Erstmals entdeckt wurde Akrochordit in Mineralproben aus der schwedischen Grubengemeinde Långban (Filipstad) in der schwedischen Provinz Värmlands län und beschrieben 1922 durch Gustaf Flink[10] (1849–1931[11]), der das Mineral aufgrund seiner charakteristischen warzenförmigen Kristallausbildung nach altgriechischἀκροχορδώνakrochordṓn für Warze benannte. Die chemische Analyse führte G. Karl Almström durch, der eine Zusammensetzung von As2O3·4MnO·MgO·6H2O ermittelte.[12]
Bei der Veröffentlichung der „Neuen Minerale“ 1923 wurde die Formel allerdings zu Mn4Mg(AsO5)2·6H2O vereinfacht, da angenommen wurde, dass das ursprüngliche Material von Flink unrein war.[3] 1968 wurde die Formel noch einmal angepasst zu Mn4Mg(AsO4)2(OH)4·4H2O.[13] Zusammen mit der offiziellen Anerkennung der Akrochorditgruppe im Dezember 2022 (publiziert 2023) durch die International Mineralogical Association (IMA) wurde auch die Zusammensetzung des namensgebenden Mineral neu definiert zur aktuell gültigen, idealisierten Endgliedformel MnMn2Mn2(AsO4)2(OH)4(H2O)4.[14]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/D.16-030. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate, mit fremden Anionen“, wo Akrochordit zusammen mit Chenevixit, Guanacoit und Luetheit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VII/D.16 bildet.[5]
Auch die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[16]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Akrochordit in die Abteilung der „Phosphate usw. mit zusätzlichen Anionen; mit H2O“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der zusätzlichen Anionen (OH usw.) zum Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplex (RO4). Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen; (OH usw.):RO4=2:1“ zu finden ist, wo es zusammen mit Guanacoit die „Akrochorditgruppe“ mit der Systemnummer 8.DD.10 bildet. Seit 2022 gehört auch das Mineral Vargit (IMA2020-051) zu dieser offiziell von der IMA anerkannten Gruppe.[14]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Akrochordit die System- und Mineralnummer 42.04.01.01. Dies entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“, wo das Mineral zusammen mit Guanacoit in die „Akrochorditgruppe“ mit der Systemnummer 42.04.01 innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (AB)5(XO4)2Zq × x(H2O)“ zu finden ist.
Weltweit sind bisher nur drei Fundorte für Akrochordit dokumentiert. In Schweden fand sich das Mineral außer an seiner Typlokalität Långban noch in der „Moss Mine“ bei Nordmark in der Gemeinde Filipstad. Daneben konnte es in den USA noch in Mineralproben aus der „Sterling Mine“ am Sterling Hill bei Ogdensburg in New Jersey entdeckt werden (Stand: 2025).[17]
Gustav Flink:Akrochordit, ett nytt mineral från Långbans gruvor. In: Geologiska Föreningens i Stockholm Förhandlingar. Band44, 1922, S.773–776 (schwedisch, rruff.info[PDF; 355kB; abgerufen am 15.Mai 2025]).
E. V. Shannon, E. T. Wherry:New minerals: doubtful species. In: American Mineralogist. Band8, 1923, S.167–169 (englisch, rruff.info[PDF; 216kB; abgerufen am 15.Mai 2025]).
Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band53, 1968, S.1775–1780 (englisch, rruff.info[PDF; 519kB; abgerufen am 15.Mai 2025]).
Paul Brian Moore, Pradip K. Sen Gupta, Elmer O. Schlemper:Akrochordite, (Mn,Mg)5(OH)4(H2O)4(AsO4)2: A sheet structure with amphibole walls. In: American Mineralogist. Band74, 1989, S.256–262 (rruff.info[PDF; 670kB; abgerufen am 15.Mai 2025]).
Akrochordite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 15.Mai 2025(englisch).
12E. V. Shannon, E. T. Wherry:New minerals: doubtful species. In: American Mineralogist. Band8, 1923, S.167–169 (englisch, rruff.info[PDF; 216kB; abgerufen am 15.Mai 2025]).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. 6. vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2014, ISBN 978-3-921656-80-8.
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.503 (englisch).
123
Akrochordite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org[PDF; 64kB; abgerufen am 26.März 2018]).
↑Flinkite.In:mindat.org.Abgerufen am 16.Mai 2025(englisch).
↑Gustav Flink:Akrochordit, ett nytt mineral från Långbans gruvor. In: Geologiska Föreningens i Stockholm Förhandlingar. Band44, 1922, S.773–776 (schwedisch, rruff.info[PDF; 355kB; abgerufen am 15.Mai 2025]).
↑Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band53, 1968, S.1775–1780;hier:1779, New Data. Retzian, Hemafibrite, Synadelphite, Arsenoclasite, Arseniopleite, and Akrochordite (englisch, rruff.info[PDF; 519kB; abgerufen am 15.Mai 2025]).
12Ferdinando Bosi, Ritsuro Miyawaki, Frédéric Hatert, Marco Pasero, Stuart J. Mills:IMA Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) Newsletter 71. In: Mineralogical Magazine. Band87, 2023, S.332–335;hier:335, Nomenclature/Classification proposals approved in December 2022. Akrochordite group (englisch, rruff.info[PDF; 127kB; abgerufen am 16.Mai 2025]).