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Aldermanit

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Aldermanit
Weiße kugelige Aldermanit-Aggregate aus dem Moculta-Phosphat-Steinbruch, Angaston, Südaustralien
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer
IMA-Symbol

Adm[3]

Chemische Formel
  • [Mg(H2O)6][Na(H2O)2Al3(PO4)2(OH)6]·H2O[2]
  • Mg5Al12[(OH)22|(PO4)8]·32H2O[4]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Phosphate, Arsenate und Vanadate
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VII/D.17-010[5]

8.DE.35
42.13.01.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m
Raumgruppe P21/c (Nr. 14)Vorlage:Raumgruppe/14
Gitterparameter a = 13,524(3) Å; b = 9,958(2) Å; c = 7,013(1) Å
β = 97,40(3)°[6]
Formeleinheiten Z = 2[6]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte ≈ 2[7]
Dichte (g/cm3) berechnet: 2,0 bis 2,15[7]
Spaltbarkeit nicht beobachtet[8]
Bruch; Tenazität spröde[8]
Farbe farblos bis weiß
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Perlglanz, schwacher Glasglanz
Kristalloptik
Brechungsindex n = 1,500[8]
Doppelbrechung δ = 0,000[8]
Optischer Charakter zweiachsig

Aldermanit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ mit der chemischen Zusammensetzung [Mg(H2O)6][Na(H2O)2Al3(PO4)2(OH)6]·H2O[2] und damit chemisch gesehen ein komplexes wasserhaltiges Magnesium-Natrium-Aluminium-Phosphat mit zusätzlichen Hydroxidionen.

Aldermanit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und findet sich meist in Form faseriger oder flockenartiger Mineral-Aggregate, die eine gewisse Ähnlichkeit mit Talk haben. Selten entwickelt er jedoch auch dünntafelige bis prismatische, radialstrahlig angeordnete Kristalle von wenigen Millimetern Größe. In reiner Form ist Aldermanit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt.

Etymologie und Geschichte

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Erstmals entdeckt wurde Aldermanit im Phosphat-Steinbruch „Moculta“ bei Angaston im Barossa Valley in Südaustralien. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch Ian R. Harrowfield, Edgar Ralph Segnit und John. A. Watts, die das Mineral nach Arthur Richard Alderman (1901–1980), dem ehemaligen Professor für Geologie und Mineralogie an der University of Adelaide, benannten. Die chemische Zusammensetzung gaben die Mineralogen mit Mg5Al12(PO4)8(OH)22·nH2O (mit n ≈ 32) an.

Harrowfield, Segnit und Watts sandten ihre Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1980 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1980-044[1]), die den Aldermanit als eigenständige Mineralart anerkannte.

Neuere Analysen durch Peter Elliot, Ian E. Grey und Anthony C. Willis, die 2021 publiziert wurden, zeigten allerdings, dass auch Natrium ein essentieller Bestandteil der Formel von Aldermanit ist. Zudem konnte die Kristallstruktur entschlüsselt werden.[6] Chemische Formel und Struktur des Minerals wurden daher neu definiert und diese Neudefinition nach Prüfung durch die IMA (Antrag 20-I) noch im gleichen Jahr anerkannt.[9] Das Mineral wird seitdem in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „2021 s.p.“ (special procedure) geführt.[2]

Da der Aldermanit erst 1980 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der seit 1977 veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/D.17-010. Dies entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate, mit fremden Anionen“, wo Aldermanit als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VII/D.17 bildet.[5]

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[10] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Aldermanit ebenfalls in die Abteilung „Phosphate usw. mit zusätzlichen Anionen; mit H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der zusätzlichen Anionen zum Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplex. Das Mineral hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen; (OH usw.) : RO4 = 3 : 1“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 8.DE.35 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Aldermanit die System- und Mineralnummer 42.13.01.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung und gleichnamigen Unterabteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 42.13.01.

Kristallstruktur

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Aldermanit kristallisiert in der monoklinen Raumgruppe P21/c (Raumgruppen-Nr. 14)Vorlage:Raumgruppe/14 mit den Gitterparametern lauten a = 13,524(3) Å; b = 9,958(2) Å; c = 7,013(1) Å und β = 97,40(3)° sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.[6]

Bildung und Fundorte

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Weiße Aldermanit-Kristalle auf kleinen, klaren Minyulit-Kristallen auf Phosphatgesteinsmatrix aus Tom's Steinbruch, Koonunga, Light Regional Council, South Australia

Aldermanit bildet sich sekundär als Verwitterungsprodukt von Fluellit in Hohlräumen von Brekzien in sedimentären Phosphat-Lagerstätten.[7]

Außer an seiner Typlokalität, dem Moculta-Phosphat-Steinbruch, konnte Aldermanit bisher (Stand: 2026) noch in dem ebenfalls bei Angaston gelegenen Penrice-Marmor-Steinbruch in den South Mountain Lofty Ranges gefunden werden. Daneben trat das Mineral noch in „Tom's Phosphat-Steinbruch“ und „St John's Steinbruch“ bei Koonunga im Light Council sowie im „Fairview-Steinbruch“ bei Robertstown in den North Mountain Lofty Ranges in South Australia auf.[11]

  • I. R. Harrowfield, E. R. Segnit, J. A. Watts: Aldermanite, a new magnesium aluminium phosphate. In: Mineralogical Magazine. Band 44, 1981, S. 59–62 (rruff.info [PDF; 1,7 MB; abgerufen am 31. Januar 2026]).
  • Louis J. Cabri, Michael Fleischer, Adolf Pabst: New mineral names. In: American Mineralogist. Band 66, 1981, S. 1099–1103 (englisch, rruff.info [PDF; 568 kB; abgerufen am 31. Januar 2026]).
  • Peter Elliot, Ian E. Grey, Anthony C. Willis: Redefinition of the formula for aldermanite, [Mg(H2O)6][Na(H2O)2Al3(PO4)2(OH,F)6]⋅H2O, and its crystal structure. In: Mineralogical Magazine. Band 85, Nr. 3, 2021, S. 348–353, doi:10.1180/mgm.2021.36 (englisch).
  • Ritsuro Miyawaki, Frédéric Hatert, Marco Pasero, Stuart J. Mills: IMA Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) – Newsletter 60. In: European Journal of Mineralogy. Band 33, 2021, S. 203–208, doi:10.5194/ejm-33-203-2021 (englisch, cnmnc.units.it [PDF; 106 kB; abgerufen am 31. Januar 2026]).
Commons: Aldermanite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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  1. a b IMA Database of Mineral Properties – Aldermanite. In: rruff.net. RRUFF Project, abgerufen am 31. Januar 2026 (englisch).
  2. a b c d Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: January 2026. (PDF; 3,1 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Januar 2026, abgerufen am 31. Januar 2026 (englisch).
  3. Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 351 kB; abgerufen am 31. Januar 2026]).
  4. Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 505 (englisch).
  5. a b Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
  6. a b c Peter Elliot, Ian E. Grey, Anthony C. Willis: Redefinition of the formula for aldermanite, [Mg(H2O)6][Na(H2O)2Al3(PO4)2(OH,F)6]⋅H2O, and its crystal structure. In: Mineralogical Magazine. Band 85, Nr. 3, 2021, S. 348–353, doi:10.1180/mgm.2021.36 (englisch).
  7. a b c Aldermanite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 51 kB; abgerufen am 31. Januar 2026]).
  8. a b c d Aldermanite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 31. Januar 2026 (englisch).
  9. Ritsuro Miyawaki, Frédéric Hatert, Marco Pasero, Stuart J. Mills: IMA Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) – Newsletter 60. In: European Journal of Mineralogy. Band 33, 2021, S. 203–208, doi:10.5194/ejm-33-203-2021 (englisch, cnmnc.units.it [PDF; 106 kB; abgerufen am 31. Januar 2026]).
  10. Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Original am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (englisch).
  11. Fundortliste für Aldermanit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 31. Januar 2026.