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ABC-Zeitung

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ABC-Zeitung (Oktober 1969) in einem Kiosk in Dresden (unten rechts)

Die ABC-Zeitung war eine monatliche Kinderzeitschrift in der DDR. Sie erschien in einer Auflage von bis zu 885.000 Exemplaren, einem Umfang von 16 oder 24 Seiten (Stand 1983) und im Zirka-A4-Format im Verlag Junge Welt (zuerst, ab 1946, im Volk und Wissen Verlag) und war Organ des Zentralrates der FDJ.

Die Zeitung erschien zuerst am 1. Juli 1946 und war die älteste Kinderzeitschrift der DDR. Seinerzeit, ein Jahr nach Kriegsende, musste sie Schulbücher ersetzen.[1] Nach dem Ende der DDR erschien sie noch bis Ausgabe 2/1996 in der Verlags-Union Pabel-Moewig, Rastatt, weiter.

Erscheinungsweise und Vertrieb

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Als Schülerzeitschrift angelegt, war anfangs ihr Erscheinungsrhythmus dem Schuljahr angepasst, mit dem ersten Monatsheft im September und einem Doppelheft Juli/August, zuletzt 1970, vor den Sommerferien. Von Sommer 1971 an gab es ein Juli- und ein Augustheft. Ab Oktober 1976 entfiel der Bezug auf das Schuljahr. Das Heft hieß nur noch Nr. 10/1976. Ab Sommer 1987 bis zum Frühjahr 1990 erschien zusätzlich halbjährlich, im Mai und Oktober, eine Kleine ABC-Zeitung im A5-Format[2] und mit 32 Seiten zum Preis von 50 Pfennig.[3] Die Redaktion hatte ihren Sitz in Berlin-Mitte, Kronenstraße 30–31; Druckerei war Grafischer Großbetrieb Völkerfreundschaft Dresden.

Vertrieben wurde die ABC-Zeitung zum Heftpreis von 30 DDR-Pfennig direkt über die Schulen, im Abonnement und am Kiosk. Ab 1987 war die Erscheinungsweise zweimal im Monat mit 8 Seiten Umfang bei einem Preis von 15 Pfennig. In der Zeit des beginnenden Endes der DDR, ab Ausgabe 9/1990 (1. Maiheft), wurde der Umfang wieder auf 16 Seiten erweitert, und der Preis stieg zunächst auf 45 Pfennig, später 80 Pfennig.

Ab Januar 1969 wurde das bisherige Druckformat, ca. 28,5 cm × 20 cm, auf 33,8 cm × 23,4 cm vergrößert.[4]

Die ABC-Zeitung richtete sie sich an Schüler der Klassenstufen 1 bis 3 und behandelte inhaltlich Freizeit, Sport und Schule, war aber zugleich ein Propagandainstrument für Jungpioniere. Häufig wiederkehrende Themen waren das Leben von Wladimir Iljitsch Lenin, Karl Marx und Ernst Thälmann (dieser als Namensgeber der DDR-Pionierorganisation) sowie Berichte über die Lenin-Pioniere der Sowjetunion und Freundschaftstreffen mit in der DDR stationierten sowjetischen Soldaten. Berichte über Westdeutschland waren in der Regel mit Kritik verbunden: Das Maiheft 1967 beschreibt zum Beispiel die zunehmende Zahl von Zwergschulen mit einem einzigen Klassenraum sowie die fortbestehende Prügelstrafe[5].

In der Endphase der DDR erschien sie vom 2. Januarheft 1990 an nur noch als "ABC-Zeitung" für Schüler der 1. bis 3. Klasse, ohne Bezug auf die Pionierorganisation.

Jede Ausgabe hatte eine Seite Guten Tag, 1. Klasse mit Lese- und Rechenübungen. Die Mathematik-Olympiade der Schulen der DDR wurde jeweils im März (Heft 5 bzw. 1. Märzheft) mit Aufgaben für die Klassenstufen 1 bis 3, zum Teil bis Klasse 4, begleitet. Auf einer Doppelseite wurden z. B. 1968 Grundlagen der Astronomie wie die Neugung der Erdachse und die daraus folgenden Jahreszeiten erklärt.[6] Ab 1988 wurde das Phänomen des Computers thematisiert, zum Beispiel mit einer vierseitigen Anleitung, wie ein Computer-Algorithmus abläuft.[7]

Im Jahr 1967/68 erschien eine zehnteiliges Kinderlexikon auf Ausschneidekarten (September bis Juni) im Format A5 und mit zirka 500 Begriffen, erklärt entweder mit Text oder nur durch eine Zeichnung.

Der in der DDR aus dem Eulenspiegel bekannte und sehr populäre Zeichner Henry Büttner steuerte gelegentlich eine Witzeseite bei. Der ebenso berühmte Buchillustrator Werner Klemke (u. a. Grimms Märchen, Das Magazin) gestaltete manche Titelseiten der ABC-Zeitung.[8]

Symbolfiguren seit den 1960er Jahren waren zwei Kugelmännchen namens Rolli und Flitzi, zu denen sich später der Hund Schnapp gesellte.

  • Elisabeth Richter: bis Septemberheft 1965 (Schuljahr 1965/66)
  • Karl Heinz Semmelmann: Oktoberheft 1965 bis 1990

Fernwettkampf Wer ist der stärkste Pionier?

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In Ausgabe 3/1984 rief die ABC-Zeitung erstmals auch die Kinder ihrer Zielgruppe zum Fernwettbewerb um den Stärksten Pionier der DDR auf,[9] einen Dreikampf, der in früheren Jahren schon aus der Kinderzeitung Trommel bekannt war. Bei dieser Form für die kleineren Kinder wurden für die Mädchen als Teildisziplinen Schlusssprung aus dem Stand, Medizinballschocken und Anzahl der Seildurchschläge in einer Minute gewertet; für die Jungen Schlusssprung aus dem Stand, Medizinballschocken und Liegestütze (eine Minute).

Kritik am Zionismus

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Eine Geschichte der Ausgabe 11/1984, S. 18, geriet später als antisemitisch und antizionistisch in die Kritik. Die Geschichte Der Feuerdrache Zion, mit zwei anderen auf derselben Doppelseite verfasst von Paul Horst Basedow, beschreibt, wie der Drache Zion den Kindern Palästinas das Essen auffrisst und sie sich aufmachen, ihn zu vertreiben.[10][11]

  • Rudolf Chowanetz: Die Kinderzeitschriften in der DDR von 1946 bis 1960 (= Studien zur Geschichte der deutschen Kinder- und Jugendliteratur. Band 13, ZDB-ID 193898-8). Kinderbuchverlag, Berlin 1983, DNB 860543714.
  • Klaus-Dieter Stamm: Stichworte von A bis Z zu Bildung, Jugend und Gesellschaft in der DDR 1949–1990. Books on Demand, Norderstedt 2010, ISBN 978-3-8391-6533-1.
  • Gaby Falk, Hans Joachim Schneider (Hrsg.): Kindheit in der DDR. Mit Sandmann, Frösi und Pioniertuch durch vier aufregende Jahrzehnte. Hrsg. von Gaby Falk und Hans-Joachim Schneider. Komet, Köln 2013, ISBN 978-3-86941-156-9.
  • Die ABC-Zeitung. In: DDR-Comics.de. Guido Weißhahn, abgerufen am 22. Februar 2011.

Einzelnachweise

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  1. ABC-Zeitung. 1/1985, S. 3.
  2. Formatangabe in der Deutschen Digitalen Bibliothek: 23,4 x 16,6 cm)
  3. Kleine ABC-Zeitung. DNB 551354534 – Eintrag in der Deutschen Nationalbibliothek. Ausgabe Mai 1990 hatte einen Verkaufspreis von 1,00 M.
  4. Angabe in deutsche-digitale-bibliothek.de
  5. ABC-Zeitung Schuljahr 1966/67, Maiheft, S. 10/11
  6. ABC-Zeitung Dezember 1969, S. 12/13
  7. Kleine ABC-Zeitung. 5/1988, S. 22–26.
  8. Zum Beispiel Januarheft 1969 (Erscheinungsjahrgang 1968/69) und Märzheft 1971 (Erscheinungsjahrgang 1970/71)
  9. ABC-Zeitung. 3/1984, S. 18.
  10. So enthielt sie neben didaktischen Bilderserien auch Propagandageschichten, die teils der israelfeindlichen Politik der DDR folgten: Das Märchen vom Feuerdrachen Zion (Herbst 1984) Vgl. das Interview mit dem Antisemitismus-Forscher Wolfgang Benz: „Die DDR-Kinderzeitschrift ABC-Zeitung brachte im Herbst 1984 das Märchen vom Feuerdrachen Zion, der nahe dem Land der Kinder Palästinas lebte. Das [lies: Der] Drache war winzig klein und mickrig, konnte kein Feuer spucken, hatte eine piepsige Stimme, war hungrig und in jeder Beziehung elend und mitleiderregend. Die Kinder Palästinas gaben ihm zu essen, aber sie hatten nicht genug für den kleinen Drachen Zion. Er wurde zornig, flog aufs Feld, drosch mit seinem Schwanz die Ähren auf dem Halm und fraß die ganze Ernte auf. Auf die Klage der Kinder wurde er giftgrün vor Zorn, spie Feuer und Rauch und verwüstete das ganze Land.“ Zit. n.: Thomas Klatt: Antisemitismus in der DDR. Propaganda gegen Israel und Juden. In: Deutschlandfunk. Sendereihe Tag für Tag. Aus Religion und Gesellschaft. Radiobeitrag vom 23. Dezember 2015, abgerufen am 4. März 2016 ([korrigierte] Verschriftung des Radiobeitrags).
  11. Wolfgang Benz: Vom Vorurteil zur Gewalt. Politische und soziale Feindbilder in Geschichte und Gegenwart. Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2020, ISBN 978-3-451-82151-6, S. 393 ff. (eingeschränkter Scan in der Google-Buchsuche).
ABC-Zeitung
Beschreibung Kinderzeitschrift
Sprache Deutsch
Verlag Verlag Junge Welt, Verlags-Union Pabel-Moewig (DDR, BRD)
Hauptsitz Berlin, Leipzig, Rastatt
Erstausgabe 1946
Einstellung 1996
Erscheinungsweise monatlich
Verkaufte Auflage 885.000 Exemplare
Chefredakteur Gerhard Holtz-Baumert
Herausgeber Kurt Egbert Ebert,
Malla Naas
ISSN (Print)