Alfred Carroy

Alfred Carroy (* 12. Dezember 1900 in Raveau; † 19. Januar 1944 in Challuy) war ein französischer Polizeibeamter und Widerstandskämpfer gegen die deutsche Besatzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg. Wegen seiner Beteiligung an Sabotageaktionen und Waffentransporten für die Résistance wurde er von einem deutschen Militärgericht zum Tode verurteilt und bei Nevers hingerichtet. Nach seinem Tod wurde er als Mort pour la France anerkannt und 1946 postum mit der Médaille de la Résistance ausgezeichnet.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Alfred Carroy wurde am 12. Dezember 1900 in Raveau im Département Nièvre geboren und wuchs in einfachen ländlichen Verhältnissen auf. Zunächst war er als kaufmännischer Angestellter tätig. 1920 wurde er zum Militärdienst eingezogen und anschließend als Angehöriger eines französischen Zuavenregiments in Französisch-Marokko eingesetzt, wo er bis Januar 1922 an den militärischen Auseinandersetzungen zur Durchsetzung der französischen Kolonialherrschaft teilnahm, die später im Rifkrieg mündeten, und zum Sergeant befördert wurde. Nach seiner Rückkehr ließ er sich in Paris nieder. Spätestens 1930 war er dort als Polizeibeamter bei der Police municipale tätig.[1] Bis Juni 1942 war Carroy im Polizeidienst in Paris tätig, zuletzt im 8. Arrondissement. Carroy schied im Juni 1942 aus dem Pariser Polizeidienst aus, zu einer Zeit, als die Pariser Polizeipräfektur zunehmend in die Repressionsmaßnahmen des Vichy-Regimes und der deutschen Besatzungsmacht eingebunden wurde. Anschließend ging er nach Varennes-lès-Narcy in die Nièvre zurück und übernahm dort als Direktor und Vorarbeiter die kleine Fabrik Magondeaux mit vier Beschäftigten, die Acetylen für Gasbeleuchtung herstellte.[2]
Widerstand
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Alfred Carroy schloss sich im April 1942 den Francs-tireurs et partisansfrançais (FTPF) im Raum La Charité-sur-Loire an. Nach seiner Rückkehr in die Nièvre arbeitete er zudem für das Widerstandsnetz Turma-Vengeance, das vor allem in der Nachrichtengewinnung, der Unterstützung alliierter Operationen und der Organisation bewaffneter Widerstandsgruppen tätig war. Für Vengeance wurde Carroy als Agent P2, also als dauerhaft im Untergrund tätiger Agent, eingesetzt. Er beteiligte sich an der Bergung und Weiterleitung von per Fallschirm abgeworfenen Waffen, die unter anderem für Sabotageaktionen bestimmt waren. Darüber hinaus gehörte Carroy der auf den Eisenbahnverkehr ausgerichteten Résistance-Fer an, die Informationen über deutsche Transporte sammelte und Sabotageaktionen gegen das Schienennetz organisierte. Am 13. September 1943 wurde er von der deutschen Sicherheitspolizei verhaftet.[3]
Prozess und Hinrichtung
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Nach seiner Verhaftung wurde Carroy in Nevers inhaftiert und am 11. Januar 1944 vor dem dortigen deutschen Militärgericht der Feldkommandantur 568 gestellt. Das Gericht verurteilte ihn gemeinsam mit den Widerstandskämpfern Jean Duprilot und Marc Riquier zum Tode. Am 19. Januar 1944 wurden die drei Männer um 8.02 Uhr auf dem Schießplatz von Challuy bei Nevers erschossen. Der Schießplatz war während der deutschen Besatzung der einzige Hinrichtungsort im Département; zwischen Januar 1942 und Juni 1944 wurden dort über 30 Widerstandskämpfer erschossen.[4]
Ehrungen und Gedenken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Carroy wurde postum als „Mort pour la France“ anerkannt. Mit Dekret vom 15. Juni 1946 wurde ihm außerdem die Médaille de la Résistance française verliehen. Sein Name ist auf den Gefallenendenkmälern von Varennes-lès-Narcy und La Charité-sur-Loire sowie auf der Gedenkstele für die in Challuy erschossenen Widerstandskämpfer verzeichnet. In Varennes-lès-Narcy und La Charité-sur-Loire tragen Straßen seinen Namen. Nach dem Krieg setzte sich zudem die Sektion des Parti radical-socialiste im 4. Pariser Arrondissement dafür ein, eine Straße in Paris nach Alfred Carroy zu benennen; der Vorschlag wurde jedoch nicht umgesetzt.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Jean-Claude Martinet: Histoire de L'Occupation et de la Résistance dans la Nièvre 1940–1944. La Charité-sur-Loire 1980.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Archives départementales de la Nièvre, Bureau de Nevers-Cosne, classe 1920, fiche matricule no 1059, Alfred Carroy, cote R 462, vue 455/606. Abgerufen am 13. September 2026.
- ↑ Thomas Chabrillat: Enquête biographique sur des soldats de la France libre durant la Seconde Guerre mondiale. Montpellier 2024, S. 28 ff. ( [PDF]).
- ↑ Association Pour un Maitron des fusillés et exécutés. Abgerufen am 13. September 2026.
- ↑ Fanny Delaire: Des victimes nivernaises de l'Occupation allemande sortent de l'oubli. Le Journal du Centre, 28. Oktober 2016, abgerufen am 13. September 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Carroy, Alfred |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Widerstandskämpfer und Polizist |
| GEBURTSDATUM | 12. Dezember 1900 |
| GEBURTSORT | Raveau |
| STERBEDATUM | 19. Januar 1944 |
| STERBEORT | Challuy |