinrichs und 1542 wegen Ehebruchs enthauptet.
Leben
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Frühes Leben und familiärer Hintergrund
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Abstammung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Anne entstammte väterlicherseits dem niederen Adel, mütterlicherseits der englischen Hocharistokratie. Die Herkunft der Familie Boleyn, ursprünglich Kleinbauern in Salle, Norfolk, lässt sich nur noch bis ins 13. Jahrhundert verfolgen.[2] Die Boleyns waren eine klassische Familie von Aufsteigern, die es in drei Generationen vermocht hatte, durch geschäftlichen Erfolg und kluge Heiraten in die gesellschaftliche Elite vorzustoßen. Geoffrey Boleyn war aus Norfolk in den 1420ern nach London gezogen. Er erwarb ein Vermögen als Kaufmann und Großhändler, indem er englische Stoffe in den flämischen Handelsstädten verkaufte; aus den Gewinnen kaufte er Luxusgüter wie Seide, Samt und Pfeffer, die er wiederum nach England importierte.[3] 1457–1458 avancierte er zum Lord Mayor. Der Reichtum seines Vaters ermöglichte es seinem Sohn William, sich in Norfolk als Gentleman zu etablieren. William sicherte sich die Hand von Margaret Butler, Tochter des anglo-irischen Earl of Ormonde.[4] Annes Vater, Thomas Boleyn, wird als selbstsüchtiger und gebildeter, sprachbegabter Hofbeamter beschrieben.[5] Er machte als Diplomat am Hof von König Heinrich VII. Karriere. Annes Mutter, Elizabeth Howard, war als Tochter von Thomas Howard, des 2. Duke of Norfolk der Spross einer der führenden Adelsfamilien des Landes. Das Familienoberhaupt, der Duke of Norfolk, ist der erste Peer und erblicher Earl Marshal von England.[6] Elizabeth zählte später zu den Hofdamen von Königin Katharina. In früheren Jahrhunderten dominierte mit Verweis auf die bescheidenen Anfänge der Boleyns als Kleinbauern noch das Bild Annes als einer Frau von relativ einfacher Herkunft, die dann in die Elite der Gesellschaft aufstieg. Auch wenn Anne selbst nicht adlig war,[7] sehen moderne Historiker sie dagegen von Geburt an als der sozialen und politischen Führungsschicht zugehörig.[8]
Geburtsdatum und Ort
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Anne hatte zwei Geschwister, Mary und George. Anne Boleyns Geburtsdatum ist ebenso umstritten wie die Reihenfolge der Geburt der Boleyn-Kinder. Die Nachfahren ihrer Schwester Mary Boleyn lieferten widersprüchliche Angaben. Laut einer 1614 erschienenen Biographie über ihre Tochter Königin Elisabeth I. kam Anne 1507 auf die Welt. Der Historiker James Gairdner verlegte 1893 bzw. 1895 Annes Geburtsdatum auf das Jahr 1507. Hugh Paget eröffnete die Debatte 1981 neu und votierte für 1501 als Geburtsjahr.[9] Neuere Forschungen lassen das Jahr 1501 als glaubhafter erscheinen. Annes Biograph Eric Ives kam 2004 zu dem Ergebnis, dass Mary die ältere, Anne die jüngere Schwester und George der jüngste der drei Boleyn-Geschwister ist sowie für Annes Geburtsdatum etwa das Jahr 1501 (±1) anzunehmen ist. Diese Einschätzung gilt mittlerweile als Konsens in der Forschung. Marys Enkel George, Lord Hunsdon, reichte 1597 ein Gesuch bei Hofe ein, in dem er Mary als die ältere Schwester angab.[10] Für Ives ist es nicht plausibel, dass er sich bei der Eingabe geirrt habe.[11] Alison Weir schloss sich an.[12] Ein von Anne Boleyn im Jahre 1514 in Mechelen verfasstes und an ihren Vater adressiertes Schreiben steht im Zentrum der Kontroverse.[13] Es ist eher einem 13 Jahre alten Mädchen zuzutrauen als einer Siebenjährigen, urteilte G. W. Bernard.[14] Retha Warnicke sah dagegen die zahlreichen Rechtschreibfehler und grammatikalischen Fehler als Hinweis, dass der Brief eher von einem Kind geschrieben wurde.[15] Wäre Anne 1501 geboren, wäre sie bei der Geburt ihrer Tochter Elisabeth bereits 32 Jahre alt gewesen, also aus damaliger Sicht recht alt für die Geburt eines ersten Kindes und etwa so alt wie Katharina von Aragón bei ihrem letzten Kind (Totgeburt 1518). In der Bibliothek des Queen’s College in Oxford gefundene Belege unterstützen diese These.[16] In einer Sammlung von Stammbäumen von Nicholas Charles, Lancaster Herald am College of Arms, wird Anne als jüngere Schwester vermerkt.[17]

Auch Anne Boleyns Geburtsort ist nicht mit Sicherheit zu bestimmen, wahrscheinlich kam sie entweder in Hever Castle oder Blickling zur Welt. Ives sieht Blickling im nordenglischen Norfolk als Geburtsort und verweist auf Aussagen von Matthew Parker, der Annes privater Kaplan war.[18]
Jugend
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Etwa ab ihrem vierten Lebensjahr verbrachte Anne ihre Kindheit in Hever Castle in der englischen Grafschaft Kent. Hever Castle, eine Wasserburg, war von Geoffrey Boleyn erworben und umgebaut worden. Die Boleyns waren vertraut damit, Häuser zu erwerben und gewinnträchtig aufzuwerten.[19] Annes Biographen sehen ihr Verhältnis zu George enger als das zu ihrer Schwester Mary. Es sind verschiedene Familien in der Umgebung bekannt, mit denen die Boleyns Kontakt pflegten: Darunter die Isleys aus Sundridge und die Wiltshires aus Stone Castle. Bridget Wiltshire, zehn Jahre älter als die Boleyn-Geschwister, war mit Anne gut bekannt. Anne äußerte später über sie: „Neben meiner eigenen Mutter kenne ich kein lebende Frau, die ich mehr liebe.“[20] Verwandtschaftlich verbunden waren die Boleyns mit den Cheynes aus Shurland und den Brookes aus Cobham.[21] Die engste Bindung hatten die Boleyns mit den Wyatts, die nahe Maidstone in Allington Castle residierten.[22] Unter Thomas Boleyn lebten die Boleyns über ihre Verhältnisse, da sein Einkommen aus seinen Gütern nicht ausreichte, um den Lebensstil zu finanzieren, an die die Familie sich gewöhnt hatte. Im Ergebnis war er auf königliche Zuwendungen angewiesen.[23]
Niederlande und Frankreich
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Seit Mai 1512 war Thomas Boleyn Botschafter bei Margarete von Österreich, der habsburgischen Statthalterin der Niederlande. Es gelang ihm, eine ungezwungene Beziehung zu Margarete aufzubauen und seiner Tochter Anne einen Platz als Hofdame an Margaretes Residenz in Mechelen zu sichern.[24] Dies stellte einen idealen Start für zukünftige Höflinge dar, um in kontinentalen Umgangsweisen ausgebildet zu werden und ein gutes Französisch zu lernen; beides war Voraussetzung, um den damaligen gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen. Für den ehrgeizigen Thomas Boleyn muss auch eine Rolle gespielt haben, dass sich für Anne hieraus später leicht die Möglichkeit ergeben konnte, am englischen Hof zu reüssieren.[25] Die junge Anne hinterließ sofort einen positiven Eindruck bei Margarete, die an Thomas Boleyn schrieb: „… ich empfinde sie als so aufgeweckt und angenehm für ihr junges Alter, dass ich euch mehr verpflichtet bin dafür, dass Ihr sie mir gesandt habt, als Ihr mir gegenüber verpflichtet seid.“[26] Anne wurde von ihr unter die Aufsicht eines Tutors zum Studium der französischen Sprache gestellt und um die Kultiviertheit der höfischen Gesellschaft zu erlernen.[27] Flandern und Burgund stellten seit einem Jahrhundert das kulturelle Zentrum Europas nördlich der Alpen dar.[28] Sie erwarb sich dort als Mitglied des königlichen Haushaltes eine ausgezeichnete Bildung und vermittelte später europäische Einflüsse in Kleidung und Kultur am englischen Hof. Anne galt bald als ausgezeichnete Tänzerin,[29] zeigte musikalisches Talent und wurde hierin am Hof gefördert, der zur damaligen Zeit die bekanntesten Musiker Europas anzog. Das Lied O Death, Rock Me Asleepe soll von Anne komponiert worden sein, was von heutigen Historikern allerdings in Frage gestellt wird.[30] Zwar werden Anne von vielen Biografen Eigenkompositionen zugeschrieben, aber bei keinem dieser Lieder und Gedichte ist die Urheberschaft zweifelsfrei nachgewiesen. Für ihre Biographen ist es Konsens, dass Annes spätere Erfolge der Ausbildung geschuldet waren, die sie ihren Jugendjahren auf dem Kontinent erwarb.[31]
Im August 1514 bat Thomas Boleyn Margarete darum, Anne wieder zurückzuschicken.[32] Anschließend wurde sie mit ihrer Schwester Mary an den französischen Königshof geschickt. Während Mary 1519 wieder nach England zurückkehrte, verbrachte Anne 7 Jahre in Frankreich, wo sie als Hofdame von Claude de France diente. Anne wird zweifellos am Herrschertreffen zwischen Heinrich VIII. und Franz I. vom 7. bis zum 24. Juni 1520 in Calais teilgenommen haben, wo sie mutmaßlich als eine Dolmetscherin beschäftigt gewesen sein wird.[33] Die meiste Zeit verbrachte sie an der oberen Loire in Amboise und Blois.[34] In Frankreich kam Anne in Kontakt mit den Lehren von Jacques Lefèvre d’Étaples, einem Reformtheologen, der von den Inquisitoren der Sorbonne als Ketzer eingestuft wurde, von Claude jedoch Protektion erfuhr und nach Paris und Amboise eingeladen wurde, um am Hof Seminare zu halten.[35] Anne saugte die Lehren Lefèvres auf und wurde zu dessen Anhängerin.
Rückkehr nach England
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1521 kam es zu einer Verschlechterung der diplomatischen Beziehungen zwischen England und Frankreich. Als Folge davon kehrte Anne nach England zurück, wo sie, wie zuvor ihre Schwester, zur Hofdame Katharinas von Aragón, der ersten Gemahlin Heinrichs VIII., ernannt wurde.[36] Ein weiterer Grund für ihre Rückkehr nach England dürfte der Plan ihres Vaters gewesen sein, Anne vorteilhaft zu verheiraten. Mit Unterstützung von Kardinal Thomas Wolsey und Heinrichs VIII. sollte sie James Butler ehelichen, dessen Vater, wie auch Thomas Boleyn, Anspruch auf den vakanten Titel des Earl of Ormonde erhoben.[37][38] Diese Pläne liefen letztlich ins Leere, weil ihr Vater Thomas offenbar die Chance sah, den Titel rechtmäßig zu erlangen, so dass er Anne für eine noch vorteilhaftere Ehe reservieren und sich dazu eine substantielle Mitgift an die Butlers sparen konnte.[39] Ihr Debüt am Hof gab sie bei einem Maskenball im März 1522, wo sie als eine von acht Frauen (unter anderem auch die Schwester des Königs und ihre eigene Schwester Mary Boleyn) einen kunstvollen Tanz vorführte. Anne Boleyn wurde schnell als die eleganteste und vollendetste Frau am Hof bekannt. Dies war darauf zurückzuführen, dass der französische Hof schon zur Zeit Heinrich VIII. tonangebend in Mode, Tanz, Musik und Etikette war. Ihre Kleidung wählte sie nach der Mode des französischen Hofes und fiel mit ausgeschnittenen Roben und französischen Hauben auf, die mehr Haar zeigten als die herkömmlichen Hauben der englischen Damen. Anne fiel nicht nur durch ihre äußere Erscheinung auf, die durch einen hellen Teint, rötliche bis dunkle Haare, einen langen, schmalen Hals und dunkle, schöne Augen, beeindruckte,[40] sondern auch durch ihren Witz, ihre außergewöhnliche Bildung und Schlagfertigkeit.[41] All das waren Eigenschaften, die im 16. Jahrhundert auf viele Männer besonders herausfordernd wirkten, da sich die meisten Damen gemäß der zeitgenössischen Sitte still, unterwürfig und demütig verhielten.
Etwa um Mitte 1522 lernte Anne Henry Percy, 6. Earl of Northumberland, einem reichen Junggesellen, kennen, der bei Kardinal Wolsey in Diensten stand. Beide verliebten sich ineinander und eine Ehe stand im Raum.[42] Die sich anbahnende Beziehung wurde allerdings vorzeitig beendet. Einige Biografen behaupten, die Heiratspläne hätten sich zerschlagen, als Kardinal Thomas Wolsey von der Beziehung der beiden in Kenntnis gesetzt wurde. Der genaue Ablauf, der zum Ende der Liaison führten, ist nicht bekannt, und auch die anerkannten Biografen von Anne und Heinrich sind sich unsicher, was der genaue Grund war.[43] Sicher ist, dass der als schwach und launenhaft beschriebene Percy dem Kardinal gegenüber zunächst an der Heirat mit Anne festhalten wollte,[44] dann jedoch unter dem gemeinsamen Druck seines Vaters und Wolseys nachgab und, wie von seinem Vater vorgesehen, Mary Talbot, der Tochter des Earl of Shrewsbury die Ehe versprach. Dazu zwang Kardinal Wolsey Percy, die Gesellschaft Annes zu vermeiden. Ebenfalls auf Betreiben von Kardinal Wolsey wurde Anne für eine Saison vom Hof zurück nach Hever Castle verbannt.[45] Laut George Cavendish, Kardinal Wolseys Biograph,[46] tobte und wütete die temperamentvolle Anne und äußerte, „wenn es je in ihrer Macht liege, werde sie dem Kardinal viel Missvergnügen bereiten.“[47]
Obwohl ihr der verheiratete Dichter Thomas Wyatt mehrere Gedichte widmete, war er nur ein Verehrer von Anne.[48] Anne und allen früheren Verehrern wurden später entweder Affären oder vollzogene Eheversprechen nachgesagt, so auch bei Wyatt, um Anne als eine notorische Ehebrecherin und unmoralische Frau zu brandmarken.[49]
Geliebte und inoffizielle Partnerin Heinrichs VIII.
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Anfänge der Beziehung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ein Jahr nachdem Mary Boleyn aus Frankreich zurückgekehrt war (1519), heiratete sie am 4. Februar 1520 Sir William Carey, einen reichen und gut situierten Höfling. Heinrich VIII. war als Gast zur Hochzeit eingeladen, und die Biografen Heinrichs wie auch Anne Boleyns vermuten, dass der König die Braut schon kurz nach der Hochzeit zu seiner Mätresse machte. Die Beziehung zwischen beiden dauerte etwa zwei Jahre und wurde nicht öffentlich gemacht, so dass Mary aus ihrem Status keine Vorteile ziehen konnte, wie beispielsweise die Mätressen der französischen Könige es taten.[50] Kurz nach Beendigung der Affäre mit dem König brachte sie ihr zweites Kind auf die Welt – einen Sohn, den sie Henry nannte. Ihr erstes Kind, eine Tochter, wurde auf den Namen Catherine (1524–1568) getauft.

Da Heinrich die Boleyn-Familie auf seinen Reisen besuchte, traf er möglicherweise bei diesen Gelegenheiten schon auf Anne und wurde so auf sie aufmerksam. Für Annes Biographen Eric Ives ist die Anziehungskraft Annes auf Heinrich (und andere Männer) darin begründet, dass Anne eine unwiderstehliche sexuelle Ausstrahlung gehabt habe.[51] John Guy und Julia Fox interpretieren Heinrichs plötzliche Aufmerksamkeit für Anne mit anderen, politischen Entwicklungen: In dem Moment, in dem er eine weitreichende Allianz mit Frankreich einging, habe er Anne, den Inbegriff alles Französischen, bewusst wahrgenommen.[52] Der genaue zeitliche Ablauf lässt sich nur noch ungefähr rekonstruieren. David Starkey sieht bereits Anfang 1525 als den Moment, in dem Heinrich erstmals seine Aufmerksamkeit auf Anne richtete, ebenso wie Heinrichs Biograph J. J. Scarisbrick.[53] Eric Ives datiert dies eher auf 1526.[54] Seit dem Shrovetide-Fußballspiel am Fastnachtsdienstag 1526 begann Heinrich VIII. seine Avancen an Anne Boleyn. Im Herbst 1526 schickte er ihr dann den ersten in einer Serie von Liebesbriefen.[55] Aus den Jahren 1526 bis 1528 sind 17 Liebesbriefe des Königs an sie erhalten geblieben, ein für Historiker an sich bereits bemerkenswerter Fakt, da Heinrich schreibfaul war und sich selten dazu aufbringen konnte, Briefe zu schreiben. Eine Legende behauptet zudem, er habe das bekannte Liebeslied „Greensleeves“ für sie komponiert. Heinrich kommt jedoch als Komponist nicht in Frage, da das Lied im italienischen Stil der Romanesca komponiert ist, der sich in England erst nach seinem Tod verbreitete.[56]
Die Briefe Heinrichs an Anne können in vier Gruppen unterteilt werden, die auf den ungefähren Fortgang schließen lassen. In den ersten drei Briefen lässt sich der Versuch von Heinrich erkennen, sein Werben vom Rahmen der höfischen Minne heraus in etwas viel ernsthafteres zu verwandeln.[57] Heinrich versuchte nun, Anne als Mätresse zu gewinnen und deutete an, dass er sich in diesem Rahmen mit ihr eine dauerhafte Liebesbeziehung vorstellte.[58] In den nächsten vier Briefen lässt sich erkennen, dass Heinrichs Avancen nicht nach seinen Vorstellungen liefen; Anne lehnte die verdeckten sexuellen Angebote Heinrichs ab.

Anne war das Schicksal abgelegter oder in Ungnade gefallener Mätressen durch ihren Aufenthalt in den österreichischen Niederlanden, Frankreich und durch das Beispiel ihrer eigenen Schwester bekannt. Die Geliebten des Königs konnten zwar am französischen Hof zu Macht, Reichtum und Einfluss gelangen, doch war ihr hoher Status immer von den Launen ihrer königlichen Liebhaber abhängig. Entzog der König seiner Mätresse die Aufmerksamkeit, fiel sie auch bei Hofe in Ungnade und wurde sogar von Dienern missachtet. Eine Absicherung mit Titeln, Gütern und Einnahmen war das Wichtigste, um sich ein späteres Leben in relativer Unabhängigkeit als ehemalige Geliebte zu sichern.
Ihr Beharren auf eine Heirat ist nicht nur ein Zeichen für ein großes Selbstbewusstsein Annes, sondern sie wollte für sich, ihre Familie und ihre zukünftigen Kinder die größtmögliche Sicherheit haben, die Heinrich ihr bieten konnte: eine offiziell und gültig geschlossene Ehe. Ferner wird Anne als stolze Frau beschrieben, die sich mit einer zweiten Position hinter der Königin nicht zufriedengegeben hätte, auch nicht mit einem Ausschluss ihrer Kinder mit Heinrich aus der Thronfolge. Für ihre Familie bedeutete ihr offizieller Status als Königin von England eine gesellschaftliche Aufwertung. Einige Historiker schreiben dieses Streben nach Absicherung einem großen Ehrgeiz und Kalkül Anne Boleyns zu oder behaupten, dass Anne Heinrich systematisch verführte – einzig mit dem Ziel, englische Königin zu werden.[59] Andererseits war Anne auch in eine Zwangslage geraten. So hatte Heinrich beispielsweise Annes Verehrer Wyatt in deutlicher Weise davon abgeschreckt, sich weiter um sie zu bemühen. 1527 wurde er von Heinrich auf eine diplomatische Mission nach Rom geschickt. Nachdem die Avancen Heinrichs sämtliche andere Verehrer (die Heinrich fürchteten) vertrieben hatten, war Anne praktisch unverheiratbar. Ohne zu zögern schickte Heinrich VIII. seine näheren Verwandten, Mitglieder der Familien Courtenay und Pole, wegen angeblicher Verschwörungen aufs Schafott, weil sie seinem eigenen Thronanspruch (genauer gesagt, dem seiner Kinder)[60] im Weg standen.
Anne Boleyn ließ sich durch das beharrliche Werben des Königs nicht beeindrucken. Ihre Taktik des Sich-Verweigerns war für den König ungewohnt und spornte ihn zu größeren Bemühungen an. Zum ersten Mal in seinem Leben war er mit einer Frau konfrontiert, die ihm nicht entweder zugeführt worden war oder auf die Rolle einer Mätresse beschränkte, sondern mit der er eine Beziehung zunächst aufbauen musste.[61] Es sind keine Briefe von Anne an den König erhalten, doch ließ sie ihn offenbar oft auf eine Antwort warten.
„Obwohl es Euch, meiner Herrin, nicht gefallen hat, Euch an das Versprechen zu erinnern, welches Ihr mir bei unserer letzten Begegnung gegeben, dass ich nämlich von Euch Neuigkeiten erfahren und eine Antwort auf meinen letzten Brief erhalten solle, denke ich doch, es zieme sich für einen treuen Diener (da er doch anders nichts erfahren kann), sich nach dem Befinden seiner Herrin zu erkundigen. Um der Pflicht des treuen Dieners zu genügen, sende ich Euch diesen Brief und bitte Euch, mir über Euer Befinden Bericht zu geben […] und damit Ihr öfter an mich denkt, lasse ich Euch durch diesen Boten einen Rehbock schicken, den ich gestern Abend mit eigener Hand erlegt, in der Hoffnung, dass Ihr öfter an mich denkt, wenn Ihr ihn verspeist.“
Heinrich erwartete nun eine Antwort, als Brief oder persönlich. Als sich beide trafen, bewegte Annes Reaktion Heinrich offenbar dazu, die Dinge zu überstürzen, und vergrämte Anne damit. Anne zog sich in das Haus ihrer Eltern zurück und schwieg.[63] Unter diesen Vorzeichen hätte die Beziehung nun beendet sein können, doch Heinrich war nicht bereit, Anne aufzugeben. Er leitete stattdessen eine Scheidung von Katharina in die Wege.[64]
Anne als künftige Ehefrau in Wartestellung
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Heinrich seinerseits hatte sich bereits seit längerem von Katharina distanziert, noch bevor er sich in Anne verliebte. Laut vereinzelten Berichten spielte er schon ab 1522 mit dem Gedanken, eine Scheidung von Katharina in die Wege zu leiten. Dabei spielte auch der Umstand eine Rolle, dass ein gesunder männlicher und legitimer Thronfolger ausblieb. Spätestens jedoch seit Juni 1525, als er auch seinen illegitimen Sohn Henry Fitzroy zum Duke of Richmond machte und ihm damit den Vorrang vor allen Prätendenten außer einem möglichen legitimen Sohn gab, trat seine Intention deutlich hervor.[65] Definitiv ab dem Frühling 1527 war Heinrich immer stärker mit dem Gedanken beschäftigt, wie er seine Ehe mit Katharina beenden könnte, da Anne sich von ihm nicht zu einer königlichen Mätresse machen ließ. Nichtvollzug der Ehe schied als Grund für eine Annullierung der Ehe aus. Anne vermittelte Heinrich den Kontakt mit Robert Wakefield, Fellow an der Universität von Cambridge. Ihr Onkel James Boleyn hatte mit Wakefield studiert und ihr Vater war sein Patron.[66] Wakefield griff auf ein Argument des kirchlichen Eherechts zurück, das bei der Schließung der Ehe zunächst im Wege gestanden und nur durch eine päpstliche Dispens hatte ausgeräumt werden können. Katharina war nämlich zunächst mit Heinrichs älteren Bruder Arthur Tudor verheiratet, der aber früh verstarb. Somit stand Heinrichs Ehe in Widerspruch zu einer Bibelstelle:
„Wenn jemand die Frau seines Bruders nimmt, so ist das eine abscheuliche Tat. Sie sollen ohne Kinder sein, denn er hat damit seinen Bruder geschändet.“
Heinrich wollte aufgrund dieser Bibelstelle, die eine Heirat mit der Witwe des eigenen Bruders untersagte, seine Ehe annullieren lassen, unberührt von der päpstlichen Dispens aus dem Jahre 1503. In dieser Phase begingen Anne und Heinrich einen folgenschweren Fehler. Im Rahmen großer Festlichkeiten am 5. Mai 1527 im Greenwich Palace, um den von Wolsey ausgehandelten Vertrag von Westminster zwischen England und Frankreich zu feiern, bekannte Heinrich sein romantisches Interesse an Anne, indem er mit ihr statt mit Katharina tanzte.[67] Kurz darauf konfrontierte Heinrich Wolsey zwar mit seinen Plänen bezüglich einer Scheidung, hielt jedoch seine weiteren Absichten bezüglich einer Heirat mit Anne geheim. Wolsey nahm an, dass Heinrich eine Heirat mit einer französischen Prinzessin ins Auge fasste, um das neu geschaffene Bündnis zu festigen.[68] Julia Fox und John Guy streichen heraus, dass ein mit den Plänen Heinrichs voll vertrauter Wolsey leicht eine Entscheidung hätte treffen können, ohne Rom einzuschalten. Stattdessen hielt der im Dunkeln gelassene Wolsey am 17. Mai 1527 zunächst eine formelle Anhörung vor einem geistlichen Kirchengericht ab,[69] vor den er Heinrich zitierte. Katharina hielt an der Rechtmäßigkeit ihrer Ehe fest. Heinrich insistierte jedoch, dass die zwischen Maria und Arthur vollzogen worden war. Unter diesen Umständen hätte Wolsey eine schnelle Entscheidung treffen können.[70] Wolsey war jedoch unsicher, ob es sich um eine juristische oder theologische Frage handle. Da er in theologischen Angelegenheiten unsicher war, ersuchte er bald um die Hilfe Roms.[71]
Papst Clemens VII. zeigte kein Interesse, die Dispens seines Vorgängers Julius II. aufzuheben, der die frühere Ehe mit Heinrichs Bruder annulliert hatte. Zudem war Papst Clemens VII. aufgrund der politischen Situation nicht frei darin, die Ehe von Heinrich VIII. mit Katharina von Aragón zu scheiden. Er hatte seine Annäherung an Karl V. aufgegeben und erlebte im Mai 1527 den Sacco di Roma, die Plünderung Roms durch deutsche Landsknechte und spanische Söldner in Diensten von Kaiser Karl V. Der Papst wurde mehrere Wochen in der Engelsburg belagert. Er versuchte, eine Allianz gegen Karl zu schmieden und verbündete sich mit Frankreich. Wenn überhaupt, so bestand allenfalls in diesem kurzen Zeitfenster für Heinrich die Möglichkeit, von Clemens eine Entscheidung zu seinen Gunsten zu erreichen. Der französische König scheiterte jedoch militärisch in Norditalien. Danach war Clemens auf das Wohlwollen von Karl V. angewiesen und suchte mit ihm eine diplomatische Lösung. Eine Scheidung von Katharina, der Tante Karls V., war unter diesen Umständen für Heinrich rechtlich äußerst schwierig und politisch aufgrund der dynastischen Bindung an Karl politisch heikel.[72] Heinrich versuchte, parallel zu Wolsey, in Rom durch seinen Privatsekretär William Knight die Annullierung der Ehe mit Katharina zu erreichen. Dieser scheiterte jedoch, so dass Heinrich die Angelegenheit wiederum in Wolseys Hände legen musste,[73] der den Sommer am französischen Königshof in Amiens und Compiègne verbrachte, um seine Vision einer engeren Allianz mit Frankreich umzusetzen.[74]
Anne als wachsender Machtfaktor am Tudor-Hof
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Tudor-Hof war, wie alle Regierungen, die sich um einen Alleinherrscher konzentrieren, von Fraktionsbildungen gekennzeichnet, die um Einfluss am Hof und um die Gunst des Herrschers rivalisierten. Anders als im modernen parlamentarischen England gab es zwischen diesen Fraktionen keine ideologischen Gegensätze, wohl aber wechselnde persönliche Loyalitäten und Animositäten, die vor allem auf familiären Bindungen beruhten. Während später Elisabeth es zur Vollendung beherrschte, im Sinne eines Teile-und-Herrsche-Konzepts aus diesen Rivalitäten ihren Nutzen zu ziehen, gilt demgegenüber Heinrich den modernen Historikern viel eher als empfänglich bzw. verwundbar für Einflussnahme am Hof, auch war er in Zeiten eigener Schwäche beizeiten auf Ideen und Bestätigung seiner Selbst angewiesen.[75]

Anne Boleyn fügte sich in dieses System von Patronage und Fraktionsbildung schnell ein und verstand es bald, durch ihren privilegierten Zugang zu Heinrich, einen stetig wachsenden Einfluss auszuüben. Von manchen Historikern wird sie als „Nemesis“ von Kardinal Wolsey beschrieben und für seinen Sturz zumindest mitverantwortlich gemacht.[76] Wolseys Biograph Cavendish sah sie als die Hauptgegnerin Wolseys und zog eine direkte Linie zwischen Annes Aufstieg ab Anfang 1527 und Wolseys Fall 1529.[77] Moderne Biographen sehen Anne eher als Pragmatikerin, die sich zunächst mit dem mächtigen Wolsey arrangierte und versuchte, seine Klientelin zu werden, da sie ihre Hoffnung darin setzte, dass der ungemein versierte Politiker Wolsey am ehesten die Scheidung Heinrichs bewerkstelligen könnte. Erst später habe sie sich gegen Wolsey gewendet, da ihr (noch vor Heinrich) bewusst wurde, dass Wolsey an der Aufgabe versage. Hierauf habe sie, so der kaiserliche Botschafter Eustace Chapuys in seinen Berichten, als Führerin einer Fraktion um den Duke of Suffolk, den Duke of Norfolk und ihren Vater Viscount Rochford (die Wolsey seit langem seine dominante Position neideten) an Wolseys Fall maßgeblich mitgewirkt.[78]
Gründe für eine Motivation Annes, Wolseys Sturz herbeizuführen, gab es in jedem Fall genug. Anne misstraute Wolsey, seit dieser ihre Romanze mit Henry Percy brutal beendet hatte.[79] Wolsey hatte zudem Druck auf ihren Vater ausgeübt, das lukrative Amt des Treasurer of the Household abzugeben, als Thomas Boleyn als Viscount Rochford zum Peer erhoben wurde.[80]
Als Wolsey im Sommer aus Frankreich nach England zurückkam, war er mit einer neuen Situation konfrontiert und musste sehen, wie Anne Boleyn sich als Machtfaktor bereits etabliert hatte. Ein persönlicher Vorausgesandter Wolseys fand Heinrich in Richmond Palace gemeinsam mit Anne Boleyn vor; auf die Frage, wohin Wolsey kommen dürfe, ergriff eine selbstbewusste Anne schnippisch das Wort: „Wohin sonst soll er schon kommen? Sag ihm, er soll hierher kommen, wo der König ist.“[81]
Anne bemühte sich gleichzeitig bald um eine Verständigung mit Wolsey. Sie machte Thomas Heneage, (Wolseys Mann in der privy chamber[82]) kaum verhohlene Andeutungen diesbezüglich,[83] dazu schickte sie Wolsey drei schmeichelnde Briefe, den dritten davon gemeinsam mit Heinrich.
Im März 1528 versuchte Anne, einen von ihr unterstützten Bewerber für den vakanten Posten des Abts des Peterborough zu etablieren. Da Wolsey bereits seinen eigenen Kandidaten hatte, scheiterte sie.[84] Parallel dazu lieferte sich Anne einen einjährigen Machtkampf mit Wolsey in ihrem Bemühen, ihrem entfernten Verwandten Thomas Cheyne verschiedene einträgliche Pfründe zu sichern. Wolsey blockierte zunächst das Anliegen.[85]
Mitte Juni 1528 erkrankte eine von Annes Zofen am hochansteckenden Englischen Schweißfieber, das in Südengland grassierte. Heinrich, der große Angst vor Krankheiten hatte,[86] floh nach Waltham Abbey, Anne zog sich nach Hever Castle zurück. Während ihr ebenfalls erkrankter Bruder George sich erholte, erkrankten auch ihr Vater und Anne selbst.[87] Heinrich schickte ihr einen seiner Leibärzte.[88] Die Krankheit nahm bei Anne einen schweren Verlauf, sie erholte sich jedoch und kehrte einen Monat später an den Hof zurück.[89] Dagegen starb ihr Schwager William Carey am Schweißfieber.
Anne beeilte sich, bei Heinrich dafür zu sorgen, dass an seiner Stelle ihr Cousin Francis Bryan in die Privy chamber aufgenommen wurde. Dieser avancierte dort zu ihrem stärksten Befürworter.[90] Bryans Aufnahme in die Privy Chamber war nur eine von vielen Maßnahmen, die die geadelten Boleyns und ihnen Nahestehende zu einem wichtigen Machtfaktor am Hof machten. Ihr Bruder George wurde Master of the Buckhounds[91] und erhielt die Verwaltung von Beaulieu. Für sich selbst erreichte Anne die Vormundschaft für ihren Neffen, womit vor allem die Aufsicht über die Ländereien Careys gemeint war. Die Vormundschaft als Frau und Bürgerliche innezuhaben, stellte ein ungekanntes Novum dar.[92] Anne, die mittlerweile auch Staatspapiere von Heinrich zur Ansicht erhielt, machte zudem ihren Einfluss geltend, um die vakante Stelle der Äbtissin in der Wilton Abbey neu zu besetzen. Die Priorin Isobel Jordan wäre die natürliche Wahl gewesen. Anne machte sich für William Careys Schwester Eleanor stark, die als einfache Nonne in der Abtei lebte. Eleanors Lebenswandel (sie hatte zwei Kinder von verschiedenen Priestern empfangen und war Geliebte eines Dieners von Lord Brandon gewesen) sorgte allerdings dafür, dass der ehrlich entsetzte Heinrich sie ausschloss, weil er, wie er Anne schrieb, „für kein Gold der Welt Euer oder mein Gewissen dadurch belasten wolle, eine Frau von solch schändlichem Lebenswandel an die Spitze eines Klosters zu stellen.“[93] Nachdem sie den Machtkampf gegen Wolsey bei der Besetzung des Abts von Peterborough verloren hatte, war Anne nun jedoch doppelt entschlossen. Heinrich gab daraufhin teilweise nach und setzte sich bei Wolsey ein, stattdessen eine Kompromisskandidatin zu finden. Wolsey, der als Kardinal die Entscheidungsbefugnis hatte, ignorierte jedoch Anne und Heinrich und setzte die bisherige Priorin Isobel Jordan ein.[94] Als Annes Protegé Thomas Cheyne sich mit William Russell um eine lukrative Vormundschaft stritt, relegierte Wolsey Cheyne des Hofs. Anne ergriff erneut Partei und brachte Cheyne zurück an den Hof. Da Anne sich weigerte, die Angelegenheit fallen zu lassen, gab Wolsey letztlich nach und Cheyne konnte sich die profitablen Rechte sichern.[95]
In Rom verlegte Papst Clemens VII. sich auf kleine Zugeständnisse, ohne Heinrich voll zu entsprechen. Im Mai 1529 entsandte er mit Kardinal Campeggi einen Vertreter, der gemeinsam mit Kardinal Thomas Wolsey den Vorsitz einer Kommission führen sollte, die mit der Untersuchung der Scheidungsfrage betraut war. Campeggi hatte vertrauliche Anweisung, den Fall so lange wir möglich hinauszuzögern;[96] zudem hatte er keine finale Entscheidungsbefugnis, so dass die Entscheidung in jedem Fall Clemens VII. oblag.[97] Währenddessen weilte Anne Boleyn wiederum bei ihrer Mutter in Hever Castle.
Bei Campeggis Eintreffen startete Katharina eine Zermürbungsoffensive. Sie trat vor Campeggi und verneinte, dass ihre Ehe mit Heinrichs Bruder Arthur vollzogen worden war. An ihren Neffen Karl schickte sie eine Botschaft und drängte ihn darin, beim Papst für einen Stopp der Scheidungsverhandlungen zu sorgen.[98] Sie legte dazu Einspruch in Rom ein. Die unzufriedene Anne drängte darauf, an den Hof zurückkehren zu dürfen, da sie sowohl mit dem Gang der Ereignisse als auch mit Heinrichs Handhabung der Verhandlungen unzufrieden war.[99] Da Campeggi die Angelegenheit immer weiter hinauszögerte, verlor Anne das Vertrauen in Wolseys Fähigkeit, für eine Scheidung zu sorgen. Sie insistierte darauf, an den Hof zurückkehren zu dürfen, da sie vor Heinrich erkannte, dass Wolsey die ihm gestellte Aufgabe nicht würde erfüllen können.[100] Auch der versierte Berater Stephen Gardiner, ehemals Protegé Wolseys und Anhänger Katharinas, kam zu diesem Schluss und schloss sich am Hof den Anhängern Annes an.[101] Daraufhin bezog sie eine Wohnung im Greenwich Palace, während Katharina von Heinrich nach Richmond Palace abgeschoben wurde.[102] Wiederum versuchte Heinrich nun durch eine Paralleldiplomatie in Rom den Papst zur Erfüllung seines Scheidungswunschs zu bewegen. Er entsandte Annes Cousin Francis Bryan nach Paris und Rom. Dieser schickte bald ernüchternde Briefe, die zum ersten Mal die ganze Wahrheit enthüllten. Clemens sei bereit, für Heinrich zu beten, jedoch nicht, aktiv etwas zu tun.[103]
Am 16. Juli 1529 zog Clemens schließlich den Fall an sich nach Rom und Campeggi erklärte das Legationsgericht damit für vertagt.[104] Anfang August schlossen Frankreich und Habsburg in Cambrai den sogenannten Damenfrieden, in dem Frankreich seine Niederlage eingestand und die Vorherrschaft von Karl V. in Italien anerkannte. Die Interessen der englischen Verbündeten, lange von ihm über die Verhandlungen im Dunkeln gehalten, ließ Franz I. dabei im Stich.[105] Die Summe beider Ereignisse zerstörten Wolseys Glaubwürdigkeit und sein Renommee. Zeitgleich brachen Heinrich und Anne zur königlichen Sommerreise nach Grafton in Northamptonshire auf, wo Anne einen starken Einfluss entfaltete und Wolsey zur Zielscheibe ihrer Kritik machte.[106] Heinrich rief das Parlament für den November zusammen, um Wolsey wegen Amtsvergehen anzuklagen.[107] In seinem Haus in Esher flehte der bedrängte Wolsey den französischen Botschafter du Bellay an, dass er und Franz sich bei Heinrich für ihn verwenden mögen. Er gestand, dass er von all seinen Feinden Anne, die er „die Nachtkrähe“ nannte, am meisten fürchte und sie es sei, die Heinrich unablässig gegen ihn beeinflusse.[108] Im Oktober 1529 wurde Wolsey wegen Amtsvergehen (Praemunire) angeklagt und er bekannte sich schuldig. Seiner Hinrichtung entging Wolsey, weil er am 28. November 1530 starb.[109]
Bruch mit dem Papst
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Anne präsentierte im Herbst 1529 Heinrich einen möglichen Ausweg aus der festgefahrenen Situation, als sie ihm Passagen aus dem Buch The Obedience of the Christian Man and How Christian Rulers Ought to Govern des englischen Reformators und Bibelübersetzers William Tyndale vorlegte.[110] Tyndale, dessen Werke von Wolsey als Ketzerei eingestuft worden waren, argumentierte darin, dass statt des Papstes der Monarch die Oberhoheit über alle kirchlichen Fragen in seinem Land haben solle. Hier bot sich für den begeisterten Heinrich eine Lösung des Dilemmas, indem er die Oberhoheit Roms über die englische Kirche einfach abschütteln könnte. Die These des Buchs traf bei Heinrich einen Nerv, da sie sich mit seinem eigenen Selbstverständnis deckte und seinem Weltbild entsprach.[111]
Nach Deutungen der Briefe Heinrichs erfüllte Anne dem König auch in dieser Zeit noch immer nicht seinen Wunsch nach einer sexuellen Beziehung.[112] Verschiedene Biographen verweisen allerdings darauf, dass es auch für Heinrich überhaupt keinen Sinn gemacht hätte, mit Anne ein weiteres illegitimes Kind zu zeugen. Insoweit müsse es dahingestellt bleiben, ob sich zu diesem Zeitpunkt immer noch Anne verweigerte oder es sich um eine gemeinsame Entscheidung handelte, die Legitimität eines Kindes als Thronfolger abzusichern.[113] Heinrich behandelte Anne bei Hofe bereits wie seine Ehefrau. So überschüttete er sie mit Geschenken und soll sie vor aller Augen geküsst haben. Bei Festen am Hof hatte sie den Vortritt vor den Schwestern von Heinrich.
Bis Juni 1531 versuchte Heinrich, das Bild der problemlosen Ehe mit Katharina für das englische Volk aufrechtzuerhalten. Offizielle Auftritte wurden von König und Königin absolviert. Ab Juli 1531 wurde Katharina bei Hofe isoliert und Anne übernahm für alle sichtbar die Rolle der Königin. Im Oktober 1532 begleitete sie Heinrich zu einem Treffen mit Franz I. nach Calais. Kurz vor dieser Reise ernannte Heinrich sie am 1. September 1532 zur Marchioness of Pembroke. Es war das erste Marquessate, das an eine Frau verliehen wurde.[114] Auf Drängen Annes musste Katharina für diese Reise ihre Kronjuwelen an Anne herausgeben, welche sie bei offiziellen Empfängen und auf Festen für alle sichtbar trug.[115] Zum Höhepunkt des Treffens tanzte Anne mit Franz I., zudem war sie die ganze Zeit während der vertraulichen Gespräche zwischen Heinrich und Franz präsent.[116]
Um die Zeit ihrer Rückkehr aus Frankreich hatten Anne und Heinrich zum ersten Mal miteinander Sex.[117] Es sind zwei unterschiedliche Daten für den Zeitpunkt der Eheschließung überliefert. Edward Hall berichtet von einer geheimen ersten Trauung am 14. November 1532. Eine weitere Zeremonie am 25. Januar 1533 fand in einer Kapelle in der Nähe des Greenwich-Palastes statt. Die Ehe wurde zunächst geheim gehalten, da Heinrich noch nicht geschieden war und somit in Bigamie lebte. Je nachdem welches der beiden Daten korrekt ist, wurde die spätere Königin Elisabeth I. entweder vor oder nach der Eheschließung gezeugt. Es ist daher nicht auszuschließen, dass das frühere Datum nachträglich festgesetzt wurde, um keine Zweifel an der Thronberechtigung des erstgeborenen Kindes aufkommen zu lassen.
Eric Ives und auch Heinrichs Biografin Lucy Wooding unterstreichen die fast einzigartige Situation, die sich mit der Liebesheirat zwischen Heinrich und Anne ergab: Seit der normannischen Eroberung habe bis zum 20. Jahrhundert außer Heinrich lediglich Eduard IV. eine vergleichbare Liebesheirat geschlossen.[118]
Thomas Cromwell und der von Heinrich neu ernannte Erzbischof von Canterbury Thomas Cranmer wurden von Heinrich beauftragt, seine Ehe mit Katharina nun endlich – mit dem Anstrich der kirchenrechtlichen Korrektheit – scheiden zu lassen. Thomas Cranmer wurde am 30. März 1533 zum Erzbischof von Canterbury geweiht, da sich Heinrich von Cranmer Unterstützung für seine Scheidung von Katharina versprach. Außerdem war Cranmer der Familienkaplan der Boleyns, so dass seine Unterstützung für die Beseitigung der Hindernisse, eine Heirat zwischen Anne und Heinrich möglich zu machen, für Heinrich sehr naheliegend waren. Cranmer erklärte die im Januar 1533 geschlossene Ehe Heinrichs VIII. mit Anne Boleyn für gültig. Damit zog er den Zorn des Papstes auf sich, der mit einer Bannandrohung und ein Jahr später mit Bann antwortete. Heinrich VIII. erklärte daraufhin die Loslösung der englischen Kirche von Rom und ernannte sich selbst zu ihrem Oberhaupt. Am 23. Mai 1533 erklärte ein Scheidungsgericht der englischen Kirche die Ehe mit Katharina von Aragón für ungültig. Mit diesem ohne Zustimmung des Papstes vollzogenen Akt war der erste Schritt zum Bruch mit der römisch-katholischen Kirche und zur Errichtung der anglikanischen Staatskirche getan.
Ehe mit Heinrich VIII. und Königin von England
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Anne als neue Queen Consort
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Am 31. Mai bzw. am 1. Juni 1533 wurde Anne Boleyn in einer ungemein aufwendigen und prachtvollen Zeremonie zur Queen Consort gekrönt. Am 31. Mai fand eine feierliche Prozession statt. Anne, die sich nach französischer Art gekleidet hatte, trug der Tradition entsprechend Weiß und auf dem Haupt ein goldenes Krönchen, unter dem ihr langes, dunkles Haar frei herabhing.[119] Sie wurde in einer geschmückten Sänfte durch die Straßen Londons getragen, gefolgt von fast allen Würdenträgern des Landes.[120] Am 1. Juni 1533 fand Annes Krönung in der Londoner Westminster Abbey statt. Sie war bereits deutlich sichtbar schwanger. Im Unterschied zu allen Vorgängerinnen wurde als Krone die Edwardskrone verwendet, die eigentlich für Monarchen reserviert war.[121] Für die Historikerin Alice Hunt geschah dies, weil Heinrich glaubte, dass Anne mit einem Sohn schwanger war.[122] Dagegen heben John Guy und Julia Fox hervor, dass der verliebte Heinrich so Anne aufwerten und sie als eine Art Mitregentin installieren wollte. Am Ende stand ein großes Bankett, wiederum mit Anne als Kristallisationspunkt, umgeben von zahlreichen Würdenträgern.[123]
Während die Agenten Karls in Rom (zunächst erfolglos) die Exkommunikation Heinrichs forderten, waren Anne und Heinrich zuversichtlich, dass eine stillschweigende Zustimmung des Papstes erwirkt werden könnte.[124] Beide glaubten, dass ihre Position durch die Allianz mit dem französischen König Franz I. abgesichert wäre. Im Urteil von John Guy und Julia Fox hätten Anne und Heinrich die wahre Natur des Bündnisses mit Frankreich nicht voll durchschaut: Franz hätte mit ihnen durchaus sympathisiert und die Initiativen Heinrichs in Rom auch in Maßen unterstützt, gleichzeitig jedoch habe er ein größeres Spiel gespielt und sein eigentliches Hauptziel sei die Rückeroberung des Herzogtums Mailand gewesen.[125]
Als Königsgemahlin (Queen Consort) war Anne von Anfang an entschlossen, sich von ihren Vorgängerin(nen) abzusetzen. Katharina hatte sich außer ihrem Eintreten für eine Allianz mit ihrem Mutterland Spanien politisch wenig betätigt und sich gemäß der zeitgenössischen Sitte still, unterwürfig und demütig verhalten. Demgemäß hatte sie sich oft damit begnügt, in ihren Gemächern Hemden für ihren Gemahl zu sticken. Dagegen heuerte Anne sofort demonstrativ einen Hemdenmacher für diese Tätigkeit an.[126] Auch mit ihrer Auslegung des Hofprotokolls setzte sie sich von ihrer Vorgängerin ab. Wo Katharina lediglich einem kleinen inneren Kreis von männlichen Hofbeamten Zugang zu ihrer privy chamber erlaubte, gestattete Anne mit ihrer Vorliebe für alles Französische einen relativ freien Umgang beider Geschlechter in ihrer privy chamber.[127] Der Kreis ihrer Hofdamen, von denen die meisten identifizierbar sind, bildete sich aus zwei heterogenen Gruppen. Zum einen scharte Anne um sich einen Kreis Vertrauter, der sich aus Verwandten wie ihre Schwägerin Jane Parker, ihre Cousine Lady Mary Howard und ihre Lieblingstante Lady Anne Shelton sowie aus ihren Freundinnen wie Bridget Wiltshire und Elizabeth Browne zusammensetzte.[128] Zum anderen erlaubte Heinrich einigen Karriere-Höflingen und Hofdamen den Wechsel von Katharinas Diensten in den Haushalt von Anne. Darunter waren neben Jane Ashley und Jane Seymour auch Lady Elizabeth Boleyn (die Frau von Sir James Boleyn) und Lady Mary Kingston, die beide Katharina sehr zugeneigt gewesen waren und nicht zu Annes Freundinnen zählten.[129] All diese Frauen waren mit Anne aufs engste vertraut; die Quelle vieler Informationen, die die ausländischen Botschafter erhielten, waren in diesem Umfeld zu suchen. Zu dem Kreis der Männer, die regelmäßig Zugang zu ihrer privy chamber hatten, zählten vor allem ihr Bruder George, James Boleyn, Thomas Howard, sowie Henry Norris und Francis Weston. Der ungezwungene Umgang zwischen den Geschlechtern bot schnell viel Raum für spielerische Flirts und Romanzen im Rahmen der höfischen Liebe. So kam es im Sommer 1535 zu einer heimlichen Romanze zwischen Thomas Howard (jüngerer Halbbruder von Thomas Howard, 3. Duke of Norfolk) und Heinrichs Nichte Margaret Douglas. Unterstützt und gedeckt wurden beide von Annes Hofdamen Mary Howard und Margaret Gamage. John Guy und Julia Fox sehen dies als Beweis für einen Kontrollverlust Annes über die Vorgänge in ihrer privy chamber.[130] Annes Kammerherr war Thomas, Lord Burgh of Gainsborough, ein insignifikanter Peer. Ihr Onkel James Boleyn war ihr Kanzler, John Uvedale ihr Sekretär, John Smith ihr Buchprüfer. Abgesehen von ihrem Onkel hatte niemand persönliche Verbindungen zu Anne und die meisten wechselten später entweder nahtlos in den Haushalt ihrer Nachfolgerinnen oder ähnliche verwaltende Positionen unter Heinrich.[131]

Heinrich hatte Anne bereits vor der Ehe umfangreiche Ländereien geschenkt, als er sie in den Adelsstand erhoben hatte; hinzu kam nun die übliche Ausstattung einer Königsgemahlin mit Ländereien. Heinrich übertrug die ehemals von Katharina besessenen Ländereien auf Anne. Dadurch verfügte Anne über enormen Grundbesitz, der ihr allein im Jahr 1535 jährliche Erlöse in Höhe von mehr als 5000 £ (nach heutigem Wert mehr als 5 Millionen Euro) einbrachte.[132] Anne verwendete die Einnahmen vor allem zur Förderung ihrer künstlerischen Vorstellungen und zur Unterstützung. So setzte sie jeweils für die Universitäten Oxford und Cambridge Stipendien aus.[133] Als Patronin der Künste förderte sie vor allem die Etablierung kontinentaleuropäischer Einflüsse. Obwohl keine Porträts von Anne Boleyn zweifelsfrei zugeordnet werden können, gilt es als sicher, dass Hans Holbein der Jüngere direkt für Anne arbeitete. Holbein entwarf eine Tasse, die mit ihrem Emblem eines Falken, der auf Rosen steht, graviert war, sowie Schmuck und Bücher, die mit ihr verbunden sind. Er skizzierte auch mehrere Frauen aus ihrem Umfeld, darunter ihre Schwägerin Jane Parker. Auch bei Holbeins Meisterwerk Die Gesandten wird Anne verschiedentlich als Auftraggeberin identifiziert. Im Gemälde finden sich zahlreiche Verweise auf Anne. So ist der Fußboden eine fast exakte Kopie des Cosmati-Pflasters vor dem Hochaltar in der Westminster Abbey, wo Anne gekrönt wurde und die zylindrische Skala zeigt ein Datum zwischen dem 10. und 15. April 1533 an, dem Osterfest, als Anne erstmals mit königlichen Ehren zur Chapel schritt.[134] Auf der linken Seite findet sich mit Veni. Sancte Spiritus das Bittgebet zum Pfingstfest, als Anne gekrönt wurde.[135]
Annes religiöse Ausrichtung changierte zwischen den Lehren Luthers und der Katholischen Lehre. Als Anhängerin von Jacques Lefèvre d’Étaples, besaß sie ein Exemplar der Ausgabe von 1534 aus Antwerpen von Lefèvres Übersetzung der Bibel ins Französische von 1528.[136] Anne wollte den katholischen Glauben zwar reformieren, lehnte aber Luthers zentrale These (Erlösung allein durch den Glauben) ab.[137] Warnicke und Bernard deuten Annes Glauben als eher konventionell und in der Essenz als katholisch,[138] für Ives und Starkey war Anne eine fromme Evangelikale. Zur Umsetzung ihrer religiösen Vorstellungen und der Verwirklichung von Kirchenreformen sammelte sie eine ganze Gruppe von Kaplanen um sich herum, die alle später zu Prominenz gelangten. Darunter waren Nicholas Shaxton, Hugh Latimer, John Skip und Matthew Parker.[139]
Bereits 1531 wurde dem Herzog von Mailand angeraten, Anne als politische Kraft in ihrem eigenen Recht anzusehen und seinen Botschafter in London mit wertvollen Geschenken auszustatten, um sich ihr Wohlwollen zu sichern.[140] Anders als Katharina war Anne auch regelmäßig präsent bei Treffen mit Botschaftern oder politischen Würdenträgern, etwa, als Lord Leonard Gey im Herbst 1535 mit einer größeren Streitmacht nach Irland aufbrach und Anne ihn bei der finalen Lagebesprechung persönlich verabschiedete und ihm ein Abschiedsgeschenk überreichte.[141]
Schon als Geliebte des Königs hatte Anne polarisiert. Auch als Ehefrau von Heinrich gelang es ihr nicht, viele Verbündete zu gewinnen. Sie hatte es nicht vermocht oder ernsthaft versucht, eine Gruppe von treuen Anhängern um sich zu scharen. Sie stützte sich immer weitgehend auf ihre Familie und deren Netzwerke.[142] Ihre starken Befürworter, wie ihr Bruder George oder Thomas Cheyne, gehörten zur Familie oder verdankten ihren Aufstieg vor allem Anne. Zugleich hatte sie fast sofort auch Gegner wie Anthony Browne, Sir William Russell und Nicholas Carew. Carew war ein Anhänger Katharinas und ihrer Tochter Mary, Browne sah die Allianz mit der französischen Krone kritisch, für die Anne symbolisch stand. Auch warfen höfische Zeitgenossen Anne vor, sich bereits früh zuweilen herrisch aufgeführt zu haben und Höflingen gegenüber hochfahrend und zornig aufgetreten sein. Da Anne einen zuweilen zynischen und sarkastischen Humor hatte, können ihre Worte schon damals oft fehlinterpretiert worden sein. Ein Beispiel ihres sehr eigenen Humors war ihre Reaktion auf die Proteste, als sie Königin von England wurde. Für eine kurze Zeit wählte sie ein Motto, das sinngemäß bedeutete: Murrt, wie ihr wollt. So und nicht anders wird es sein.[143] Auch vom englischen Volk, das weiterhin Katharina von Aragón bewunderte, wurde sie nur akzeptiert, nicht angenommen.[144] Einige Londoner machten sich während der Prozession vor der Krönung sogar lustig über die verschlungenen Initialen des Königs und der neuen Königin, H und A, und riefen anstatt zu jubeln: „HA! HA! HA!“ Allerdings war Anne auch ein Sündenbock für Heinrichs Politik und wurde für Maßnahmen verantwortlich gemacht, die Anne oft unterstützte, die jedoch nicht von ihr initiiert worden waren. Besonders die Inhaftierung und Hinrichtung von John Fisher und Thomas Morus wirkten hier verhärtend.
Auch die Ehe zwischen Heinrich und Anne war aufgrund der Temperamente beider von Anfang an spannungsgeladen. Kurze, konfliktgeladene Momente und heftige offene Streits wechselten sich mit längeren glücklichen Phasen ab.[145]
Verlauf der Ehe
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zwei Wochen vor dem Geburtstermin zog sich Anne in ihr Wöchnerinnengemach nach Greenwich zurück. Am 7. September 1533 wurde sie in einer relativ problemlosen Geburt von einem gesunden Mädchen entbunden, das den Namen Elizabeth erhielt, benannt nach Heinrichs Mutter. Anne und Heinrich hatten fest mit einem Sohn gerechnet, waren jedoch nicht lange enttäuscht.[146] Für Heinrich war zunächst bewiesen, dass Anne ein gesundes Kind geboren hatte und er war überzeugt, in Kürze weitere Kinder bzw. bald einen männlichen Thronfolger zu haben.[147] Elisabeth wurde als erstes legitimes Kind von Heinrich ausgegeben und die inzwischen siebzehnjährige Prinzessin Maria, seine Tochter aus der Ehe mit Katharina von Aragón, zum Bastard erklärt.

Schon bald nach der Taufe von Elisabeth schrieb Heinrich seiner Tochter, der späteren Maria I., dass sie den Titel Fürstin von Wales an seine Tochter mit Anne Boleyn abgeben müsse, da Elisabeth nun vor ihr in der Thronfolge rangiere. Er verlangte von Maria weiter, dass sie die Gültigkeit seiner Ehe mit Anne anerkennen müsse, ebenso die Legitimität ihrer Halbschwester, was Maria ablehnte. Erzürnt von ihrer Weigerung, war Heinrich entschlossen, Marias Willen zu brechen. Er ließ ihr mitteilen, dass sie ihr Haus „Beaulieu“ räumen und nach Hatfield House ziehen musste. Maria soll auf die Anordnung, ihrer kleinen Schwester Elisabeth die Aufwartung als Prinzessin von England zu machen, mit den Worten reagiert haben, sie kenne keine andere Prinzessin von England als sich selbst.[148]
Maria war nach damaliger Rechtsauffassung trotz einer nun ungültigen Ehe mit Katharina weiterhin die Erbin Heinrichs. Anne war sich dieser Implikationen wohlbewusst und nahm sowohl Maria als auch Heinrichs illegitimen Sohn Henry Fitzroy als potenzielle Bedrohung für sich und ihre Tochter wahr. Nachdem sie zunächst eine harte Linie vertreten hatte, bemühte sie sich trotzdem um eine Annäherung zu Maria, unter der Bedingung, dass Maria sie als Königin akzeptiere. Maria reagierte mit einer kränkenden Antwort auf Annes Einladung, sie bei Hofe zu empfangen.
„Ich kenne keine Königin von England außer meiner Mutter. Aber wenn Sie, Madam, als meines Vaters Geliebte zwischen meinem Vater und mir vermitteln wollen, wäre ich dankbar.“[148]
Anne wiederholte ihre Einladung an Maria, die wieder ablehnte. Nach dieser Absage von Maria bemühte sich Anne nie wieder um die Freundschaft ihrer Stieftochter. Auf die beleidigende Replik hin schäumte Anne vor Wut und drohte, „dieses stolze spanische Blut fertig zu machen.“[149] Auch ihrem Bruder gegenüber erging sie sich in Hetztiraden über Maria. Weiter äußerte sie: „Sie ist mein Tod und ich der Ihre.“ Annes Äußerungen wurden später beim Prozess gegen sie wieder hervorgeholt und dienten als Beweis für ihre Absicht, die Königsfamilie töten zu wollen. Anne war die maßgebliche Kraft hinter der Eheschließung ihres Stiefsohns Henry Fitzroy mit ihrer Cousine Lady Mary Howard, die älteste Tochter von Thomas Howard, 3. Duke of Norfolk. Mit der Eheschließung sah sie Fitzroy als potentielle Bedrohung für sich und Elisabeth ausgeschaltet.[150]
Im März 1534 traf Papst Clemens VII. sein Urteil, in dem zu Gunsten Katharinas für die Rechtmäßigkeit ihrer Ehe mit Heinrich entschieden wurde. Als Reaktion darauf trieb Heinrich den endgültigen Bruch mit Rom voran.[151] Umgehend wurde vom englischen Parlament die Suprematsakte verabschiedet, welche den englischen König zum Oberhaupt der Kirche Englands erklärte, ein Nachfolgegesetz bestätigte außerdem die Gültigkeit der Ehe mit Anne Boleyn. Damit war im Januar 1535 der endgültige Bruch mit der römisch-katholischen Kirche vollzogen.
Anne bemühte sich auch weiterhin, Einfluss auf die Diplomatie zu nehmen. Als Gilles de la Pommeraie als Gesandter des französischen Königs eintraf, um ein Treffen zwischen den Königen zu bewerkstelligen, empfing Anne ihn und zeigte ihm ihre Tochter Elisabeth. Dabei machte sie ihm klar, dass sie entschlossen sei, Elisabeth mit zwölf Jahren mit einem französischen Fürsten zu verloben.[152]
In dieser Zeit war Anne zweimal schwanger. 1534 endete eine Schwangerschaft der Königin mit einer Totgeburt im achten Monat.[153] Der oft vorgebrachte Gedanke, dass eine Syphiliserkrankung des Königs die Ursache für die Fehl- und Totgeburten seiner Frauen sein könnte, gilt unter Historikern als sehr unwahrscheinlich, da keines seiner überlebenden Kinder Symptome der Krankheit zeigte und der König selbst sich nie der damals üblichen sechswöchigen Behandlung mit Quecksilber unterzog.[154] Eine andere Hypothese für die vielen Fehlgeburten lautet, dass bei Anne und Heinrich eine Rhesus-Inkompatibilität vorlag. Bei solchen Paaren verläuft zwar die erste Geburt komplikationslos, alle nachfolgenden Schwangerschaften aber können durch Antikörper im Blut der Mutter zu Fehl- und Frühgeburten führen. Eine Studie aus dem Jahr 2011 stellt zudem die These auf, dass Heinrich im Unterschied zu Anne und auch Katharina Kell positiv gewesen sein könnte. Eine Kell-Inkompatibilität hat während einer Schwangerschaft sehr ähnliche Folgen wie eine Rhesus-Inkompatibilität.[155]
Im Sommer schrieb der venezianische Gesandte, der König von England sei „dieser neuen Königin schon müde bis zum Überdruss“.[156] Allerdings reisten Heinrich und Anne im Sommer 1535 glücklich vereint durch Hampshire, wo beide ausgiebig jagten, ein Zeitvertreib, den Anne ebenso liebte wie Heinrich. Teilweise wurden sie vom Volk freundlich aufgenommen,[157] in Greenwich gab es dagegen in ihrer Abwesenheit eine öffentliche Bekundung einiger Londoner Frauen für die isolierte Mary. Diese wurden offenbar von einigen Ladies des royalen Hofes unterstützt; zu den Rädelsführerinnen gehörten Annes Tante Lady Howard und ihre Schwägerin Jane Boleyn, Viscountess Rochford.[158]
Im Oktober kehrten beide nach Windsor zurück und Anne war wieder schwanger. Solange sie Heinrich keinen Sohn geboren hatte, war ihre Position potentiell angreifbar. Anders als eine ausländische Prinzessin war sie auf ihre Beziehung mit Heinrich angewiesen. Solange Katharina von Aragón am Leben war, war Anne nicht die einzige Königin in England, und solange Maria lebte, war Elisabeth nicht die einzige potenzielle Thronerbin. Ironischerweise war Annes größter Schutz, dass Katharina von Aragón noch lebte, denn wenn Heinrich die Ehe mit Anne für ungültig erklärt hätte, wäre die Ehe mit Katharina automatisch wieder gültig. Am 7. Januar 1536 starb Katharina unerwartet. Heinrichs erste Reaktion auf ihren Tod war Erleichterung, da nun die Gefahr einer Invasion durch Karl V. gebannt war.[159] Am nächsten Tag, einem Sonntag, kleideten Heinrich und Anne sich komplett in Gelb (ein Zeichen der Freude in England, ein Zeichen der Trauer in Spanien) und präsentierten Elisabeth bei der Messe.[160]

Sturz und Hinrichtung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 29. Januar 1536 erlitt Anne wiederum eine Fehlgeburt.[161] Mit der zweiten Fehlgeburt verschlechterte sich das Verhältnis zwischen Heinrich und Anne. Sie hatte die Hoffnungen des Königs zum zweiten Mal enttäuscht und war bei Hofe umgeben von Menschen, die auf jedes Zeichen warteten, dass das Interesse des Königs an Anne nachlassen würde.
Einige Tage später kam es zu einem der wiederkehrenden Ehestreite; Heinrich zeigte sich voller Selbstmitleid und jammerte, dass „Gott es nicht gefiel, ihm männliche Nachkommen zu geben“.[162] Anne konterte sofort, sie gab Heinrich und auch Norfolk die Schuld für die Fehlgeburt. Heinrich war nämlich bei einem Turnier mit seinem Pferd gestürzt und beinahe zu Tode gekommen. Norfolk hatte ihr die Nachricht über den Unfall äußerst unsensibel überbracht und sie in große Panik versetzt. Nur deshalb habe sie eine Fehlgeburt erlitten.[163]
Mit Jane Seymour trat eine Rivalin auf. Heinrichs Werben scheint zunächst als eine unverfängliche höfische Galanterie begonnen zu haben, als Anne schwanger war. Sein Interesse an Jane Seymour scheint aus einer wachsenden Überdrüssigkeit gegenüber Anne erwachsen zu sein; Jane wird optisch und charakterlich als kompletter Gegenentwurf zu Anne beschrieben.[164] Anders als Katharina sah Anne nicht über Heinrichs Seitensprünge hinweg. Sie beobachtete ihre Hofdamen und machte dem König Vorwürfe, er würde sie vernachlässigen, wenn er seine Aufmerksamkeit anderen Personen widmete. Dies erklärt Annes Biograph Ives damit, dass die Eheschließung mit Anne die Rollenverteilung von Ehefrau und Mätresse durcheinanderbrachte. In der Folge beruhte die Ehe weder auf außenpolitischen noch dynastischen Logiken, sondern allein auf unsicheren persönlichen Emotionen. Deshalb konnte Anne nicht wie andere Königsgemahlinnen die Amouren ihres Mannes dulden, auch wenn dies im Urteil ihrer Zeitgenossen klüger gewesen wäre. Als Konsequenz daraus sei Anne praktisch dazu gezwungen worden, um ihre Ehe zu kämpfen und ihre persönliche Beziehung mit Heinrich zu schützen.[165] Anne wurde Heinrichs Interesses an Jane Seymour schnell bewusst. Sie wütete daraufhin gegen Jane.[166] So soll Heinrich Jane angeblich ein Medaillon geschenkt haben, das eine Porträtminiatur von ihm selbst enthielt. Während sie dieses Medaillon in Annes Gegenwart trug, begann Jane, es zu öffnen und zu schließen. Anne reagierte auf die Provokation, indem sie Jane das Medaillon mit solcher Wucht vom Hals riss, dass ihre Finger bluteten.[167]

Im Zuge der Auflösung der englischen Klöster kam es zu einem offenen Konflikt zwischen Anne und Thomas Cromwell. Cromwell hatte sich in den Jahren zuvor von einem reinen Erfüllungsgehilfen zu einem eigenständigen Machtzentrum am Hofe entwickelt; ob Anne diese Entwicklung im ganzen Ausmaß voll realisiert hatte, ist unklar. Beide waren vormals indirekt Verbündete gewesen, da sie gleiche theologische Ansichten hatten. In den Monaten zuvor hatte sich zwischen Anne und ihrem Bruder auf der einen und Cromwell auf der anderen Seite ein verdeckter Machtkampf entwickelt.[168] Cromwell hatte Versuche Annes, sich in die Diplomatie mit Frankreich einzuschalten, unterbunden. Im März 1536 wurde die Aufhebung der kleineren Klöster mit einem Bruttoeinkommen von weniger als 200 £ pro Jahr per Gesetz in beiden Parlamenten beschlossen. Anne wollte, dass die Einnahmen aus der Auflösung für Wohltätigkeitszwecke und für die Armenfürsorge verwendet werden, statt sie in die königliche Kasse fließen zu lassen.[169] Als Heinrich und Cromwell mit dem Veräußern der Werte von zwei Klöstern begannen, bot Anne zweitausend Mark (heutiger Wert über 1,3 Millionen Euro), um diese zu retten.[170] Auf ihre Initiative hin hielt ihr Almosenier, John Skip, am Passionssonntag eine eifernde Predigt, in der er Cromwell und seine Ratskollegen vor dem gesamten Hofstaat anprangerte und auch den König nicht verschonte. Für Annes Biographen Eric Ives und David Starkey ist hier die Ursache für ihren Fall zu suchen.[171] Der kühl kalkulierende Cromwell, der im Gegensatz zur frankophilen Anne ohnehin ein Bündnis mit Habsburg präferierte, habe die Zeichen sofort erkannt und realisiert, dass ihm das gleiche Schicksal wie bereits Kardinal Wolsey drohte. Auch der deutsch-britische Historiker Geoffrey Rudolph Elton kam u. a. in seinem Werk über die englische Reformation zu diesem Schluss.[172] Anders sieht es Thomas Cromwells Biograph John Schofield, für den Cromwell erst dann in das Drama verwickelt wurde, als Heinrich ihn auf den Fall ansetzte.[173] Ähnlich beurteilt dies Diarmaid MacCulloch in seiner Monografie über Cromwell, wobei er aber unterstreicht, dass Cromwell eigene Motive gehabt habe, um den Sturz von Anne „enthusiastisch“ zu betreiben.[174]
Festnahme und Inhaftierung im Tower
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 29. oder 30. April 1536 kam es zu einem Streit zwischen Anne und dem Schatzmeister der königlichen Privatschatulle und Kammerherrn Henry Norris. Norris, ein Verbündeter der Boleyns und häufiger Besucher der privy chamber Annes, war von Anne gestichelt worden, warum er die Heirat mit ihrer Cousine und Hofdame Margaret Shelton immerzu aufschiebe. Auf die unverbindliche Antwort Sheltons hatte eine wütende Anne mit einer für Ives geradezu schockierenden Unbedachtsamkeit Norris vorgeworfen, wenn dem König etwas zustoße, würde er sie (Anne) haben wollen. Norris verteidigte sich mit den Worten, dass, wenn er so einen Gedanken hätte, sein Kopf rollen würde. Anne erwiderte, sie könne ihm diesen Gefallen tun, wenn er es wünsche. Anne war derart wütend, dass sie die Anwesenheit mehrerer Zeugen nicht bemerkt hatte, die die Ereignisse schnell weiter verbreiteten. Der Streit war nicht nur als solcher bemerkenswert, er ging über alle Konventionen höfischer Minne hinaus, da in diesem Fall Anne als Aggressorin auftrat und sich hinein interpretieren lassen konnte, dass sie ein Interesse an Norris habe.[175] Sobald Anne sich beruhigt hatte, wies sie Norris an, am Folgetag bei ihrem Almosenier zu beichten und per Eid zu versichern, dass Anne eine ehrbare Frau sei.[176] Im weiteren Verlauf des 30. April gab es offenbar wegen dieser Episode einen heftigen Streit zwischen Heinrich und Anne, die Wogen hatten sich jedoch ostentativ wieder geglättet.[177] Am Abend des gleichen Tages wurden die Planungen für eine Reise nach Calais plötzlich um eine Woche verschoben.[178] Ebenfalls ließ Cromwell den Musiker Mark Smeaton festnehmen,[179] und für 24 Stunden verhören, offenbar unter Einsatz von Folter.[180] Am 1. Mai 1536 begleitete Anne den König zu einem Turnier in Greenwich. In der Pause zwischen den Kämpfen wurde dem König eine dringende Nachricht überbracht, deren Inhalt bis heute unbekannt ist. Daraufhin verließ Heinrich das Turnier. Anne sah ihren Mann nie wieder.

Anne wurde am 2. Mai 1536 in Greenwich unter dem Vorwurf des mehrfachen Ehebruchs, inzestuöser Beziehungen zu ihrem Bruder und des Plans, den König zu töten, festgenommen. Anne reagierte im ersten Moment gefasst auf die Festnahme. Sie wurde von einer Eskorte um Cromwell in den Tower gebracht und dort inhaftiert. Sir William Kingston hatte die Aufsicht.[181] Als sie im Tower ankam, reagierte sie panisch, plapperte unzusammenhängend und verlangte Auskunft darüber, was man ihr vorwerfe.[182] Zu ihrem Nachteil gab sie den vollen Streit mit Henry Norris wider, was später als Beweis gegen sie verwendet wurde.
Thomas Cromwell stellte sofort danach sicher, dass die Boleyn-Fraktion am Hof ebenfalls kaltgestellt wurde. Der Zugang zu Heinrich wurde ihnen systematisch verwehrt. Heinrich versteckte sich während der ganzen Vorgänge vor der Welt bei Nicholas Carew und verließ das Haus nur nachts im Mondschein. Gegenüber Vertrauten erging er sich in Selbstmitleid und behauptete, Anne habe mit hunderten Männern geschlafen und geplant, die gesamte königliche Familie zu vergiften.[183] Annes Bruder George, der offenbar nach London gereist war, um mit Heinrich zu sprechen, wurde ebenfalls festgenommen.[184] Weiters wurden Annes angebliche Liebhaber verhaftet. Hierzu gehörten Henry Norris, dazu wurden am 4. Mai die Kammerherren Sir Francis Weston und William Brereton festgenommen.[185]
Auch in den ersten Tagen nach ihrer Verhaftung zeigte Anne unter dem Druck der Ereignisse Anzeichen eines Nervenzusammenbruchs. Sie redete über Stunden hinweg mit Kingston und den vier Damen, die ihr zugeteilt waren (und die sie verabscheuten und die sie ebenso verachtete). Mit ihren Aussagen lieferte sie Cromwell wiederum weiteres Indizienmaterial. Teils redete sie wirr, dann wieder zeigte sie sich zum Teil zuversichtlich, teils verfiel sie in unkontrolliertes Lachen.[186] Ein angeblicher Brief Annes an Heinrich aus der Haft gilt in der Forschung als gekonnte Fälschung.[187]
Prozess
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Henry Norris, Sir Francis Weston, William Brereton und Mark Smeaton wurden am 12. Mai 1536 in Westminster Hall zum Tode verurteilt. Mit Ausnahme von Smeaton wiesen alle Männer die Vorwürfe zurück. Ives vermutet, dass Smeaton versuchte, einem grässlichen Tod zu entgehen. In Ketten vor das Gericht geführt, hatte er als Nichtadliger als einziger unter den Angeklagten keinen Anspruch auf eine schnelle Hinrichtung durch Enthauptung. Seine einzige Rettung vor dem Tod durch Hängen, Ausweiden und Vierteilen war ein Geständnis. Im Falle einer Verurteilung konnte er durch ein Geständnis bewirken, dass er einen weniger grausamen Tod erleiden musste.[188] Der kaiserliche Gesandte, Chapuys, berichtete an Karl V. danach, dass es sich nach seinem Eindruck um ein Fehlurteil handle, ausgesprochen aufgrund reiner Vermutungen und trotz dünner Beweislage.[189]
Anne und ihr Bruder George Boleyn wurden am 15. Mai nacheinander vor das Tribunal, unter dem Vorsitz ihres Onkels, des Duke of Norfolk, gebracht, um sich der Anklage des Inzests zu stellen. Weder Annes Onkel Thomas Howard, 3. Duke of Norfolk, der den Vorsitz führte, noch ihr Vater Thomas Boleyn versuchten, den beiden zu helfen. Die Anschuldigungen gegen die Geschwister Boleyn wurden bereits von Zeitgenossen in Zweifel gezogen. Eine unbekannte Person hatte zu Protokoll gegeben, dass es zwischen den Geschwistern zu „ungehörigen Vertraulichkeiten“ gekommen sei. Verschiedentlich wird Lady Rochford, die Frau von George, als diese Person identifiziert, dies ist jedoch umstritten.[190]

Der Satz „[…] wenn dem König etwas zustieße, würdet ihr mich haben wollen“, den Anne unbedacht zu Henry Norris sagte, wurde ihr im Prozess als Mordplan gegen den König ausgelegt. Der gesamte Prozess gegen Anne beruhte auf Erzählungen und Aussagen von Zeugen, die entweder vorbereitet wurden oder der Königin gegenüber schon lange feindlich gesinnt waren. So sagte ihre Schwägerin Jane Boleyn, Viscountess Rochford aus, Anne habe ihr einmal gesagt, „[…] dass der König unfähig sei, mit seiner Gattin zu schlafen, und weder Geschick noch Manneskraft besäße.“ (nach Helga Thoma)[191] Als besonders schädlich erwiesen sich die Aussagen von Annes Hofdame Elizabeth Somerset, Gräfin von Worcester, die ebenfalls gegen Anne aussagte.[192] Inhaltlich scheinen ihre Aussagen auf einen Streit mit ihrem Bruder zurückzugehen, der sie wegen ihrer aktiven Teilnahme am lockeren Lebenswandel in Annes privy chamber kritisierte, woraufhin sie schnippisch erwiderte, sie sei weniger „ein Flirt“ als die Königin. Weitere Aussagen kamen von Annes Hofdame Anne Cobham und von einer anonym gebliebenen Hofdame Annes, bei der es sich in aller Wahrscheinlichkeit um Margery Horsman handelte.[193]
Beim Prozess war Anne eindeutig wieder Herrin über sich selbst und trat gefasst auf. Mit ihren sparsamen und gefassten Antworten dominierte sie das Gericht. Anne war sich der Schwierigkeit bewusst, ihre Unschuld zu beweisen. Gegenüber Kingston hatte sie die Schwierigkeit erwähnt, eine negative Tatsache zu beweisen: „Ich kann nicht mehr als Nein sagen.“ und: „Wenn mich irgend jemand beschuldigt, kann ich nur “Nein” sagen, und sie können keinen Zeugen erbringen.“ Charles Wriothesley, langjähriger Heraldiker am College of Arms in London und eigentlich Sympathisant von Katharina und Maria, gab die vorherrschende Meinung wieder: „Sie gab so kluge und umsichtige Antworten auf alle Vorwürfe, die gegen sie vorgelegt wurden, verteidigte sich mit ihren Worten so klar, als ob sie nie fehlerbehaftet gewesen wäre.“[194] Die Peers gaben einer nach dem anderen ihre Schuldsprüche ab und verurteilten Anne einstimmig zum Tod.[195] Auch Annes einstiger Verlobter, Henry Percy, nun der 6. Earl of Northumberland, saß in der Jury. Als das Urteil verkündet wurde, brach er zusammen und musste aus dem Gerichtssaal getragen werden.[196] Anne selbst äußerte daraufhin, dass sie bereit sei zu sterben, aber voller Bedauern für die unschuldigen und loyalen Männer, die mit ihr sterben müssten.[196]
G. W. Bernard hält die Vorwürfe, dass Anne untreu gewesen sei, für möglich. Die jahrelangen Vorwürfe und Predigten gegen „die Hure Anne“ könnten durchaus einen wahren Kern beinhaltet haben.[197] Anne als eine flirtlustige Frau sei eventuell nur den Beispielen manchen ihrer Hofdamen gefolgt, nachdem sie von Heinrich durch seine wiederholten Flirts mit anderen Frauen enttäuscht gewesen sei.[198] Ives widerspricht anhand einiger Details. Zuerst wurden die Nebenprozesse auf Basis der Äußerungen geführt, die Anne bei ihrer Festnahme gemacht hatte, bevor sich Anne selbst verteidigen und die konstruierten Anschuldigungen angehen konnte.[199] Die Aussagen der Hofdamen scheinen auf Klatsch und indirekten Anschuldigungen zu basieren. Cromwell habe aus diesen Aussagen die Anschuldigungen konstruiert. Dass er später gegenüber Dritten wie Stephen Gardiner äußerte, die Aussagen seien zensiert worden, weil der volle Inhalt viel zu grauenhaft sei, sei ebenso vielsagend.[200] Selbst nach fast 500 Jahren noch können drei Viertel der konkret vorgebrachten Vorwürfe eindeutig widerlegt werden, da entweder Anne oder ihre angeblichen Liebhaber zum Zeitpunkt der angeblichen Stelldichein an einem ganz anderen Ort waren als die Anklage behauptete.[201] Bereits Annes erster Biograph, George Wyatt, wies darauf hin, dass es Anne fast unmöglich gewesen sei, Ehebruch zu begehen, da sie ständig von Hofdamen umgeben gewesen sei, die ihr oft genug feindlich gesinnt waren bzw. teils sogar nach ihrem Platz trachteten.[202] Überhaupt seien die Anklagen auch nach damaligen Verständnis juristisch mangelhaft gewesen, wie bereits ein Rechtsbeistand im Jahr 1579 nachwies, als es um das Erbe von Henry Norris ging.[203]
Hinrichtung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 17. Mai 1536 wurden die fünf verurteilten Männer auf dem Tower Hill hingerichtet. Erneut weigerten sich alle mit Ausnahme von Smeaton, ihre Schuld einzugestehen. Annes Hinrichtung wurde zweimal um insgesamt zwei Tage verschoben, bis Thomas Cranmer ihre Ehe mit Heinrich für ungültig und die Tochter Elisabeth zum Bastard erklärt hatte. Anne wurde über die Verschiebung lange nicht akkurat informiert, es ist unklar, ob aus Boshaftigkeit oder Inkompetenz. Als sie die Nachricht erhielt, zeigte sich Anne unsicher, ob die Terminänderung ihre Entschlossenheit auf dem Schafott schwächen würde, worauf Kingston ihr Mut zusprach und versicherte, dass der Tod schnell eintreten würde. Anne antwortete: „Ich höre, der Henker sei sehr gut und ich habe einen kleinen Hals“ woraufhin sie sich mit beiden Händen an die Kehle griff und in schallendes Gelächter ausbrach.[204]
Heinrich ließ zur Hinrichtung Annes am 19. Mai 1536 den Henker Jean Rombaud aus dem französischen Saint-Omer kommen, der für seine Fähigkeiten bei der Enthauptung mit dem Schwert bekannt war.[205][206] Eine Gruppe von Beamten hatte sich im Tower versammelt, um der Hinrichtung beizuwohnen. Darunter waren Thomas Cromwell, der Duke of Suffolk und Henry Fitzroy.
| Originaltext[207] | Übersetzung |
|---|---|
Good Christian people, I am come hither to die, |
Gute christliche Leute, ich bin hierher gekommen, um zu sterben, |
Anne gestand ihre Schuld nicht, vermied es aber auch, den König anzugreifen. Anne Boleyn wurde kniend, mit verbundenen Augen und erhobenem Kopf hingerichtet. Bereits elf Tage nach Annes Tod, am 30. Mai 1536, heiratete Heinrich seine dritte Frau, Jane Seymour.
Nahe der Hinrichtungsstätte Tower Green im Tower of London befindet sich seit 1866 eine Gedenktafel. Annes Leichnam wurde ohne Erinnerungstafel unter dem Kirchenschiff der Kapelle des Towers St. Peter ad Vincula begraben. Im Zuge von Renovierungsarbeiten wurden 1876 die sterblichen Überreste der dort liegenden Personen identifiziert und ihr Leichnam in die Gruft der Kapelle überführt.[208] Die Historikerin Alison Weir hält es allerdings für möglich, dass es sich um die Überreste von Catherine Howard handelt.[209]

Verhältnis zu Tochter Elisabeth
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Anne musste kurz nach der Geburt feststellen, dass es ihr nicht erlaubt war, Elisabeth I. selbst zu erziehen. Solange kein männlicher Sohn geboren war, war Elisabeth die Erbin des Throns und sie wurde, wie es damals der Sitte entsprach, mit einem eigenen kleinen Haushalt versorgt und von den Eltern getrennt erzogen. Das letzte Wort bei allen Entscheidungen Elisabeth betreffend hatten Heinrich und sein Rat.[210] Anne besuchte Elisabeth sowohl mit Heinrich als auch allein regelmäßig und hielt konstanten Kontakt zu Margaret, Lady Bryan, die für Elisabeth verantwortlich war.[211] Von Elisabeth heißt es, sie habe in ihrem späteren Leben praktisch nie von ihrer Mutter gesprochen. Erinnerungen an ihre Mutter wird sie allerdings auch kaum gehabt haben, da sie bei Anne Boleyns Tod erst zwei Jahre und acht Monate alt war und zudem seit ihrem dritten Lebensmonat in eigener Hofhaltung lebte. Obwohl Elisabeth sich in der Öffentlichkeit stets mit ihrem Vater identifizierte und oft betonte, die Tochter Heinrichs VIII. zu sein, scheint sie privat auch das Andenken an ihre Mutter wachgehalten zu haben.[212] Auch nahm sie den Kaplan ihrer Mutter, Bischof Matthew Parker, in ihre Dienste. Darüber hinaus protegierte Elisabeth die Verwandten ihrer Mutter und übernahm Anne Boleyns Badge (eine heraldisch anmutende Bilddevise, aber nicht zu verwechseln mit einem Wappen). Die einzige Veränderung am Badge ihrer Mutter war, dass bei Elisabeth Blumen aus dem Baumstumpf sprossen.
Rezeption
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Tilgung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bereits vor der Hinrichtung Annes gab Heinrich Anweisungen, jeden Hinweis auf Anne Boleyns Leben aus den Aufzeichnungen über seine Herrschaft auszulöschen.[213] Briefe Annes an ihn vernichtete Heinrich mutmaßlich selbst. Aufbewahrte Akten zu ihrem Gerichtsprozess wurden als Baga de Secretis gekennzeichnet, in der Tudor-Ära das offizielle Streng geheim-Siegel.[214] In Hampton Court und den anderen royalen Residenzen wurden Steinmetze beauftragt, Initialen, Embleme, Mottos und viele der geschnitzten verschlungenen H&A zu entfernen. Inschriften über „Queen Anne“ wurden in „Queen Jane“ umgeändert.[215] Da Heinrich vormals ebenso aggressiv Hinweise und Vermerke auf Anne in jedem Winkel seiner Herrschaft anbringen ließ, entgingen einige Zeugnisse allerdings den hastig durchgeführten Tilgungsaktionen.[216] In den restlichen Jahren von Heinrichs Herrschaft war Anne eine Unperson, über die nicht gesprochen oder geschrieben wurde. Eric Ives sah die Aufarbeitung von Anne Boleyns Leben deshalb als frustrierenden Fall für jeden Historiker, da sie kaum eigene Zeugnisse hinterlassen habe und sich ihr Einfluss schwer ermessen lasse. Da Anne zudem eine provokative Person gewesen sei, seien im Ergebnis auch die verbliebenen Zeugnisse von Zeitgenossen entweder bewundernd oder äußerst feindselig.[217]

Bildliche Darstellung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Es gilt als äußerst wahrscheinlich, dass Anne für Hans Holbein den Jüngeren Porträt saß, die Bilder überlebten jedoch nicht die von Heinrich angeordneten Zerstörungsaktionen.[218] Eine Zeichnung Holbeins des Jüngeren, die die Inschrift ANNA BULLEN REGINA trägt, gilt als umstritten. Ives bezweifelt, dass es sich bei der proträtierten Person wirklich um Anne handle und sieht eine ihrer Hofdamen als Porträtierte.
Stimmen der Zeitgenossen: Legende und Mythos
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In den unmittelbaren Urteilen der Zeitgenossen sind selbst simple Fakten umstritten.[219] Zunächst zeigte sich eine scharfe Trennlinie zwischen katholischen und protestantischen Stimmen. Der Neffe von Sir Thomas Morus, William Rastell, setzte in seiner verlorengegangenen Biographie seines Onkels das Gerücht in die Welt, dass Anne Boleyn die Tochter von Heinrich VIII. gewesen sei.[220]
John Foxe – ein konservativer Protestant – verteidigte nach 1558 Annes Moral und ihre religiöse Hingabe und machte sie zur Schutzheiligen des englischen Protestantismus. Er behauptete, dass Gott ihre Unschuld und Tugend bewiesen habe, da später Elisabeth I. den englischen Thron erbte.[221] Bischof John Aylmer (1559) und John Bridges (1573) verteidigten ebenfalls Annes Andenken und erhoben sie zur Märtyrerin.[222]
Das 1585 in Köln veröffentlichte prokatholische Werk De origine ac progressu schismatis Anglicani des aus England geflüchteten Jesuitenpriesters Nicholas Sanders bringt dagegen verschiedene Anschuldigungen gegen Anne Boleyn vor. So behauptete er, Anne sei eine illegitime Tochter Heinrichs VII. gewesen. Bei der Beschreibung ihres Äußeren gibt er zudem an, sie habe an der rechten Hand sechs Finger (Polydaktylie) gehabt.[223] Als erster veröffentlichte der Enkel von Thomas Wyatt, George, eine Biographie. Inhaltlich als Replik auf das Werk von Nicholas Sanders zu verstehen, verteidigte Wyatt Anne Boleyn in Life of Queen Anne Boleigne gegen die Anschuldigungen Sanders.[224]
Forschung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im 18. und im frühen 19. Jahrhundert dominierte ein romantisches Bild Anne Boleyns. Elizabeth Benger (1821) und Selina Bunbury (1844) porträtierten sie jeweils als eine ungemein willensstarke und schöne Frau, die am Ende das Opfer eines brutalen Tyrannen wurde.[225]

In neuerer Zeit teilte sich unter den protestantischen Historikern und Autoren dann die Meinung über Anne Boleyn. Im späten viktorianischen Zeitalter dominierte das Bild, wie es James Anthony Froude zeichnete: Während er Heinrich VIII. als großen König porträtierte, war demgegenüber Anne Boleyn für ihn eine Randfigur, deren Charakter er entsprechend der herrschenden viktorianischen Moralvorstellungen und Vorurteile in Zweifel zog. Aufgrund ihrer in seiner Sicht moralisch zweifelhaften Ausbildung am „vergifteten“ französischen Hof sei es unmöglich, ein verlässliches Urteil über ihren Charakter zu fällen. Damit seien auch Zweifel angebracht, ob die Vorwürfe, dass sie bereits mit Henry Percy 1522 eine gültige Ehe geschlossen hätte, nicht wahr seien.[226]
1884 bzw. 1886 erschien Paul Friedmanns zweibändiges Werk Anne Boleyn: A Chapter of English History, 1527–1536. Friedmans Studie bildete in seinen Anlagen die Grundlage für viele spätere Biografien von Anne Boleyn. Er interpretierte ihren Fall als Konsequenz aus Heinrichs nachlassendem Interesse an ihr; da er selbst jedoch nie die Courage besessen hätte, selbst aktiv zu werden, wäre es an seinem zuverlässigen Handlanger Thomas Cromwell gewesen, den Fall von Anne und der Boleyn–Fraktion am Hof zu besorgen.[227]
A. F. Pollard, dominierender Tudor-Historiker im Großbritannien der Zwischenkriegsjahre, prägte in seinen Publikationen wiederum das Bild Heinrichs als großem Reformer, der England aus dem Mittelalter in die moderne Welt führte. Umgekehrt zeichnete er Anne Boleyn als eine in Schönheit, Intellekt und Tugend wenig hervorragende Frau. Annes Platz in der englischen Geschichte sei allein dem Umstand geschuldet, dass sie den weniger kultivierten Teil von Heinrichs Natur ansprach.[228]
Beginnend in den 1980er Jahren veröffentlichte die Historikerin Retha Warnicke eine Serie von Artikeln über Anne Boleyn, die sie in ihrem 1989 erschienenen Buch The Rise and Fall of Anne Boleyn: Family Politics at the Court of Henry VIII bündelte. Warnicke stellte eine Reihe von Thesen auf: So legte sie Annes Geburtsdatum auf den Sommer 1507. Den kursierenden Thesen über angebliche Deformitäten Annes widersprach sie, da sich dazu keinerlei Hinweis unter ihren Zeitgenossen finden lasse. Dabei sei es absolut unlogisch anzunehmen, dass die Gegner Annes – wie etwa der venezianische Botschafter oder der kaiserliche Gesandte – diese nicht dankbar aufgegriffen hätten, um sie propagandistisch gegen Anne zu verwerten. Diese Hinweise seien erst nach Anne Boleyns Fall in Umlauf gebracht worden, um sie in negativem Licht zu porträtieren. Die Ereignisse, die 1536 zur Hinrichtung von Anne Boleyn führten, wurden von Historikern traditionell häufig im Sinne einer Fraktionsverschwörung erklärt, die von Heinrichs Minister Thomas Cromwell ausgeheckt wurde. Retha Warnickes Neuinterpretation konzentrierte sich hingegen auf die sexuellen Intrigen und Familienpolitik am Tudor–Hof. Warnicke sah Anne Boleyns Fall nicht als Ergebnis einer (eventuell von Thomas Cromwell betriebenen) Verschwörung, sondern vielmehr von Heinrichs Besorgnis um die Fortführung der Tudor-Dynastie. Warnicke legte das Augenmerk auf eine Fehlgeburt von Januar 1536, in der Anne einen deformierten Fötus zur Welt gebracht hätte. Dies, verbunden mit dem am Hofe herrschenden Aberglauben, habe Heinrich an ein böses Omen für seine Dynastie und Königreich glauben lassen. Weiter habe es dazu geführt, dass er Gerüchte begünstigte, die Anne als Hexe schilderten, die Heinrich verhext und mit fünf anderen Männern sexuell verkehrt habe.[229]
Warnickes Thesen fanden keinen Anklang. David Starkey, Eric Ives, G. W. Bernard und Alison Weir widersprachen Warnickes Thesen.
Der britische Historiker Eric Ives veröffentlichte 1988 mit Anne Boleyn (2004 in überarbeiteter und erweiterter Fassung als The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy neu veröffentlicht) seine Biographie Anne Boleyns. Ives formulierte zu diversen Streitfragen den neuen akzeptierten Kanon in der Forschung. So legte er Annes Geburtsdatum auf 1501. Weiter interpretierte er Anne Boleyns Herkunft als den einer Frau, die dem Hochadel entstammte und widersprach damit lange formulierten Annahmen, die Annes Familie von niederadliger Herkunft zu porträtieren suchten. Ives sieht Anne als intellektuelle Frau, die sowohl in Theologie bewandert als auch die erste Königin war, die die Kunst der Renaissance in England befördert habe. Ihre religiösen Überzeugungen hätten den Grundstein für das protestantische England gelegt. Als effektive Politikerin habe sie den Sturz von Wolsey herbeigeführt. Um dem gleichen Schicksal zu entgehen, habe Thomas Cromwell ihren Fall mittels einer Hofintrige herbeigeführt. In seinem Fazit sieht Ives Anne als die einflussreichste Queen Consort, die das Land je gehabt habe. Durch schiere Persönlichkeit und Initiative sei es ihr gelungen, durch „die gläserne Decke“ zu stoßen, die Frauen in einer männlich dominierten Welt am Aufstieg hinderte. Damit sei auch ihr Status als eine feministische Ikone wohlverdient.[230]
Mit seinen Ergebnissen stellte er Warnickes Thesen in Frage. Warnicke widersprach Ives, so vor allem im Sommer 1993 in ihren im The English Historical Review veröffentlichten Debattenbeitrag The Fall of Anne Boleyn Revisited. Warnicke sah Ives' These zu Annes Sturz als das Resultat aus Ives' überproportionaler Nutzung spanischer Quellen, vor allem des Botschafters Chapuys. Dessen deutlich vorurteilsbeladene, oft widersprüchliche Berichte versah sie mit dem gleichen Fragezeichen wie etwa die Anekdoten von Foxe.[231] Warnicke warf Ives auch vor, ein antiquiertes Bild von der höfische Minne zu haben.[232] Weiter urteilte sie, dass Ives' Theorie über Annes Geburtsdatum lächerlich sei. In der Folge entwickelte sich ein jahrelanger Historikerstreit. Während Warnickes Thesen keinen Anklang fanden, gelten inzwischen die Thesen von Ives in weiten Teilen als der akzeptierte Konsens in der Forschung.
Der britische Historiker G. W. Bernard wiederum unterstützte Ives' Forschung im Hinblick auf mehrere Punkte, so etwa Annes Geburtsdatum. Andererseits sah er Ives' Forschung in Hinblick auf die politischen Ereignisse während Annes Zeit am Hof skeptisch und folgte eher den früheren Deutungen, die Heinrich als den maßgeblichen Treiber der Ereignisse sahen. Zudem sah er Anne Boleyns Fall in seiner Schilderung (Anne Boleyn: Fatal Attractions) als Resultat ihrer sexuellen Untreue. Bernard stützte sich dabei vor allem auf ein Poem von Lancelot de Carles.[233]
Susan Bordo spielte 2013 in The Creation of Anne Boleyn, eine Darstellung der kulturellen Interpretation Anne Boleyns, ironisch auf die völlig unterschiedlichen Interpretationen der historischen Figur Anne Boleyn an: Sie sei von unterschiedlichen Generationen in völlig unterschiedlichen Erscheinungen interpretiert worden, da sich wahlweise auf Anne Boleyn alles hineinprojizieren ließe. Je nach Quelle sei sie wahlweise deformiert oder eine Venus, sei freigeistige Intellektuelle oder hilfloses Opfer eines Tyrannen, protestantische Märtyrerin oder Erotomanin und kaltblütige Mörderin. So tauge sie in den vielen Gestalten, die sie im Laufe der Jahrhunderte angenommen hat, damit ebenso als ein rebellischer Freigeist als Vorbild für die Generation der Swinging Sixties wie für moderne Frauen als feministische Ikone. Heinrich mag versucht haben, seine zweite Frau aus der Geschichte zu streichen, aber Anne Boleyn habe sich als zu stark erwiesen.[234]
Im Jahr 2025 veröffentlichten John Guy und Julia Fox ihr Buch Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. Sie legten ihren Fokus vor allem auf Annes junge Jahre an den Höfen in Frankreich und der habsburgischen Niederlande. Guy und Fox sahen Anne als Ausnahmeerscheinung. Trotzdem sie nur relativ kurz (für 1083 Tage) Königsgemahlin war, habe ihr Wirken spürbare Folgen gehabt. Als einzige Frau Heinrichs habe sie eine eigenständige Paralleldiplomatie gepflegt, habe Einfluss auf seine Herrschaft gehabt und sei eine Zeitlang von Heinrich wie eine Art Mitherrscherin behandelt worden.[235]
Moderne Rezeption
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Theater und Oper
Bereits um 1612/13 entstand das Schauspiel Heinrich VIII. von William Shakespeare, mutmaßlich in Zusammenarbeit mit John Fletcher. Auszugsweise handelt es vom Leben Heinrichs und beinhaltet Anne Boleyn als eine Hauptrolle. Von der Kritik eher gering geschätzt, war das Stück auf englischen Bühnen dennoch bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert sehr beliebt, hat heute jedoch seine Popularität weitgehend verloren und wird selbst in England nur noch selten aufgeführt.
Gaetano Donizetti komponierte eine am 26. Dezember 1830 im Teatro Carcano in Mailand uraufgeführte Belcanto-Oper unter dem Titel Anna Bolena, die auf Anne Boleyns Biographie fußt. Sie wird zusammen mit Maria Stuarda (1834) und Roberto Devereux (1837) zu Donizettis so genannter Tudor-Trilogie gerechnet. Das zweiaktige Libretto von Felice Romani fokussiert auf den letzten Lebensabschnitt Anne Boleyns. Auf Schloss Windsor warnt sie ihre Rivalin Giovanna Seymour davor, den Verlockungen von Glanz und Macht zu erliegen. Gleichzeitig gesteht sie ihrem früheren Liebhaber Lord Riccardo Percy, dass sie die Verbindung zu ihm nur aus Ruhmsucht aufgegeben hat. Als König Enrico VIII. ein Medaillon Annas im Besitz ihres Pagen Smeton findet, deutet er dies als Beweis ihrer Untreue. Smeton bestätigt in einer Falschaussage, der Geliebte Annas gewesen zu sein. Kurz vor ihrer Hinrichtung im Tower zu London – die Glocken anlässlich der Vermählung Enricos mit Giovanna sind schon zu hören – wird Anna wahnsinnig. Der Titelpart wurde seitdem unter anderen von Elena Souliotis, Maria Callas, Joan Sutherland, Beverly Sills, Edita Gruberová, Elena Moșuc und Anna Netrebko interpretiert.
Eine weitere Oper über Anne Boleyn und Heinrich VIII. komponierte Camille Saint-Saëns. Sein 1883 uraufgeführter Henry VIII handelt in künstlerischer Freiheit von der Beziehung Beider und dem Kirchenschisma.
1884 erschien das „Historische Trauerspiel“ Anna Boleyn von Carmen Sylva und Mite Kremnitz. Im Jahr 1947 publizierte Maxwell Anderson das Theaterstück Anne of the Thousand Days.
Film und Fernsehen
Maxwell Anderson Stück wurde 1969 unter dem Titel Königin für tausend Tage von Charles Jarrott verfilmt. Die franko-kanadische Schauspielerin Geneviève Bujold agierte als Titelfigur, während der renommierte britische Theater- und Filmschauspieler Richard Burton König Heinrich mimte. Susan Bodo sah Bujold optisch ungeachtet der künstlerischen Freiheiten im Drehbuch als realistisch an, wo andere Schauspielerinnen der vorhandenen Beschreibung Annes eher nicht entsprechen.[236] Der Film wurde im Jahre 1970 mit vier Golden Globe Awards prämiert und für zehn Oscars nominiert. Dorothy Tutin legte den Fokus bei ihrer Darstellung Annes in der Dramaserie The Six Wives of Henry VIII auf Ernsthaftigkeit und Gravitas und erhielt für ihre Rolle eine BAFTA-TV-Preis-Nominierung.[237] Aus der Serie wurde 1972 eine Filmversion mit dem Titel Henry VIII and His Six Wives komprimiert, in der Charlotte Rampling die Rolle der Anne übernahm.
In der Serie Die Tudors wurde Anne Boleyn von der Britin Natalie Dormer verkörpert; exquisit und sinnlich sei sie vielleicht die atemberaubendste Anne und gebe eine brillante schauspielerische Darstellung, obwohl sie Anne optisch wohl nicht wirklich ähnlich sei, urteilte Susan Bordo.[238]
Musik
Franz Königshofer ließ sich von ihr 1955 zu einem Werk für Blasorchester, Anna Boleyn Symphonische Musik, inspirieren.
Der britische Rockmusiker Rick Wakeman zeichnet in seinem 1973 erschienenen Album The Six Wives of Henry VIII, im fünften Stück mit dem Titel Anne Boleyn/The Day Thou Gavest Lord Hath Ended, ein musikalisches Bild der Ehefrauen des Königs.
Die deutsche Folk-Rock-Band Ougenweide hat mit dem Song O Death Texte von Anne Boleyn aus der Inhaftierung vor ihrer Hinrichtung zitiert. Veröffentlicht wurde der Song 1996 auf dem Album „Sol“. Diese Texte wurden ebenso verwendet von Camerata Sforzesca auf dem Album „Live“ (2002), Lucy Ward auf dem Album Adelphi Has To Fly (2011) und Rosemary Standley & Helstroffer’s Band auf dem Album Love I Obey (2015)[239]
Die britische Pop-Band McFly verarbeitete 2006 die Thematik „Anne Boleyn“ humoristisch in ihrem Song Transylvania aus dem Album Motion in the Ocean.
Anne Boleyn ist eine der Hauptfiguren des Musical Six, in dem die sechs Ehefrauen von Heinrich VIII. in einem Ausscheidungssingen für eine Girlgroup gegeneinander antreten.
Erzählende Literatur
Mit Die Schwester der Königin schrieb Philippa Gregory 2002 einen Bestseller über die Boleyn–Schwestern. Der Roman wurde zuerst 2003 mit Natascha McElhone und erneut 2008 als Die Schwester der Königin mit Natalie Portman als Anne Boleyn verfilmt.[240]
In Hilary Mantels Romanen Wolf Hall (deutscher Titel: Wölfe, 2010) und Bring up the Bodies (deutscher Titel: Falken, 2012) wird die Zeit vor der Eheschließung von Henry VIII. und Anne Boleyn bis zur Hinrichtung Annes aus der Perspektive des Kanzlers Thomas Cromwell erzählt. Die beiden Romane wurden von der BBC als sechsteilige Serie unter dem Titel Wölfe verfilmt und 2015 gesendet. Anne Boleyn wurde von Claire Foy gespielt.
Film
- 1905: Les Derniers moments d’Anne de Boleyn
- 1911: Henry VIII.
- 1913: Anne de Boleyn
- 1920: Anna Boleyn (Regie: Ernst Lubitsch)
- 1933: Das Privatleben Heinrichs VIII. (The Private Life of Henry VIII) (Merle Oberon verkörperte Anne Boleyn)
- 1966: Ein Mann zu jeder Jahreszeit (A Man for All Seasons) (Vanessa Redgrave verkörperte Anne Boleyn)
- 1969: Königin für tausend Tage (Anne of the Thousand Days)
- 1972: Henry VIII. and His Six Wives (Charlotte Rampling verkörperte Anne Boleyn)
- 2003: Henry VIII (Helena Bonham Carter verkörperte Anne Boleyn)
- 2008: Die Schwester der Königin (The Other Boleyn Girl)
Fernsehen
- 2007–2010: Die Tudors – Diese Serie umfasst vier Staffeln (Staffel 1, 2 und 4 à zehn Folgen, Staffel 3 à 8 Folgen). Natalie Dormer verkörpert Anne Boleyn.
- 2015: Wölfe (Original: Wolf Hall). Claire Foy verkörpert Anne Boleyn.
- 2021: Anne Boleyn. Jodie Turner-Smith verkörpert Anne Boleyn.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Biographien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Lacey Baldwin-Smith: Anne Boleyn: The Queen of Controversy. Amberley, Chalford 2013, ISBN 978-1-4456-1023-8.
- Elizabeth Benger: Memoirs of the Life of Anne Boleyn, Queen of Henry VIII. Potter, 1885.
- G. W. Bernard: Anne Boleyn: Fatal Attractions. Yale University Press, New Haven 2010, ISBN 978-0-300-16245-5.
- John Guy & Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2025, ISBN 978-3-406-82201-8.
- Antonia Fraser: Die sechs Frauen Heinrichs VIII. Claassen, Berlin 1995, ISBN 3-546-00081-1.
- Eric Ives: Anne Boleyn. Blackwell, Oxford 1988, ISBN 0-631-16065-5; überarbeitet 2004 und neu herausgegeben als
- The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell, Malden 2005, ISBN 1-4051-3463-1.
- Philip W. Sergeant: The Life of Anne Boleyn. Kessinger, 2005, ISBN 1-4179-2581-7.
- David Starkey: Six Wives. The Queens of Henry VIII. HarperCollins, New York 2004, ISBN 0-06-000550-5.
- Retha M. Warnicke: The Rise and Fall of Anne Boleyn. Cambridge University Press, Cambridge 1989, ISBN 0-521-40677-3.
- Alison Weir: The Six Wives of Henry VIII. Pimlico, London 1991, ISBN 0-7126-7384-9.
- Alison Weir: The Lady In The Tower: The Fall of Anne Boleyn. Vintage, London 2010, ISBN 978-0-7126-4017-6.
Darstellungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Susan Bordo: The Creation of Anne Boleyn: A New Look at England’s Most Notorious Queen. Houghton Mifflin, Boston 2013, ISBN 978-0-547-32818-8.
- William Hepworth Dixon: History of Two Queens. Catharine of Aragon. Anne Boleyn: Volume 3. Adamant, 2001, ISBN 0-543-95581-8.
- Marita A. Panzer: Englands Königinnen. Piper, München 2003, ISBN 3-492-23682-0.
- Helga Thoma: Ungeliebte Königin. Ehetragödien an Europas Fürstenhöfen. Ueberreuter, Wien 2000, ISBN 3-8000-3783-1.
Studien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- G. W. Bernard: The Fall of Anne Boleyn. In: The English Historical Review. Vol. 106, Issue 420 Juli 1991, S. 584–610.
- G. W. Bernard: The Fall of Anne Boleyn: A Rejoinder. In: The English Historical Review. Vol. 107, Issue 424, Juli 1992, S. 665–674.
- Eric Ives: The Fall of Anne Boleyn Reconsidered. In: The English Historical Review. Vol. 107, Issue 424, Juli 1992, S. 651–664.
- Roland Hui: Anne of the Wicked Ways: Perceptions of Anne Boleyn as a Witch in History and in Popular Culture. In: Parergon. Vol. 35 Issue 1, 2018, Januar 2018, S. 97–118.
- Greg Walker: Rethinking the Fall of Anne Boleyn. In: Historical Journal. Vol. 45 Issue 1, März 2002, S. 1–29.
- Retha Warnicke: The Fall of Anne Boleyn Revisited. In: The English Historical Review. Vol. 108, Issue 428, Juli 1993, S. 653–665.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Anne Boleyn im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Anne Boleyn. Tudor History
- Anne Boleyn. Tudor Place
- Anne Boleyn. English History
Anmerkungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Der Name Boleyn wird in mittelalterlichen englischen Dokumenten auch „Bullen“ geschrieben. Dieser Schreibung entspricht auch die Lautung des Namens. Ein Vorfahr der Boleyn-Familie war Geoffrey Bullen, der 1457 Lord Mayor von London und geadelt wurde. Er kaufte Blickling Hall in Norfolk und Hever Castle in Kent, die durch Erbfolge an Annes Vater Thomas Boleyn fielen. Anne selbst nannte sich immer Boleyn, wahrscheinlich, weil diese Schreibweise in der Familie schon seit längerem gebräuchlich war und der französischen Lautung des Familiennamens am nächsten kam. Sie nannte sich Anne Rochford, während ihr Vater und ihr Bruder jeweils Viscount Rochford waren.
- ↑ Retha M. Warnicke: The Rise and Fall of Anne Boleyn. Cambridge University Press, Cambridge 1989, S. 8.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 48.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 3 f.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 10 f.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 3.
- ↑ In England erbte gemäß der Primogenitur nur der älteste erstgeborene Sohn den Adelstitel und den Großteil des Familienvermögens. Dies sollte die Zersplitterung des Grundbesitzes verhindern.
- ↑ G. W. Bernard: Anne Boleyn: Fatal Attractions. Yale University Press, New Haven 2010, S. 4.
Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 3. - ↑ Retha M. Warnicke: The Rise and Fall of Anne Boleyn. Cambridge University Press, Cambridge 1989, S. 9.
- ↑ Antonia Fraser: The Wives of Henry VIII. Knopf, New York 1992, S. 119.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 16.
- ↑ Alison Weir: The Six Wives of Henry VIII. Pimlico, London 1991, S. IX.
- ↑ David Starkey: Six Wives: The Queens of Henry VIII. HarperCollins, New York 2003, S. 260 f.
- ↑ G. W. Bernard: Anne Boleyn: Fatal Attractions. Yale University Press, New Haven 2010, S. 4.
- ↑ Retha M. Warnicke: The Rise and Fall of Anne Boleyn. Cambridge University Press, Cambridge 1989, S. 9 ff.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 53 f.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 14 ff.
John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 477. - ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 4.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 55 f.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 56.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 56 f.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 57.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 57 f.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 60.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 19.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 61.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 20 f.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 22.
- ↑ Antonia Fraser: The Wives of Henry VIII. Knopf, New York 1992, S. 115.
- ↑ Other Tudor Facts ( vom 9. Juni 2002 im Internet Archive)
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 20.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 26 f.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 102 ff.
Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 31 f. - ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 29.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 86 f.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 34.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 115.
- ↑ Der verstorbene Thomas Butler war der Großvater mütterlicherseits von Thomas Boleyn.
- ↑ G. W. Bernard: Anne Boleyn: Fatal Attractions. Yale University Press, New Haven 2010, S. 11 f.
- ↑ G. W. Bernard: Anne Boleyn: Fatal Attractions. Yale University Press, New Haven 2010, S. 19.
- ↑ Anne Boleyn Facts & Biography Of – Information Artikel auf der Webseite englishhistory.net Abgerufen am 19. Mai 2021.
- ↑ G. W. Bernard: Anne Boleyn: Fatal Attractions. Yale University Press, New Haven 2010, S. 12 f.
- ↑ The relationship between Henry Percy & Anne Boleyn 1523 Artikel auf der Webseite englishhistory.net. Abgerufen am 19. Mai 2021.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 64.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 129.
- ↑ G. W. Bernard: Anne Boleyn: Fatal Attractions. Yale University Press, New Haven 2010, S. 13.
- ↑ G. W. Bernard: Anne Boleyn: Fatal Attractions. Yale University Press, New Haven 2010, S. 13 f.
John Guy & Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 129. - ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 67 ff.
- ↑ Sir Thomas Wyatt’s Poetry About Anne Boleyn Artikel auf der Webseite englishhistory.net. Abgerufen am 19. Mai 2021.
- ↑ Vergleiche auch Alison Weir: The Six Wives of Henry VIII. S. 133–134.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 44.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 147.
- ↑ Beide stützten sich dabei auf Cavendish als Quelle. David Starkey: Six Wives. The Queens of Henry VIII. HarperCollins, New York 2004, S. 277 ff.
J. J. Scarisbrick: Henry VIII. University of California Press, Berkeley 1968, S. 149. - ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 89 f.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 90.
- ↑ Alison Weir: Henry VIII: The King and His Court. Ballantine Books, 2002, ISBN 0-345-43708-X, S. 131.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 84.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 85.
- ↑ Vgl. unter anderem Elizabeth Benger: Memoirs of the life of Anne Boleyn, Queen of Henry VIII. 1885. Vgl. auch Alison Weir, The Six Wives of Henry VIII..
- ↑ Nach den Rosenkriegen war Heinrich VIII. bewusst, dass Thronansprüche durch Nebenlinien durchaus zu einer Gefahr für ihn und seine Kinder werden konnten. Durch die Thronansprüche von Verwandten wurde Jane Grey für neun Tage Königin von England.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 86.
- ↑ englishhistory.net Briefe von Heinrich an Anne, auf Englisch, deutsche Übersetzung aus: Helga Thoma, Ungeliebte Königin.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 85 f.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 86 f.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 83.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 177 f.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 164 ff.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 167.
- ↑ G. W. Bernard: Anne Boleyn: Fatal Attractions. Yale University Press, New Haven 2010, S. 37.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 167 f.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 168.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 96.
- ↑ David Starkey: Six Wives. The Queens of Henry VIII. HarperCollins, New York 2004, S. 314 f.
- ↑ G. W. Bernard: Anne Boleyn: Fatal Attractions. Yale University Press, New Haven 2010, S. 42.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 103 ff.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 207.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 110.
G. W. Bernard: Anne Boleyn: Fatal Attractions. Yale University Press, New Haven 2010, S. 49. - ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 114.
G. W. Bernard: Anne Boleyn: Fatal Attractions. Yale University Press, New Haven 2010, S. 50 f. - ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 180 f.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 110.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 177.
- ↑ Als Privy Chamber - sinngemäß etwa Geheimkabinett - werden die Mitglieder des Hofes bezeichnet, die dem König in persönlichen Angelegenheiten assistierten, so zum Beispiel der Groom of the Stool.
- ↑ G. W. Bernard: Anne Boleyn: Fatal Attractions. Yale University Press, New Haven 2010, S. 44 f.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 184 f.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 185.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 191.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 192 f.
- ↑ David Starkey: Six Wives. The Queens of Henry VIII. HarperCollins, New York 2004, S. 331.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 193 f.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 194 f.
- ↑ Der Master of the Buckhounds war ein Bediensteter des Hofes und dafür zuständig die königlichen Jagdhunde zu versorgen.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 195.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 196.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 197.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 186.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 208.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 98.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 209.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 210.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 113.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 115.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 211.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 114 f.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 219.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 120 f.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 122 ff.
- ↑ David Starkey: Six Wives. The Queens of Henry VIII. HarperCollins, New York 2004, S. 431 ff.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 221.
- ↑ Christopher Haigh: English Reformations: Religion, Politics, and Society under the Tudors. Clarendon Press 1993, S. 88 ff.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 132 f.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 134.
- ↑ Elizabeth Norton: Anne Boleyn: Henry VIII's Obsession. Amberley, Stroud 2009, S. 64.
- ↑ G. W. Bernard: Anne Boleyn: Fatal Attractions. Yale University Press, New Haven 2010, S. 38.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 265 f.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 266 f.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 160.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 270.
- ↑ Lucy Wooding: Henry VIII. Routledge 2009, S. 45.
- ↑ David Starkey: Six Wives: The Queens of Henry VIII. HarperCollins, New York 2003, S. 489 ff.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 176 ff.
John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 287 ff. - ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 179.
- ↑ Alice Hunt: The Drama of Coronation: Medieval Ceremony in Early Modern England. Cambridge University Press, 2008.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 180.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 305.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 306.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 320.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 320 f.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 321 f.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 323.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 381 f.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 211.
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- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 331.
- ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 308.
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- 1 2 Anne Boleyn Facts & Biography Of – Information Artikel auf der Webseite englishhistory.net Abgerufen am 19. Mai 2021.
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- ↑ Catrina Banks Whitley, Kyra Kramer: A New Explanation for the Reproductive Woes and Midlife Decline of Henry VIII. In: The Historical Journal. Band 53, Nr. 4, S. 827–848, doi:10.1017/S0018246X10000452.
- ↑ Vergleiche auch Marita A. Panzer, Englands Königinnen. Der Name des Gesandten ist durch Primärquellen nicht feststellbar.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 290.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 293.
- ↑ David Starkey: Six Wives. The Queens of Henry VIII. Harper Perennial 2003, S. 549.
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G. W. Bernard: Anne Boleyn: Fatal Attractions. Yale University Press, New Haven 2010, S. 125 f. - ↑ David Starkey: Six Wives. The Queens of Henry VIII. Harper Perennial 2003, S. 553.
- ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell, Malden 2004, S. 299 f.
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| Vorgängerin | Amt | Nachfolgerin |
|---|---|---|
| Katharina von Aragón | Queen Consort von England 1533–1536 | Jane Seymour |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Boleyn, Anne |
| KURZBESCHREIBUNG | zweite der sechs Ehefrauen König Heinrichs VIII. von England und Mutter der späteren Königin Elisabeth I. |
| GEBURTSDATUM | 1501 oder 1507 |
| STERBEDATUM | 19. Mai 1536 |
| STERBEORT | London |
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