Alexander Fjodorowitsch Stuart

Alexander Fjodorowitsch Stuart (russisch Александр Фёдорович Стуарт, wiss. Transliteration Aleksandr Fedorovič Stuart; auch Baron Alexander Stewart; * 9. November 1842 in Odessa; † 20. Oktober 1917 in Chișinău) war ein russischer Zoologe und Politiker schottischer Abstammung.[1]
Herkunft und Ausbildung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Stuart entstammte einer Familie schottischer Herkunft, deren Vorfahren sich in Kurland niedergelassen hatten. Sein Vater, Fjodor Fjodorowitsch Stuart[2], war aus Libau und als Beamter in russischen Diensten. Seine Mutter, Roxanda Dmitrijewna Mourousis, war Enkelin des moldauischen Fürsten Constantin Mourousis. Alexander war das mittlere von drei Kindern.[3]
Der Familie gehörte ein Teil des Guts Mourousis bei Bender. Da Stuart zunächst für eine Beamtenlaufbahn bestimmt war, besuchte er das Alexanderlyzeum in Sankt Petersburg. Stuart entschied sich jedoch für ein Studium der Zoologie und studierte ab 1860 an der naturwissenschaftlichen Abteilung der Universität Sankt Petersburg. Er setzte seine Studien in Heidelberg, Tübingen, Bonn, Bern, Berlin, Göttingen und Dorpat fort. 1862 begegnete er in London dem russischen zarenkritischen Schriftsteller und Philosophen Alexander Iwanowitsch Herzen. 1866 wurde er in Göttingen promoviert. Nach seiner Rückkehr nach Russland wurde er wegen zarenkritischer Aktivitäten verhaftet und in das Gouvernement Wjatka verbannt. Durch die Fürsprache einflussreicher Verwandter kam er frei und konnte 1867 den Magistergrad in Dorpat erlangen. 1868 wurde er als Privatdozent an den Lehrstuhl für Zoologie der Imperatorskij Noworossijskij Universitet in Odessa berufen, gab die Lehrtätigkeit jedoch bald wieder auf.[3]
Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach seinem Ausscheiden aus dem Universitätsdienst gründete Stuart die Noworossijsker Gesellschaft der Naturforscher, deren Vizepräsident er wurde. Ende der 1860er Jahre förderte er die zoologischen Forschungen zur vergleichenden Embryologie von Ilja Iljitsch Metschnikow und Alexander Onufrijewitsch Kowalewski, den er in Heidelberg kennengelernt hatte. Im Auftrag des Zweiten Kongresses russischer Naturforscher und Ärzte eröffnete Stuart 1871 in Sewastopol eine biologische Station. 1869 wählte die Versammlung des Kreises Bender Stuart zum Friedensrichter. Dieses Amt bekleidete er in der Folge über 30 Jahre. Von diesem Zeitpunkt an widmete er sich kommunalpolitisch für die Belange der Stadt Bender. 1884 eröffnete er in Kischinjow ein Kinderkrankenhaus. Im Oktober 1889 fand auf Initiative Stuarts die erste landwirtschaftliche Ausstellung Bessarabiens statt. Aus ihr ging zunächst ein Museum für Landwirtschaft hervor, in der Folge ab 1905 das heutige Nationalmuseum für Völkerkunde und Naturgeschichte. 1914 wurde das Heimatmuseum Bender (Бендерский историко-краеведческий музей) auf Betreiben Stuarts als Naturkundemuseum eröffnet.[4] Zwischen 1906 und 1917 verantwortete er sechs Bände der Gesellschaftszeitschrift Trudy Bessarabskogo obschtschestwa jestestwoispytatelei i ljubitelei jestestwosnanija (etwa: „Arbeiten der Bessarabischen Gesellschaft der Naturforscher und Naturkundefreunde“).
Familie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Stuart war mit Jekaterina Jegorowna Katarschi verheiratet. Aus der Ehe gingen die vier Kinder Georgi Alexandrowitsch Stuart, Alexander Alexandrowitsch Stuart, Maria Alexandrowna Stuart und Sofia Alexandrowna Stuart hervor.[5]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Барон Александр Стуарт — Приднестровский исторический портал. Abgerufen am 28. August 2026.
- ↑ Захоронение: Стуарт (Стюарт) Федор Федорович (baron Friedrich Gustav Stuart). Abgerufen am 28. August 2026.
- 1 2 anuka: История шотландского барона, основавшего Национальный музей природы и этнографии и костюженскую больницу. In: Locals. 7. Juli 2020, abgerufen am 28. August 2026 (russisch).
- ↑ Frieder Monzer, Timo Ulrichs: Moldova: Mit Chișinău, ganz Bessarabien und Transdnestrien. Trescher Verlag, 2020, ISBN 978-3-89794-455-8, S. 211 (google.de [abgerufen am 28. August 2026]).
- ↑ Музей земства. In: Chișinău, orașul meu. 8. Mai 2020, abgerufen am 28. August 2026 (englisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Stuart, Alexander Fjodorowitsch |
| ALTERNATIVNAMEN | Стуарт, Александр Фёдорович (russisch) |
| KURZBESCHREIBUNG | russischer Zoologe und Politiker schottischer Abstammung |
| GEBURTSDATUM | 9. November 1842 |
| GEBURTSORT | Odessa |
| STERBEDATUM | 20. Oktober 1917 |
| STERBEORT | Chișinău |