Zum Inhalt springen

Wolfra

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wolfra Bayrische Natursaft Kelterei GmbH[1]
Logo
Rechtsform GmbH
Gründung 1930
Sitz Erding, Deutschland
Leitung Tino Mocken, Felix Müller[1]
Mitarbeiterzahl 85 (2022)[2]
Umsatz 28 Mio. EUR (2019)[3]
Branche Getränkehersteller
Website wolfra.de

Wolfra ist ein deutscher Getränkehersteller und eine Fruchtsaft-Marke.

Unternehmensgeschichte

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolfra wurde 1930 in Wolfratshausen als Genossenschaft „für gärungslose Früchteverwertung“ gegründet;[4] der Firmenname wurde aus dem Ortsnamen abgeleitet.[5] Der Initiator, Andreas Stumpf (* 1886 in Unterspiesheim, † 1963), war nach einer Gärtnerlehre in Reutlingen seit 1911 als Kreisfachberater für Obst- und Gartenbau im Landkreis Wolfratshausen und Lehrer an der Kreislandwirtschaftsschule angestellt, 1916 erhielt er für seine Verdienste um eine bessere Volksgesundheit und die Bekämpfung der „Alkoholpest“ das König-Ludwig-Kreuz.[6][7]

Bei der Entwicklung der keimfreien Lagerung von Süßmost hatte Andreas Stumpf unter anderem den Ernährungswissenschaftler Maximilian Oskar Bircher-Benner in Zürich konsultiert. Im Gründungsjahr 1930 wurden 7700 Liter Süßmost verkauft,[4] im Jahr 1939 waren es zwei Millionen Liter. Erste Produktionsstätte war der Haderbräukeller in Wolfratshausen, eine ehemalige Bierbrauerei. Später kam der Humplbräukeller hinzu.[8]

In der NS-Zeit war Stumpf als Gegner der Partei bekannt und konnte nur mit List seine Firma retten.[9] 1941 zog das Unternehmen nach München-Obersendling in die Baierbrunner Straße.[9] Anfang der 1940er Jahre unterhielt Wolfra auch eine Produktionsstätte als „Böhmerwald Früchteverwertung“ in Stubenbach (heute Prášily, Tschechien), die im Oktober 1943 von Weleda übernommen wurde.[10]

Im Jahr 1975 wurde Wolfra von der Riemerschmid-Gruppe übernommen. 1984 zog Riemerschmid mit Wolfra nach Erding. 1987 wurde Wolfra von Riemerschmid wieder getrennt; bis heute liegt der Firmensitz beider Firmen direkt nebeneinander. Das Betriebsgrundstück hat eine Größe von 45.000 m².[3]

1991 starb der Inhaber Heinrich Riemerschmid (* 1918), der Sohn von Robert Riemerschmid.[11] Die Familie entschloss sich zum Verkauf des Unternehmens; Riemerschmid und Wolfra standen kurz vor der Insolvenz.[12] Wolfra wurde schließlich von Valensina gekauft, Riemerschmid ging 1996 an Underberg.[13] Seit 2001 gehört Valensina zu Sportfit Fruchtsaft.

2018 wurden rund 3.000 Tonnen Äpfel zu 2,3 Millionen Liter Apfelsaft gekeltert; das Angebot umfasst über 50 Saftsorten.[4]

Im März 2025 erwarb Wolfra die Mehrheit am Weinschorlenhersteller Winzz.[14]

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. 1 2 Impressum. Abgerufen am 15. Juli 2024 (deutsch).
  2. Trotz Krise: Wolfra investiert Millionen. 4. September 2022, abgerufen am 10. März 2026.
  3. 1 2 3 Wolfra Fruchtsäfte. Abgerufen am 28. Februar 2020.
  4. 1 2 3 90 Jahre Wolfra. Archiviert vom Original; abgerufen am 12. Februar 2023.
  5. Geschichte (Memento vom 10. Februar 2008 im Internet Archive)
  6. Veranstaltungen & Termine. Abgerufen am 27. Februar 2026.
  7. Redaktion: Andreas Stumpf, ein vergessener Held der fränkischen Geschichte: Wie der Apfel in die Flasche kam vom Historischen Arbeitskreis Grettstadt. In: Mainfranken News. 21. Dezember 2025, abgerufen am 27. Februar 2026.
  8. Stadtarchiv Wolfratshausen: Geschichten aus dem Archiv. Abgerufen am 27. Februar 2026.
  9. 1 2 Ende I. Abgerufen am 28. Februar 2020.
  10. Peter Selg, Susanne H. Gross, Matthias Mochner: Anthroposophie und Nationalsozialismus. Weleda und WALA – die anthroposophischen Arzneimittelfirmen 1933–1945, Basel 2024, S. 458 f.
  11. Deutsche Biographie: Riemerschmid, Heinrich - Deutsche Biographie. Abgerufen am 13. Januar 2022.
  12. 28 Millionen Liter Saft vom Fließband. Abgerufen am 13. Januar 2022.
  13. deutsch-geschichten.de; Anton Riemerschmid (Unternehmensgruppe) (Memento vom 2. Januar 2015 im Internet Archive)
  14. Thomas Klaus: Getränkeindustrie in Bayern - Wolfra übernimmt Mehrheit an Winzz. 7. Februar 2025, abgerufen am 27. Februar 2026 (deutsch).
  15. Wolfra mit Bundesehrenpreis ausgezeichnet. In: Wolfra. 31. Oktober 2023, archiviert vom Original; abgerufen am 15. Juli 2024 (deutsch).