AT4
| AT4 | |
|---|---|
| Allgemeine Information | |
| Militärische Bezeichnung | AT4 |
| Einsatzland | Schweden / Vereinigte Staaten u. a. |
| Entwickler/Hersteller | Förenade Fabriksverken (FFV) |
| Entwicklungsjahr | 1976 |
| Produktionszeit | 1987 bis heute |
| Modellvarianten | AT4, M136 |
| Waffenkategorie | Rückstoßfreie Panzerabwehrhandwaffe |
| Ausstattung | |
| Gesamtlänge | 1020–1040 mm |
| Technische Daten | |
| Kaliber | 84 mm |
| Feuerarten | Einzelfeuer |
| Visier | Offene Visierung |
| Listen zum Thema | |
Die AT4 (auch AT-4 oder AT 4) ist eine in Schweden entwickelte rückstoßfreie Einweg-Panzerabwehrhandwaffe mit Kaliber 84 mm.
Entwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei der AT4 handelt es sich wie bei der FFV Carl Gustaf um eine Waffe zur Panzerbekämpfung im Kaliber 84 mm. Entwickelt wurde sie vom staatlichen schwedischen Waffenhersteller Förenade Fabriksverken (FFV) in Eskilstuna (heute Saab Dynamics). Die ab 1976 entwickelte und 6,7 kg schwere AT4 ist jedoch nur zur einmaligen Benutzung gedacht und kann nicht nachgeladen werden. Mit den ab 1985 ausgelieferten Waffen sollte die FFV Miniman bei der schwedischen Armee abgelöst werden. Der Gesamtbedarf soll bei 450.000 Stück gelegen haben. Die AT4 wird seit Mitte der 1980er-Jahre für die US-Armee in Zusammenarbeit mit Alliant Techsystems als M136 Lightweight Multipurpose Weapon (LMW) produziert. Die Bezeichnung AT4 kommt von einem Wortspiel mit dem Kaliber 84 Millimeter, auf Englisch eighty-four („AT=eighty“), kann aber auch als Anti-Tank interpretiert werden.
Bei Vorführungen zeigte der Hersteller, dass man die Waffe auch über Zugdrähte zünden und so als Fahrzeug-/Panzermine einsetzen kann.
Mit einer normalen AT4 aus einem geschlossenen Raum zu feuern, kann durch die heißen austretenden Gase gefährlich sein. Wenn innerhalb von 15 Metern hinter dem feuernden Soldaten eine Wand oder ein anderes festes Objekt steht, kann außerdem die Rückstoßflamme zum Soldaten zurückschlagen. Aus diesem Grund wurde speziell für den Häuserkampf die Version AT4 CS (Confined Spaces) entwickelt. Diese benutzt eine Gegenmasse aus Salzwasser, um die Rückstoßflamme zu dämpfen. Die Kosten für eine AT4 CS lagen im Jahr 2004 bei 2700 US-Dollar.
Technik und Aufbau
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die AT4 ist eine Einweg-Panzerabwehrhandwaffe mit Kaliber 84 mm. Die 1020 mm lange Waffe besteht aus einem Abschussrohr aus mit Glasfasern verstärktem Kunststoff mit einer Lavaldüse aus Aluminium. Im Rohr befindet sich die rund 1,8 kg schwere Granate mit der Treibladung. Ansonsten besteht die Waffe nur noch aus einer klappbaren Schulterstütze, einfachen Klappvisieren und der Abzugseinrichtung. Zumindest bei der US-Version kann auch ein Zielfernrohr oder eine andere optische Zielhilfe, beispielsweise ein Restlichtverstärker, montiert werden.
Varianten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- AT4 / M136: Zur Bekämpfung von Panzerfahrzeugen. Gewicht 6,7 kg. Durchschlagsleistung +450 mm Panzerstahl. Einsatzdistanz 20–400 m.[1][2]
- AT4 HP: Zur Bekämpfung von Panzerfahrzeugen. Panzerdurchschlag +500 mm Panzerstahl. Einsatzdistanz 20–300 m.[1]
- AT4 RS: Zur Bekämpfung von gepanzerten Fahrzeugen. Panzerdurchschlag +350 mm Panzerstahl. Einsatzdistanz 20–300 m.[1]
- AT4 ER: Zur Bekämpfung von Panzerfahrzeugen. Durchschlagsleistung +400 mm Panzerstahl. Einsatzdistanz 20–500 m.[1]
- AT4 AST: Mit Tandem-Gefechtskopf zur Bekämpfung von Gebäudestrukturen. Durchschlagsleistung 250 mm Stahlbeton. Einsatzdistanz 20–400 m.[1]
- AT4 HE: Mit Splitter-Gefechtskopf mit Stahlkugeln der über dem Ziel (Air Burst) oder mit Aufschlagzünder im Ziel detoniert. Einsatzdistanz 20–1.000 m.[1]
- AT4 CS RS / M136A1: Zur Bekämpfung von Panzerfahrzeugen. Kann aus kleinen, geschlossenen Räumen abgefeuert werden. Gewicht 8 kg. Durchschlagsleistung +400 mm Panzerstahl. Max. Einsatzdistanz 500 m.[2][3]
- AT4 CS ER: Zur Bekämpfung von Panzerfahrzeugen. Kann aus kleinen, geschlossenen Räumen abgefeuert werden. Gewicht 8,6 kg. Durchschlagsleistung 460 mm Panzerstahl. Max. Einsatzdistanz 600 m.[2][3]
- AT4 CS HP: Zur Bekämpfung von Panzerfahrzeugen. Kann aus kleinen, geschlossenen Räumen abgefeuert werden. Gewicht 8 kg. Durchschlagsleistung 500–600 mm Panzerstahl. Max. Einsatzdistanz 500 m.[2][3][4]
- AT4 CS AST: Mit Tandem-Gefechtskopf zur Bekämpfung von Gebäudestrukturen. Kann aus kleinen, geschlossenen Räumen abgefeuert werden. Gewicht 9,3 kg. Einsatzdistanz 20–400 m.[2][3]
- AT4 CS HE: Mit Splitter-Gefechtskopf mit Stahlkugeln der über dem Ziel (Air Burst) oder mit Aufschlagzünder im Ziel detoniert. Kann aus kleinen, geschlossenen Räumen abgefeuert werden. Gewicht 8,9 kg. Einsatzdistanz 20–1.000 m.[2][3]
- AT4 CS TW: Für die Ausschreibung „XM919 Individual Assault Munition (IAM)“ entwickelt. Mit Mehrzweck-Gefechtskopf zur Bekämpfung von Gebäudestrukturen und Panzerfahrzeugen. Kann aus kleinen, geschlossenen Räumen abgefeuert werden. Gewicht 9 kg. Effektive Einsatzdistanz 200 m und max. Einsatzdistanz 500 m[5][6]
Technische Daten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten](Angaben nach FAS.org[7] und Inetres.com[8])
- Länge: 1.020 mm
- Gesamtgewicht: 6,7 kg
- Kaliber: 84 mm
- Länge der Granate: 440 mm
- Gewicht des Geschosses: 1,8 kg
- Gewicht der Hohlladung: 0,44 kg
- Mündungsgeschwindigkeit: 285 Meter pro Sekunde
- Durchschlagsleistung: über 356 mm RHA
- Mindestschussentfernung: 10 m
- Maximale effektive Reichweite: 300 m
- Gesamtreichweite: 2100 m
- Optisches Visier mit 50-m-Einteilung
Nutzer
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Argentinien
Bosnien und Herzegowina
Brasilien
Chile
Dänemark – Lokale Bezeichnung PVV M/95 (Panserværnsvåben Model 1995)
Estland
Frankreich – Lokale Bezeichnung ABL (Anti Blindé Léger)
Griechenland
Irak – Die AT4 wurde von den USA zu tausenden an das irakische Militär geliefert, das Ende 2016 in der Schlacht um Mossul panzerbrechende Waffen zum Stoppen von Selbstmordattentätern benötigte, die Autobomben mit improvisierter Panzerung in den engen Straßen der Stadt gegen die vorrückenden Koalitionstruppen einsetzten.[9]
Irland – Lokale Bezeichnung SRAAW (Short Range Anti Armour Weapon)
Kolumbien
Lettland
Litauen
Libanon
Malaysia
Moldau – Pansarskott M/86 durch Schweden zur Verfügung gestellt.[10]
Niederlande
Schweden – Lokale Bezeichnung Pansarskott M/86
Taiwan
Ukraine[11]
Vereinigtes Königreich – Lokale Bezeichnung L2A1 (ILAW)
Vereinigte Staaten – Lokale Bezeichnung M136 AT4
Venezuela
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Günter Wollert, Reiner Lidschun, Wilfried Kopenhagen: Schützenwaffen. (1945–1985). In: Illustrierte Enzyklopädie der Schützenwaffen aus aller Welt. 5. Auflage. Band 1+2. Brandenburgisches Verlagshaus, Berlin 1988, ISBN 3-89488-057-0, Waffen, S. 365–366.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Maxim Popenker: AT4. Maxim Popenker, abgerufen am 23. März 2022 (englisch).
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 6 AT4 Shoulder-launched Weapons. (PDF) In: Saab Bofors Dynamics. saab.com, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 19. September 2016; abgerufen am 23. März 2018.
- 1 2 3 4 5 6 Saab.com: AT4 – Combat proven, future ready (PDF; 2,1 MB)
- 1 2 3 4 5 Saab.com: AT4 Family
- ↑ Weaponsystems.net: AT4
- ↑ Hartpunkt.de: AT4CS TW wird die zukünftige Individual Assault Munition der U.S. Army
- ↑ Saab.com: U.S. Army selects Saab’s AT4 solution for Individual Assault Munition programme
- ↑ Technische Daten der AT4 ( des vom 3. April 2007 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. auf FAS.org, abgerufen am 7. Januar 2009 (englisch).
- ↑ Technische Daten der AT4 auf Inetres.com, abgerufen am 7. Januar 2009 (englisch).
- ↑ Thomas Gibbons-Neff: ISIS video shows how the group has turned car bombs into its version of airstrikes. Washington Post vom 15. November 2016
- ↑ Sweden announces largest military aid package for Ukraine and additional support for Moldova. In: defence-industry.eu. 31. Januar 2025, abgerufen am 18. April 2025 (englisch).
- ↑ Ukraine receives AT4 anti-tank weapons from Sweden. In: armyrecognition.com. Army Recognition, 7. März 2022, abgerufen am 8. März 2022 (englisch).
