Mainzer Dom

Der Hohe Dom zu Mainz ist die Bischofskirche der Diözese Mainz und steht unter dem Patrozinium des heiligen Martin von Tours. Der Ostchor ist dem Hl. Stephan geweiht.
Architektur und bauhistorische Entwicklung
Der Willigis-Bardo Bau
Motivation

Vermutlich kurz nach 975 veranlasste der damalige Erzbischof Willigis (zugleich Erzkanzler des Reiches) den Bau eines neuen Domes in ottonischen Formen. Möglicherweise begann Willigis den Bau auch erst gegen 998 mit dem Motiv, sich das Krönungsrecht für den Römisch-deutschen König zu erhalten. Gesichert ist dies jedoch nicht. Zweifelhaft an dieser Theorie wäre unter anderem die dann nur noch extrem kurze Zeit bis zur Vollendung des Baus.
Auch wenn diese Theorie nicht mehr bewiesen werden kann, so kann jedoch mit Sicherheit gesagt werden, dass pastorale Erwägungen dem Dombau nicht zugrunde lagen. Zur Amtszeit des Willigis, der zuvor am Hofe Ottos I. gedient hatte und der neben seiner Funktion als Erzbischof auch Reichserzkanzler des Heiligen Römischen Reiches war, prosperierte die Stadt Mainz zwar wegen ihrer neuen Bedeutung als Residenz des wichtigsten Reichsfürsten und Politikers, sie hatte dennoch nur wenige tausend Einwohner, die alle im neuen Dom Platz gefunden hätten. Der neue Dom sollte also nicht in erster Linie den Gläubigen dienen, sondern Staatsdom des sich allmählich erst endgültig konstituierenden Reiches sein.
Ausführung
Der Bau des Willigis besaß wegen seiner Größe noch kein Gewölbe und war als dreischiffige Säulenbasilika in der Form eines lateinischen Kreuzes ausgeführt. Trotz diversen An- und Umbauten hat sich diese Grundform des Doms bis heute erhalten. Nach Osten hin vorgelagert und mit ihm durch einen Säulengang verbunden war dem Dom eine kleine selbstständige Marienkirche, aus der sich im Laufe der Zeit die große Stiftskirche St. Mariagreden (Liebfrauenkirche) entwickelte. Der neue Dom löste vermutlich die benachbarte St. Johanniskirche als Domkirche ab. Endgültig geklärt ist die Funktion der Johanniskirche als Domkirche jedoch nicht. Ohnehin war das vor der Stadt gelegene Klosterkirche St. Alban zu diesem Zeitpunkt bereits seit fast zwei Jahrhunderten die bedeutendste Kirche des Erzbistums. Dort fanden, da die Kirche mit etwa 75 m Länge für die damalige Zeit erstaunlich groß war, alle wichtigen Synoden und Versammlungen statt. Auch die Mainzer Erzbischöfe wurden damals zumeist dort begraben.
Wegen der Nähe zum Rhein wies der Bauplatz eine sumpfige Beschaffenheit auf, weswegen Willigis ihn auf hölzernen Pfosten errichtete. Im seinem Dombau ist bereits die Doppelchoranlage mit den beiden Querhäusern und den sechs Türmen verwirklicht.
Die farbliche Gestaltung des Domes zu jener Zeit ist auch heute noch ein großes Forschungsgebiet des jeweiligen Domkonservators (z.Z. D. Hans-Jürgen Kotzur). Erst bei der Renovierung des Ostbaus, der heute noch viele Bestandteile der ursprünglichen Baus enthält, konnten 2002 Funde gemacht werden, die auf das Aussehen des Domes vor den Umbauten Kaiser Heinrichs IV. schließen lassen. Danach war der Dom damals außen weiß verputzt, wobei Lisenen und Gesimse aus rotem und gelben Sandstein nicht verputzt waren. Auch das Innere wurde vermutlich von Bardo geweißt. Das damalige Innere entspricht jedoch zumeist nicht mehr dem heutigen Baubestand (siehe unten).
Von der späteren Farbgestaltung im späten Mittelalter ist meist nichts bekannt. Es ist jedoch möglich, dass während weiteren Sanierungsarbeiten Nachweise gefunden werden können. Genauer bekannt ist erst wieder die Farbgestaltung des Barock und des 19. Jh. (siehe dort).
Doppelchoranlage
Der Sinn bzw. die Idee, die hinter der Bauform des Domes mit Doppelchor steckt ist bisweilen umstritten. Früher wurde häufig angenommen, die beiden gegenüberliegenden Chöre dienten der Versinnbildlich von sacerdotium und imperium, also geistlicher (verkörpert durch den Papst) und weltlicher (verkörpert durch den Kaiser) Gewalt. Diese These ist jedoch vermutlich nicht haltbar. In neueren Schriften wird daher angenommen, dass die Konzeption der Doppelchoranlage liturgische Gründe hatte. Sie ermöglichte feierliche Prozessionen zwischen den beiden Chören. Zunächst wurde beide Chöre gleichwertig nebeneinander genutzt. Später diente der Ostchor meist als Ort für die Messen der Dompfarrei, der Westchor (Hauptchor) als Bischofschor für die Pontifikalämter. Im Laufe der Jahrhundert wurde der Ostchor jedoch immer weniger genutzt. Heute finden dort die Stundengebete des Domkapitels statt.
Hauptchor im Westen
Im Gegensatz zu den meisten Kirchenbauten jener Zeit, deren Hauptchor stets gen Osten gerichtet war, ließ Willigis seinen Dombau „westen“, wie dies auch bei den großen Kathedralen Roms der Fall war. Überhaupt wies der Willigisbau durch das Atrium mit der vorgelagerten Kirche und den Arkadengängen sowie dem weit ausladenden Querhaus im Westen große Ähnlichkeiten mit Alt-St. Peter in Rom auf und tatsächlich lag es wohl in der Absicht des machtbewussten Willigis, durch diese Remineszenz einen eigenen Machtanspruch zu begründen. Gegen Ende des ersten Jahrtausends waren die Verhältnisse im Reich nämlich noch keineswegs so festgefügt wie dies im Hochmittelalter allmählich der Fall wurde. Am Tage der Einweihung (oder am Vortag) im Jahre 1009 wurde der Bau durch einen Brand zerstört. Ursächlich war vermutlich die Festillumination des Domes anlässlich des Weihetages. Zu solchen Anlässen wurden Kirchen im Mittelalter häufig mit Fackeln beleuchtet.
Unter beiden unmittelbaren den Nachfolgern des Willigis, Erkanbald und Aribo blieb der Dom als Ruine stehen. Erst Erzbischof Bardo (1031 - 1051) führte das Werk seines Vorgängers fort, so dass in Gegenwart des Kaisers (Konrad II.), 1036 der Dom endlich eingeweiht werden konnte. Nicht wieder aufgebaut wurden die zur Marienkirche führenden offenen Säulengänge. Bardo war der erste im Mainzer Dom begrabene Erzbischof. Vorher hatten die Erzbischöfe die damals überregional bedeutende große Klosterkirche St. Alban vor den Toren der Stadt als Grablege bevorzugt.
Der Ostchor Kaiser Heinrichs IV.
Von größter Bedeutung für die Baugeschichte des Mainzer Doms ist die Förderung Kaiser Heinrichs IV.. Anlass hierzu war der Brand von 1081, bei dem der Dom abermals schwer beschädigt worden war. Heinrich IV., der zuvor auch schon den Dom zu Speyer hatte umbauen lassen, begann um 1100 mit dem Aufbau des zerstörten Domes. Er ließ die statt des zuvor flachen Chorabschluss im Osten eine Apsis mit großen Blendarkaden und einer Zwerggalerie errichten, die der des Speyerer Doms ähnelt, und ersetzte den quadratischen Turm des Willigis-Bardo Baus durch eine achteckige Kuppel. In den neuen Ostchor ließ der Kaiser eine dreischiffige Hallenkrypta einsetzen, die sich vom Stil her vermutlich ebenfalls an die Krypta des Speyerer Doms anlehnte. Schon 1230 wurde sie zugunsten eines durchgängigen Bodenniveaus wieder eingeebnet. Außerdem wurde das östliche Querschiff erhöht und neben die Apsis zwei große Säulenstufenportale eingeführt, die zu den ältesten ihrer Art gehören. Als der Kaiser und Geldgeber 1106 starb, blieben viele Arbeiten unvollendet. Zu erkennen ist dies noch heute: Während das südliche Portal prächtig ausgestaltete korinthische Kapitelle besitzt, blieben die Kapitelle des Nordportals und der Zwerggalerie zum großen Teil bis heute unvollendet. Nach dem Ausbleiben der kaiserlichen Förderung waren die Ausführenden - Steinmetze aus der Lombardei - weitergezogen. Der Tod des Kaisers verleitete seinen Biographen zu prosaischen Wehklagen, das deutlich macht, was des Kaisers Ableben für den Mainzer Dom bedeutete („Heu Mogontia, quantum decus perdidisti, quae ad reparandam monasterii tui ruinam talem artificem amisisti! Si superstes esset, dum operi monasterii tui, quod inceperat, extremam manum imponeret, nimirum illud illi famoso Spirensi monatreio contenderet“ - Wehe Mainz, welche Zierde, welchen Künstler zur Wiederherstellung deiner ruinösen Münsterkirche hast du verloren! Wenn er so lange am Leben geblieben wäre, bis er letzte Hand an den von ihm begonnen Dombau gelegt hätte, so hätte dieser unstreitig mit dem berühmten Speyerer Dom wetteifern können). Weil mit Heinrich IV. ein Kaiser am Dombau gewirkt hatte, gehört der Mainzer Dom zusammen mit dem Wormser Dom und dem Dom zu Speyer zu den drei rheinischen Kaiserdomen.
Die Entstehung des heutigen Langhauses

Die weiteren Bauarbeiten am Dom wurden danach von den Erzbischöfen fortgesetzt. Das Ausbleiben der kaiserlichen Förderung bewirkte jedoch, dass das Langhaus nicht die Qualität erreichte wie der Ostchor. Für diesen hatte der Kaiser hochwertigen Sandstein aus dem Spessart und dem Haardttal heranschaffen lassen, der auch für den Speyerer Dom und die Klosterkirche Limburg an der Haardt verwendet worden war. Nun wurde auf Muschelkalk aus den nahegelegenen Weisenauer Steinbrüchen zurückgegriffen. Unklar ist jedoch, wann genau mit dem Langhaus begonnen wurde.
Erzbischof Adalbert I. von Saarbrücken (1110 - 1137) ließ die romanische Doppelstockkapelle, die Gotthard-Kapelle, als Palastkapelle der Erzbischöfe neben dem Dom errichten. Da die Gewölbeformen dieser Kapelle denen des Langhauses ähneln, ist es möglich das es dieser war, der auch mit dem neuen Langhaus begann, das das bis dorthin immer noch vorhandene Langhaus des Willigis ersetzte. Die Quellen jener sprechen von einem prachtvollen „tectum“, wobei dies Gewölbe oder Dach bedeuten kann.
Bei der Konzeption des Langhauses orientierten sich die Baumeister wiederum am Dom zu Speyer, welcher als erster Großgewölbebau jenseits der Alpen das Vorbild für romanische Architektur in Deutschland bildete. Eine exakte Kopie konnte das Mittelschiff jedoch nicht werden, weil man sich beim Bau an den Vorgaben des einzubeziehenden Ostchors bezüglich der Höhe richten musste. Das Mittelschiff wurde daher im Vergleich zum Willigis erheblich niedriger ausgeführt, nämlich mit 28 m statt 33 m, nun aber als Pfeilerbasilika. Die Fenster des Obergadens mussten deshalb paarweise zusammengerückt werden. Daher war es nicht möglich, die großen Blendbögen wie im Speyerer Dom um die Fenster zu führen. Im Mainzer Dom enden sie unterhalb der Fenster und schaffen so einen dreizonigen Wandaufriss, was damals ein Novum war.
Insgesamt wurde das gesamte Langhaus in eher schlichter Weise ausgeführt. Auf großartige Bauzier wie in Speyer wurde verzichtet. Die ursprünglichen Außenmauern waren ebenfalls funktional ausgeführt. Sie verschwanden fast vollständig, nachdem ab 1279 gotische Seitenkapellen angefügt wurden.
Am Langhaus wurde praktisch das ganze 12. Jahrhundert mehr oder weniger intensiv gebaut. Die letzte Bauphase war die Zeit um das Jahr zwölfhundert, als der Dom auch das für die Zeit der Romanik eher unübliche Kreuzrippengewölbe statt eines Kreuzgratgewölbes erhielt.
Der Westbau
Erst während dieser letzten Phase entschloss man sich auch offenbar, den alten Westbau des Willigis zu ersetzen. Die Ausführung erfolgte ganz im Stile der niederrheinischen Spätromanik, während der Ostbau im Stile der obrrheinischen Hochromanik gehalten war. Zu erkennen ist dies vor allem an den sehr fein gestaltete und künstlerisch weit entwickelten Kapitellen und einer reicheren Verwendung von Baudekor, die im Laufe der Zeit den strengen Formen der Hochromanik Platz gemacht hatte.
Um den neuen Westbau einwölben zu können, wurde das weitausladende Querhaus des Willigis, ein Stilmittel der Frühromanik (siehe auch die Klosterkirche in Fulda), verkürzt, um Nord- und Südarm mit jeweils einem Gewölbe überspannen zu können. Das Innere des neuen Westbaus sollte an das Langhaus anknüpfen und ist deshalb ebenfalls mit schlichten kahlen Wänden gestaltet, die aber durch größere Fenster unterbrochen werden. Eine Ausnahme von dieser Schlichtheit bildet jedoch die große, achteckige rippengewölbte Vierungskuppel, welche nicht nur durch Fenster belichtet, sondern auch reich durch umlaufende Blendarkaden, Rundbogenfriese und Säulenkapitelle geschmückt ist.
Dem Querhaus des Westbaus schließt sich der Hauptchor des Domes an, der als Trikonchos ausgestaltet ist: Um ein rippengewölbes Quadrat schließen sich an den drei verbleibenden Seiten drei kleine Absiden an, die jedoch nich rund, sondern durch doppelte Brechung dreiseitig ausgeführt sind. Dabei sind die beiden westlichen Pfeiler des Quadrats massig gemauert, um die beiden achteckigen Treppentürmchen tragen zu können. Das Äußere des Westbaus ist ist dagegen weitaus schmuckvoller gehalten, jedenfalls was die oberen Abschlüsse der Mauern angeht. Da der Dom immer umbaut war, hatte man in den unteren Bereichen an übermäßiger Bauzier kein Interesse. Die oberen Abschlüsse sind jedoch dafür umso reicher verziert. Das Chorquadrat ist nach allen drei offenen Seiten hin mit Giebeln bekrönt, die an ihren Seiten wiederum mit prächtigen Speichenrosen geschmückt sind. Dort, wo sich die Giebel kreuzen thront seit 1769 (1928 durch eine Kopie ersetzt) der Hauptpatron des Domes und des Bistums, der Hl. Martin über dem Westchor. Die Apsiden selbst werden von einer säulengeschmückten Zwerggalerie umlaufen. Seine Krönung findet die Pracht des Westbaus jedoch in der Ausgestaltung der Querhausgiebelseiten, die reich mit Blendarkaden, Kapitellen und feingliedrigem Giebelschmuck augestattet sind. Der Westbau mit seiner Kuppel gilt als Meisterwerk staufischer Baukunst und ist eines der spätesten Zeugnisse romanischer Baukunst überhaupt. In Frankreich war zur Bauzeit längst die Hochgotik angebrochen, bis zum Baubeginn des neuen Kölner Doms war es nur noch ein Jahrzehnt.
Nach Beendigung der Bauten konnte der Dom am 4. Juli 1239 durch Erzbischof Siegfried III. von Eppstein eingeweiht werden.
Gotik am Mainzer Dom

Zur selben Zeit wie die Entstehung des spätromanischen Westbaus erschuf der Naumburger Meister einen nun schon gotischen Westlettner, der eine Weltgerichtsdarstellung zeigte. 1682 wurde er abgebrochen und durch barocke Choretten ersetzt, von denen heute nur noch die Teile zum Querhaus vorhanden sind. Vom Westlettner des Naumburger Meistes sind nur Bruchstücke vorhanden. Einige, darunter der berühmte Kopf mit Binde, sind heute im Dom- und Diözesanmuseum aufbewahrt. Ein anderes, der Bassenheimer Reiter, ein Martinus-Relief, befindet sich in der Bassenheimer Pfarrkirche bei Koblenz.
Ab 1279 wurden die Langhausseiten des Domes nach und nach gotische Seitenkapellen mit großen Maßwerkfenstern angebaut. Erzbischof Johann II. von Nassau ließ ab 1418 von dem Ostchor eine zweigeschossige, frei im Mittelschiff stehende Grabkapelle errichten, von der heute nur noch der unterirdische Teil erhalten ist. Gotisch ausgestaltet wurde bis ins 15. Jahrhundert auch das Äußere: Die Vierungstürme im Osten (ab 1361) und Westen (ab 1418) wurden mit gotischen Glockenstuben aufgestockt und erhielten steile gotische Turmhelme. Wegen des ernormen Gewichts der östlichen Glockenstube musste in den Ostchor nach 1430 gar ein gotischer Stützpfeiler eingefügt werden, der erst mit dem Abbruch der Stube 1871 wieder entfernt wurde. Auch die Treppentürmchen und sogar die Gotthardkapelle erhielten gotische Türmchen bzw. Dachreiter. Gänzlich neu errichtet wurde die dem Dom vorgelagerte Stiftskirche St. Mariagreden (Liebfrauen).
Barocke Kunst
Der durch Blitzeinschlag 1767 wie das übrige Dach abgebrannte große westliche Vierungsturmhelm wurde von Franz Ignaz Michael Neumann, dem Sohn des berühmten Balthasar Neumann, 1769 mit einem steinernen barocken Turmhelm versehen, dem der Mainzer Dom bis heute sein charakteristisches Bild zu verdanken hat. Neumann gestaltete dabei auch die westlichen Treppentürmchen neu und bezog ist sein Werk auch Stilelemente der Spätgorik ein. Auch der heutige Wetterhahn, der so genannte „Domsgickel“, welcher Stoff zahlreicher literarischer Betrachtungen von Mainzer Dichtern und Fastnachtern war und ist, stammt in seinem Grundbstand aus der Zeit des damaligen Umbaus.
Die Barockzeit brachte auch Veränderungen in der Farbgestaltung des Domes mit sich. Wie viele Barockneubauten wurde der Dom 1758 innen weiß angestrichen und erhielt außerdem farblose Fenster. Es kann daher vermutet werden, dass der Dom zuvor nicht wie noch der Willigis-Bardo Bau geweißt war.
Der Dom und die Umbauten des 19. Jahrhunderts
Der Untergang des alten Erzbistums und die damit verbundenen Wirren gingen auch am Mainzer Dom nicht spurlos vorüber. Bei der Beschießung der Stadt durch die Preussen 1793 wurde der Dom schwer getroffen. Insbesondere die Ostgruppe war in Mitleidenschaft gezogen. Die gotische Liebfrauenkirche wurde ebenfalls schwer beschädigt und 1803 sogar abgebrochen, obwohl dies nicht unbedingt nötig gewesen wäre.
In den Zeiten der Mainzer Republik diente der Dom als Heerlager, die Ausstattung wurde teilweise verkauft oder verfeuert. Schließlich war der Dom selbst vom Abbruch bedroht. Dieses Schicksal konnte von Bischof Colmar mit Hilfe Napoleons vom Dom abgewendet werden. Colmar führte den Dom wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zu. Dies beeinhaltete auch umfangreiche Restaurierungsarbeiten, die sich bis 1831 hinzogen. Zunächst wurden das Innere wieder benutzbar gemacht und die Dächer instandgesetzt. Dann folgte die Neugestaltung des zerstörten östlichen Hauptturms durch den Regierungsbaumeister Georg Moller. Moller setzte der alten gotischen Glockenstube eine spitzbogige schmiedeeiserne Kuppel aus. Diese wurde schon 1870 wieder abgebrochen, da das Mauerwerk Risse zu zeigen anfing.
1875 wurde durch P. J. H. Cuypers der heutige neu-romanische östliche Vierungsturm geschaffen. Das Werk Cuypers' ist der Abschluss dieser längeren Bauphase am Ostwerk. Da dem Vierungsturm nunmehr das schwere Glockengeschoss fehlte, wurde der alte gotische Stützpfeiler im Inneren abgerissen. Außerdem wurde die Ostchorkrypta wiedererrichtet, wobei man auf die ursprüngliche Höhe der Krypta des Heinrich IV.-Baus verzichtete.
Restaurationsmaßnahmen im 20. Jahrhundert
Im 20. Jahrhundert wurde am Dom vor allem unter dem Gesichtspunkt der Bewahrung gebaut. Die erste Bewahrungsmaßnahme wurde nötig, als die alten Pfahlroste des Willigis-Baus durch das Absinken des Grundwasserspiegels zu faulen beginnen. Die Arbeiten begannen 1909. Als die Arbeiten zu Kriegsende vorläufig eingestellt wurden, nahmen die durch das instabile Fundament ausgelösten Mauerschäden so zu, dass schließlich der Bestand des Domes an sich gefährdet war. Der Dom wurde daher von 1924 - 1928 auf Betonfundamente gestellt. Ausserdem wurde der heutige rötliche Fußboden eingezogen und das meiste der Ausmalungen entfernt.
Im Zweiten Weltkrieg war Mainz mehrmals Ziel verheerender Luftangriffe. Im August 1942 erhielt der Dom mehrere Treffer und brannte aus. Das Gewölbe jedoch überstand alle Bombardements, wie auch schon 1793. Die äußeren Restaurierungsarbeiten nach dem Kriege, bei denen auch Verwitterungsschäden beseitigt wurden, zogen sich in die 70er hin, ebenso wie die Arbeiten an der Inneraumgestaltung, insbesondere der neuen Verglasung. Abschließend wurde der Dom außen mineralrot gefärbelt. 1975 beging man feierlich die Tausendjahrfeier.
2001 begann erneut eine Sanierung des Domes, deren Dauer zu Beginn der Baumaßnahmen auf zehn bis 15 Jahre veranschlagt wurde. Umfasst werden von den Sanierungsmaßnahmen alle Teile des Domes, sowohl innen als auch außen. Auch die Ausstattung ist teilweise betroffen. So gibt es seit längerem die Überlegungen für eine Langhausorgel (eine Orgel, die praktisch an der Wand des Langhauses unter dem Obergaden aufgehangen wird).
Königskrönungen im Dom
Im Laufe des Mittelalters fanden in Mainz sieben Königskrönungen statt. Im Hoch- und Spätmittelalter war Aachen der durch Tradition legitimierte Krönungsort, eine Krönung in Mainz wurde von den politischen Gegnern als Formfehler betrachtet, der die Krönung ungültig machte. Nicht alle Krönungen wurden im Mainzer Dom selbst vorgenommen, da dieser wie beschrieben im Laufe des Mittelalters einige Male abgebrannt war.
Im Dom vorgenommen wurden die Krönungen von
- Agnes von Poitou 1043 durch Erzbischof Bardo
- Rudolf von Rheinfelden, auch: Rudolf von Schwaben (26. März 1077)
- Mathilde 1100, die Frau Heinrichs V. durch den Kölner Erzbischof Friedrich I. von Schwarzenburg
- Philipp von Schwaben (8. September 1198) durch Bischof Aimo von Tarantaise
- Friedrich II. (9. Dezember 1212) durch Siegfried II. von Eppstein
Die Krönungen von
- Heinrich II. (6. Juni 1002) und
- Konrad II. (8. September 1024) durch Erzbischof Aribo
fanden vermutlich im alten Dom, der benachbarten Johanniskirche, statt.
Die Ausstattung
Im Mainzer Dom ist - obwohl er im Laufe der Zeit fast die Hälfte seiner Ausstattung verloren hat - eine der reichsten Kirchenausstattungen der Christenheit zu finden. Bedeutendste Aussattungsstücke sind hierbei die Altäre und die Grabdenkmäler der Erzbischöfe und einiger Prälaten, die ein einzigartiges Bild von der Entwicklung dieser Kunstrichtung zeigen.
Geschichte
Die Ausstattung zur Zeit des Willigis

Obwohl der Dom beim Betreten opulent ausgestattet zu sein scheint, ist vieles an Ausstattung im Laufe verloren gegangen. Das frühste Aussattungsstück, dessen Entstehung und Verlust bekannt ist, ist das Willigis'sche so genannte Benna-Kreuz. Dieses Kreuz bestand aus mit Goldplatten beschlagenem Holz mit einer überlebensgroßen Christusfigur, die aus purem Gold war. Willigis hatte sie aus Zolleinnahmen fertigen lassen. Noch im Laufe des Hochmittelalters wurde das Kreuz stückweise von den Erzbischöfe zur Finanzierung von Fehden und Kreuzzügen verkauft. Erhalten blieben dagegen die großen Bronzetüren, die Meister Berenger im Auftrage Willigis' fertigte. Diese Türen waren laut Inschrift die ersten aus Metall gefertigten Türen seit Karl dem Großen, was von Vertretern der oben beschriebenen Theorie, wonach Willigis mit seinem Dombau Aachen als Krönungsort ablösen wollte, als weitere Machtdemonstration angesehen wird. Die Türen waren ursprünglich in der dem Dom vorgelagerten Liebfrauenkirche eingebaut. Diese erstreckte sich nämlich zum Rhein hin und empfing so nach dem Zeremoniell den per Schiff ankommenden König bzw. Kaiser. 1135 ließ Erzbischof Adalbert I. von Saarbrücken in den oberen Teil der Türen das von ihm gewährte Stadtprivileg eingraben. Nach dem Abbruch der Liebfrauenkirche 1803 kamen die Türen an den Dom und bilden dort heute das Marktportal.
Über die sonstige Ausstattung des Willigis-Domes ist nicht viel bekannt. Der Reichtum vieler großer Kirchen kam meist daher, das Herrscher- bzw. Adelsfamilien für ihr Seelenheil ihnen Stiftungen zukommen ließen. Da der Willigis-Bau schon am Weihetag (oder am Tag zuvor) abbrannte, ist es möglicherweise niemals zu einer reicheren Ausstattung gekommen.
Da auch in den beiden Jahrhunderten nach Willigis vor allem am Dom selber gebaut wurde, kam es auch in dieser Zeit nicht zu einer weitergehenden Ausstattung des Domes, weswegen heute abgesehen von der eigentlichen Bausubstanz und einigen in Gräbern gefundenen liturgischer Geräte keine Elemente der Romanik mehr am Dom vorhanden sind. Eine Ausnahme hiervon bildet das so genannte Udenheimer Kruzifix, welches aber nicht zur ursprünglichen Ausstattung des Domes gehört, sondern erst 1962 aus einer Kirche in Udenheim angekauft wurde. Die genaue Entstehungszeit dieses Kreuzes ist umstritten, teilweise wird es bis ins 8. Jh. zurückdatiert, meist wird eine Zeit zwischen 1070 und 1140 angenommen.
Gotische Ausstattungsgegenstände
Erst mit Anbruch der Gotik wuchs der Reichtum der Ausstattung beständig an. In die ab 1278 angebauten Seitenkapellen wurden gotische Altäre eingebaut, die mit Anbruch des Barock größtenteils ersetzt wurden. Bedeutendster noch erhaltener Altar ist hier der spätgotische Marienaltar mit der „Schönen Mainzerin“. Aus dieser Zeit stammt auch die große Kanzel im Mittelschiff. Weitere gotische Ausstattungsstücke beherbergte die Liebfrauenkirche. Dazu gehört insbesondere das große Taufbecken, welches aus dem Jahr 1328 stammt und einer der größten - wenn nicht der größte - jemals aus Zinn gegossene Gegenstand ist. Das Taufbecken stand in der Liebfrauenkirche, da diese als Taufkirche der Dompfarrei diente. Im Dom selbst wurde damals nicht getauft. Heute steht das Becken im nördlichen Querhausarm. Aus der Liebfrauenkirche hat sich auch ein Portrait der Gottesmutter Maria erhalten, das heute in der Augustinerkirche zu finden ist. In die Übergangsphase von der Spätgotik zur Renaissance ist noch die Grablegungsszene des so genannten Adalbert-Meisters zu datieren, die sich heute in einer Seitenkapelle des Doms befindet. Nur in Fragmenten erhalten ist dagegen der Westlettner des Naumburger Meisters. Die Reste finden sich heute größtenteils im Dom- und Diözesanmuseum.
Die Ausstattung zur Zeit von Barock und Rokoko
Da während der Zeit des Barock die Stadt Mainz vor allem unter den Erzbischöfen Johann Philipp von Schönborn (1647 - 1673) und Lothar Franz von Schönborn (1695 - 1729) eine neue Blütezeit erlebte, die mit reger Bautätigkeit einherging, fehlt es auch im Dom nicht an barocken Ausstattungsgegenständen. Viele der gotischen Altäre wurden durch barocke ersetzt, weitere Altäre wurden hinzugefügt, wie etwa der Nassauer Altar von 1601, der sich im nördlichen Querhaus befindet. Der Westlettner des Naumburger Meisters wurde 1682 abgebrochen und durch barocke Choretten ersetzt (siehe auch oben).
Das größte und wichtigste Kunstwerk jener Zeit ist jedoch das schon dem Rokoko zugehörige große Chorgestühl des Westchors. Es wurde zwischen 1760 und 1765 von Franz Anton Hermann geschaffen. Die Verzierungen des Chorgestühl das von einem Standbild des Hl. Martin über dem Baldachin des Bischofs bekrönt wird, stellt keinen Bibelzyklus dar, sondern bildet die Wappen des Erzstiftes und seiner Dignitäten ab und sollte so wohl einen Eindruck von Macht und Herrlichkeit der alten Mainzer Kirche erzeugen. Das Chorgstühl des Ostchors ist wesentlich schlichter ausgeführt und stammt aus der in napoleonischer Zeit abgerissenen Schlosskirche St. Gangolph.
Die spätere Ausstattung
Im 19. Jahrhundert widmete man sich vor allem dem Bauwerk. An Ausstattung kam dagegen nichts erwähnenswertes hinzu. Von der neu hinzugekommen Ausstattung des 20. Jahrhunderts ist vor allem das große, an historische Vorbilder erinnnernde Bronzekreuz in der Westvierung zu erwähnen, das zum tausendjährigen Domjubiläum geschaffen wurde. Bedeutend ist auch der „Schrein der Mainzer Heiligen“ in der Ostkrypta des Domes, der 1960 gestiftet worden ist.
Die Grabdenkmäler

Am bedeutendsten für die Kunstgeschichte aber sind die Grabdenkmäler. Der Mainzer Dom beherbergt die umfangreichste Sammlung solcher Kunstwerke auf dem Gebiet des ehemaligen Heiligen Römischen Reiches. Die Grabdenkmäler sind der Ausdruck des Selbstverständnisses der Mainzer Erzbischöfe, die damals nicht nur der gröten Kirchenprovinz jenseits der Alpen vorstanden, sondern auch ranghöchste Reichsfürsten und lange Zeit Vertreter des Papstes und Primas Germaniae waren. Mit der Errichtung eines Grabdenkmales für den jeweiligen Vorgänger ordneten sich die Erzbischöfe in die Reihe der Mainzer Erzbischöfe ein und beanspruchten so die ihnen seit Generationen zustehenden Privilegien. Aber nicht nur Erzbischöfe, sondern auch Mitglieder des Domkapitels ließen sich Grabdenkmäler im Dom errichten. Stilistisch sind in den Grabdenkmälern alle Epochen der europäischen Kunstgeschichte von der Gotik über den Barock bis hin zu den sich wieder am Mittelalter orientierenden Denkmälern den 19. Jahrhunderts. Auf figürliche Darstellung begann man gegen Ende des Jahrhunderts zu verzichten.
Das älteste dieser Denkmäler ist das des Erzbischofs Siegfried III. von Eppstein († 1249). Es zeigt ihn - wie auch später beim Denkmal Peters von Aspelt zu sehen - als Königkröner und ist ursprünglich noch als Grabplatte gedacht gewesen, was man am gemeisselten Kissen undter dem Kopf des Erzbischofs erkennen kann. Erst später wurde es senkrecht an einem Pfeiler des Mittelschiffs angebracht, 1834 wurde es mit Ölfarbe angemalt.
Das erste direkt an der Wand angebrachte Grabdenkmal war jenes von Erzbischof Konrad II. von Weinsberg († 1396). Die Denkmäler seiner Nachfolger im 15. Jahrhundert gehören zu den qualititativ hochwertigsten. Zu nennen sind vor allem die Grabdenkmäler der Erzbischöfe Johann II. von Nassau und Konrad III. von Dhaun.
Am Übergang von der Spätgotik zu Renaissance sind zunächst die Grabdenkmäler des Erzbischofs Berthold von Henneberg bemerkenswert, der sich als erster vermutlich schon zu Lebzeiten gleich zwei Denkmäler hatte anfertigen lassen. Die Grabplatte besteht aus damals überaus teurem roten Marmor und wurde mit einer sich von anderen Grabdenkmälern abhebenden Qualität angefertigt. Bemerkenswert ist auch das Denkmal Erzbischof Uriel von Gemmingens. Es ist gänzlich anders gestaltet als alle anderen Grabdenkmäler, da es den Erzbischof nicht in herrischer Pose, sondern demütig unter einem Kreuz knieend darstellt.
Endgültig zur Renaissance zählend ist das Grabdenkmal des Erzbischofs und Kardinals Albrecht von Brandenburg. Albrecht war gleichzeitig Erzbischof von Mainz und von Magdeburg, weswegen er auf seinem Grabdenkmal zwei Pallien trägt. Auch Albrecht hatte sich neben dem Denkmal noch eine Grabplatte anfertigen lassen, welche heute in unmittelbarer Nähe des Denkmals hängt. Als einzige ihrer Art im Mainzer Dom ist ihre Inschrift in deutscher Sprache verfasst. Die Formensprache und Farbgebung des Albrecht-Monuments findet sich auch - da vom selben Künstler stammend - beim Denkmal seines Nachfolgers Sebastian von Heusenstamm.
Das letzte dieser Denkmäler, die den Verstorbenen als Statue zeigen, ist das von Erzbischof Damian Hartard von der Leyen. Danach werden auf den Denkmälern - falls sie noch aus einer figürlichen Darstellung bestehen - nur noch Szenerien dargestellt. So zeigt zum Beispiel das einzige Denkmal eines Laien den 1689 gefallenen Reichsgrafen Karl Adam von Lamberg, wie er aus dem Sarg zur Auferstehung steigt. Aus dieser Epoche, die dem Barock bzw. dem Rokoko zuzuordnen ist, stammt auch das mit 8,33 m größte Grabdenkmal das Domes, welches den Dompropst Heinrich Ferdinand von der Leyen darstellt.
Um 1800 begann man dann, sich wieder auf mittelalterliche Vorbilder zurückzubesinnen. Die Grabdenkmäler wurden nun auch wieder als Tumben mit Reliefs gestaltet, wie zum Beispiel das des bedeutenden Mainzer Bischofs Wilhelm Emmanuel von Ketteler. Ab 1925 wurden alle Bischöfe in Grabnischen in der Westkrypta begraben.
Überblick über die beiden Krypten und die Nassauer Kapelle
Der Dom weist zwei Krypten und eine unterirdische Kapelle auf.
- West- oder Lulluskrypta
- Die Lulluskrypta unter der westlichen Vierung (benannt nach Erzbischof Lullus († 786) wurde 1927/28 erbaut und dient seither als Grablege der Mainzer Bischöfe.
- Hier ruhen unter anderem
- Ludwig Maria Hugo († 1935)
- Albert Stohr († 1961)
- Hermann Kardinal Volk († 1988)
- Weihbischof Josef Maria Reuss († 1985)
- Ostkrypta
- Die Ostkrypta bestand schon im Mittelalter, wurde aber später schon zur Zeit der Gotik eingeebnet, um dem Dom ein durchgehendes Niveau zu verschaffen. 1877 wurde sie wiedererichtet.
- Die Ostkrypta dient vor allem dem Gedenken derer, die in besonderer Weise mit dem Bistum Mainz verbunden sind, insbesondere der Mainzer Heiligen, für die in der Ostkrypta ein Schrein geschaffen wurde. Zu den bedeutenden Mainzer Heiligen gehört neben Bonifatius auch die Hl. Hildegard von Bingen.
- Nassauerkapelle
- Direkt gegenüber der Ostkrypta befindet sich ein kleiner Gang, welcher zu sogenannten Nassauer Kapelle führt. Diese 1417 errichtete Kapelle war ursprünglich doppelgeschossig, ragte also ins Mittelschiff des Domes herein. Heute existiert nur noch der unterirdische Teil, welcher eine Grablegungsszene enthält. Die Kapelle wird nur in der Karwoche geöffnet.
Orgel
Der Mainzer Dom verfügt über eine der kompliziertesten Orgelanlagen. Dem Denkmalschutz Rechnung tragend, wurden die Orgelwerke möglichst unscheinbar in den Kirchenraum eingefügt. Die Orgeln des Mainzer Doms haben 114 Register mit 7986 Pfeifen.
Dabei gliedert sich die Orgelanlage in drei große Teile
- Westchor: Bei der Domrestaurierung 1960 wurden Teile der alten Klais-Orgel von 1928 durch die Fa. Kemper umgestaltet und als zweiteiliges Werk links und rechts hinter das Westchorgestühl gesetzt. Die Orgel besitzt einen eigenen Spieltisch im Westchor.
- Querhaus:
- Südemporenorgel: Der Mainzer Dom verfügt in seiner Vierung über zwei sog. Choretten, die die Vierung nach Norden und Süden ähnlich einem Lettner abtrennen. Auf der Südchorette befindet sich die Südemporenorgel, das Leitwerk der Orgelanlage. Im Wesentlichen besteht diese ebenfalls aus Teilen der alten Klais-Orgel von 1928. Auf der Südchorette befindet sich außerdem der Zentralspieltisch, von dem alle Pfeifen der gesamten Orgelanlage einzeln angespielt werden können. Der Zentralspieltisch verfügt als einziger in Deutschland über sechs Manuale, also Tastenreihen.
- Nordwandorgel: Auch diese Orgel besteht im wesentlichen aus der alten viermanualigen Klais-Orgel. Zusammen mit dem Führungswerk auf der Chorette stellt sie das Hauptwerk dar.
- Ostchor: Die Ostchororgel der Fa. Kemper ist eine komplett neugeschaffene Orgel von 1960. Eingebaut ist sie aus Denkmalschutzgründen nicht in die Konche, also den Scheitelpunkt der Ostapsis, sondern seitlich oben links und rechts in die sogenannten Kaiserlogen. Die Ostchororgel, die ebenfalls einen eigenen Spieltisch hat, dient vor allem der Führung des Gemeindegesanges und der Begleitung der Stundengebete im Ostchor.
- Besonderheit
- In der Glöcknerstube des Mainzer Doms, die sich hoch oben im nördlichen Querhaus befindet, wurde 2003 ein Register mit sogenannten "Spanischen Trompeten" eingebaut. Die vom Volksmund "Kardinalstrompeten" genannten Pfeifen begrüßen den Bischof bei hohen Feiertagen.
- Sonstiges
- Auch die dem Dom angefügte Gotthardkapelle verfügt über eine kleine Pfeifenorgel. Diese von der Orgelbauerfamilie Oberlinger gebaute Orgel ist jedoch nicht vom Zentralspieltisch anspielbar.
Bedingt durch die schwierige Akustik im Dom, welche sich durch die vielen Anbauten (vor allem der gotischen Kapellenreihen, s. o. Geschichte) ist es eine besondere Herausforderung, Domorganist in Mainz zu sein. Der Nachhall jedes angespielten Tones beträgt über sechs Sekunden, die im Osten angespielten Töne hört der Organist nur mit kleiner Zeitverzögerung.
Glocken
Der Mainzer Dom verfügt heute über neun Glocken, die allesamt im gotischen Glockengeschoß im westlichen Vierungsturm eingebaut sind. Größte Glocke ist die Martinus-Glocke mit 3.350 kg, gefolgt von der Marienglocke mit 2.000 kg, der Josephsglocke mit 1050 kg und der Bonifatiusglocke mit 550 kg. Diese vier Glocken wurden als aufeinander abgestimmtes Geläute 1809 von Joseph Zechbauer in Mainz gegegossen. Sie überstanden als einzige die Widrigkeiten der beiden Weltkriege, bei denen viele Glocken zum EInschmelzen für die Waffenproduktion abgegeben werden mussten. 1960 wurden sie durch weitere vier Glocken ergänzt, die Albertus-Glocke (1994 kg), die Willigis-Glocke (1607 kg), die Bilhildis-Glocke (548 kg) und die Lioba-Glocke (147 kg). Diese Glocken wurden von Friedrich Wilhelm Schilling geschaffen. 2002 folgte als neunte Glocke die Heilig-Geist Glocke (274 kg) aus der Kunsthandlung der Abtei Maria Laach.
Die Maße des Domes
- Länge über alles: 109 m innen, 116 m außen
- Länge des Mittelschiffs: 53 m
- Breite des Mittelschiffs: 13,5 m
- Höhe des Mittelschiffs: 29 m
- Lichte Höhe der Ostkuppel: 38 m
- Lichte Höhe der Westkuppel: 44 m
Sonstiges
- Der 50. Breitengrad verläuft durch den Mainzer Dom.
- 1184 feierte Kaiser Barbarossa am Pfingstfest die Schwertleite seiner Söhne im Mainzer Dom. Das dazu gegebene Fest ging als größtes Fest des Mittelalters in die Geschichte ein.
Weblinks
Siehe auch: Liste von Kathedralen und Domen, Liste bekannter Kirchengebäude, Liste der Bischöfe von Mainz
Literatur
- Lebendiger Dom - St. Martin zu Mainz in Geschichte und Gegenwart, Hrsg.: Barbara Nichtweiß, Philipp v. Zabern Verlag, Mainz 1998
- Deutsche Romanik, Bernhard Schütz, Wolfgang Müller; Herder Verlag, Freiburg i. Br. 1989
- Mainz - Die Geschichte der Stadt, Hrsg.: Franz Dumont, Ferdinand Scherf, Friedrich Schütz; 2. Aufl.; Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1999