Aleph Alpha
| Aleph Alpha GmbH
| |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH |
| Gründung | 2019 |
| Sitz | Heidelberg, |
| Leitung |
|
| Mitarbeiterzahl | ca. 270 (2026)[1] |
| Branche | Künstliche Intelligenz |
| Website | aleph-alpha.com |
| Stand: Juli 2025 | |
Die Aleph Alpha GmbH (kurz: AA) ist ein deutsches Unternehmen im Bereich der künstlichen Intelligenz mit Sitz in Heidelberg. Es wurde 2019 gegründet und wird von bedeutenden deutschen Unternehmen finanziert, um Unabhängigkeit von US-amerikanischen Firmen zu erlangen und europäische Datenschutzbestimmungen einzuhalten.[2]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Aleph Alpha wurde 2019 von Jonas Andrulis und Samuel Weinbach gegründet. Andrulis studierte Wirtschaftsingenieurwesen am Karlsruher Institut für Technologie und arbeitete anschließend im Forschungsmanagement für Apple im Silicon Valley. Weinbach erwarb den Titel eines Master of Business Administration und arbeitete von 2010 bis 2018 für Deloitte.[3]
Andrulis und Weinbach entwickelten zusammen mit ihren Mitarbeitern den Chatbot Luminous. Die hierzu eingesetzten Server befinden sich in Bayern und unterstehen dementsprechend der europäischen Gesetzgebung hinsichtlich Datenschutz. In einer zweiten Finanzierungsrunde ermöglichten 2021 mehrere Wagniskapitalfirmen die Weiterentwicklung mit zusätzlichen 23 Millionen Euro.[4] In einer dritten Finanzierungsrunde im November 2023 beteiligten sich die Schwarz-Gruppe und die Dieter Schwarz Stiftung als größte Geldgeber,[5] wie auch SAP, Bosch, Burda und die Christ&Company Consulting sowie das US-amerikanische Hewlett Packard Enterprise mit insgesamt mehr als 500 Millionen US-Dollar.[2][6] Im November 2024 übernahm die Deutsche Bank Anteile.[7]
Der Chatbot Luminous basiert auf einem Large Language Model (LLM) und wurde in fünf Sprachen trainiert. Durch Verwendung der GPT-Technologie (Generative pre-trained transformers) kann das Grundmodell mittels kundenspezifischer Modifikationen und Feinabstimmung Kundenbedürfnissen angepasst werden.[8] Im Gegensatz zu GPT-4 verwendet Luminous bisher kein Reinforcement learning from human feedback (RLHF). Als ein Unterscheidungsmerkmal soll möglichst vollständige Transparenz bezüglich der für ein Resultat verwendeten Quellen dienen (Eigenschaft Explain).[9][10] Luminous ist primär für den Einsatz in Unternehmen und Verwaltungen vorgesehen, lässt sich jedoch vielseitig einsetzen.[11] Luminous wird bereits für das Bürgerinformationssystem Lumi der Stadt Heidelberg verwendet.[12][5] Im Dezember 2023 fiel das LLM durch diverse rassistische und anders diskriminierende Antworten auf.[13] Im August 2024 kündigte Aleph Alpha eine Weiterentwicklung der Unternehmensstrategie an. Das Unternehmen spezialisiert sich seitdem auf KI-Lösungen für Nutzer aus Wirtschaft und Verwaltung, während die Entwicklung von verbraucherorientierten Sprachmodellen zurückgefahren wird.[14][15]
2024 schloss die Bundesagentur für Arbeit einen Rahmenvertrag im Wert von bis zu 19 Millionen Euro mit Aleph Alpha, um mithilfe von KI-Lösungen Verwaltungsprozesse zu automatisieren und den prognostizierten Personalrückgang bis 2032 auszugleichen. Zudem wurde der von Aleph Alpha gemeinsam mit Partnern entwickelte KI-Assistent F13, der Funktionen wie Recherche, Übersetzung und Textgenerierung bietet, zunächst in der Verwaltung des Landes Baden-Württemberg eingesetzt und soll schrittweise bundesweit verfügbar gemacht werden.[16][17]
Aleph Alpha stellte Anfang 2025 gemeinsam mit AMD, SiloAI und Schwarz Digits eine tokenizerfreie KI-Architektur vor, die durch einen hierarchischen Aufbau auf Zeichen- und Wortebene eine effizientere Anpassung von Sprachmodellen an verschiedene Sprachen und Fachgebiete ermöglichen soll.[18] Im April 2025 übernahm das Unternehmen den Karlsruher KI-Spezialisten Thingsthinking, der auf semantische Sprachverarbeitung spezialisiert ist und die Plattform Semantha entwickelt hat.[19]
Nachdem Reto Spörri Mitte 2025 zunächst als Co-CEO von Aleph Alpha eingesetzt worden war, übernahmen er und Ilhan Scheer im Januar 2026 die Unternehmensleitung von Andrulis.[20][21][22] Ebenfalls im Januar 2026 veräußerte Bosch seine Anteile an Aleph Alpha an die Schwarz-Gruppe.[23][24]
Produkte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Aleph Alpha entwickelt ein Betriebssystem für Anwendungen im Bereich der künstlichen Intelligenz und bietet Prozessberatung im selben Bereich an.[14][15] Seit 2025 kann PhariaAI über die Cloud STACKIT von Schwarz Digits genutzt werden, die laut Anbieter den europäischen Datenschutzrichtlinien entspricht.[25]
Hewlett Packard Enterprise wird große Sprachmodelle (Large Language Models, LLM) per Supercomputer über seiner Plattform Greenlake offerieren und startet mit Aleph Alpha als erstem, nicht exklusivem Partner. Auch SAP als Investor und Partner hat Ähnliches vor.[10]
Aleph Alpha und PricewaterhouseCoopers kündigten im Juni 2024 an, das Gemeinschaftsunternehmen creance.ai zu gründen, um neue Technologie auf Basis künstlicher Intelligenz für Rechtsberatung und Compliance zu entwickeln.[26]
Die erste KI-Lösung von creance.ai fokussiert auf die EU-Verordnung Digital Operational Resilience Act (DORA) und wird Kunden bei der Umsetzung des Third-Party-Risk-Managements als Teil der DORA-Anforderungen unterstützen. Die von creance.ai entwickelte Lösung soll Unternehmen dabei unterstützen, die Komplexität der Einhaltung von Vorschriften zu bewältigen, und dient als zentrales Werkzeug zur effizienten Erfüllung von Compliance-Anforderungen.[27][28]
Kritik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das für 2023 intern vorgegebene Umsatzziel von 6 Millionen US-Dollar wurde nicht erreicht. Nach dem Jahresabschluss 2023 erzielte das Unternehmen weniger als eine Million Euro Umsatz und verzeichnete einen Verlust von 18,9 Millionen Euro.[29]
In einer Analyse des Stanford Center for Research vom Juni 2023 schnitt Aleph Alpha im Hinblick auf die Einhaltung der im Entwurf für das Gesetz über künstliche Intelligenz vorgesehenen Richtlinien zum damaligen Zeitpunkt vergleichsweise schlecht ab.[30]
Technologisch hinkt das Unternehmen führenden internationalen Anbietern hinterher – bei Leistungstests und durch fehlende öffentliche Zugänglichkeit seiner Modelle. Zusätzlich sorgen 2024 Turbulenzen im Management für Zweifel an der internen Stabilität innerhalb des Unternehmens.[31] Schließlich wurde die Weiterentwicklung großer Sprachmodelle eingestellt;[32] das Unternehmen konzentriert sich seither darauf, Open-Source Modelle als Grundlage für das KI-Betriebssystem PhariaAI nutzbar zu machen.[33]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Dokumentationen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Dominik Bretsch, Maximilian Villwock, Mehran Djojan, Sebastian Weis, Ellen Xu: Schlaue neue Welt - Das KI-Wettrennen. Dokumentarfilm, 89 Min, Deutschland, 2024[34]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b c Heiko Fritze: Neues Management greift durch: KI-Unternehmen Aleph Alpha baut Stellen ab. In: stimme.de. Heilbronner Stimme, 13. Januar 2026, abgerufen am 13. Januar 2026.
- ↑ a b Hannah Schwär: Was hinter dem Rekorddeal für Aleph Alpha steckt. In: Stern. 8. November 2023, abgerufen am 21. Juni 2024.
- ↑ Chatbot-Konkurrenz aus Deutschland: Auf Wiedersehen, ChatGPT - und willkommen Aleph Alpha. In: finanzen.net. 15. März 2023, abgerufen am 21. Juni 2024.
- ↑ Earlybird führt Aleph Alpha's 23 Millionen EURO Serie A Finanzierung für größte europäische KI-Modelle an. Pressemitteilung, earlybird.com, 2021-07-27. Abgerufen am 2023-11-10.
- ↑ a b Lidl-Konzern investiert Millionen in KI-Start-up Aleph Alpha. In: Der Spiegel (online). 6. November 2023, abgerufen am 21. Juni 2024.
- ↑ Larissa Holzki: Künstliche Intelligenz: 500-Millionen-Dollar-Deal für Aleph Alpha. In: handelsblatt.com. Handelsblatt GmbH, 8. November 2023, abgerufen am 9. Oktober 2025.
- ↑ Deutsche Bank steigt bei KI-Start-up Aleph Alpha ein. 20. November 2024, abgerufen am 28. Februar 2025.
- ↑ Die Plattform der erweiterten Intelligenz. aleph-alpha.com. Abgerufen am 2023-11-08.
- ↑ Maximilian Schreiner: AI startup Aleph Alpha shows off latest LLMs with a unique feature. 5. Juni 2023, abgerufen am 21. Juni 2024 (amerikanisches Englisch).
- ↑ a b Matthias Hohensee: Aleph-Alpha-Gründer Jonas Andrulis: „Wir verbünden uns mit den besten Unternehmen der Welt“. In: Wirtschaftswoche. 22. Juni 2023, abgerufen am 22. November 2023.
- ↑ Ulrich Hottelet: Interview mit Hans-Jörg Schäuble: Aleph Alpha fordert vertrauenswürdige KI mit europäischen Werten. In: heise.de. Heise Medien GmbH & Co. KG, 24. Juni 2023, abgerufen am 9. Oktober 2025.
- ↑ KI-Bürgerassistenz Lumi. heidelberg.de, 2023. Abgerufen am 2023-11-08.
- ↑ Andreas Donath: Golem.de: IT-News für Profis. 2. Dezember 2023, abgerufen am 21. Februar 2024.
- ↑ a b Mark Bergen: The Rise and Pivot of Germany's One-Time AI Champion. In: Bloomberg.com. Bloomberg, 5. September 2024, abgerufen am 9. September 2024 (englisch).
- ↑ a b Larissa Holzki, Christof Kerkmann: Was taugt das neue Geschäftsmodell von Aleph Alpha? In: Handelsblatt. 6. September 2024, abgerufen am 9. September 2024.
- ↑ Axel Kannenberg: Aleph Alpha: Millionschwerer Vertrag mit Arbeitsagentur, F13 kommt bundesweit. In: heise.de. Heise Medien GmbH & Co. KG, 17. Oktober 2024, abgerufen am 10. Oktober 2025.
- ↑ Laura Eßlinger: Aleph Alpha: Bringt der KI-Assistent F13 für Behörden die Wende? In: capital.de. Gruner + Jahr Deutschland GmbH, 25. Juli 2024, abgerufen am 10. Oktober 2025.
- ↑ Eva-Maria Weiß: Aleph Alpha und AMD stellen neue KI-Architektur vor. In: heise.de. Heise Medien GmbH & Co. KG, 22. Januar 2025, abgerufen am 10. Oktober 2025.
- ↑ Daniel AJ Sokolov: Aleph Alpha übernimmt Semantik-Spezialisten Thingsthinking. In: heise.de. Heise Medien GmbH & Co. KG, 24. April 2025, abgerufen am 25. Oktober 2025.
- ↑ Alexander Wulfers: Was Aleph-Alpha-Chef Jonas Andrulis über Deutschlands KI-Chancen sagt. In: faz.net. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, 2. August 2025, abgerufen am 9. Oktober 2025.
- ↑ Stephan Finsterbusch: Aleph-Alpha-Gründer Jonas Andrulis wechselt in den Aufsichtsrat. In: faz.net. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, 9. Oktober 2025, abgerufen am 9. Oktober 2025.
- ↑ Aleph Alpha Takes Next Step Towards Commercial Scaling with Updated Leadership Team. In: aleph-alpha.com. Aleph Alpha GmbH, 9. Oktober 2025, abgerufen am 4. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Maximilian Sachse: Bosch verkauft Aleph-Alpha-Anteile an Schwarz-Gruppe. In: faz.net. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, 28. Januar 2026, abgerufen am 29. Januar 2026.
- ↑ Achim Sawall: Schwarz Gruppe erhöht Anteile an KI von Aleph Alpha. In: golem.de. Golem Media GmbH, 28. Januar 2026, abgerufen am 29. Januar 2026.
- ↑ Eva-Maria Weiß: Europäische Lösung: Aleph Alpha bietet Pharia AI über Schwarz Digits an. In: heise.de. Heise Medien GmbH & Co. KG, 27. Mai 2025, abgerufen am 10. Oktober 2025.
- ↑ Larissa Holzki, Luisa Bomke, Andreas Kröner: PwC und Aleph Alpha gründen KI-Firma für Compliance. In: Handelsblatt. 6. Juni 2024, abgerufen am 21. Juni 2024.
- ↑ PricewaterhouseCoopers: PwC Germany and Aleph Alpha launch founded joint venture creance.ai. Abgerufen am 21. Juni 2024 (en-DE).
- ↑ Anika Reckeweg: PwC und Aleph Alpha gründen Joint Venture für KI-Lösungen in Rechtsberatung. In: heise.de. Heise Medien GmbH & Co. KG, 6. Juni 2024, abgerufen am 21. Juni 2024 (englisch).
- ↑ Hannah Schwär, Caspar Tobias Schlenk: Aleph Alphas aufgeblasene 500-Millionen-Finanzierung. In: Capital. 9. Juli 2024, abgerufen am 16. April 2025.
- ↑ Rishi Bommasani, Kevin Klyman, Daniel Zhang, Percy Liang: Do Foundation Model Providers Comply with the Draft EU AI Act? In: crfm.stanford.edu. Stanford CRFM, 1. Juni 2023, abgerufen am 21. Juni 2024 (englisch).
- ↑ Andreas Frieß: Aleph Alpha: Wie die deutsche KI-Hoffnung ins Straucheln geriet. In: BR24. Abgerufen am 26. Juli 2024.
- ↑ LinkedIn News Redaktion: Aleph Alpha steigt aus KI. In: Handelsblatt. Abgerufen am 25. März 2025.
- ↑ Aleph Alpha Blog: Breaking Free of Tokenizers: Why We Built T-Free and What It Means for Sovereign AI. In: Aleph Alpha. 20. August 2025, abgerufen am 26. August 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Schlaue neue Welt - Das KI-Wettrennen. In: arte.tv. 14. Dezember 2024, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 25. Februar 2025; abgerufen am 14. Dezember 2024.
