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Amir Hamzah

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Amir Hamzah

Amir Hamzah (* 28. Februar 1911 in Tanjung Pura, Sumatra; † 20. März 1946) war ein indonesischer Dichter und Unabhängigkeitsaktivist. Er wurde 1975 posthum zum indonesischen Nationalhelden erhoben.

Hamzah entstammte der malaiischen Adelsfamilie des Sultanats Langkat in Nordsumatra und erhielt eine westliche Ausbildung sowohl in Sumatra als auch auf Java an niederländischen Schulen.[1] Bereits als Oberschüler schloss er sich um 1930 der indonesischen Unabhängigkeitsbewegung an. In Surakarta (Zentral-Java) übernahm er die Leitung der örtlichen Jugendorganisation Indonesia Muda, wobei er demonstrativ Malaiisch statt Niederländisch als Sprache verwendete und 1930 auf dem Jugendkongress eine flammende Rede für Einheit und Freiheit hielt. Während seiner Studienzeit in Java verliebte er sich in seine Mitschülerin Ilik Sundar, die Beziehung der beiden hielt auch während seines Jurastudiums in Batavia an, musste jedoch enden, als Hamzah 1937 in die Heimat zurückkehren und eine standesgemäße Ehe eingehen sollte.[2][3]

Schon als Jugendlicher begann Hamzah mit dem Verfassen von Gedichten, inspiriert von malaiischer Kultur, islamischer Mystik und klassischer orientalischer Literatur. 1933 war er, gemeinsam mit Sutan Takdir Alisjahbana und Armijn Pane, Mitbegründer der avantgardistischen Literaturzeitschrift Poedjangga Baroe, die als Forum zur Entwicklung einer modernen indonesischen Nationalliteratur diente.[4] In den Folgejahren publizierte Hamzah den Großteil seines Werkes in dieser Zeitschrift; seine wichtigsten Gedichtbände Nyanyi Sunyi („Lied der Stille“, 1937) und Buah Rindu („Früchte der Sehnsucht“, 1941) kreisen thematisch um Liebe und religiöse Sehnsucht und verbinden Elemente der klassischen malaiischen Dichtung mit neuen poetischen Ausdrucksformen.

Hamzahs wachsende nationale und kulturelle Einflussnahme alarmierte bald die kolonialen Behörden: Auf Betreiben der Niederländer wurde er von seinem Onkel, dem Sultan von Langkat, zurück nach Sumatra beordert. 1937 kehrte er in seine Heimat zurück und musste die älteste Tochter des Sultans, Tengku Puteri Kamiliah, heiraten. Diese arrangierte Verbindung bedeutete faktisch das Ende seines öffentlichen Wirkens in Java; obwohl persönlich unglücklich über die erzwungene Ehe, kam Hamzah pflichtbewusst seinen Hofpflichten in Langkat nach.[2]

Nach dem Ausbruch des Pazifikkriegs 1942 beteiligte er sich an der lokalen Verteidigung Sumatras, geriet jedoch bald in japanische Kriegsgefangenschaft. 1943 wurde er, auch dank der Intervention seines Familienoberhaupts, aus der Gefangenschaft entlassen und übernahm in der Folge Tätigkeit als Radiosprecher und Zensor für die japanische Besatzungsverwaltung in Medan. Nach der Kapitulation Japans unterstützte Amir Hamzah die Ausrufung der Unabhängigkeit Indonesiens vom August 1945 und stellte sich auf die Seite der Republik. Ende Oktober 1945 ernannte die republikanische Zentralregierung ihn zum Regierungsbeauftragten für seine Heimatregion Langkat.[5]

In dieser Funktion organisierte er den Aufbau der lokalen Verwaltungsstrukturen und Sicherheitskräfte und förderte Bildungsprogramme, insbesondere zur Alphabetisierung der Bevölkerung. Die politische Lage in Ostsumatra war jedoch instabil: Anfang 1946 kam es dort zu einer gewaltsamen „Sozialen Revolution“ gegen die angestammten Fürstenhäuser, angefacht durch kommunistisch geprägte Milizen. Als Adliger und Vertreter der Regierung geriet Amir Hamzah ins Visier dieser Umstürzler. Am 7. März 1946 wurde er entmachtet und verhaftet. Man verschleppte ihn gemeinsam mit weiteren Angehörigen der Oberschicht auf eine abgelegene Plantage, wo die Gefangenen misshandelt wurden.[3]

Im 20. März 1946 wurde Amir Hamzah im Alter von 35 Jahren zusammen mit 26 weiteren Adligen von den Aufständischen ermordet und in einem Massengrab verscharrt. Seine Überreste konnten 1948 identifiziert und 1949 neben der Moschee von Tanjung Pura feierlich neu bestattet werden.[3]

Erbe und Rezeption

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Im unabhängigen Indonesien wurde Amir Hamzah postum sowohl politisch als auch kulturell hochgeehrt. 1975 erkannte ihm der Staat offiziell den Titel Pahlawan Nasional (Nationalheld) zu. In Jakarta wurde ein Park unweit des Nationaldenkmals (Monas) nach ihm benannt. Auch in anderen Städten tragen Straßen und Einrichtungen seinen Namen. Auch literarisch genießt Hamzah höchstes Ansehen: Manche Kritiker betrachten ihn als einzigen Lyriker von internationalem Rang in der indonesischen Vorkriegszeit. Sein Gedichtband Nyanyi Sunyi (1937) gilt als Meilenstein der Poedjangga-Baroe-Literaturbewegung und sein bekanntestes Liebesgedicht Padamu Jua („Dir allein“) gehört bis heute zum festen Schulkanon Indonesiens. Amir Hamzah wird bis heute gleichermaßen als patriotische Identifikationsfigur der Unabhängigkeitszeit wie als Wegbereiter der modernen indonesischen Literatur anerkannt.[4][5]

  • H. B. Jassin: Amir Hamzah, radja penjair pudjangga baru. Gunung Agung, 1962.
  • Nh. Dini: Amir Hamzah: Pangeran dari Seberang. Gaya Favorit Press, 1981.

Einzelnachweise

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  1. Amir Hamzah. Archiviert vom Original am 2. Januar 2012; abgerufen am 28. September 2025.
  2. a b Amir Hamzah – IDWRITERS. 20. September 2015, abgerufen am 28. September 2025 (amerikanisches Englisch).
  3. a b c Learn Amir Hamzah facts for kids. Abgerufen am 28. September 2025 (englisch).
  4. a b Alen: Happy Salma presents Amir Hamzah, Indonesia’s noblest poet. In: OBSERVER - the latest information about Indonesian news and social culture. 15. Februar 2019, abgerufen am 28. September 2025 (amerikanisches Englisch).
  5. a b Admin: Amir Hamzah; Kisah Raja Penyair Pujangga Baru - GoWest.ID. Archiviert vom Original am 22. April 2024; abgerufen am 28. September 2025 (indonesisch).
Commons: Amir Hamzah – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien