AN-M76
| AN-M76 | |
|---|---|
| Allgemeine Angaben | |
| Bezeichnung: | AN-M76[1] |
| Typ: | Brandbombe |
| Herkunftsland: | |
| Hersteller: | Chemical Warfare Service, Ordnance Departement, DuPont |
| Entwicklung: | 1943 |
| Indienststellung: | 1943 |
| Einsatzzeit: | 1943–1950er-Jahre |
| Technische Daten | |
| Gefechtsgewicht: | 214,6 kg |
| Länge: | 1,15 m |
| Durchmesser: | 355,6 mm |
| Spannweite: | 376 mm |
| Ausstattung | |
| Gefechtskopf: | 81,6 kg PT-1-Napalm |
| Zünder: | Aufschlagzünder, Zeitzünder |
| Waffenplattformen: | Bomber, Kampfflugzeuge |
| Liste von Bomben nach Herkunftsnation | |
Die AN-M76 war eine US-amerikanische Brandbombe, die während des Zweiten Weltkrieges produziert und eingesetzt wurde.
Entwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Entwicklung der AN-M76-Bombe begann 1943 im Edgewood Arsenal. Basierend auf einem Auftrag der U.S. Regierung sollte eine 500-Pfund-Brandbombe (227 kg) mit einem flüssigen Brandstoff entwickelt werden. Die Bombe sollte bei der Bekämpfung von Industrieanlagen zum Einsatz kommen. Die Entwickler beim Chemical Warfare Service (CWS) und DuPont griffen zu diesem Zweck auf die bereits erfolgreich eingesetzte AN-M64-Sprengbombe zurück. Sie nahmen von dieser die Bombenhülle und füllten diese mit dem neuentwickelten gelförmigen Brandstoff (PT-1 Pyrogel) von DuPont. Bereits nach wenigen Monaten Entwicklungszeit waren die ersten Bomben auslieferungsbereit. Gegenüber dem an der Harvard University zeitgleich entwickelten herkömmlichen Napalm haftet das PT-1-Pyrogel besser an Oberflächen. Ebenso besitzt es eine wesentlich längere Brenndauer und eine viel höhere Brandtemperatur.[2][3][4] Die stark brandfördernde Wirkung der Bombenfüllung konnten die Entwickler bei einem Brand eines Lagerschuppens mit ein paar Fässern PT-1-Pyrogel beobachten. Der angerückten Feuerwehr war es infolge der heftigen Feuer und der großen Hitzeentwicklung nicht möglich, den Brand zu bekämpfen. Sie konnten lediglich mit anschauen wie der ganze Schuppen niederbrannte.[2][5]
Technik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Bombe hatte eine zylindrische, längliche Rumpfform mit einem kreisrunden Querschnitt und einem ogiven Bombenkopf. Die Bombenhülle bestand aus Stahl. Am Bombenkopf betrug die Wanddicke 32 mm und am Bombenheck maß diese 7,6 mm. Am Heck waren vier Stabilisierungsflächen angebracht. Die Bombe hatte eine blau-graue Grundfarbe. Zwei violette Streifen kennzeichneten die AN-M76 als Brandbombe.[6] Die Bombe war 1,15 m lang, hatte einen Durchmesser von 355,6 mm und wog befüllt 214,6 kg.[7] In der Mitte des kreisrunden Bombenrumpfes befand sich ein Zentralrohr mit einem Durchmesser von 88,9 mm. In diesem war die M115-Aufreiß- und Anzündladung untergebracht. Diese bestand aus der AN-M14-Sprengladung mit 567 g Tetryl sowie den AN-M5-Behältern mit 4,08 kg Weißem Phosphor.[8] Um das Zentralrohr herum befand sich die Bombenfüllung aus 81,6 kg Brandstoff PT-1 Pyrogel. Dies war eine gelartige Mischung aus Benzin, Methacrylsäurebutylester, Magnesiumpulver, Kerosin sowie Erdölrückständen, Asphalt, Aktivkohle und Natriumnitrat.[9] Bezündert war die Bombe mit einem Kopf- und Heckzünder. Vorne am Bombenkopf wurde der Zünder in das Zentralrohr eingeschraubt. Dort kamen die Zünder M103, M135, M136, M139, M140, M164 und M165 zur Anwendung. Am Heck wurde der Zünder M101 verwendet.[8]
Beim Abwurf wurde mit einer Sicherungsleine der Splint an dem Zünder ausgerissen und der Zünder wurde durch die Windradentsicherung geschärft. Wurde die AN-M76 aus einer Flughöhe von 7.620 m (25.000 Fuß) abgeworfen, hatte sie beim Einschlag eine Geschwindigkeit von rund 305 m/s. Aus dieser Abwurfhöhe konnte die Bombe 38 cm Stahlbeton durchschlagen. Beim Aufschlag detonierte der Zünder und zündete die Spreng- und Anzündladung. Diese zerriss die Bombenhülle und entzündete die Brandmischung. Dabei wurde diese in einem Umkreis von über 60 m verspritzt.[8] Die Brandmischung hatte eine Brenndauer von 18–20 Minuten bei einer Brandtemperatur von bis zu 1.600 °C.[10] Das klebrige, brennende Gel war mit Wasser praktisch nicht zu löschen.[11]
Einsatz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die primären Einsatzplattformen waren die Bomber B-17 „Flying Fortress“ (12–16 AN-M76-Bomben), B-24 „Liberator“ (10–18 AN-M76-Bomben), B-25 „Mitchell“ (6–8 AN-M76-Bomben), B-26 „Marauder“ (6–8 AN-M76-Bomben), A-26 „Invader“ (8 AN-M76-Bomben) sowie die B-29 „Superfortress“ (max. 40, normal 20 AN-M76-Bomben).[11] Ab Anfang 1944 kam die AN-M76-Brandbombe versuchsweise in Europa und später auf den asiatischen Kriegsschauplätzen zum Einsatz. Der erste belegte Großeinsatz wurde von den US Army Air Forces (USAAF) über Berlin am 6. März 1944 durchgeführt.[4] Der erste großangelegte Angriff mit AN-M76-Bomben auf dem asiatischen Kriegsschauplatz erfolgte am 18. Oktober 1944 bei einem Bombenangriff auf Formosa.[12] Danach kam der Bombentyp bei den Luftangriffen auf japanischen Städte zum Einsatz.[13] Während des Zweiten Weltkrieges wurden 39.000 AN-M76 auf Deutschland und 38.000 auf Japan abgeworfen.[3][14] Von den Bomberbesatzungen wurde die AN-M76 scherzhaft „Blockburner“ oder „Goop“ genannt.[12]
Der nächste Einsatz der AN-M76 erfolgte während des Koreakrieges Dort wurde der Bombentyp durch die Bomber B-29 Superfortress beim Angriff auf Industrieanlagen sowie zum Flächenbombardement nordkoreanischer Städte eingesetzt.[15][16]
Nutzerstaaten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Uxoinfo, MOTIS, BOMB, INCENDIARY, 500 LB, AN-M76 (Datenblatt), (online-PDF 162 KB) ( vom 9. Mai 2018 im Internet Archive)
- 1 2 How we fight japan with fire, Popular Science Mai 1945, Seite 100–109, Zugriff: 26. Januar 2015
- 1 2 Leo P. Brophy, Wyndham D. Miles, Rexmond C. Cochrane: The Chemical Warfare Service: From Laboratory to Field, Center of Military History, United States Army, Washington D.C., 1988
- 1 2 Kleber, B.E. und Birdsell, D. : Chemical Warfare Service Chemicals in Combat, Center of Military History, United States Army, Zugriff: 26. Januar 2015
- ↑ Loc.gov: Dugway Proving Ground, German-Japanese Village
- ↑ War Department: Technical Manual TM 9-1904 Ammunition Inspection Guide, March 1944.
- ↑ United States Bombs and Fuzes; Pyrotechnics 1945. (PDF) In: ibiblio.org. US Navy Bomb Disposal School, abgerufen am 12. März 2026 (englisch).
- 1 2 3 OP 1664, Volume 2 - US Explosive Ordnance (1947). (PDF) In: bulletpicker.com. U. S. Navy, abgerufen am 18. Februar 2026 (englisch).
- ↑ Dtic.mil: National Defense Research Committee (NDRC): Summary Technical Report of Division 11, Volume 3: Fire Warfare, Incendiaries and Flame Throwers, Washington D.C. 1946 (PDF)
- ↑ Department of the Army Technical Manual: Technical Manual TM 3-400 Chemical Bombs & Clusters, Departments of the Army and the Air Force, May 1957.
- 1 2 Joint Target Group: Study of Incendiary Bombings for Employment by the United States Army Air Forces, NARA-M1655, Washington D.C. October 1944.
- 1 2 Firebombing Japan, Flying Magazine Okt. 1945 Seite 64,94,98, Zugriff: 26. Januar 2015
- ↑ The Army Air Force in the World War II, The Pacific: Matterhorn to Nagasaki June 1944 to August 1945, Zugriff: 26. Januar 2015
- ↑ Japanairraids.org/: Making "Goop" Out of Lemons: The Permanente Metals Corporation, Magnesium Incendiary Bombs, and the Struggle for Profits during World War II (PDF; 3,1 MB)
- ↑ Crane Conrad: American Airpower Strategy in Korea 1950-1953, University Press of Kansas 2000.
- ↑ Robert F. Dorr: B-29 Superfortress Units of the Korean War, Botley, Oxford, UK: Osprey Publishing, 2003. ISBN 1-84176-654-2.