Antonow An-70
| Antonow An-70 | |
|---|---|
Antonow An-70 | |
| Typ | Militärischer Transporter |
| Entwurfsland | |
| Hersteller | O. K. Antonow |
| Erstflug | 16. Dezember 1994 |
| Indienststellung | In der Flugerprobung |
| Produktionszeit | bisher keine Serienproduktion |
| Stückzahl | 2 |
| Baunummer | Bemerkung |
|---|---|
| 01-01 | Erster Prototyp, am 10. Februar 1995 abgestürzt nach Kollision mit Begleitflugzeug |
| 01-02 | Statische Belastungszelle, als Ersatz für die 01-01 zum 2. Prototyp ausgebaut. Nach Bruchlandung repariert. Als UR-EXA im Einsatz |
| 01-03 | Statische Belastungszelle, als Ersatz für die zum 2. Prototyp ausgebauten 01-02 Belastungszelle |
| 01-04 | Kompletter Flugzeugrumpf im Rohbau |
| 01-05 | Kompletter Flugzeugrumpf im Rohbau |
Weitere Versionen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- An-70PS – SAR-Version
- An-70T – zivile Frachtmaschine.
Technik
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Die An-70 ist ein militärisches Transportflugzeug mit vier Propellerturbinentriebwerken, das mit einer kurzen Start- und Landestrecke auskommt. Der Laderaum (Querschnitt 4,00 m × 4,10 m) kann bis zu 47 t Nutzlast aufnehmen. Güter bis zu 20 t Gewicht können aus großer und niedriger Höhe abgesetzt werden. Mit einer Nutzlast von 20 bis 35 Tonnen hat die An-70 eine Reichweite von 5000 bis 6600 Kilometern. Dabei fliegt sie mit einer Reisegeschwindigkeit von 750 km/h.
Ein Merkmal der An-70 sind die von dem Triebwerk Progress D-27 angetriebenen zwei gegenläufigen Luftschrauben. Dabei hat der vordere Propeller acht, der hintere sechs Blätter. Durch die Gegenläufigkeit wird eine Aufhebung des Propellerdralls und eine Verbesserung des Vortriebswirkungsgrads erreicht, was eine höhere Reisegeschwindigkeit bei reduziertem Kraftstoffverbrauch (etwa 25 % gegenüber Turbofantriebwerken) erlaubt. Außerdem wird die Lärmemission verringert. Zusätzlich wird durch das verringerte Triebwerksdrehmoment die Aufhängung des Triebwerks an den Tragflächen statisch vereinfacht. Diesen Vorteilen des Antriebskonzepts stehen als Nachteile ein höheres Getriebegewicht sowie höherer Wartungsaufwand für das Getriebe gegenüber.
Um neben einer hohen Reisegeschwindigkeit für den Betrieb von kurzen Start- und Landestrecken (STOL) eine möglichst geringe Mindestgeschwindigkeit zu erreichen, wurden umfangreiche Windkanaluntersuchungen durchgeführt. In mehr als 1400 Windkanalstunden wurden 22 Flugzeugmodelle mit zehn verschiedenen Tragflügeln sowie vier verschiedenen Landeklappenkonfigurationen untersucht. Die meisten Windkanaltests wurden mit einer Triebwerkssimulation durchgeführt. Das Ergebnis waren Tragflächen mit einem moderaten superkritischen Profil, zusammen einem mehrfach unterteilten Landeklappensystem (Fowlerklappen) mit einem doppelten Vorflügel, das einen Landeklappenausschlag von 65° bzw. im äußeren Landeklappenbereich 85° erlaubt. Möglich war dieser ungewöhnliche hohe Landeklappenausschlag durch den Coandă-Effekt, der durch den starken und gleichmäßigen Propellerluftstrom erzeugt wird. Zusätzlich haben die Tragflächen und das Höhenleitwerk Vorflügel. Das Ergebnis waren Tragflächen mit einem maximalen Auftriebsbeiwert von bis zu 7,2.[20] Dies erlaubt beispielsweise eine Endanfluggeschwindigkeit von 176 km/h.

Der Rumpf und die Tragflächen der An-70 sind in konventioneller Leichtbauweise ausgeführt. Die Zelle ist dabei für 45.000 Flugstunden und 15.000 Landungen ausgelegt. Das Höhen- und Seitenleitwerk besteht aus einer aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff gefertigten Torsionsbox.[21] Das Seitenruder ist dreigeteilt, das Höhenruder zweigeteilt. Hierdurch wird eine höhere Überlebensfähigkeit des Flugzeuges bei Beschuss durch leichte Handwaffen erreicht.
Die An-70 kann von unbefestigten Start- und Landebahnen aus operieren. Dabei genügen 700 m Startstrecke, um mit 20 bis 30 t Nutzlast abheben zu können. Die Flug-, Navigations- und Systeminformationen werden digital verarbeitet und im Cockpit auf Bildschirmen dargestellt. Ein bordeigenes Überwachungs- und Diagnosesystem erleichtert Wartung und Instandsetzung des Luftfahrzeuges. Mit dem automatisierten autonomen Lastenmanagementsystem des Flugzeuges können unterschiedliche Güter an Bord genommen und aus der Luft oder am Boden wieder abgesetzt werden. Vier elektrische Laufkatzen an zwei Laufschienen, die in der Oberschale des Flugzeuges befestigt sind, können Lasten bis 12 t in den Laderaum heben und im Laderaum bewegen. Zur Ausrüstung des Laderaumes gehören außerdem zwei elektrische Winden mit 1,5 t Zugkraft.[22][23]
Technische Daten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Kenngröße | Daten |
|---|---|
| Besatzung | 3 + 2 Lademeister |
| Länge | 40,73 m |
| Spannweite | 44,06 m |
| Höhe | 16,38 m |
| Flügelfläche | 200 m² |
| Flügelstreckung | 9,7 |
| Frachtraumabmessung (Länge×Breite×Höhe) | 19,10 m × 4,00 m × 4,10 m |
| Leermasse | 73.000 kg |
| normale Startmasse | 112.000 kg |
| max. Startmasse | 135.000 kg |
| max. Zuladung | 47.000 kg |
| Höchstgeschwindigkeit | 785 km/h |
| Reisegeschwindigkeit | 750 km/h in 9.600 m Höhe |
| Landegeschwindigkeit | 176 km/h |
| Dienstgipfelhöhe | 12.000 m |
| Reichweite |
|
| Startstrecke |
|
| Landestrecke | 1.900 m |
| Triebwerke | 4× Iwtschenko Progress D-27-Propellerturbinen mit je 10.440 kW |
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Rudolf Höfling: Antonow. Flugzeuge seit 1946. Motorbuch, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-613-03518-8, S. 110–112.
- Jefim Gordon, Dmitriy Komissarow: Antonov's Heavy Transports: From the An-22 to An-225, 1965 to the Present. Schiffer Publishing, 28. November 2020. ISBN 978-0-7643-6071-8.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- An-70's uncertain future (englisch, 2003) ( vom 25. September 2006 im Internet Archive)
- Herstellerseite (englisch)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Ulrich Unger: Ein schwerer Schlag für das „sowjetische FLA“ – Absturz des Prototypen gefährdet das An-70-Transporterprogramm. In: Flieger Revue 3/1995, S. 40–43.
- ↑ Number three propeller-hub failure led to Siberian An-70 crash. In: FlightGlobal. 17. April 2001, abgerufen am 25. August 2019.
- ↑ An-70's uncertain future (englisch, 2003) ( vom 25. September 2006 im Internet Archive)
- ↑ Nach A400M-Desaster: Wird An-70-Projekt wiederbelebt?,(deutsch, 2010)
- ↑ RIA Nowosti: Russlands Luftlandetruppe weltweit weiter Spitze ( vom 5. August 2010 im Internet Archive)
- ↑ Upgraded AN−70 passes flight tests successfully, Information auf antonov.com, abgerufen am 29. Juni 2012 ( vom 14. November 2012 im Internet Archive)
- ↑ flightglobal.com: antonov seeks customers for new look an-70, abgerufen am 11. November 2013
- ↑ ukraine completes fuselage, abgerufen am 11. November 2013 ( vom 5. Februar 2013 im Internet Archive)
- ↑ An-70 auf der Website von Antonow ( vom 30. März 2014 im Internet Archive)
- ↑ defenseindustrydaily.com: Meldung vom 3. April 2014
- ↑ www.aero.de: UAC übernimmt Produktion von 70 Antonow An-70, abgerufen am 29. Juni 2014
- ↑ Das russische Verteidigungsministerium hat die Entwicklung des militärischen russisch-ukrainischen Transportflugzeugs AN-70 aus dem staatlichen Waffenprogramm gestrichen, Korrespondent 2. März 2015
- ↑ Iran als Kunde für die An-70, Korrespondent 6. März 2015
- ↑ An-188 statt An-70 ( des vom 17. Juli 2015 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- ↑ Paris Air Show 2015: Antonov reveals An-188 strategic transport aircraft
- ↑ Flug Revue: Antonow will AN-70 mit US-Triebwerken umbauen, vom 5. Juli 2017, abgerufen am 11. August 2019
- ↑ An-77 / An-170 In: globalsecurity.org, abgerufen am 11. August 2019.
- ↑ George Cox, Craig Kaston: American Secret Projects 3 – US Airlifters since 1962. Crécy Publishing Ltd, 2019, ISBN 978-1-9108-0933-4, S. 326–327.
- ↑ Jefim Gordon, Dmitriy Komissarow: Antonov's Heavy Transports: From the An-22 to An-225, 1965 to the present. Schiffer, 2020. ISBN 978-0-7643-6071-8. Seiten 237–257
- ↑ ICAS 2002 CONGRESS, AN-70 STOL AIRCRAFT CHARACTERISTICS AT HIGH ANGLES
- ↑ http://www.compositesworld.com/articles/ukrainian-aerospace-developer-employs-clean-sheet-design
- ↑ Antonov-70. Abgerufen am 25. August 2019.
- ↑ Archivierte Kopie ( vom 7. September 2011 im Internet Archive)
