Yamaha YZF-R 6
Die Yamaha YZF-R6 ist ein Motorrad der Kategorie Supersportler des japanischen Herstellers Yamaha. Sie kam 1999 unter der Typenbezeichnung RJ03 als Nachfolgerin der YZF600R Thundercat auf den Markt und wird bis heute gebaut. Sie ist nach der ein Jahr früher vorgestellten R1 das zweite Modell der Yamaha R-Serie.
Modellgeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]RJ03 (1999–2002)
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Die zum Modelljahr 1999 vorgestellte Yamaha R6 war eine komplette Neukonstruktion und basierte nicht auf dem Vorgängermodell. Der Motor war kompakter als beim Vorgängermodell, weil die Zylinderbank und die obere Kurbelgehäusehälfte einteilig waren. Zudem waren die Getriebewellen übereinander angeordnet. Er hatte geschmiedete Kolben und vergütete Pleuel. Die Zündkerzenstecker hatten integrierte Zündspulen und es waren Zündkerzen mit Doppelelektroden verbaut. Die Fallstromvergaser mit 37 mm großen Durchmessern hatten einen Drosselklappensensor. Der auf 12,4:1 verdichtende Vierzylindermotor leistete 88 kW (120 PS) bei 13.000/min. Das Fahrwerk bestand aus einem Aluminium Brückenrahmen und einer Aluminium Zweiarmschwinge mit geschweißten Oberzügen. Das Vorderrad wurde von einer 43 mm starken Teleskopgabel geführt. Die Federelemente kamen von Kayaba und waren voll einstellbar in Federbasis Zug- und Druckstufendämpfung. Die R6 hatte ein Trockengewicht von 169 kg und ließ im Renntrimm ohne aufzusetzen bis zu 56 Grad Schräglage zu.
Für das Modelljahr 2000 gab es überarbeitete Kolben und eine neue Feder am Schaltmechanismus.
Für das Modelljahr 2001 erhielt die R6 eine technische und optische Überarbeitung. Im Motor gab es Änderungen an Kolben, Pleuel und Schaltwelle. Außerdem gab es andere Krümmerrohre, eine andere Zündung und Änderungen am Lenkschaft und den Lenkerhälften. Bei Ausstattung und Optik wurden ebenfalls Überarbeitungen vorgenommen wie zum Beispiel ein LED-Rücklicht. Das Trockengewicht wurde unter anderem dank leichterer Starterbatterie auf 167,5 Kilogramm reduziert.
RJ05 (2003)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]2003 wurde die R6 tiefgreifender überarbeitet. Mehr als 90 % der Motorenteile wurden geändert, wie zum Beispiel Ventilfedern, Einlassnockenwelle, Kurbelwelle, Kolben, Kolbenringe, Pleuel und Steuerkettenspanner. Wichtigste Modifikation ist die 38 mm Mehrpunkt-Saugrohreinspritzung, die die Vergaser ersetzt. Der neue Motor leistete nominell 86 kW (117 PS) bei nun 13.000/min, hatte aber bereits ab 4000/min spürbar mehr Leistung. Fahrwerksseitig erhielt die R6 einen neuen Aluminiumrahmen, der ebenso wie Heckrahmen und Schwinge im Druckguss-Verfahren hergestellt wurde. Es wurden leichtere Räder mit fünf Speichen verbaut, weshalb etwa 4,5 kg gegenüber dem Vorgängermodell eingespart werden konnten. So wog die neue R6 nur noch 189 kg vollgetankt. Außerdem waren der Scheinwerfer und das Cockpit mit Schaltblitz sowie die Wegfahrsperre neu.
RJ091 (2004)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Für das Modelljahr 2004 wurden nur der Auspuff und die Zündbox geändert, was einen besseren Drehmomentverlauf ergeben sollte.
RJ095 (2005)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zum Modelljahr 2005 erhielt die R6 eine weitere Modellpflege. Auffälligste Änderung war der Einsatz einer 41 mm Upside-Down-Gabel mit radial verschraubten Bremssätteln. Auch die Betätigung der im Durchmesser vergrößerten Vorderradbremse wurde auf eine Radialbremspumpe umgestellt. Der Vorderreifen hatte nun die gängige Dimension 120/70-17 (statt 120/60-17), die Federbeinanlenkung hinten wurde modifiziert. Motorenseitig wurde der Durchmesser der Einspritzanlage auf 40 mm vergrößert und die Ansaugwege umgestaltet. Bemerkenswert ist, dass der Typ RJ095 unter der Bezeichnung YZF-R6 S bis 2009 weiter von Yamaha verkauft wurde.
RJ11 (2006–2007)
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Für 2006 wurde die R6 komplett neu konstruiert. Das neue Modell ist deutlich stärker auf den Rennstreckenbetrieb ausgelegt, was sich besonders in der Motorabstimmung und der Sitzposition zeigte. Der Motor hatte beispielsweise Titanventile und geschmiedete Kolben. Des Weiteren gab es zwei Einspritzdüsen pro Zylinder, elektronisch gesteuerte Drosselklappen (Drive-by-Wire), Anti-Hopping-Kupplung und einen Titan-Endschalldämpfer mit EXUP-Auslasssteuerung und Drei-Wege-Katalysator. Der Motor leistete nun offiziell 93 kW (127 PS; 133 PS mit Ram-Air-Effekt) bei einer Maximaldrehzahl von 17.500/min. In Wirklichkeit lagen diese Werte jedoch etwa bei 90 kW (122 PS) und 16.200/min. Nachteil dieser kurzhubigen und drehzahlorientierten Auslegung ist allerdings, dass der neue Motor weniger Leistung und Drehmoment im unteren und mittleren Drehzahlbereich bereitstellt, was auf der Rennstrecke eher zweitrangig, beim Fahren auf der Landstraße aber negativ spürbar ist. Die große Drehzahlabweichung der R6-Modelle des Baujahres 2006 führte zu Vorwürfen falscher Werbung. Yamaha korrigierte dies schnell, bot in den USA Rückkäufe an und verbesserte das Problem ab dem Modelljahr 2007.
RJ15 (2008–2009)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Modell 2008 wurde in einigen Bereichen optimiert. Zum Beispiel wurden Kolben, Luftfiltergehäuse und der Steuerkettenspanner überarbeitet. Neu waren die elektronisch gesteuerten variablen Ansauglängen. Auch Hauptrahmen und Schwinge, ein Heckrahmen aus Magnesium, Federbein und Bremsscheiben wurden modifiziert. Neue Verkleidungsteile, Scheinwerfer, Spiegel und ein neues Rücklicht ergaben ein überarbeitetes Design.
RJ155 (2010–2016)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Für 2010 bekam die R6 aufgrund strengerer Geräuschemissionen ein überarbeitetes Motormanagement und der Endschalldämpfer war etwas länger. Damit reduzierte sich auch die Leistung auf 124 PS.
RJ27 2017–heute
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit dem Modell 2017 wurde die R6 an das Design der neuen Yamaha YZF-R 1 mit LED-Scheinwerfer angepasst. Zur Gewichtseinsparung ist ihr Tank aus Aluminium und die Hinterradschwinge aus Magnesium gefertigt. Sie teilt auch die voll einstellbare 43-mm-Vordergabel mit der R1. Des Weiteren wurden die 6-stufige Traktionskontrolle, die nach Abgleich von Drehzahlen beider Räder Zündzeitpunkt und Einspritzmenge anpasst, und der Schaltautomat eingeführt. Der Motor kann bis 16000/min drehen. Durch die Anpassung an die Abgasnorm Euro 4 gab es Einbußen bei Leistung und Drehmoment. Für die Rennstrecke wird eine dem Reglement entsprechende Version mit Akrapovic-Abgasanlage, Teilen von Yamahas Tuningabteilung YEC und ohne ABS angeboten.[1] Seit Ende 2020 ist nur noch die Rennsportversion erhältlich.[2]
Technische Daten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Modell | RJ03 (1999–2002) | RJ05 (2003) | RJ091 (2004) | RJ095 (2005–2006) | RJ11 (2006–2007) | RJ15 (2008–2009) | RJ155 (2010–2016) | RJ27 (ab 2017) | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Motortyp | flüssigkeitsgekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor | ||||||||
| Ventiltrieb | DOHC, 16 Ventile, Tassenstößel | ||||||||
| Hubraum | 599 cm³ | ||||||||
| Bohrung × Hub | 65,5 mm × 44,5 mm | 67,0 mm × 42,5 mm | |||||||
| Verdichtung | 12,4:1 | 13,1:1 | |||||||
| Gemischaufbereitung | 4 Keihin-Vergaser 37 mm (CVRD 37) | elektronische Saugrohreinspritzung | |||||||
| Zündung | digitale Zündung | ||||||||
| Abgasreinigung | Ungeregelter Katalysator | Geregelter Katalysator | |||||||
| Nennleistung (Werksangabe) | 88 kW (120 PS) bei 13.000/min |
86 kW (117 PS) bei 13.000/min |
88 kW (120 PS) bei 13.000/min |
93 kW (127 PS) bei 14.500/min |
95 kW (129 PS) bei 14.500/min |
91 kW (123,8 PS) bei 14.500/min |
87,1 kW (118,4 PS) bei 14.500/min | ||
| max. Drehmoment | 68,1 Nm bei 11.500/min |
68,5 Nm bei 12.000/min |
66,4 Nm bei 12.000/min |
66,0 Nm bei 12.000/min |
65,8 Nm bei 11.000/min |
65,7 Nm bei 10.500/min |
61,7 Nm bei 10.500/min | ||
| Getriebe | 6-Gang-Getriebe, manuell | ||||||||
| Kupplung | mechanisch betätigte Mehrscheibenkupplung im Ölbad | mechanisch betätigte Mehrscheiben-Anti-Hopping-Kupplung im Ölbad | |||||||
| Rahmen | Doppelprofilrahmen aus Aluminium | ||||||||
| Radaufhängung vorne | 43-mm-Teleskopgabel, Federvorspannung, Zug- und Druckstufe einstellbar | 41 mm Upside-Down-Gabel, Federvorspannung, Zug- und Druckstufe einstellbar | |||||||
| Radaufhängung hinten | Zentralfederbein mit Ausgleichbehälter, Federvorspannung, Zug- und Druckstufe einstellbar | ||||||||
| Radstand | 1380 mm | 1385 mm | 1380 mm | 1375 mm | |||||
| Lenkkopfwinkel | 66° | 65,5° | 66° | ||||||
| Felgengröße | vorne 3,50 x 17, hinten 5,50 x 17 | ||||||||
| Reifendimension | vorne 120/60 ZR 17 radial, hinten 180/55 ZR17 radial | vorne 120/70 ZR 17 radial, hinten 180/55 ZR17 radial | |||||||
| Bremsen vorne | Doppelscheibenbremse, Ø 298 mm | Doppelscheibenbremse, Ø 310 mm | Doppelscheibenbremse, Ø 320 mm mit ABS | ||||||
| Bremsen hinten | Scheibenbremse, Ø 220 mm | Scheibenbremse, Ø 220 mm mit ABS | |||||||
| Trockengewicht | 181–183 kg[3] | 176–180 kg[3] | 161 kg[4] | 166 kg[5] | 167 kg[1] | ||||
| Leistung | |||||||||
| 0–100 km/h | 3,0–3,35 s[6] | 2,8 s[7] | 3,0 s[8] | ||||||
| Höchstgeschwindigkeit | 253–257 km/h[6] | 253 km/h[7] | 260 km/h[8] | ||||||
| Kraftstoffverbrauch | 6,19 l/100 km[6] | 6,4 l/100 km[7] | 7,0 l/100 km[8] | 6,6 l/100 km | |||||
Rennerfolge
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 2000: Supersport-Weltmeister mit Jörg Teuchert
- 2009: Supersport-Weltmeister mit Cal Crutchlow
- 2011: Supersport-Weltmeister mit Chaz Davies
- 2013: Supersport-Weltmeister mit Sam Lowes
- 2017: Supersport-Weltmeister mit Lucas Mahias
- 2018: Supersport-Weltmeister mit Sandro Cortese
- 2019: Supersport-Weltmeister mit Randy Krummenacher
- 2020: Supersport-Weltmeister mit Andrea Locatelli
- 2021: Supersport-Weltmeister mit Dominique Aegerter
- 2022: Supersport-Weltmeister mit Dominique Aegerter
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Jürgen Gaßebner: Rennmaschinen: Superbike und Supersport-Motorräder. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2001, ISBN 3-613-02172-2, Seite 126 und 127 (Reihe Typenkompass)
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- https://www.motorradonline.de/ratgeber/yamaha-yzf-r6-gebrauchtberatung-geht-wie-geschnitten-brot/
- yamaha-motor.de: Yamaha YZF-R6
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b Tobias Münchinger: Yamaha YZF-R6 (2017) im Fahrbericht: Wie gut ist das 2017er-Modell? In: motorradonline.de. 1. Februar 2019, abgerufen am 20. Dezember 2022.
- ↑ Rolf Lüthi: Yamaha R6 Race: Nur noch für die Rennstrecke. In: speedweek.com. 17. November 2020, abgerufen am 20. Dezember 2022.
- ↑ a b Sportbike Weights and Measurements. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 26. Dezember 2016; abgerufen am 22. Juli 2016. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- ↑ Duke, Kevin (2007-03-24). "2007 Supersport Shootout V". Motorcycle USA. Seite 6
- ↑ Yamaha Motor Europe: (title). In: yamaha-motor.eu. Abgerufen am 22. Juli 2016 (englisch).
- ↑ a b c Motorcycle Consumer News: Performance Index '10. (PDF) Bowtie Magazines, 2010, archiviert vom am 15. Februar 2010; abgerufen am 3. Januar 2010 (englisch).
- ↑ a b c Canet Don, (Juni 2001), "Stompin’ 600s", Cycle World (Hachette Filipacchi Médias - via General OneFile (benötigt Abonnement)), Seite 64ff.
- ↑ a b c Canet, Don (Juli 2006), "Middleweight Greats", Cycle World (Newport Beach, California: Hachette Filipacchi Media U.S - via Bondi Digital Publishing (benötigt Abonnement)), Band 45 No. 7, Seite 40–52, ISSN 0011-4286