Abengoa
| Abengoa S.A. | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| ISIN | ES0105200416 |
| Gründung | 1941 |
| Auflösung | 2016 |
| Auflösungsgrund | Insolvenz |
| Sitz | |
| Leitung | Santiago Seage[1] |
| Mitarbeiterzahl | 23.104[2] |
| Umsatz | 7,151 Mrd. Euro[3] |
| Branche | Solarenergie |
| Website | www.abengoa.com |
| Stand: 2014 | |

Abengoa war ein spanisches multinationales Unternehmen mit Tochterunternehmen in mehreren Bereichen wie Energieversorgung, Telekommunikation, Logistik oder Umwelttechnik.
Die Firma wurde 1941 von Javier Benjumea (1915–2001) gegründet und hatte ihren Hauptsitz in Sevilla. Danach war sein Sohn Felipe Benjumea (* 1957) Vorstandsvorsitzender. Ende 2015 musste das Unternehmen Gläubigerschutz beantragen und hat im Folgejahr Insolvenz angemeldet.[4][5]
Geschäftsfelder
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Befesa
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bis zum Jahr 2013 gehörte zu Abengoa auch die Unternehmensgruppe Befesa, die im Bereich industrielle Entsorgung tätig ist. Zu der Gruppe gehören u. a. die Befesa Steel Services GmbH in Duisburg, die Befesa Zinc GmbH in Duisburg und die Befesa Salzschlacke GmbH in Hannover. Im Jahr 2013 wurde die Befesa an den Investmentfonds Triton Partners verkauft.[6]
Trinkwasser-Privatisierung in Bolivien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1999 gründete Abengoa mit Bechtel Corporation aus den USA und vier bolivianischen Partnerunternehmen das bolivianische Unternehmen Aguas de Tunari, um das auf Druck des Internationalen Währungsfonds privatisierte städtische Wasserwerk Semapa in Cochabamba zu betreiben. Schlagartig erhöhte das Unternehmen die Wasserpreise für die Endverbraucher auf über 50 % und legte, in einer Stadt, wo das durchschnittliche Monatseinkommen bei unter 100 US-Dollar liegt, einen Mindestpreis von 20 US-Dollar pro Haushalt fest. Dies führte zu massiven Protesten, einem Generalstreik und Gewalt mit mehreren Toten seitens von Polizei und Armee, zwang aber die Regierung am 10. April 2000 vom Vertrag mit Aguas de Tunari zurückzutreten und die Wasserwerke wieder an die Stadtverwaltung zu übertragen.[7]
Joint Venture mit Ebro Puleva
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Abengoa hat ein Joint Venture mit der spanischen Firma Ebro Puleva für die Herstellung von Biokraftstoff in mehreren Werken. Das Werk Planta de Bio-Dosbio betrieben Biocombustibles Castilla y León, Ebro Pulvera und Abengoa.[8]
Über Abengoa Energy (USA) kontrollierte Abengoa im Jahr 2009 zu 68 % die Gesellschaft Abengoa Energy France, die im französischen Ort Lacq zu diesem Zeitpunkt mit einer Investition von 200 Millionen Euro ein Ethanol-Werk mit einer geplanten Produktionskapazität von 197.500 Tonnen errichten ließ.[8]
Mit CEPSA wurde das Werk Planta de Gibraltar („Bio-Gibraltar“) betrieben.[8]
Abengoa Solar
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Abengoa begann sein Engagement in der Entwicklung von Solartechnologie 1984 mit dem Bau der Plataforma Solar de Almería im Süden Spaniens.
Abengoa hat die Förderung von zwei Forschungs- und Entwicklungsprogrammen im Bereich solarthermischer Kraftwerke durch das Energieministerium der Vereinigten Staaten bekannt gemacht. Das Volumen beläuft sich auf 14 Millionen US-Dollar. Ziel dieser Programme ist die Entwicklung von Solartechnologie, die mit konventionellen Energiequellen bis 2015 konkurrenzfähig sein soll.[9]
Finanziell
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| in Mio. € | Umsatz | Gewinn | Fremdkapitalquote in % |
|---|---|---|---|
| 2013 | 7.356,47 | 101,44 | 89,28 |
| 2014 | 7.150,57 | 125,29 | 88,94 |
| 2015 | 5.755,48 | -1.213,48 | 96,4 |
| 2016 | 1.510,05 | -7.629,06 | > 100 |
| 2017 | 1.479,77 | 4.277,77 | > 100 |
| 2018 | 1.302,73 | -1.497,86 | > 100 |
| 2019[10] | 1.493 | -517 |
Insolvenz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nachdem Zweifel an der Liquidität des Unternehmens aufgekommen waren[11] und der Einstieg eines möglichen Geldgebers gescheitert war, kündigte Abengoa am 25. November 2015 an, dass die Firma vorläufigen Gläubigerschutz nach spanischem Insolvenzrecht beantragen will.[12] Wird keine Einigung mit den über 200 Gläubigerbanken erzielt, droht die mit Abstand größte Firmenpleite in der Geschichte Spaniens.[13] Als ursächlich gelten insbesondere die Maßnahmen der konservativen Zentralregierung, Förderungen und Einspeisevergütungen aus erneuerbaren Energien, teilweise rückwirkend, zu kürzen, außerdem überhöhte Gehälter und Abfindungen an derzeitige und ehemalige Manager des Unternehmens. Von Seiten der Partei Vereinigte Linke wurden Forderungen laut, das Unternehmen zu verstaatlichen.[14]
Am 18. Dezember 2015 verhängte die spanische Richterin Carmen Lamela der Audiencia Nacional Kautionen, die innerhalb von 24 Stunden hinterlegt werden mussten. Die Höhe der Kautionen entspricht den Abfindungssummen der beiden höchsten Manager von Abengoa, Felipe Benjumea (11,5 Millionen) und Manuel Sánchez Ortega (4,5 Millionen), die diese sich vor dem Insolvenzantrag selbst bewilligt hatten. Der ausgewiesene Fehlbetrag bei Antragstellung betrug 9 Milliarden.[15][16]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Santiago Seage ( vom 8. Dezember 2015 im Internet Archive)
- ↑ Annual Report 2014 Volume 3
- ↑ Annual Report 2014, Volume 1
- ↑ Spaniens Sonnenkönig steht vor dem Aus. Handelsblatt, 7. Dezember 2015, abgerufen am 26. Januar 2026.
- ↑ Patrick Fitzgerald: Spain's Abengoa Files for Chapter 15 Bankruptcy in U.S. In: Wall Street Journal, 29. März 2016 (englisch).
- ↑ Befesa Unternehmensgeschichte
- ↑ Patrick Guillaudat, Pierre Mouterde: Les couleurs de la révolution – La gauche à l’épreuve du pouvoir : Venezuela, Équateur, Bolivie. Un bilan à travers l’histoire. Éditions Syllepse, Paris 2022, ISBN 979-1-03990040-9, S. 242 (französisch).
- 1 2 3 Mónica Vargas (Hrsg.): Agrocombustibles ¿Otro negocio es posible? (= Colección Antrazyt. Nr. 288). Icaria editorial, Barcelona 2009, ISBN 978-84-9888-063-2, S. 44, 48 f. (spanisch).
- ↑ Abengoa Solar is awarded two R&D contracts by the US Department of Energy. 30. September 2008, archiviert vom am 20. Juni 2013; abgerufen am 29. Juli 2013 (englisch).
- ↑ ABENGOA B Bilanz GuV | Kennzahlen | Umsatz | Gewinn. Abgerufen am 1. September 2020.
- ↑ Juan T. Delgado: Las claves de Abengoa. In: El Mundo. 26. November 2015, abgerufen am 26. November 2015 (spanisch).
- ↑ Erneuerbare Energien. Abengoa vor dem Aus. 25. November 2015, abgerufen am 26. November 2015.
- ↑ Jan Marot: Milliardenpleite: Spanischer Solarkonzern insolvent. In: Der Standard. 27. November 2015, abgerufen am 13. Dezember 2017.
- ↑ Ralf Streck: Abengoa ein Opfer des spanischen Solarwirrwarrs? Telepolis, 30. November 2015, abgerufen am gleichen Tage
- ↑ La juez impone una fianza de 11,5 millones de euros a Felipe Benjumea, ex presidente de Abengoa. In: El Mundo vom 18. Dezember 2015, abgerufen am 10. August 2025.
- ↑ Fernando J. Pérez: La juez retiene la indemnización de la antigua cúpula de Abengoa. In: El País, 18. Dezember 2015, abgerufen am 10. August 2025.
