Ada Nield Chew
Ada Nield Chew (* 28. Januar 1870 in Audley, Staffordshire; † 27. Dezember 1945 in Burnley, Lancashire) war eine englisch-britische Sozialistin, Autorin und Frauenrechtlerin.[1][2]
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nield war das zweite Kind und die älteste Tochter von 13 Kindern des Ziegelherstellers Willam Nield und seiner Frau Jane Nield, geborene Hammond. Ihre einzige Schwester litt an Epilepsie, und Nield verließ die Schule im Alter von 11 Jahren, um ihrer Mutter bei der Hausarbeit und der Versorgung der Familie zu helfen und sie bei ihren häufigen Schwangerschaften zu unterstützen. Nields Kindheitserfahrungen prägten ihre Ansicht, dass Hausarbeit und Kinderbetreuung professionalisiert werden sollten, damit Frauen ein eigenständiges Leben führen und wirtschaftliche Unabhängigkeit erlangen könnten.[1]
Als sie in ihren 20ern war, arbeitete sie in einem Geschäft in Nantwich und anschließend als Schneiderin in der Bekleidungsfabrik Compton Bros in Crewe, Cheshire.[3] Sie wurde aus ihrem Fabrikjob entlassen, nachdem sie 1894 unter dem Pseudonym „A Crewe Factory Girl“ eine Reihe von Briefen an die Zeitung Crewe Chronicle geschrieben hatte, in denen sie die Arbeitsbedingungen für Frauen und Mädchen in der Fabrik kritisierte. Sie hob Probleme wie die Ungerechtigkeit bei der Arbeitsverteilung und die Praxis hervor, den Arbeiterinnen ihre Teepausen und die für ihre Arbeit benötigten Materialien in Rechnung zu stellen. Die Fabrik beschäftigte 400 Frauen und 100 Männer, zahlte den Frauen jedoch nur einen Bruchteil des Lohns der Männer für ihre Arbeit bei der Herstellung von Uniformen für Soldaten, Polizisten und Eisenbahnarbeitern. Sie plädierte für einen existenzsichernden Lohn für Frauen statt eines „Hungerlohns“.[4]
Ihre Briefe hatten die Aufmerksamkeit der Independent Labour Party (ILP) auf sich gezogen, die ihr eine Anstellung anbot, falls ihre Identität als „Crewe Factory Girl“ aufgedeckt werden sollte.[5] Als dies letztlich passierte, engagierte sie sich aktiv in der ILP. Bis zum Ende des Jahres wurde sie für Nantwich zur Poor Law Guardian im Rahmen der Armengesetzgebung (eine der ersten weiblichen Guardians aus der Arbeiterklasse) gewählt und arbeitete mit dem örtlichen Trades Council zusammen.[5][6] 1896 nahm sie an der ersten von der sozialistischen Zeitschrift The Clarion organisierten Wohnwagentour teil, auf der sozialistische Ideen durch Frauen verbreitet werden sollten.[3][4]
1897 heiratete sie George Chew, einen anderen Organisator der ILP. Ihre Tochter Doris, ihr einziges Kind, wurde im folgenden Jahr geboren und von ihrer Mutter zu ihren Wahlkampfveranstaltungen mitgenommen.[7] Chew wurde dann 1900 Organisatorin der Women's Trade Union League[3] und arbeitete dort mit Mary Macarthur zusammen.[6]
In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg wurde Chew zu einer aktiven Unterstützerin der Frauenwahlrechtsbewegung. Laut ihrer Tochter fühlte sich Chew als Frau aus der Arbeiterklasse manchmal von den Führerinnen der Bewegung aus der Mittelschicht bevormundet. Dies spiegelte sich 1904 in einem lebhaften Briefwechsel mit Christabel Pankhurst in der Zeitschrift The Clarion wider.[3] Chew wurde Mitglied der National Union of Women’s Suffrage Societies (NUWSS) und arbeitete von 1911 bis 1914 als Organisatorin für diese Organisation. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit lag darauf, durch Kontakte in der Arbeiterbewegung Unterstützung für die Sache zu gewinnen, aber sie schrieb auch für Freewoman, The Englishwoman und die NUWSS-Zeitung Common Cause.[3] Vor Ort in Lancashire arbeitete sie zusammen mit Selina Cooper und Margaret Aldersley.[8]
Während des Ersten Weltkriegs nahm Chew eine pazifistische Haltung ein und war im Manchester-Zweig der Women’s International League for Peace and Freedom und anderen Antikriegsorganisationen aktiv.[1]
Nach Kriegsende und der Einführung des Frauenwahlrechts im Jahr 1918 zog sich Chew aus der aktiven Politik zurück, setzte sich jedoch weiterhin für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, Ernährung und Gesundheit von Frauen aus der Arbeiterklasse ein. Sie konzentrierte sich auf den Aufbau des mit ihrem Mann gegründeten eigenen Versandhandels für Stoffe, Chew & Co., den sie in der Chapel Street in Salford gegründet hatte. Außerdem betrieb sie einen Bioladen, der aus ihrem Vegetarismus hervorgegangen war. 1930 zog sie sich aus dem Geschäft zurück und unternahm 1935 eine Weltreise.[6]
Chews Ehemann starb 1940, und sie selbst starb 1945 in Burnley, Lancashire. Sie wurde eingeäschert und ihre Asche auf dem Rochdale Cemetery verstreut.[1]
Nachleben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Historiker Brian Harrison führte ein Oral-History-Interviews mit Chews Tochter Doris Nield Chew im Rahmen des Suffrage-Interviews-Projekts Oral evidence on the suffragette and suffragist movements: the Brian Harrison interviews.[9] Es wurde im März 1975 aufgenommen.[10]
Doris Nield Chew gab 1982 eine Auswahl von Chews Schriften heraus.[11] Unter anderem hieraus wurde von Alan Plater das Skript für das Fernsehdrama The Clarion Van erarbeitet, das am 5. Juli 1983 erstmals als Folge der ITV-Granada-Serie Women ausgestrahlt wurde. In dieser Produktion wurde Ada Nield Chew von Diane Fletcher gespielt.[12]
Ada Nield Chews Name und ihr Bild befinden sich auf dem Sockel der Millicent-Fawcett-Statue auf dem Parliament Square in London.
Eine von der Cheshire Women’s Collaboration initiierte Kampagne „Statue for Ada“ will eine Bronzeskulptur von Ada Nield Chewführte der Künstlerin Hazel Reeves in Crewe aufstellen.[13][14]
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b c d David Doughan: Chew, Ada Nield (1870–1945). In: H. C. G. Matthew und Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography. Oxford 23. September 2004, doi:10.1093/ref:odnb/39080.
- ↑ John Simkin: Ada Nield Chew. In: History of Socialism. Spartacus Educational, Dezember 2022, abgerufen am 2. Dezember 2025.
- ↑ a b c d e Elizabeth Crawford: Chew, Ada Nield, Mrs. In: The Women's Suffrage Movement: A Reference Guide 1866–1928. Routledge, London 2003, ISBN 0-7484-0379-5, S. 107 (google.de).
- ↑ a b Ada Nield Chew. Nantwich Museum, abgerufen am 3. Dezember 2025.
- ↑ a b Ada Nield Chew: England's forgotten suffragist. In: HistoryExtra. BBC History Magazine, 21. Dezember 2016, abgerufen am 3. Dezember 2025.
- ↑ a b c Ada Nield Chew. Working Class Movement Library, archiviert vom am 19. Januar 2024; abgerufen am 3. Dezember 2025.
- ↑ Jill Liddington: Women Cotton Workers and the Suffrage Campaign: The Radical Suffragists in Lancashire, 1893–1914. In: Sandra Burman (Hrsg.): Fit Work for Women. Routledge, London 1979, ISBN 0-85664-747-0, S. 108 f., (98–112) (edu.au).
- ↑ Sandra Stanley Holton: Feminism and democracy. Women’s suffrage and reform politics in Britain, 1900-1918. Cambridge University Press, Cambridge 1986, ISBN 0-521-32855-1, S. 68, 81 (google.com).
- ↑ Gilian Murphy: The Suffrage Interviews. London School of Economics and Political Science, abgerufen am 3. Dezember 2025.
- ↑ Chew, Miss Doris re Ada Nield Chew. In: Oral Evidence on the Suffragette and Suffragist Movements: the Brian Harrison interviews, 1974–1988. The Women's Library, 31. März 1975, abgerufen am 3. Dezember 2025.
- ↑ Doris Nield Chew: Ada Nield Chew: The Life and Writings of a Working Woman. Virago, London 1982, ISBN 978-0-86068-294-3.
- ↑ The Clarion Van. Internet Movie Database, abgerufen am 3. Dezember 2025.
- ↑ Kaleigh Watterson: Ada Nield Chew: The factory girl who fought for women's rights. BBC, 30. Juli 2023, abgerufen am 3. Dezember 2025.
- ↑ Statue for Ada, Website der Kampagne. Abgerufen am 3. Dezember 2025.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Chew, Ada Nield |
| KURZBESCHREIBUNG | englisch-britische Sozialistin, Autorin und Frauenrechtlerin |
| GEBURTSDATUM | 28. Januar 1870 |
| GEBURTSORT | Audley, Staffordshire, England, Vereinigtes Königreich |
| STERBEDATUM | 27. Dezember 1945 |
| STERBEORT | Burnley, Lancashire, England, Vereinigtes Königreich |