Zschochersche Straße
| Zschochersche Straße | ||
|---|---|---|
| Zschochersche Straße in Höhe der Elster-Passage (2026) | ||
| Basisdaten | ||
| Ort | Leipzig | |
| Ortsteil | Lindenau, Plagwitz | |
| Hist. Namen | Carl-Goerdeler-Straße (von 1945 bis 1953), Philipp-Müller-Straße (von 1953 bis 1991) | |
| Anschlussstraßen | Jahnallee, Dieskaustraße | |
| Bauwerke | Georg-Elser-Brücke, Musikalische Komödie, Alter Felsenkeller, Holzhaus Z8, Georg-Maurer-Bibliothek, Felsenkeller, Unikatum Kindermuseum, König-Johann-Brücke, Brauerei C. W. Naumann, Philipp Swiderski Maschinenbaufabrik, Kammgarnspinnerei Stöhr | |
| Nutzergruppen | Fußverkehr, Radverkehr, Autoverkehr, Straßenbahn | |
| Technische Daten | ||
| Länge | 2035 m[1] | |
Die Zschochersche Straße ist eine Hauptverkehrsstraße in Leipzig, die durch drei Ortsteile[2] der Leipziger Stadtbezirke Altwest und Südwest führt. Sie ist nach den Ortsteilen Kleinzschocher und Großzschocher benannt[2], in deren Richtung sie führt. Die Zschochersche Straße hieß von 1945 bis 1953 Carl-Goerdeler-Straße und von 1953 bis 1991 Philipp-Müller-Straße[2].
Lage und Verlauf
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Zschochersche Straße beginnt im Ortsteil Altlindenau an einer Kreuzung mit Jahnallee und Kuhturmstraße und führt etwas mehr als 2 km nach Süden. Sie durchquert die Ortsteile Lindenau und Plagwitz und endet am Ende des letzteren an einer Kreuzung, die „Adler“ genannt wird. Die Straße führt geradeaus unter dem Namen Dieskaustraße weiter nach Süden.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Zschochersche Straße folgt dem Verlauf der alten Landstraße von Lindenau nach Südwesten, die westlich an den Dorfkernen von Plagwitz und Kleinzschocher vorbeiführte. Der Abschnitt nördlich der Felsenkellerstraße gehörte schon zur mittelalterlichen Via Regia.[1] Die Zschochersche Straße verläuft am Terrassenrand zum tiefer liegenden Elsterbereich. An einigen Stellen tritt das Gestein als Grauwacke zutage[3].
Abschnitte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Von der Jahnallee bis Karl-Heine-Straße
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Unterschied zu ihrem ansonsten fast geraden Verlauf weist die Zschochersche Straße an ihrem Beginn im Ortsteil Altlindenau ein paar Kurven auf. Die Überquerung der Luppe auf der Georg-Elser-Brücke (bis 2020 „Gasthofbrücke“)[1] ist von der Straße aus kaum wahrnehmbar. Auf der Westseite, an der Einmündung der Dreilindenstraße, befindet sich die Musikalische Komödie. Es folgt die Kreuzung mit einer mehrspurigen Hauptverkehrsstraße (nach Westen als Lützner Straße, nach Osten Bowmanstraße). Hier beginnt der Ortsteil Lindenau.
An der Einmündung der Felsenkellerstraße befindet sich das Holzhaus Z8. Auf der gegenüberliegenden östlichen Straßenseite mündet die von Südosten kommende Erich-Zeigner-Allee. Auf ihrem Weg nach Süden steigt die Zschochersche Straße etwas an. Auf ihrer westlichen Seite befinden sich die denkmalgeschützten Gebäude der Georg-Maurer-Bibliothek, die zur Stadtbibliothek Leipzig gehört[4], und des Veranstaltungszentrums Felsenkeller (1890 Ballhaus Felsenkeller). Der Alte Felsenkeller liegt ebenfalls in diesem Straßenabschnitt, aber etwas weiter nördlich. Er wurde 1844 mit dem Gartenlokal Belvedere[3] (heute überbaut) eröffnet. Seit dem Ende der 1970er Jahre bis 1990 wurde er als Jugendclub Víctor Jara und dann von 2007 bis 2012 nochmals genutzt.[5] Der Straßenabschnitt endet an der Kreuzung mit der mehrspurigen Karl-Heine-Straße, auf der die Ortsteilgrenze zwischen Lindenau und Plagwitz verläuft. Für den Bau der Karl-Heine-Straße wurde 1855 eine Aufschüttung vorgenommen.[3].
Im Abschnitt von der Jahnallee bis zur Karl-Heine-Straße befinden sich die Hausnummern 1–21 und 2–14 der Zschocherschen Straße.[1]
- Kurviger Verlauf an Einmündung Dreilindenstraße (2015)
- Blick von der Georg-Elser-Brücke auf die kleine Luppe (2026)
- Verkehrsreiche Kreuzung mit Lützener Straße / Bowmanstraße (2015)
- Holzhaus an der Ecke mit der Felsenkellerstraße (2019)
- Zschochersche Straße kurz vor Kreuzung mit Karl-Heine-Straße (2026)
Von der Karl-Heine-Straße bis zum Adler
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Insbesondere ab der Karl-Heine-Straße gibt es zahlreiche Ladenlokale mit Geschäften und Gastronomiebetrieben. Der Bereich ist im Stadtentwicklungsplan Zentren der Stadt Leipzig als „C-Zentrum Plagwitz“[6] dargestellt. Der Häuserblock mit dem früheren Industriebetrieb VEB Vestis wurde zu Beginn der 1990er Jahre zur Elsterpassage umgebaut.[7][3] In diesem Bereich wurde 2025 auf der Straße Tempo 30 angeordnet.[8] Dort befindet sich auch das Unikatum Kindermuseum.
Der Karl-Heine-Kanal wird von der Zschocherschen Straße auf der 1864 fertiggestellten König-Johann-Brücke überquert. Der Einschnitt ist 14 Meter tief.[3] Hinter der Brücke gibt es unter anderem durch das Gebäude Zschochersche Straße 54–56 hindurch einen Zugang zum Stadtteilpark Plagwitz. Dafür wurde ein früherer Gleisanschluss umgebaut. Auf der anderen Straßenseite gründete Karl Heine an der Ecke Eduardstraße 1858 einen landwirtschaftlichen Musterhof (heute überbaut)[3].
Der weitere Straßenverlauf in Richtung Süden wird in hohem Maße durch umgenutzte, aber auch durch leerstehende Industriebetriebe geprägt. Umgenutzt wurde beispielsweise die Brauerei C. W. Naumann, während die denkmalgeschützten Gebäude der Philipp Swiderski Maschinenbaufabrik verfallen. Auf der westlichen Seite befinden sich in umgenutzten Industriegebäuden die Kunst- und Gewerbehöfe Plagwitz, dazwischen auch Einzelhandelsbetriebe wie Penny oder Rewe[9]. Lidl ist auf der anderen Straßenseite. Zu den früheren Industriebetrieben an der Zschocherschen Straße gehörte auch die Kammgarnspinnerei Stöhr.
Das letzte Stück der Zschocherschen Straße bis zum Adler wurde in den 1920er Jahren mit Wohnanlagen bebaut, die unter Denkmalschutz stehen. Für die auf der westlichen Seite stammte der Entwurf von Hubert Ritter, für die auf der östlichen Seite vom Architekten Richard Wagner, hier auch mit Ladenlokalen im Erdgeschoss.[10] Direkt am Adler ist der Schulhof der Schule am Adler zur Zschocherschen Straße hin ausgerichtet.[11]
Im Abschnitt von der Karl-Heine-Straße bis zum Adler befinden sich die Hausnummern 23–105 und 16–94 der Zschocherschen Straße.[1]
Ortsteilgrenzen und Gemarkungsgrenzen stimmen nach der administrativen Gliederung von 1992 nicht mehr überein. Der Ortsteil Kleinzschocher hat keinen Anteil an der Zschocherschen Straße. Anders bei der Gemarkung: Im Süden verläuft die Gemarkungsgrenze zu Kleinzschocher teils am westlichen Straßenrand, teils in Straßenmitte und im Bereich der früheren Kammgarnspinnerei Stöhr noch weiter östlich.[1]
- Unikatum Kindermuseum (2021)
- Zugang zum Stadtteilpark Plagwitz durch das Gebäude Zschochersche Straße 54–56 (2026)
- Zschochersche Straße und Ruinen der Maschinenfabrik Swiderski (2026)
- Umgenutzte Industriehalle an Einmündung Markranstädter Straße (2023)
- Wohnanlage auf der Ostseite der Zschocherschen Straße kurz vor dem Adler (2026)
Öffentlicher Nahverkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Zschochersche Straße ist seit 1897 auch eine Straßenbahntrasse, anfangs unter der Bezeichnung „Kleinzschochersche Straßenbahntrasse“[12]. Heute verkehrt auf der ganzen Länge der Zschocherschen Straße die Straßenbahnlinie 3 mit folgenden Haltestellen:
- Felsenkeller (an der Kreuzung Karl-Heine-Straße)
- Elster-Passage (bis 29. August 1999: Lauchstädter Straße)
- Markranstädter Straße
- Adler (an der Kreuzung Antonienstraße)
Radverkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der fehlende Radweg steht in der Kritik, weil die Möglichkeit, Parallelstraßen zu benutzen, wegen der vielen Ziele auf der Zschocherschen Straße nicht ausreicht. Dazu wurde bei der Stadt Leipzig eine Petition eingereicht[13].
Bewohner
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Am Haus Zschochersche Straße 21[14] wird an die beiden folgenden Bewohner erinnert:
- Erich Zeigner, Oberbürgermeister von Leipzig 1945–1949
- Johanna Landgraf (1908–2012) half jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern sowie anderen Verfolgten in der NS-Zeit.[15][16]
Ein Stolperstein erinnert an
- Irma Rosenhein (1845–1943), Zschochersche Straße 87
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]An der Zschocherschen Straße befinden sich zahlreiche Baudenkmale, im Einzelnen aufgelistet auf folgenden Seiten:
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Gina Klank, Gernoth Griebsch: Lexikon Leipziger Straßennamen. Hrsg.: Stadtarchiv Leipzig. 1. Auflage. Verlag im Wissenschaftszentrum Leipzig, Leipzig 1995, ISBN 3-930433-09-5, S. 230.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Zschochersche Straße in der Fotothek des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig. In: stadtmuseum.leipzig.de. Stadtgeschichtliches Museum Leipzig.
- Kneipenrundgang Zschochersche Straße I. In: geheimtipp-leipzig.de. 5. August 2020.
- Kneipenrundgang Zschochersche Straße 2. In: geheimtipp-leipzig.de. 12. September 2020.
- Maschinenfabrik Swiderski. In: geheimtipp-leipzig.de. 29. März 2017.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 6 André Loh-Kliesch: Zschochersche Straße. In: leipzig-lexikon.de. Abgerufen am 22. März 2026.
- 1 2 3 Zschochersche Straße. In: leipzig.de. Stadt Leipzig, abgerufen am 4. März 2026.
- 1 2 3 4 5 6 Pro Leipzig e.V. (Hrsg.): Im Leipziger Elsterland. Plagwitz, Schleussig, Kleinzschocher, Grosszschocher, Windorf, Knautkleeberg, Knauthain, Hartmannsdorf. Leipzig 1997, ISBN 3-9805368-3-1, S. 9, 49, 50, 60, 89.
- ↑ Obwohl die Adresse seit der kommunalen Gliederung von 1992 zum Ortsteil Lindenau gehört, wird die Bibliothek offiziell weiterhin als „Bibliothek Plagwitz ‚Georg Maurer‘“ bezeichnet, siehe Bibliothek Plagwitz „Georg Maurer“. In: stadtbibliothek.leipzig.de. Abgerufen am 23. März 2026.
- ↑ Mark Daniel: Ehemaliger Club „Victor Jara“ in Leipzig-Plagwitz wird saniert. In: lvz.de. Leipziger Volkszeitung, 12. November 2022, abgerufen am 23. März 2026.
- ↑ Siehe Darstellung C-Zentrum Plagwitz in: Stadtentwicklungsplan Zentren 2016. (PDF) In: leipzig.de. Stadt Leipzig, S. 110, abgerufen am 11. Februar 2026.
- ↑ Elster-Passage. In: leipzigartig.de. Abgerufen am 4. März 2026.
- ↑ Zschochersche Straße in Leipzig: Tempo-30-Zone beschlossen. In: lvz.de. Leipziger Volkszeitung, 29. September 2025, abgerufen am 4. März 2026.
- ↑ Zschochersche Straße - Leipzig. In: jmj-architekten.de. Abgerufen am 4. März 2026.
- ↑ Siehe Darstellung D-Zentrum Adler in: Stadtentwicklungsplan Zentren 2016. (PDF) In: leipzig.de. Stadt Leipzig, S. 112, abgerufen am 11. Februar 2026.
- ↑ André Loh-Kliesch: Die Schule am Adler. In: leipzig-lexikon.de. Abgerufen am 22. März 2026.
- ↑ André Loh-Kliesch: Kleinzschochersche Straßenbahntrasse. In: leipzig-lexikon.de. Abgerufen am 4. März 2026.
- ↑ Einreicher: Uhlig, Matthias / Ökolöwe – Umweltbund Leipzig: Online-Petition: Radwege für die Zschochersche Straße. In: leipzig.de. Stadt Leipzig, 21. Januar 2025, abgerufen am 4. März 2026.
- ↑ Erich-Zeigner-Haus, Leipzig. In: demokratie-geschichte.de. Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte, abgerufen am 22. März 2026.
- ↑ Gerlinde Kämmerer: Landgraf, Lydia Auguste Johanna - Leipziger Frauenporträts. In: leipzig.de. Stadt Leipzig, 2014, abgerufen am 22. März 2026.
- ↑ Mirko Seidel: Leipziger Persönlichkeiten – Lydia Auguste Johanna Landgraf. In: architektur-blicklicht.de. 15. Januar 2022, abgerufen am 22. März 2026.
Koordinaten: 51° 19′ 40″ N, 12° 20′ 9″ O


