Zum Inhalt springen

„Amtsgericht Zittau“ – Versionsunterschied

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
[gesichtete Version][gesichtete Version]
Inhalt gelöscht Inhalt hinzugefügt
Gerichtsgebäude
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 9: Zeile 9:
== Übergeordnete Gerichte ==
== Übergeordnete Gerichte ==
Dem Amtsgericht Zittau ist das [[Landgericht Görlitz]] unmittelbar übergeordnet. Zuständiges Oberlandesgericht ist das [[Oberlandesgericht Dresden]].
Dem Amtsgericht Zittau ist das [[Landgericht Görlitz]] unmittelbar übergeordnet. Zuständiges Oberlandesgericht ist das [[Oberlandesgericht Dresden]].

== Geschichte ==
In Zittau bestand bis 1879 das [[Gerichtsamt Zittau]] als Eingangsgericht. Im Rahmen der [[Reichsjustizgesetze]] wurden 1879 im [[Königreich Sachsen]] die Gerichtsämter aufgehoben und [[Amtsgericht]]e, darunter das Amtsgericht Zittau, geschaffen. Der Gerichtssprengel umfasste Zittau, [[Bertsdorf-Hörnitz|Althörnitz]] mit dem Fuchs, [[Bertsdorf]] mit Colonie Hänischmühle, [[Dittelsdorf]] mit [[Schlegel (Zittau)|Schlegeler]] Feldhäusern, Viehbig, Vierhäusern und Wittgensdorfer Feldhäusern, [[Drausendorf]], [[Eckartsberg (Mittelherwigsdorf)|Eckartsberg]] mit Lehdegärten und oberem Hasenberg, [[Eichgraben]], [[Großporitsch]], [[Hain]], [[Hartau (Zittau)|Harthau]], [[Hirschfelde (Zittau)|Hirschfelde]] mit Lehdenhäusern und Viehbig, [[Jonsdorf|Johnsdorf]] (Alt- und Neu-), [[Sieniawka|Kleinschönau]] mit Kleinporitzsch und Luptin, [[Lückendorf]], [[Mittelherwigsdorf]] mit Scheibe, Gampenstein und Landbergshäusern, [[Mitteloderwitz]] mit Kreischerhof, Dreihäusern und Viehwegshäusern, [[Bertsdorf-Hörnitz|Neuhörnitz]], [[Niederoderwitz]], [[Oberherwigsdorf]] bei Zittau, [[Oberseifersdorf]] mit Feldgärten auf der Romerei, [[Oberullersdorf]], [[Olbersdorf]] (Nieder- und Ober-) mit niederem Viehbig nach Osten und nach Westen und mit oberem Viehbig nach Osten und Westen, [[Oybin]], [[Pethau]], [[Radgendorf]], [[Trzciniec (Bogatynia)|Rohnau]] mit Feldgütern, Grund und Hältern, [[Rosenthal (Wilkau-Haßlau)|Rosenthal]], [[Turoszów|Scharre]] und [[Wittgendorf (Zittau)|Wittgendorf]] mit Romerei.<ref>Sächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt von 1879 S. 268 ff., [https://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/8340/298 Digitalisat]</ref> Das Amtsgericht Zittau war eines von 18 Amtsgerichten im Bezirk des [[Landgericht Bautzen|Landgerichtes Bautzen]]. Der Amtsgerichtsbezirk umfasste danach 47.736 Einwohner. Das Gericht hatte damals fünf Richterstellen und war das größte Amtsgericht im Landgerichtsbezirk. Am Amtsgericht war eine Kammer für Strafsachen und eine Kammer für Handelssachen eingerichtet.<ref>Carl Pfafferoth: Jahrbuch der deutschen Gerichtsverfassung, 1888, S. 421 [https://archive.org/details/jahrbuchderdeut00pfafgoog/page/n432/mode/2up?view=theater online]</ref>

Das [[Amtsgericht Reichenau]] wurde zwar ebenfalls im Gesetz von 1879 aufgeführt, wurde jedoch erst zum 1. Juli 1898 gebildet. Bis dahin verwaltete das Amtsgericht Zittau dessen Sprengel mit. Mit der Einrichtung des Amtsgerichtes Reichenau 1898 wechselten [[Biedrzychowice Górne|Friedersdorf]], [[Białopole (Bogatynia)|Sommerau]] und [[Pasternik|Zittel]] zum Amtsgericht Zittau.

Der östliche Teil des Amtsgerichtsbezirkes wurde 1945 durch die Siegermächte von Deutschland abgetrennt und unter polnische Verwaltung gestellt.

Mit dem Gerichtsverfassungsgesetz vom 2. Oktober 1952 wurde das Amtsgericht Zittau in der [[DDR]] aufgehoben und das [[Kreisgericht Zittau]] an seiner Stelle eingerichtet. Gerichtssprengel war nun der [[Kreis Zittau]]. Mit dem [[Sächsisches Gerichtsorganisationsgesetz|Sächsischen Gerichtsorganisationsgesetz]] entstand das Amtsgericht Zittau 1992 neu, nun aber als Teil des Sprengels des Landgerichtes Görlitz.


== Gerichtsgebäude ==
== Gerichtsgebäude ==
Zeile 15: Zeile 24:


1911–1914 wurde das heutige Amtsgerichtsgebäude (Lessingstraße 1) erbaut. Es zeigt die für die Zeit typischen neobarocken Formen und liegt in ortsbildprägender Lage am Ring (Theaterring). Es ist baugeschichtlich, ortsgeschichtlich, künstlerisch und städtebaulich von Bedeutung und steht daher ebenfalls unter Denkmalschutz.
1911–1914 wurde das heutige Amtsgerichtsgebäude (Lessingstraße 1) erbaut. Es zeigt die für die Zeit typischen neobarocken Formen und liegt in ortsbildprägender Lage am Ring (Theaterring). Es ist baugeschichtlich, ortsgeschichtlich, künstlerisch und städtebaulich von Bedeutung und steht daher ebenfalls unter Denkmalschutz.

== Leitende Richter ==
* 1879 bis 1887 Karl Hermann Ferdinand Lachmann (bis 1879 Gerichtsamtmann beim Gerichtsamt Zittau)
* 1888 bis 1894 Moritz Robert Schröder
* 1895 bis 1899 Hermann August Heinzmann
* 1900 bis 1914 Karl Friedrich Beck
* 1918 bis 1921 Hermann Rößler
* 1924 bis 1933 Dr. Josef Edgar Johannes Schüller
* 1933 bis 1935 Dr. Möller
* 1936 bis 1938 Dr. Herbert Denecke
* 1941 Herr Reuschele


== Siehe auch ==
== Siehe auch ==
Zeile 27: Zeile 47:
{{Commonscat}}
{{Commonscat}}
* [https://www.justiz.sachsen.de/agzi/ Internetpräsenz des Amtsgerichts Zittau]
* [https://www.justiz.sachsen.de/agzi/ Internetpräsenz des Amtsgerichts Zittau]
* [https://www.archiv.sachsen.de/archiv/bestand.jsp?oid=02.03.04.02.07&bestandid=50068&_ptabs=%7B%22%23tab-einleitung%22%3A1%7D#einleitung Bestand 50068 Amtsgericht Zittau]
* [https://dejure.org/dienste/rechtsprechung?gericht=AG%20Zittau Übersicht der Rechtsprechung des Amtsgerichts Zittau]
* [https://dejure.org/dienste/rechtsprechung?gericht=AG%20Zittau Übersicht der Rechtsprechung des Amtsgerichts Zittau]



Version vom 17. Oktober 2021, 11:58 Uhr

Gerichtsgebäude
Großer Sitzungssaal im Amtsgericht Zittau

Das Amtsgericht Zittau ist ein Gericht der ordentlichen Gerichtsbarkeit und eines von insgesamt 25 Amtsgerichten im Freistaat Sachsen.

Gerichtssitz und -bezirk

Der Gerichtsbezirk des Amtsgerichts Zittau umfasst die Gemeinden Bertsdorf-Hörnitz, Dittelsdorf, Großschönau, Hainewalde, Jonsdorf, Leutersdorf, Mittelherwigsdorf, Oderwitz, Olbersdorf, Ostritz, Oybin, Seifhennersdorf, Waltersdorf und Zittau (§ 1 Abs. 4, Anlage Nr. 24 Sächsisches Justizgesetz). Das Gericht hat seinen Sitz in 02763 Zittau, Lessingstraße 1.

Übergeordnete Gerichte

Dem Amtsgericht Zittau ist das Landgericht Görlitz unmittelbar übergeordnet. Zuständiges Oberlandesgericht ist das Oberlandesgericht Dresden.

Geschichte

In Zittau bestand bis 1879 das Gerichtsamt Zittau als Eingangsgericht. Im Rahmen der Reichsjustizgesetze wurden 1879 im Königreich Sachsen die Gerichtsämter aufgehoben und Amtsgerichte, darunter das Amtsgericht Zittau, geschaffen. Der Gerichtssprengel umfasste Zittau, Althörnitz mit dem Fuchs, Bertsdorf mit Colonie Hänischmühle, Dittelsdorf mit Schlegeler Feldhäusern, Viehbig, Vierhäusern und Wittgensdorfer Feldhäusern, Drausendorf, Eckartsberg mit Lehdegärten und oberem Hasenberg, Eichgraben, Großporitsch, Hain, Harthau, Hirschfelde mit Lehdenhäusern und Viehbig, Johnsdorf (Alt- und Neu-), Kleinschönau mit Kleinporitzsch und Luptin, Lückendorf, Mittelherwigsdorf mit Scheibe, Gampenstein und Landbergshäusern, Mitteloderwitz mit Kreischerhof, Dreihäusern und Viehwegshäusern, Neuhörnitz, Niederoderwitz, Oberherwigsdorf bei Zittau, Oberseifersdorf mit Feldgärten auf der Romerei, Oberullersdorf, Olbersdorf (Nieder- und Ober-) mit niederem Viehbig nach Osten und nach Westen und mit oberem Viehbig nach Osten und Westen, Oybin, Pethau, Radgendorf, Rohnau mit Feldgütern, Grund und Hältern, Rosenthal, Scharre und Wittgendorf mit Romerei.[1] Das Amtsgericht Zittau war eines von 18 Amtsgerichten im Bezirk des Landgerichtes Bautzen. Der Amtsgerichtsbezirk umfasste danach 47.736 Einwohner. Das Gericht hatte damals fünf Richterstellen und war das größte Amtsgericht im Landgerichtsbezirk. Am Amtsgericht war eine Kammer für Strafsachen und eine Kammer für Handelssachen eingerichtet.[2]

Das Amtsgericht Reichenau wurde zwar ebenfalls im Gesetz von 1879 aufgeführt, wurde jedoch erst zum 1. Juli 1898 gebildet. Bis dahin verwaltete das Amtsgericht Zittau dessen Sprengel mit. Mit der Einrichtung des Amtsgerichtes Reichenau 1898 wechselten Friedersdorf, Sommerau und Zittel zum Amtsgericht Zittau.

Der östliche Teil des Amtsgerichtsbezirkes wurde 1945 durch die Siegermächte von Deutschland abgetrennt und unter polnische Verwaltung gestellt.

Mit dem Gerichtsverfassungsgesetz vom 2. Oktober 1952 wurde das Amtsgericht Zittau in der DDR aufgehoben und das Kreisgericht Zittau an seiner Stelle eingerichtet. Gerichtssprengel war nun der Kreis Zittau. Mit dem Sächsischen Gerichtsorganisationsgesetz entstand das Amtsgericht Zittau 1992 neu, nun aber als Teil des Sprengels des Landgerichtes Görlitz.

Gerichtsgebäude

Altes Amtsgericht

Das Amtsgericht nutzte zunächst das 1678 erbaute Gebäude des ehemaligen Gerichtsamtes (Markt 24). Der repräsentativer Barockbau mit Lisenengliederung und schönem Portal mit gesprengtem Giebel, erbaut als Wohnhaus des Bürgermeisters Johann Philipp Stoll wurde später zum Amtsgericht umgebaut (Trakt in der Brunnenstraße ehem. Gefängnis). Es ist baugeschichtlich, ortsgeschichtlich, künstlerisch und städtebaulich von Bedeutung und steht daher unter Denkmalschutz.

1911–1914 wurde das heutige Amtsgerichtsgebäude (Lessingstraße 1) erbaut. Es zeigt die für die Zeit typischen neobarocken Formen und liegt in ortsbildprägender Lage am Ring (Theaterring). Es ist baugeschichtlich, ortsgeschichtlich, künstlerisch und städtebaulich von Bedeutung und steht daher ebenfalls unter Denkmalschutz.

Leitende Richter

  • 1879 bis 1887 Karl Hermann Ferdinand Lachmann (bis 1879 Gerichtsamtmann beim Gerichtsamt Zittau)
  • 1888 bis 1894 Moritz Robert Schröder
  • 1895 bis 1899 Hermann August Heinzmann
  • 1900 bis 1914 Karl Friedrich Beck
  • 1918 bis 1921 Hermann Rößler
  • 1924 bis 1933 Dr. Josef Edgar Johannes Schüller
  • 1933 bis 1935 Dr. Möller
  • 1936 bis 1938 Dr. Herbert Denecke
  • 1941 Herr Reuschele

Siehe auch

Commons: Amtsgericht Zittau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 50° 53′ 58,4″ N, 14° 48′ 26,8″ O

  1. Sächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt von 1879 S. 268 ff., Digitalisat
  2. Carl Pfafferoth: Jahrbuch der deutschen Gerichtsverfassung, 1888, S. 421 online