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Wernerbad

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Marodes wassergefülltes Wernerbad, März 2012

Das Wernerbad im Berliner Ortsteil Kaulsdorf wurde 1905 als Freibad Wernersee eröffnet und war bis 2002 geöffnet. Das Bad, eine Mischform aus natürlichem See und erbautem Freibad, existiert noch, eine Wiedereröffnung zeichnet sich nicht ab.

Der Katzenstertpfuhl war ein Toteisloch, also ein kleines in der letzten Eiszeit entstandenes natürliches Gewässer. Aus dem Pfuhl wurde 50 Jahre lang Erde für eine Ziegelei entnommen, sodass der See stetig tiefer wurde. Der See und das gesamte Land gehörte im 19. Jahrhundert dem Großbauern August Giese aus Kaulsdorf, der eine Teilfläche samt dem See, damals auch Achrutenpfuhl genannt, im Jahr 1899 an den Kaulsdorfer Landwirt Wilhelm Werner (1877–1915) verkaufte.[1] Dort eröffnete Werner 1901 die Gaststätte Badeschlösschen und im Jahr 1905 eine Badeanstalt, die bald Wernerbad genannt wurde. Der Katzenstertpfuhl heißt seitdem Wernersee. Am 12. August 1905 gründete sich hier der Kaulsdorfer Schwimmverein Wetterfest; das Datum gilt als offizielle Eröffnung des Bades. Im Sommer gab es Schwimmunterricht für die Kaulsdorfer Kinder, im Winter verwandelte sich der See in eine Natureisbahn. Vier Jahre später gab es am See neben dem Badeschlösschen noch Umkleidekabinen, einen großen Vereinssaal und einen großen Garten.[2] Zum Ende des Zweiten Weltkriegs, 1945 wurde der Badebetrieb eingestellt.[3]

Im Jahr 1951 übernahm der Ost-Berliner Magistrat das Gelände.[2] Zwischen 1957 und 1959 wurde das Freibad Wernersee im Rahmen des Nationalen Aufbauwerks (NAW) wieder benutzbar gemacht und am 15. August 1959 eröffnet.[4] Es verfügte über acht 50-Meter-Bahnen sowie Abteilungen für Schwimmer und Nichtschwimmer. Auf dem Freigelände befanden sich Sportplätze, ein Kinderspielplatz und die nun vom Konsum betriebene kleine Gaststätte.[5] Zudem gab es eine steinerne Pinguingruppe und die Skulptur eines Flusspferdes, die bald als Maskottchen der Freibadeanstalt galten. Beide Kunstwerke hatte der Bildhauer Erwin Kobbert in den 1950er Jahren geschaffen,[6] das Flusspferd steht noch heute in einem Schilfgürtel am Uferstreifen.[7]

Infolge der deutschen Wiedervereinigung und einem politischen Systemwechsel ging der See 1990 in das Eigentum des Berliner Senats über. Dieser übertrug die Badeanstalt und die zugehörigen Einrichtungen vermutlich dem Bezirk Marzahn, ab 1996 betrieben die Berliner Bäderbetriebe das Wernerbad. Im Jahr 2002 wurde es geschlossen, weil die baulichen, technischen und hygienischen Ausstattungen nicht mehr den Standards entsprachen. Die Natur eroberte sich Flächen zurück, die Bauwerke wurden Opfer von Vandalismus. Jahrelang versuchte die Bezirksverwaltung, das Bad zu reaktivieren,[8] auch mithilfe des 1996 gegründeten Bürgervereins ‚Freunde des Wernerbades e. V.‘ Für die Umsetzung fand sich kein Interessent und kein Geldgeber.

Das Berliner Abgeordnetenhaus beschloss 2013, das Gelände, zuvor eine reine Sportfläche, umzuwidmen und einen Bebauungsplan aufzustellen. Vorgesehen war ein Komplex für Demenzkranke mit Restaurant und medizinischen Einrichtungen auf der Fläche, wobei das Ostufer des Wernersees öffentlich zugängig bleiben sollte.[9] Die BIM teilte im Juli 2018 mit, es habe keine zuschlagsfähigen Angebote von Investoren gegeben.[10] Daraufhin kündigte eine Investorengruppe an, gegen diese Entscheidung zu klagen.[11] Das weitere Schicksal des Geländes ist derzeit unklar (Stand: 2026).

Im März 2024 wurde der Vertrag mit der Caritas zum Bau eines Pflegeheims geschlossen. Allerdings scheiterte dieser. Im Herbst 2025 wurden die Gespräche mit Vivantes und anderen Interessenten wieder aufgenommen. Die Hürde besteht in der Ausarbeitung eines Generalmietvertrages für die noch zu errichtenden Gebäude.[12]

Einzelnachweise

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  1. Berlin-Lichtenberg im Wandel der Zeiten, Seite 116.
  2. 1 2 Klaus Tessmann: Wernerbad und Schwimmverein. In: 666 Jahre Kaulsdorf, bei lichtenbergmarzahnplus.de, 6. Dezember 2013.
  3. Das Wernerbad nimmt Formen an. In: Neue Zeit, 2. August 1957, S. 2.
  4. Mit einer zünftigen Wasserschlacht wurde das Wernerbad eingeweiht. In: Neue Zeit. 18. August 1959, S. 6.
  5. Auf ins Wernerbad. In: Neues Deutschland (vollständiger Artikel kostenpflichtig), 14. Mai 1963.
  6. Das vergessene Wernerbad in Mahlsdorf. Bei: pixelgranaten.de/fotografie/lost-places, abgerufen am 27. März 2019.
  7. Sven Kohlmeier: ‚Knautschke‘ soll in Kaulsdorf erhalten bleiben. Bei: sven-kohlmeier.de, abgerufen am 27. März 2019.
  8. Wernerbad in Kaulsdorf soll nächsten Sommer wieder öffnen. In: Berliner Morgenpost, 11. August 2005.
  9. Wernerbad wird endgültig aufgegeben. In: Berliner Morgenpost, 14. Juni 2013.
  10. Harald Ritter: Konzeptverfahren erfolglos beendet. Was wird mit dem Wernerbad? In: Berliner Woche, 23. Juli 2018.
  11. Reinhart Bünger: Berlin stoppt den Bau von Demenzdorf Wernersee. In: Der Tagesspiegel, 8. August 2018.
  12. Wernerbad: Verhandlungen um Pflegeheim gehen in die nächste Runde. 18. September 2025, abgerufen am 26. Mai 2026.

Koordinaten: 52° 31′ 7,7″ N, 13° 36′ 33,8″ O