Zum Inhalt springen

Albert Maria Weiss

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Albert Maria Weiss (Adalbert Weiss; Ordensname „Albert Maria“; Pseudonym Heinrich von der Clana; * 22. April 1844 in Indersdorf, Oberbayern; † 15. August 1925 in Weesen[1]) war ein deutscher katholischer Theologe.

Nach dem Besuch des Benediktinergymnasiums in München studierte Adalbert Weiss ab 1861 in München Philosophie und ab 1863 Theologie u. a. bei Ignaz Döllinger, für den er sich begeisterte, von dessen Ideen er sich später aber wieder abwandte.[2] 1866 trat er in das Priesterseminar in Freising ein und wurde 1867 zum katholischen Priester geweiht. Weiterführende Studien betrieb er 1869/70 in Tübingen und Bonn. Zurück in Freising, wurde er 1870 in München zum Dr. theol. promoviert und 1873 zum Lyzeal-Professor ernannt.

1876 trat er in Graz in den Dominikaner-Orden ein, erhielt den Ordensnamen Albert Maria und lehrte 1877 bis 1883 an der österreichischen Hausanstalt des Ordens. 1887 erhielt er den Titel „Magister“. Nach einer Lehrtätigkeit in Wien wurde er 1890 Professor für Nationalökonomie an der neu gegründeten Universität Freiburg/Schweiz, zunächst an der philosophischen, von 1890 bis 1892 an der juristischen und von 1890 bis 1892 sowie von 1895 bis 1919 an der theologischen Fakultät. 1897 erhielt er den Lehrstuhl für Apologetik, 1896/1897 und 1902/1903 war er Dekan der theologischen Fakultät. Zwischen 1892 und 1895 war er Superior und Professor in Graz und Wien. Seine Forschungsschwerpunkte waren die Patristik, mittelalterliche Scholastik und Mystik. Neben seinem Lehramt übernahm er diplomatische Missionen in Luxemburg und Österreich. Vorlesungen hielt er bis 1919; dann zog er sich als Hausgeistlicher in das Dominikanerinnen-Kloster in Weesen zurück, wo er sechs Jahre später starb.[3]

Seinem Antisemitismus ließ Weiss in seiner Apologie des Christenthums freien Lauf. Das jüdische Volk nannte er eine „Schlange am Weg“. Die Juden, so Weiss, „sind ihrer eigenen Natur nach nicht das Volk Gottes, sondern das Volk des Goldes“.[4] Als katholischer Publizist bekämpfte er den politischen Liberalismus. Innerkirchlich war er ein scharfer Kritiker des Reformkatholizismus und Modernismus – den Begriff verwendete er seit 1899 – sowie jeglicher von der kirchlichen Hierarchie unabhängiger Tätigkeit von katholischen Laien, etwa in Christlichen Gewerkschaften und Christlich-Sozialen Parteien. In dieser Hinsicht war er einer der wichtigsten Ideengeber für die anti-modernistische Enzyklika „Pascendi Dominici gregis“. Weiss unterstützte die Ideen Karl von Vogelsangs und stand der Union de Fribourg, einer katholischen Vereinigung, die sich mit sozialen und wirtschaftlichen Fragen beschäftigte, nahe.

Schriften (Auswahl)

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • Die altkirchliche Pädagogik. Dargestellt in Katechumenat und Katechese der ersten sechs Jahrhunderte. Herder, Freiburg i. Br. 1869
  • Apologie des Christenthums vom Standpunkte der Sitte und Cultur. 5 Bände, Herder, Freiburg i. Br. 1888/1892
  • Die Kunst zu leben. Herder, Freiburg i. Br. 1901
  • Die religiöse Gefahr. Herder, Freiburg i. Br. 1904
  • Lebens- und Gewissensfragen der Gegenwart. 2 Bände, Herder, Freiburg i. Br. 1911
  • Liberalismus und Christentum. Petrus-Verlag, Trier 1914
  • Lebensweisheit in der Tasche. Herder, Freiburg i. Br. 1915
  • Jesus Christus, die Apologia perennis des Christentums. Herder, Freiburg i. Br. 1922
  • Lebensweg und Lebenswerk : Ein modernes Prophetenleben. Herder, Freiburg i. Br. 1925
  1. Weiß, Dominikanische Gestalt, S. 42
  2. Weiß, Dominikanische Gestalt, S. 40
  3. Weiß, Dominikanische Gestalt, S. 42
  4. Zitiert nach Hermann Greive: Geschichte des modernen Antisemitismus in Deutschland. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1983, S. 87.