Altkirch
| Altkirch | ||
|---|---|---|
| Staat | ||
| Region | Grand Est | |
| Département (Nr.) | Haut-Rhin / Europäische Gebietskörperschaft Elsass (68) | |
| Arrondissement | Altkirch | |
| Kanton | Altkirch | |
| Gemeindeverband | Sundgau | |
| Koordinaten | 47° 37′ N, 7° 14′ O | |
| Höhe | 274–392 m | |
| Fläche | 9,54 km² | |
| Einwohner | 5.687 (1. Januar 2023) | |
| Bevölkerungsdichte | 596 Einw./km² | |
| Postleitzahl | 68130 | |
| INSEE-Code | 68004 | |
Luftbild von Altkirch | ||
Altkirch (elsässisch Àltkìrech) ist eine französische Stadt mit 5.687 Einwohnern (Stand 1. Januar 2023) im Département Haut-Rhin in der Europäischen Gebietskörperschaft Elsass und in der Region Grand Est. Die Stadt ist Sitz der Unterpräfektur (sous-préfecture) des Arrondissements Altkirch, gehört zum Kanton Altkirch und zum Gemeindeverband Sundgau.
Geographie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Altkirch liegt auf einem Hügel über dem Fluss Ill und ist der zentrale Ort des Sundgaus im südlichen Elsass. Nach Basel im Osten sind es etwa 30 Kilometer, nach Belfort im Westen etwa 42 Kilometer und nach Mülhausen im Norden etwa 19 Kilometer.
Nachbargemeinden von Altkirch sind Aspach und Walheim im Norden, Wittersdorf im Osten, Hirsingue und Hirtzbach im Süden sowie Carspach im Nordwesten.
Geologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Altkirch liegt mitten im lössbedeckten Tertiärhügelland des Sundgaus am Westrand des tektonisch höher gelagerten Horsts von Mühlhausen. Westlich der Stadt sind die um Altkirch anstehenden tertiären Schichten rund 200 Meter in die Tiefe des Grabens von Dannemarie versenkt.
Unter der Lössdecke breiten sich auch bei Altkirch Sundgauschotter aus. Sie bilden die oberen Hangpartien der Anhöhen südlich und östlich der Stadt. Diese Schotter sind die Hinterlassenschaft einer einst (im Pliozän und Altpleistozän) über den Ur-Doubs zum Mittelmeer entwässernden Ur-Aare.
Die sich bei Altkirch nach Osten bzw. Nordosten wendende Ill hat sich hier in die harten tertiären Süßwasserkalke eingeschnitten, die im Steinbruch am Rebberg aufgeschlossen sind (Unteroligozän, Haustein-Formation). Ein vom Illberg-/Bürgerwaldgebiet kommender, in die Ill mündender Bach durchschnitt ebenfalls die harten Kalke. Die Spornlage der Oberstadt ist also der Erosionsleistung der beiden Gewässer zu verdanken.
Im Steinbruch der Zementfabrik liegt die untere Hälfte der sogenannten Haustein-Formation offen. Es handelt sich um Sedimente, Kalksteine, Kalksandsteine und Mergel, die im frühesten Oligozän in einem See, teilweise in sumpfigem Milieu abgelagert wurden.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Ort wurde 1102 („Altikirich“) erstmals erwähnt und bestand zunächst aus einer Kirche an einer Furt und einer einen Kilometer entfernten Burg. Die Burg gehörte den Grafen von Pfirt. Graf Friedrich II. ließ eine Befestigungsanlage erbauen und überließ dem Kloster Lucelle Land im Jahr 1215 „in der von ihm selbst erbauten Stadt Altkirch“. Im 13. Jahrhundert erhielt der Ort das Stadtrecht. Im Jahr 1271 trat aus finanziellen Gründen Graf Ulrich II. alle seine Ländereien an Heinrich von Neuchâtel, den Bischof von Basel, ab, um sie von ihm als Lehen zurückzuerhalten. Die Grafen von Pfirt waren somit Vasallen der Bischöfe von Basel.
Mit dem Aussterben der Grafen von Pfirt im Mannesstamm im Jahre 1324 fiel Altkirch durch die Heirat der Johanna von Pfirt mit Herzog Albrecht II.in den Besitz des Hauses Habsburg. Im Westfälischen Frieden (1648) kam Altkirch mit dem gesamten habsburgischen Besitz im Elsass an die französische Krone. 1659 ging Altkirch durch Schenkung König Ludwigs XIV. in den Besitz Kardinals Mazarins über. Es blieb mit der Unterbrechung von 1871 bis 1918, der Reichslandzeit, und der de facto-Annexion im Zweiten Weltkrieg bei Frankreich.
Im Ersten Weltkrieg erreichte am 9. August 1914 ein französischer Vorstoß nach heftigen Gefechten Altkirch. Nach deutschen Gegenangriffen kam die Stadt am 20. August wieder unter deutsche Kontrolle. Nach Kriegsende zogen am 17. November 1918 französische Truppen ein, Altkirch war wieder französisch. Von großem archäologischem Interesse ist die 2010/11 erfolgte Ausgrabung des Kilianstollens unmittelbar westlich Altkirch (bei Carspach). Der im März 1918 verschüttete deutsche Unterstand gab Aufschluss über den Alltag der Soldaten an vorderster Front.
Im Zweiten Weltkrieg erlebten die Einwohner nach dem Waffenstillstand im Juni 1940 die deutsche Besatzung, von der sie am 21./22. November 1944 durch Truppen der französischen 1. Armee unter General de Lattre de Tassigny befreit wurden. 1940 waren die noch ansässigen jüdischen Einwohner nach Südfrankreich deportiert und die Synagoge von Altkirch als Kino zweckentfremdet worden.[1]
Um 1900 hatte Altkirch eine katholische Kirche, eine evangelische Kirche, eine Synagoge, ein Gymnasium, ein Amtsgericht und ein Hauptzollamt.[2]
Schon im 16. Jahrhundert ist der Altkircher Katharinenmarkt, der größte Viehmarkt im Sundgau, bezeugt. Im 19. Jahrhundert fand er vor der Oberstadt (dem heutigen Platz Xavier Jourdain) statt. Um 1850 wurden dort am Markttag rund 3000 Stück Vieh gezählt. Gegen Ende des Jahrhunderts verkaufte man hier Vieh bis ins Großherzogtum Baden, in die Schweiz, nach Belgien, Luxemburg, Erfurt und Magdeburg, beim Katharinenmarkt wurde auch das Getreide der Kornkammer Sundgau verkauft. Daran erinnert das 1842 erbaute Kornhaus (Halle au Blé), in dem damals allein am Tag des Katharinenmarktes über 1500 Hektoliter Getreide eingelagert wurden.[3]
Altkirch gilt als Wallfahrtsort, da es Lebensstätte und Begräbnisort des Regionalheiligen Morandus ist. Die Wallfahrtskirche birgt neben dem spätromanischen Steingrab des Benediktiners auch sein wertvolles Kopfreliquiar von 1428.
Wappen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wappenbeschreibung: „D'Azur à une église d'argent couverte de gueules et ajourée du champ, flanquée à dextre d'un clocher aussi d'argent couvert de gueules ouvert et ajouré du champ croisé d'or, le tout sur une terrasse de sinople.“
- In Azurblau steht eine silberne Kirche, bedeckt mit Rot und durchbrochenem Feld, rechts flankiert von einem ebenfalls silbernen Glockenturm, bedeckt mit offenem Rot und durchbrochenem Feld, gekreuzt mit Gold, alles auf einer grünen Terrasse.
Einwohnerentwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Jahr | Einwohner | Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1780 | – | über 150 Feuerstellen (Haushaltungen)[4] |
| 1824 | 2215 | davon 2053 Katholiken, zwölf Protestanten und 130 Juden[5] |
| 1861 | 3108 | [6] |
| 1872 | 2955 | am 1. Dezember, in 449 Häusern,[7] nach anderen Angaben 3193 Einwohner[8] |
| 1880 | 3100 | am 1. Dezember, auf einer Fläche von 954 ha, in 407 Wohnhäusern, davon 2569 Katholiken, 223 Protestanten und 272 Juden[9] |
| 1885 | 3242 | davon 2664 Katholiken, 246 Evangelische und 288 Juden[10] |
| 1890 | 3402 | [6] |
| 1900 | 3298 | [2] |
| 1905 | 3392 | [6] |
| 1910 | 3491 | [6][11] |
| Jahr | 1962 | 1968 | 1975 | 1982 | 1990 | 1999 | 2009 | 2020 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Einwohner | 4246 | 5118 | 5319 | 5268 | 5090 | 5386 | 5774 | 5658 |
Bauwerke
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt (N. D. de l’ Assomption): Der neuromanische Bau wurde 1845- 50 an der Stelle des im 17. Jahrhundert zerstörten Schlosses errichtet. Sie enthält noch Ausstattungsstücke des Vorgängerbaus: ein Vesperbild (Pietà), der Christuskorpus aus dem 18. Jahrhundert, Barockskulpturen und eine Silbermannorgel. Die (unvollständige) Ölberggruppe stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert.
Die Sankt-Morandkirche von 1885 im historischen Friedhof mit interessanten Grabdenkmälern ist ein neuromanischer Bau von Charles Winckler. Grabtumba des heiligen Morand um 1200. (Später geschaffene Öffnungen in der Bodenplatte ermöglichten den Pilgern den direkten Kontakt mit dem Heiligen.) Romanisches Tympanon. Die ursprüngliche Kirche gehörte zum Kloster, später Priorat Sankt Morand und war jahrhundertelang eine viel besuchte Wallfahrtsstätte. Reliquienbüste des Morand von 1428.
Die Synagoge ist ein spätklassizistischer Bau der Louis-Philippe-Zeit. Errichtet 1834 bis 37. Nach Beschädigung während der Revolution von 1848 wieder instandgesetzt.
Die spätklassizistische Halle au Blé (Kornspeicher) stammt ebenfalls aus der Zeit der Julimonarchie (1842).
Das Rathaus (Hôtel de Ville) wurde 1780 fertiggestellt, ein im Einzelnen noch barock wirkender Bau der Louis-Seize-Zeit.
Sundgaumuseum, ehemals Sitz des habsburgischen Vogts. Ein Bau des späten 16. Jahrhunderts. Die dreiteiligen, mittig überhöhten Fenster mit gotisch gekehlten Fensterrahmungen noch in der Tradition der Spätgotik.
Reste der Stadtbefestigung. Zahlreiche Häuser, die im Kern noch ins 16./17. Jahrhundert zurückgehen. Einige mit markanten Treppentürmen. An der Rue Hommaire de Hell ein Haus mit einem reich verzierten Eckerker von 1586. Der neugotische Brunnen von 1853 mit einer Marienstatue des 15. Jahrhunderts auf dem Rathausplatz (Place de la République)..
- Mariä-Himmelfahrt-Kirche
- Jungfrau-Brunnen am Place de la République
- Rue du Général-de-Gaulle
- Protestantische Kirche
- Mennonitische Kirche
- Neuapostolische Kirche
Verkehrsanbindung
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Altkirch besitzt einen Bahnhof⊙ an der Bahnstrecke Paris–Mulhouse seit dem 15. Oktober 1857. Ab 1891 zweigte hier die Bahnstrecke Altkirch–Ferrette ab. Der Personenverkehr wurde auf dieser Strecke 1951 eingestellt, der Güterverkehr 1968.[12] Bis Dezember 2011 hielten Intercités-Züge in Altkirch, durch die Inbetriebnahme der LGV Rhin-Rhône halten nur noch TER Grand Est und TER Franche-Comté Züge.
Städtepartnerschaften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Altkirch unterhält Partnerschaften zu Le Thor im Département Vaucluse (Frankreich) (seit 1991) und seit 1994 zu San Daniele del Friuli in der Region Friaul-Julisch Venetien (Italien).
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Johann Ulrich Surgant (ca. 1450–1503), Theologe und Pfarrer in Basel[13]
- Marie-Eve Ostertag (1738–1812), erste Oberin der Spitalschwestern in Pruntrut
- Paul Ackermann (1812–1846), Sprachwissenschaftler und Schriftsteller
- Gaston Frommel (1862–1906), evangelischer Geistlicher und Hochschullehrer in Genf und Lausanne
- Lucien Herr (1864–1926), Intellektueller
- Ernst Knopf (1873–1926), deutscher Schriftsteller
- Paul Jourdain (1878–1948), Politiker (Maire von 1919 bis 1940)
- Ludwig Bergsträsser (1883–1960), deutscher Politiker
- Arthur Hilbert (1891–1938), Turner
- Julius Kaufmann (1895–1968), deutscher Maler und Grafiker
- Ingo Lang von Langen (1895–1979), deutscher Verwaltungsjurist
- Hildegard Bleyler (1899–1984), deutsche Politikerin
- Christian Marbach (* 1937), französischer Ingenieur, Kapitalfondsgründer
- Jean-Luc Reitzer (* 1959), französischer Politiker
- Yvan Muller (* 1969), Automobilrennfahrer
- Nicolas Hartman (* 1985), Radrennfahrer
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Martin Zeiller: Altkirch. In: Matthäus Merian (Hrsg.): Topographia Alsatiae etc. (= Topographia Germaniae. Band 3). 1. Auflage. Matthaeus Merian, Frankfurt am Main 1643, S. 1 (Volltext [Wikisource]).
- Sigmund Billings: Geschichte und Beschreibung des Elsasses und seiner Bewohner von den ältesten bis in die neuesten Zeiten. Basel 1782, S. 72–78 (books.google.de).
- Johann Friedrich Aufschlager: Das Elsass. Neue historisch-topographische Beschreibung der beiden Rhein-Departemente. Zweiter Theil, Johann Heinrich Heitz, Straßburg 1825, S. 132–134 (books.google.de).
- Altkirch, Elsaß-Lothringen. In: Meyers Gazetteer. Mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Altkirch (meyersgaz.org).
- Le Patrimoine des Communes du Haut-Rhin. Band 1, Flohic Editions, Paris 1998, ISBN 2-84234-036-1, S. 29–40.
- Le Haut-Rhin. Dictionnaire des Communes, 3 Bände, Colmar 1980–1982; Band 1, 1980, Stichwort Altkirch, S. 73–75.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Jean-Luc Eichenlaub: Altkirch. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Altkirch. alemannia-judaica.de, aufgerufen am 22. Dezember 2024.
- 1 2 Altkirch. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Band 1: A–Astigmatismus. Bibliographisches Institut, Leipzig / Wien 1905, S. 392 (Digitalisat. zeno.org).
- ↑ E. Reinhard: Die Siedlungen im Sundgau. Bühl/Baden 1965, S. 137-38.
- ↑ Sigmund Billings: Geschichte und Beschreibung des Elsasses und seiner Bewohner von den ältesten bis in die neuesten Zeiten, Basel 1782, S. 72–73 (books.google.de).
- ↑ Johann Friedrich Aufschlager: Das Elsass. Neue historisch-topographische Beschreibung der beiden Rhein-Departemente. Zweiter Theil, Johann Heinrich Heitz, Straßburg 1825, S. 132 (books.google.de).
- 1 2 3 4 Michael Rademacher: Landkreis Altkirch, Elsaß-Lothringen. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.
- ↑ C. Stockert: Das Reichsland Elsaß-Lothringen. Geographischer Leitfaden für die Höheren Lehranstalten, Friedrich Bull, Straßburg 1873, S. 58 (books.google.de).
- ↑ Vollständiges geographisch-topographisch-statistisches Orts-Lexikon von Elsass-Lothringen. Enthaltend: die Städte, Flecken, Dörfer, Schlösser, Gemeinden, Weiler, Berg- und Hüttenwerke, Höfe, Mühlen, Ruinen, Mineralquellen u. s. w. mit Angabe der geographischen Lage, Fabrik-, Industrie- u. sonstigen Gewerbethätigkeit, der Post-, Eisenbahn- u. Telegraphen-Stationen u. geschichtlichen Notizen etc. Nach amtlichen Quellen bearbeitet von H. Rudolph. Louis Zander, Leipzig 1872, Sp. 1. (books.google.de).
- ↑ Statistisches Büreau des Kaiserlichen Ministeriums für Elsaß-Lothringen: Ortschafts-Verzeichniß von Elsaß-Lothringen. Aufgestellt auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1880. C. F. Schmidts Universitäts-Buchhandlung Friedrich Bull, Straßburg 1884, S. 46, Ziffer 561 (books.google.de).
- ↑ Anonymes Mitglied des Katholischen Volksvereins: Die konfessionellen Verhältnisse an den Höheren Schulen in Elsaß-Lothringen. Statistisch und historisch dargestellt. Straßburg 1894, S. 38 (books.google.de).
- ↑ Altkirch, Elsaß-Lothringen. In: Meyers Gazetteer. Mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Altkirch (meyersgaz.org).
- ↑ Site Hirtzbach, Histoire hirtzbach.free.fr (Abgerufen am 21. Juli 2010)
- ↑ Veronika Feller-Vest: Surgant, Johann Ulrich. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
