Cecenowo
| Cecenowo | ||
|---|---|---|
| ? | ||
| Basisdaten | ||
| Staat: | ||
| Woiwodschaft: | Pommern | |
| Powiat: | Słupski | |
| Gmina: | Główczyce | |
| Geographische Lage: | 54° 39′ N, 17° 33′ O | |
| Einwohner: | 426 | |
| Postleitzahl: | 76-222 Pobłocie | |
| Telefonvorwahl: | (+48) 59 | |
| Kfz-Kennzeichen: | GSL | |
| Wirtschaft und Verkehr | ||
| Straße: | Woiwodschaftsstraße 213: Słupsk ↔ Wicko | |
| Eisenbahn: | PKP229: Lębork–Łeba Bahnstation: Wrzeście | |
| Nächster int. Flughafen: | Danzig | |
| Jahr | Einwohner | Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1818 | 326 | [11] |
| 1910 | 581 | |
| 1925 | 595 | davon 592 Evangelische und drei Katholiken[8] |
| 1933 | 545 | [12] |
| 1939 | 553 | [12] |
Kirche
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Pfarrkirche
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Eine Kirche wurde in Zezenow bereits 1590 erwähnt. Beim Abbruch der alten Fachwerkkirche fand man einen Balken mit einer Jahreszahl aus dem 12. Jahrhundert. In den Jahren 1865 bis 1868 wurde die heutige Kirche neu errichtet. Es handelt sich um einen Backsteinbau in neugotischem Stil, an den Seiten übereinander zwei Reihen spitzbogiger Fenster. Während das Kirchendach mit Ziegelsteinen gedeckt ist, hat der 36 Meter hohe Westturm ein Dach aus Zinkblechen.
Die Kirche hat zahlreiche wertvolle Ausstattungsgegenstände, u. a. die Orgel aus dem Jahre 1870, die ein Werk des Stettiner Orgelbaumeisters Barnim Grüneberg (1808–1907) ist.
Nach 1945 wurde das evangelische Gotteshaus von der polnischen Administration zugunsten der Römisch-katholischen Kirche in Polen zwangsenteignet und vom polnischen katholischen Klerus ‚neu geweiht‘.
Kirchspiel/Pfarrei bis 1945
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit der Reformation war Zezenow – bei überwiegend evangelischer Bevölkerung – ein evangelisches Kirchspiel, Anlässlich einer Kirchenvisitation im Jahre 1590 wurde das Nachbardorf Poblotz (heute polnisch: Pobłocie), das bisher zum Kirchspiel Glowitz (Główczyce) gehört hatte, eingepfarrt. 1710 wurde Zezenow als das kleinste Kirchspiel im kaschubischen Bereich bezeichnet.
Ein Blitz schlug 1735 in die Pfarrscheune ein, die mit dem Pfarrgehöft und der Kirche sowie acht weiteren Bauernhöfen niederbrannte. 1923 wurde das bisher zu Stojentin gehörige Wollin nach Zezenow eingegliedert. Im Jahre 1940 zählte das Kirchspiel insgesamt 1782 Gemeindeglieder und gehörte zum Kirchenkreis Stolp-Altstadt im Ostsprengel der Kirchenprovinz Pommern der Kirche der Altpreußischen Union. Das Kirchenpatronat hatte der jeweilige Gutsherr, zuletzt Wilhelm Siegfried von Zitzewitz inne. Der Bestand an Kirchenbüchern reichte bis 1745 zurück.[13]
Zeznow war früher mit Glowitz ein Hauptsitz der Kaschuben, was auch an die Tätigkeit der Geistlichen Ansprüche stellte, aber auch für Probleme sorgte. So wehrten sich die kaschubischen Bewohner vehement gegen den Amtsantritt von Pfarrer Schimansky, der aber dennoch hier tätig wurde. Pfarrer Lorek hat eine sachverständige Arbeit über die Kaschuben geschrieben und das Volk charakterisiert. Großen Einsatz für die Kaschuben zeitigte dann auch Pfarrer Ziegler, der verständliche und gern gehörte Predigten in Kaschubisch hielt und diese – auch als Hilfestellung für nicht so sprachgewandte Nachbarpfarrer – veröffentlichte. In Zezenow hatte man sie im Pfarrarchiv noch bis 1945 aufbewahrt. Noch 1842 hielt Pfarrer Ziegler hier alle 14 Tage kaschubischen Gottesdienst. Die Zahl der kaschubisch sprechenden Bevölkerung sank jedoch mehr und mehr. So fand im Jahre 1876 der letzte kaschubische Gottesdienst hier statt.
Das katholische Kirchspiel war in Stolp.
Polnisches Kirchspiel seit 1945
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die seit 1945 und Vertreibung der einheimischen Dorfbewohner anwesende polnische Einwohnerschaft ist überwiegend katholisch. Der Ort ist Pfarrsitz mit den Nachbardörfern Pobłocie und Wolinia; die Pfarrei ist in das Dekanat Łeba (Leba) im Bistum Pelplin der Katholischen Kirche in Polen eingebunden.
Für hier lebende evangelische Polen ist Główczyce (Glowitz) das nächstgelegene Kirchdorf, das Filialort der Kreuzkirchengemeinde in Stolp in der Diözese Pommern-Großpolen der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen ist.
Schule
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bereits 1705 wird für Zezenow als Lehrer ein Paul Sylvester genannt, der als Weber 1667 in das Amt berufen worden war. Bis 1750 ist für Zezenow eine Winterschule überliefert. Damals gab es hier 80 Schulkinder. Nach einem Brand im Jahre 1846 bekam der Ort ein neues Schulgebäude, das noch bis 1945 bestand. 1932 war die Schule dreistufig: 97 Schulkinder wurden von zwei Lehrern in drei Klassen unterrichtet.
Gutshaus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das alte Wohnhaus des Rittergutes, eingeschossig und mit behäbigem Mansarddach abgeschlossen, wurde in den Jahren 1812 bis 1814 von Kaspar Wilhelm von Zitzewitz errichtet. 1858 und noch einmal 1868 erhielt es unter Wilhelm von Zitzewitz neue Anbauten. Es handelte sich um ein dreiteiliges Schloss mit wuchtigem Turm, der weithin bis über die Leba sichtbar war.
Sage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahr 1779 berichtete der Stolper Lokalhistoriker Christian Wilhelm Haken (1723–1791) über die Kaschuben in Zezenow folgendes:
„Die Cassuben stecken noch tief im Aberglauben. Diesen üben sie aus bey Heilung ihrer und ihres Viehes Krankheiten, und um sich fruchtbar zu machen, durch die vorgegebene Kunst, hexen zu können. Vor nicht gar vielen Jahren wollte kein Mensch mehr durch das Dorf Zetzenow fahren, denn er lief Gefahr, daß ihm ein Pferd oder Ochse umfiel, wenigstens lahm ward. Der verstorbene rechtschaffene Pastor Beyer kam endlich dahinter, und entdeckte ein Kraut bey ihnen, das so giftig war, daß wenn das Vieh nur daran roch, noch mehr aber wenn es davon fraß, so war die Hexerey in wenigen Minuten fertig; als es aber weggeschafft war, hörte sie auf.[14]“
Pfarrer Georg Beyer war in Zezenow über den Zeitraum 1728–1744 hinweg im Amt.
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Söhne und Töchter des Ortes
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ernst von Zitzewitz (1873–1945), Landeshauptmann des Provinzialverbands Pommern von 1925 bis 1934
- Christoph Hinz (1928–1991), Magdeburger Propst
Persönlichkeiten, die im Ort gewirkt haben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Wilhelm von Zitzewitz (1838–1925), preußischer Politiker, war seit 1865 Gutsherr auf Zezenow und verstarb hier am 20. November 1925. Er wurde 1909 durch Kaiser Wilhelm II. in den Grafenstand erhoben.
Verkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die von Stolp über Główczyce nach Wicko (Vietzig) und weiter bis Celbowo (Celbau) im Powiat Pucki (Putzig) führende Woiwodschaftsstraße 213 verläuft mitten durch den Ort.
Die nächste Bahnstation ist Wrzeście (Freest) an der Staatsbahnstrecke 229 von Lębork nach Łeba. Zwischen 1902 und 1933 war das damalige Zezenow Endpunkt einer Kleinbahnstrecke der Stolper Bahnen von Stolp über Dargeröse (Dargoleza) nach hier in den Nordosten des Landkreises Stolp. 1935 wurde der bis dahin nur stillgelegte Streckenabschnitt Dargeröse–Zezenow ganz geschlossen, der übrige Streckenteil dann 1945.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Zezenow, Dorf und Rittergut, Kreis Stolp, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Zezenow (meyersgaz.org)
- Pommersches Güter-Adressbuch, Friedrich Nagel (Paul Niekammer), Stettin 1892, S. 166–167 (Google Books).
- P. Ellerholz: Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche, Band 2: Provinz Pommern, 2. Auflage, Nicolai (Stricker), Berlin 1884, S. 96–97 (Google Books).
- Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 1021–1022, Ziffer 167 (Google Books).
- Ludwig Böttger: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Regierungs-Bezirks Köslin, Band 2, Heft 1: Kreis Stolp, Saunier, Stettin 1894, S. 108–109 (Google Books).
- Karl-Heinz Pagel: Der Landkreis Stolp in Pommern. Lübeck 1989, S. 1049–1055; Ortsbeschreibung Zezenow. (PDF; 1,5 MB) stolp.de
- Ernst Müller: Die Evangelischen Geistlichen Pommerns von der Reformation bis zur Gegenwart. Teil 2. Stettin 1912.
- Hans Glaeser-Swantow: Das Evangelische Pommern. Teil 2. Stettin 1940.
- Zezenow. In: Alexander Duncker (Hrsg.): Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der preußischen Monarchie nebst den königlichen Familien-, Haus-, Fideicommiss- und Schattull-Gütern. Band 16. Duncker, Berlin 1881, Blatt 929 (zlb.de [Text zwei Seiten danach]).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Amtsbezirk Zezenow (Territorial.de)
- Die Gemeinde Zezenow im ehemaligen Kreis Stolp in Pommern ( vom 13. August 2019 im Internet Archive) (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011)
- Ehemaliger evangelischer Friedhof in Zezenow
- Cecenowo im Powiat Słupski (polnisch)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Im Jahr 1867 gab es unter den Einwohnern des Kreises Stolp noch 188 Kaschuben in einigen Dörfern in der Nähe der Küstenseen und im Südosten (Groß Rakitt); vergleiche Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 127–128, Ziffer 4 (Google Books).
- ↑ Eintrag. In: Friedrich Lorentz: Slowinzisches Wörterbuch, osmikon.de; bitte Scannummer 738 (links) wählen. Zum System der Slowinzisch-Lautschrift von Lorentz, vgl. „Slowinzische Grammatik“, S. 13–16 (scan 40–43), anschließend die Lautlehre.
- ↑ Historische Kommission für Pommern: Veröffentlichungen: Pommersches Urkundenbuch, Bände 8–9, 1961
- 1 2 Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2. Stettin 1784, S. 1021, Nr. 167; Textarchiv – Internet Archive.
- ↑ Wobeser: Etwas vom Wohnsitz der Cassuben in Pommern. In: Anton Friedrich Büschings Wöchentliche Nachrichten, 7. Jahrgang, Nr. 23, 7. Juni 1779, Berlin, S. 181–183; Textarchiv – Internet Archive.
- ↑ Kurt Albrecht: Die preußischen Gutsbezirke, in: Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, 67. Jahrgang, Berlin 1927, S. 344–477, insbesondere S. 401 (Google Books).
- ↑ Amtsbezirk Zezenow (Territorial.de)
- 1 2 Die Gemeinde Zezenow im ehemaligen Kreis Stolp in Pommern ( vom 13. August 2019 im Internet Archive) (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011)
- ↑ Klockhausʼ Kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs, Band 1 A, Berlin 1935, S. 1187 (Google Books).
- ↑ Karl-Heinz Pagel: Der Landkreis Stolp in Pommern. Lübeck 1989, S. 1055; Ortsbeschreibung Zezenow (PDF; 1,5 MB) stolp.de
- ↑ A. A. Mützell: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des Preußischen Staats. Band 5, Halle 1823, S. 225; Textarchiv – Internet Archive.
- 1 2 Michael Rademacher: Stolp. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.
- ↑ Martin Wehrmann: Die Kirchenbücher in Pommern, in: Baltische Studien, Band 42, Stettin 1892, S. 201–280, insbesondere S. 275 (Google Books).
- ↑ Christian Wilhelm Haken: Etwas von den Pommerschen Cassuben. In: Anton Friedrich Büschings Wöchentliche Nachrichten. Siebenter Jahrgang, Berlin 1779, Nr. 24, S. 189–193 und Nr. 25, S. 197–201, insbesondere S. 201 unten.

