Im Juli 1933 wurde das „Gesetz zur Durchführung von Feldbereinigungen in Gemeinden zum Zwecke der Arbeitsbeschaffung“ erlassen. Es ermächtigte die Ministerpräsidenten, Feldbereinigungen für Siedlungen anzuordnen. Mit dem „Gesetz über die Aufhebung von Ortsbürgernutzen am Allmendgut“ war die Grundlage für die Enteignung der frei nutzbaren Flächen von Gernsheim für die Gründung von Allmendfeld geschaffen. Alte Bauernrechte wurden missachtet. Der Name Allmendfeld leitet sich von der Allmende ab. Die Architektur größerer Gutshöfe mit angrenzendem Ackerland ist mit der der Hessenaue vergleichbar. Als weitere Ortschaft in diesem Zusammenhang sei Riedrode genannt. Alle drei Bauerndörfer wurden in den 1930er Jahren im Rahmen nationalsozialistischer Förderungsmaßnahmen neu gegründet. Ein weiteres Musterbauerndorf mit dem Namen Mittel-Roden wurde nicht mehr fertiggestellt.
Der Reichsarbeitsdienst begann 1933 mit anfangs 450 Männern mit dem Bau von Entwässerungsgräben.
Am 20. März 1937 erfolgte für das Schul- und Gemeindehaus die Grundsteinlegung durch Gauleiter Sprenger. Die Gründungsfeier für das Dorf fand am 31. Oktober 1937 im Alten Palais in Darmstadt statt. Damit ist Allmendfeld der jüngste Ort Hessens. Die offizielle Einweihung erfolgte mit großem propangadistischen Aufwand am 29. Mai 1938 mit einem Aufmarsch am Dorfbrunnen. In der Propaganda der Nationalsozialisten wurde es als Deutschland schönstes Dorf bezeichnet. Beim Eintreffen der Siedler waren Straßen und Wege weitgehend nicht befestigt, die Siedlung hatte noch erhebliche Mängel. Die Innenhöfe der als recht modern propagierten Anwesen waren nicht befestigt, bei Regen stand das Wasser im Keller. Es fehlten noch Fußböden in den Wohnräumen und Küchen. Zur Wasserversorgung diente eine Handpumpe in der Küche. Bis zum Eintreffen der Möbel wurden Siedler ggf. im Arbeitslager der Arbeitsmaiden einquartiert. Die Elektrifizierung erfolgte im Dezember 1937.[9]
Die Gemarkung wurde aus Teilen von Gernsheim, Crumstadt, Pfungstadt und Hähnlein gebildet.[1] Das Dorf umfasste 48 Neubauernhöfe mit je 12,5 ha (fünf ha direkt am Hof) Ackerland mit 400 Siedlern. Es siedelten sich vorwiegend nordhessische Familien an, die je ein Hofgut für 40000 Reichsmark gekauft hatten.[10]
In Allmendfeld befand sich 1942 eine Außenarbeitsstelle des Strafgefangenenlagers Rollwald.[11] Die Datenbank des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt berichtet in dem Zusammenhang von Flucht und Fluchtversuchen der Zwangsarbeiter, sowie auch von der „Misshandlung des litauisch-polnischen Arbeiters Wladyslaw A. auf dem Johannishof zu Allmendfeld wegen Langsamarbeiten beim Rübenhacken“.[11] Von Januar 1946 bis Juni lebten in Allmendfeld vorübergehend estnische und litauische Displaced Persons in einem hier eingerichteten DP-Lager.[12] Die letzten Insassen des Lagers wurden in das DP-Lager Babenhausen verlegt.[13]
Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: Die Bevölkerung der Gemeinden 1834 bis 1967. Wiesbaden: Hessisches Statistisches Landesamt,1968. Weitere Quellen: LAGIS[1][19]; Zensus 2011[2]
An Vereinen bestehen der KSV (Kultur und Sportverein), Golf-Club Gernsheim Hof Gräbenbruch e.V., Landfrauen, Kerweborsch und Kerwemädscher, der Bauernverband, Freiwillige Feuerwehr, Reit- und Fahrverein sowie der Tischfussball-Freunde-Allmendfeld e.V.
Die Allmendfelder Kerb findet jedes Jahr am letzten Juni-Wochenende statt. Diese beginnt mit der Kerwebaumstellung samstags mit anschließender Tanzveranstaltung in der Turnhalle und endet montags mit dem traditionellen Frühschoppen.[22]
Vor einigen Jahren wurde beschlossen, dass keine neuen Häuser mehr gebaut werden dürfen, um die Dorfstruktur zu bewahren. Neben den Möglichkeiten, direkt bei den Erzeugern frische Waren zu kaufen, gibt es ein Restaurant im Dorf.
↑50 Jahre Allmendfeld. 1937-1987. Beiträge zur Dorfgeschichte. Hans-Josef Becker (Schriftleitung), Hrsg. vom Magistrat der Stadt Gernsheim/Rhein, Eigenverlag der Stadt, 1987
↑Gertrud Höhenberger Allmendfeld - ein Dorf aus Sumpf und Moor in Wo morgens der Hahn kräht, Zeitgut Verlag Berlin, 3. Auflage 2016, S. 112ff, ISBN 978-3 86614-214-5
↑Holger Köhn: Die Lage der Lager: Displaced Persons-Lager in der amerikanischen Besatzungszone Deutschlands, Klartext Verlag, 2012, ISBN 978-3-8375-0199-5, S. 162
↑Gemeindegebietsreform in Hessen; Zusammenschlüssen und Eingliederungen von Gemeinden vom 21.Dezember 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1972 Nr.3, S.84, Punkt 93 Abs. 59 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags[PDF; 6,0MB]).
↑Karl-Heinz Gerstemeier, Karl Reinhard Hinkel:Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Hrsg.: Hessischer Minister des Inneren. Bernecker, Melsungen 1977, OCLC180532844, S.251.
12Hauptsatzung.(PDF;110kB)§;6.In:Webauftritt.Stadt Gernsheim,abgerufen im März 2019.
↑Michael Rademacher:Land Hessen.Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006.In:eirenicon.com.Abgerufen am 1.Januar 1900
↑
Gesetz über die Aufhebung der Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen vom 1.April 1937. In: Der Reichsstatthalter in Hessen Sprengler (Hrsg.): Hessisches Regierungsblatt. 1937 Nr.8, S.121ff. (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags[PDF; 11,2MB]).