Xanthiosit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem, konnte bisher jedoch nur in Form von mikrokristallinen bis amorphen Mineral-Aggregaten und krustigen Überzügen auf anderen Mineralen entdeckt werden. Die Xanthiosit-Krusten sind durchscheinend und von überwiegend schwefel- bis goldgelber Farbe mit einem Stich ins Grünliche. Die Strichfarbe wurde bisher nicht definiert. Je nach Ausprägung der Aggregate und Krusten zeigen die Oberflächen einen wachsähnlichen Glanz oder sind erdig matt.
1857 erhielt Carl Wilhelm Bergemann vom Mineralienhändler Adam August Krantz eine handgroße Kristallstufe. Diese war zwar Bestandteil einer in Schneeberg aufgekauften Sammlung, sollte allerdings aus einem Uranverbindungen führenden Gang bei Johanngeorgenstadt im sächsischen Erzgebirgskreis stammen. Auf der Stufe fand Bergemann drei neue Nickelminerale, die später als Aerugit, Bunsenit und Xanthiosit bekannt wurden.
Das später als Xanthiosit bekannte Mineral beschrieb Bergemann als lamellenförmige Aggregate bildend und von schwefelgelber Farbe mit einem Stich ins Grünliche. Zudem erkannte er es als wasserfreies Analogon von Annabergit. Bergemann selbst verzichtete auf die Benennung des Minerals, weil es ihm zweckmäßiger erschien, damit zu warten, bis es in größerer Menge aufgefunden würde.[8]
Seinen bis heute gültigen Namen erhielt Xanthiosit vermutlich 1869 durch den französischen Mineralogen Gilbert Joseph Adam (1795–1881[10]), der ihn in einer tabellarischen Übersicht in seiner Publikation Tableau Mineralogique aufführte. Adam gab jedoch keine Erklärung für den Namen ab und einige der in der Tabelle angegebenen Eigenschaften wurden zudem mit denen von Aerugit verwechselt, obwohl er auf die Beschreibungen von Bergemann verwies. In ihrem 1997 veröffentlichten Werk Encyclopedia of Mineral Names von William H. Blackburn und William H. Dennen findet sich zwar die Erklärung, dass der Mineralname auf die griechischen Worte ξανθός [xanthos] für „Gelb“ und θείον [thion oder theion] für „Schwefel“[11] zurückgehen soll. Die Begründung, dass der Name außer in Anlehnung an dessen Farbe auch nach dem fälschlicherweise angenommenem Schwefelgehalt gewählt worden sei, kann jedoch nicht stimmen. Schon Bergemann hatte die chemische Zusammensetzung des Minerals korrekt ermittelt und keinerlei Schwefelbeimengungen gefunden. Entsprechend kann man davon ausgehen, dass der Name sich ausschließlich an die überwiegend schwefelgelbe Farbe des Minerals anlehnt.[4]
Xanthiosit war bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt. Damit hätte Xanthiosit theoretisch den Status eines grandfathered Mineral. 1965 veröffentlichten allerdings R. J. Davis, M. H. Hey und Arthur W. G. Kingsbury eine Neubeschreibung von Xanthiosit und Aerugit aus dem angeblichen Fundort South Terras Mine (auch Resugga & Tolgarrick Mine, Union Mine oder Uranium Mine) bei St Stephen-in-Brannel in der englischen Grafschaft Cornwall (Vereinigtes Königreich),[14] die mit der Veröffentlichung der New mineral names durch Michael Fleischer im Auftrag der Commission on new minerals and mineral names im gleichen Jahr bestätigt wurde.[15] Auch wenn sich der Fundort später als Fälschung erwies (siehe Abschnitt Bildung und Fundorte), bedeutete dies dennoch eine nachträgliche Ankerkennung für beide Minerale. Daher werden diese seitdem in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „1965 s.p.“ (special procedure) geführt.[1]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/A.09-040. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Wasserfreie Phosphate [PO4]3−, ohne fremde Anionen“, wo Xanthiosit zusammen mit Lammerit, Paralammerit (ehemals Lammerit-beta bzw. Lammerit-β) und Stranskiit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VII/A.09 bildet.[5]
Auch die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[16]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Xanthiosit in die Abteilung der „Phosphate usw. ohne zusätzliche Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen Kationen“ zu finden, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 8.AB.25 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat MineralName die System- und Mineralnummer 38.03.02.01. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Phosphate etc.“, wo das Mineral als einziges Mitglied in einer unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 38.03.02 innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Phosphate etc., (A+B2+)3(XO4)2“ zu finden ist.
In der theoretisch idealen Zusammensetzung von Xanthiosit (Ni3As2O8[4]) besteht das Mineral im Verhältnis aus drei Teilen Nickel (Ni), zwei Teilen Arsen (As) und acht Teilen Schwefel (S). Dies entspricht einem Stoffmengenverhältnis (Gewichts-%) von 38,79Gew.-%Ni, 33,01Gew.-%As und 28,20Gew.-%O.[17]
Im Gegensatz dazu fanden sich bei der Analyse natürlicher Mineralproben aus der Typlokalität Johanngeorgenstadt geringe Beimengungen an Bismut, Cobalt und Kupfer.[7]
Xanthiosit bildet sich sekundär in hydrothermalen Nickel-Arsen-Uran-Erzlagerstätten. An seiner Typlokalität in Johanngeorgenstadt trat das Mineral in Paragenese mit gediegen Bismut sowie mit den auf dem Typmaterial gefundenen Mineralen Aerugit und Bunsenit auf.[7]
Bei Xanthiosit handelt es sich um eine sehr selten vorkommende Mineralbildung, von der weltweit bisher nur zwei gesicherte Fundorte bekannt sind (Stand 2025). Außer von seiner Typlokalität, dem Uranverbindungen führenden Gang bei Johanngeorgenstadt im sächsischen Erzgebirgskreis (Deutschland), kennt man das Mineral nur noch aus dem TagebauKm 3, einer Nickel-Lagerstätte zwischen Lavrio und Agios Konstantinos (ehemals Kamariza) im griechischen Regionalbezirk Ostattika.[18]
Bei dem 1965 durch R. J. Davis, M. H. Hey und A. W. G. Kingsbury publizierten Fundort South Terras Mine bei St Stephen-in-Brannel in der englischen Grafschaft Cornwall (Vereinigtes Königreich)[14] handelt es sich dagegen um ein gefälschtes Vorkommen. In den 1990er Jahren konnte belegt werden, dass Kingsbury eine Reihe historischer Stufen aus alten Sammlungen von verschiedenen ausländischen Fundorten umetikettiert und als selbst in Großbritannien gefundene Stücke ausgegeben hatte. Eine ausführliche Zusammenfassung der Fälschungen von Kingsbury findet sich im 2001 von George Ryback, Alan D. Hart und Chris J. Stanley publizierten Artikel A. W. G. Kingsbury's specimens of British minerals.[19]
Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band50, 1965, S.2096–2111 (englisch, rruff.info[PDF; 1,3MB; abgerufen am 21.März 2021]).
J. Barbier, Christopher Frampton:Structures of orthorhombic and monoclinic Ni3(AsO4)2. In: Acta Crystallographica. Section B. Band47, Nr.4, 1991, S.457–462, doi:10.1107/S0108768191002987 (englisch).
William H. Blackburn, William H. Dennen:Encyclopedia of Mineral Names. Band1. Mineralogical Association of Canada, Ottawa, Ontario 1997, ISBN 0-921294-45-X (englisch).
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.428 (englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
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Xanthiosite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 66kB; abgerufen am 11.Oktober 2022]).
12R. J. Davis, M. H. Hey, A. W. G. Kingsbury:Xanthiosite and aerugite. In: Mineralogical Magazine. Band35, 1965, S.72–83 (englisch, rruff.info[PDF; 958kB; abgerufen am 12.Mai 2025]).
↑Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band50, 1965, S.2096–2111 (englisch, rruff.info[PDF; 1,3MB; abgerufen am 12.Mai 2025]).
↑
Fundortliste für Xanthiosit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 12. Mai 2025.
↑George Ryback, Alan D. Hart, Chris J. Stanley:A. W. G. Kingsbury's specimens of British minerals. Part 1: some examples of falsified localities. In: Journal of the Russell Society. Band7, Nr.2, 2001, S.51–69 (englisch, researchgate.net[PDF; 2,0MB; abgerufen am 12.Mai 2025]).