Adamiten

Adamiten, auch Adamianer, ist eine abwertende Bezeichnung für mehrere christlich-gnostische Gruppierungen, die den Zustand der Sündenlosigkeit vor dem Sündenfall wieder erreichen wollten.
Zum ersten Mal taucht diese Bezeichnung bei Epiphanius von Salamis (haer. 52) für eine Gruppe antinomistischer Gnostiker in Nordafrika aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. auf; durch Augustinus blieb sie bekannt und diente ab dem Hochmittelalter zur Verunglimpfung verschiedener christlicher Sondergruppen, wie der Katharer, Waldenser, Täufer und der Brüder und Schwestern des freien Geistes.
Dazu gehörte im 15. Jahrhundert auch eine Gruppe im böhmischen Tabor, die alle äußeren religiösen Formen ablehnte, kein Privateigentum hatte und Formen Freier Liebe vertrat. Viele waren angeblich im Alltagsleben unbekleidet. Die Hussiten bekämpften diese von ihrem Glauben abweichende Gruppierung genauso hart und unbarmherzig, wie sie selbst von der Umwelt bekämpft wurden. Als Adamiten wurden auch die Pikarden unter ihrem Anführer Adam Rohan bezeichnet, die der Hussitenführer Jan Žižka 1421 liquidieren ließ.[1]
Adamiten soll es auch unter den Dissenters in England gegeben haben.
Die Anhänger von Eva von Buttlar, die sich selbst „Mutter Eva“ nennen ließ, in Altona wurden auch Adamiten genannt. Angeblich seien sie bei ihren „Zusammenkünften nacket [sic] einhergegangen“.[2]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Theodora Büttner, Ernst Werner: Circumcellionen und Adamiten, 2 Formen mittelalterlicher Haeresie (= Forschungen zur mittelalterlichen Geschichte, Band 2). Akademie-Verlag, Berlin 1959, DNB 450691853.
- Svatopluk Čech: Die Adamiten. Übersetzt von Josef Weinberger. Die Sonne, Dresden / Leipzig 1912, DNB 58081596X.
- Chas S. Clifton: Encyclopedia of Heresies and Heretics. Barnes & Noble, 1998, ISBN 0-7607-0823-1, S. 4.
- Josef Dobrovský: Dějiny českých pikartů a adamitů. Odeon, Prag 1978, DNB 368913856. Deutsches Original: Geschichte der böhmischen Pikarden und Adamiten. In: Abhandlungen der böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften auf das Jahre 1788. S. 300–343.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Joachim Bahlcke: Böhmische Brüder. In: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, 2014 (abgerufen am 1. Juli 2026)
- ↑ Johann Adrian Bolten: Historische Kirchen-Nachrichten von der Stadt Altona und deren verschiedenen Religions-Partheyen, von der Herrschaft Pinneberg und von der Graffschaft Ranzau. Band 2. Altona 1791, S. 51 ff.