Allaktit entwickelt schmale, tafelige bis prismatische Kristalle bis etwa sechs Millimeter Länge und glasähnlichem Glanz auf den Oberflächen. Die Farbe des Minerals variiert je nach Fremdbeimengungen von braun bis bräunlichrot oder dunkel- bis hellrotviolett. Sehr selten können auch fast farblose bis weiße Allaktitkristalle gefunden werden. Die Strichfarbe ist dagegen grau bis blassbraun.
Allaktit ist das Arsenatanalogon des 2010 entdeckten Argandits (Mn7[(OH)4|VO4]2).
Erstmals entdeckt wurde Allaktit in der „Mossgruvan“ (auch Moss Mine) am Nordmarksberg bei Nordmark (Gemeinde Filipstad) in der schwedischen Provinz Värmland. Die Erstbeschreibung erfolgte 1884 durch Hjalmar Sjögren, der das Mineral nach dem pseudo-griechischen Wort αλλάκτεινalláktein (korrekt ἀλλάσσεινallássein mit dem Wortstamm *ἀλλαγ-*allag-) für „ändern“ oder „wechseln“ benannte. Sjögren wählte den Namen aufgrund des starken Pleochroismus, das heißt dem deutlich sichtbaren Farbwechsel bei Betrachtung des Minerals aus unterschiedlichen Blickrichtungen.
Das Typmaterial des Minerals wird in der mineralogischen Abteilung des Naturhistoriska riksmuseet (deutsch: Naturhistorisches Reichsmuseum) in Stockholm (Schweden) unter der Katalog-Nr. 83:995 (HT) aufbewahrt.[9][10]
1893 beschrieb Lars Johan Igelström (1822–1897)[11] drei neu entdeckte Minerale aus der Sjögruvan (siehe auch Grube Rällingsberg) bei Grythyttan (Gemeinde Hällefors) in der schwedischen Provinz Västmanland, die er als Elfstorpit (nach dem dortigen Unternehmen Elfvestorp Eisenwerke[12]), Lamprostibian (nach altgriechisch λαμπρόςlamprós „strahlend, glänzend, hell“ und dem in der Verbindung enthaltenen Stibium[13]) und Chloroarsenian (nach altgriechisch χλωρόςchlōrós „grüngelb“ und dem enthaltenen Arsen[14]) bezeichnete.[4]
Da der Allaktit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, hätte er theoretisch den Status eines grandfathered Mineral. In der 1980 erfolgten Publikation der IMA: Commission on new minerals and mineral names wurde allerdings Chloroarsenian als identisch mit Allaktit diskreditiert.[3] Da dies automatisch eine nachträgliche Ankerkennung für den Allaktit bedeutete, wird das Mineral seitdem in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „IMA 1980 s.p.“ (special procedure) geführt.[1]
Lamprostibian wurde bereits 1971 als identisch mit Melanostibian diskreditiert.[15]Melanostibian wiederum gilt inzwischen als Synonym für das Mineral Melanostibit.[16]
Erst 2004 konnten F. Fontan, D. Holtstam, P. de Parseval, F. Permingeat und B. Mason in ihrer Publikation durch eine Pulver-Röntgendiffraktionsanalyse am Typmaterial und anderen Exemplaren von Elfstorpit nachweisen, dass sich das Material nicht von Allaktit unterschied. Der Mineralname Elfstorpit wurde daraufhin diskreditiert und gilt seitdem als Synonym für Allaktit.[17][18]
Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[19]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Allaktit in die Abteilung der „Phosphate usw. mit zusätzlichen Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der zusätzlichen Anionen zum Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplex, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen; (OH usw.):RO4>2:1“ zu finden ist, wo es zusammen mit Flinkit die „Flinkit-Allaktit-Gruppe“ mit der System-Nr. 8.BE.30 und dem weiteren Mitglied Raadeit bildet.
Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Allaktit ebenfalls in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung der „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“ ein. Hier ist er als alleiniger Namensgeber der „Allaktitgruppe“ mit der System-Nr. 41.02.01 und den weiteren Mitgliedern Raadeit und Waterhouseit innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (AB)Z7(XO4)2Zq“ zu finden.
Wie der Name des Minerals bereits andeutet, hat Allaktit ausgeprägte pleochroistische Eigenschaften und zeigt, je nachdem, aus welcher Richtung das Licht durch den Kristall fällt, eine andere Farbe. In Richtung der x-Achse erscheint das Mineral daher Blutrot, in Richtung der y-Achse Hellgelb und in Richtung der z-Achse Seegrün.
Rötliche Allaktitkristalle auf gediegenBlei aus Långban, Schweden (Größe:4cm×2,6cm×1,2cm)Bräunlichrotes Allaktit-Aggregat aus der Sterling Mine, Sterling Hill, Sussex County (New Jersey), USA (Sichtfeld3,7mm×2,5mm)
Als seltene Mineralbildung konnte Allaktit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher 15 Fundorte dokumentiert sind (Stand 2023).[20] Neben seiner Typlokalität Moss Mine trat das Mineral in Schweden noch in den ebenfalls nahe Nordmark gelegenen Gruben Brattfors, Finngruvan-Gröngruvan und Kitteln sowie bei Långban und in der Harstigen Mine bei Pajsberg in der Gemeinde Filipstad im Värmland zutage.
Hj. Sjögren:Kristallografiska studier: VII Allaktit från Nordmarken. In: Geologiska Föreningens i Stockholm Förhandlingar. Band7, 1884, S.220–236 (schwedisch, rruff.info[PDF; 896kB; abgerufen am 12.April 2023]).
David Barthelmy:Allactite Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 11.April 2023(englisch).
Allactite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 11.April 2023(englisch).
12
International Mineralogical Association: Commission on New Minerals and Mineral Names. In: Mineralogical Magazine. Band43, Dezember 1980, S.1053–1055 (englisch, rruff.info[PDF; 176kB; abgerufen am 16.April 2023]).
12L. J. Igelström:Mineralogiska meddelanden. 20. Nya mineral från Sjögrufvan. In: Geologiska Föeningens i Stockholm. Förhandlinger. Band15, 1893, S.471–472 (schwedisch).
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.449 (englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
1234
Allactite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 52kB; abgerufen am 11.April 2023]).
123456Allactite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 11.April 2023(englisch).
↑Olle Franzén:Lars Johan Igelström.Svenskt biografiskt lexikon,abgerufen am 11.April 2023.
↑Albert Huntington Chester:A dictionary of the names of minerals inluding their history and etymology. John Wiley & Sons., London 1896, S.83 (englisch, online verfügbar auf archive.org– Internet Archive[abgerufen am 12.April 2023] „Chloroarsenian“).
↑Albert Huntington Chester:A dictionary of the names of minerals inluding their history and etymology. John Wiley & Sons., London 1896, S.150 (englisch, online verfügbar auf archive.org– Internet Archive[abgerufen am 12.April 2023] „Lamprostibian“).
↑Albert Huntington Chester:A dictionary of the names of minerals inluding their history and etymology. John Wiley & Sons., London 1896, S.56 (englisch, online verfügbar auf archive.org– Internet Archive[abgerufen am 12.April 2023] „Elfstorpite“).
↑
International Mineralogical Association: Commission on New Minerals and Mineral Names. In: Mineralogical Magazine. Band38, März 1971, S.102–105 (englisch, rruff.info[PDF; 194kB; abgerufen am 17.April 2023]).
↑F. Fontan, D. Holtstam, P. de Parseval, F. Permingeat, B. Mason:Elfstorpite synonymy with allactite; mineral and name discredited. In: Mineralogical Magazine. Band68, Nr.3, 2004, S.523–526, doi:10.1180/0026461046830203 (englisch).
↑Elfstorpite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 11.April 2023(englisch).